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Verfasst am: 04.03.08 20:05

Von: Martin Metzenbauer

Fly 737!

Simulator-Erlebnisflüge in Wien.

Ein kurzer Trip von Wien nach Klagenfurt, reine Routine: Ich sitze als "Pilot Flying" rechts vorne im Cockpit unserer Boeing 737-700, neben mir hat es sich Captain Hans Härting bequem gemacht. Wir befinden uns bereits auf dem Endanflug auf die Runway 28 von LOWK, das NAV-Radio ist auf 110,1 und der Kurs auf 285 Grad eingestellt. Ich versuche, den Leitstrahl "händisch" abzufliegen, recht knapp vor der Landung merke ich aber, dass wir zu hoch sind – und dummerweise auch zu schnell. Irgendwie wundere ich mich daher kaum über das "My Controls" in meinem linken Ohr und Hans übernimmt das Steuer. Nach einer elegant geflogenen Linkskurve und einer vollständigen 360-Grad-Runde landet er die 737 problemlos auf der 2.720 Meter langen Runway in Klagenfurt.

Im Normalfall wäre ich jetzt ob meiner Leistung wahrscheinlich als zweiter Bordingenieur auf die Cessna 152 versetzt worden. Glücklicherweise bin ich aber weder ein aktiver Verkehrspilot, noch haben wir uns in einer realen Boeing befunden – obwohl der Stresslevel im Cockpit keinen Unterschied zum "Real Thing" erkennen ließ. Das was wir gerade absolviert haben, war ein Testflug im erst vor kurzem eröffneten "Fly 737"-Simulator im Westen Wiens – und wir sind (trotz meines eher bescheidenen Landeanfluges) schlichtweg begeistert! Hans Härting – im Gegensatz zu mir eben ein echter 737-Captain – ist ganz außer sich vor Entzücken: "Die Performance ist unglaublich!" (und damit war nicht meine gemeint...)

 

Von außen merken nur Insider, was sich innen verbirgt...

 

Gestartet wurde das Projekt von René Billiani und Norbert Pflug-Hofmayr im Jahr 2007, als sich die beiden entschlossen, die bisherige "übliche" Simulator-Fliegerei am 17-Zoll-Monitor gegen etwas Realistischeres einzutauschen. Die beiden wollten aber nicht nur kleckern, sondern gleich klotzen und entschlossen sich, ein komplettes Boeing-Cockpit nachzubauen. Innerhalb weniger Monate entstand dann aus einer Vielzahl von Einzelteilen ein Simulator, der einem "richtigen" Cockpit in den meisten Details nachempfunden wurde.

Nicht weniger als acht Hochleistungscomputer sorgen für einen flüssigen Flugverlauf, das Flight Deck von Cockpitsonic mit den nachgebauten Cockpitelementen schafft ein Feeling wie in einer richtigen Boeing und ein visuelles System mit drei Beamern sorgt für einen ordentlichen Eindruck der Außenwelt.

 

... ein detailgetreu nachgebautes Boeing 737-Cockpit.

 

Wer so ein Projekt auf die Beine stellt, muss natürlich ein echter Freak (natürlich im positiven Sinn) sein: René Billiani – im Brotberuf selbständiger Printing Consultant – ist der virtuellen Fliegerei mittlerweile seit Jahrzehnten verhaftet: Er erinnert sich an die 1980er Jahre, als er auf dem IBM-Personalcomputer seines Bruders erstmals mit dem subLOGIC 1.3 abhob. Das ganze spielte sich auf einem bernsteinfarbenen Monochrom-Monitor ab, wobei beispielsweise die Pistenbegrenzung und die Mittellinie lediglich durch einige wenig elegante Pixel dargestellt wurden. Danach führte er die typische Flightsimmer-Karriere fort, die ihn bis zu den aktuellen Flugsimulator-Versionen aus dem Hause Microsoft führten.

Kompagnon Norbert Pflug-Hofmayr kommt hingegen aus dem reellen Airline-Eck und war 19 Jahre lang im Air Cargo Bereich in Luxemburg tätig. Seine virtuelle Laufbahn nahm beim seinerzeitigen (legendären) subLOGIC ATP seinen Anfang, um ihn heute bis zum FS 9.1 zu führen. Bis zu seinem Einstieg bei "Fly 737" begnügte er sich übrigens "mit einem PC und einem Joystick" und investierte lieber in Rechnerleistung als in weitere Peripheriegeräte. Über eines seiner ersten Investments solcher Art schmunzelt man heute freilich – ein 486DX2 mit 8MB Speicher war seinerzeit ein High End-Gerät...

Einen Cockpitsimulator nur für den fliegerischen "Eigenbedarf" zu bauen, ist natürlich möglich – bei Kosten von jenseits der EUR 70.000 und aufgrund der Nachfrage nach solchen Angeboten, entschieden sich die beiden Enthusiasten allerdings dazu, den Simulator auch zu vermieten. Zu recht günstigen Preisen (30 Minuten reine "Flugzeit" sind bereits um € 89 zu haben) kann man hier seine Fähigkeiten in einem perfekt abgestimmten Ambiente testen. Vor dem Abflug erfolgt noch ein ausführliches Briefing in einer Art Lounge, die mit Business Class-Sitzen und netter Video-Untermalung (Cockpitfilme natürlich) auf den Flug einstimmt. Danach geht es dann auch schon los – mit mehr oder weniger ausführlicher Unterstützung durch einen der beiden Instructors. In einem "echten" Airline-Simulator sind solche Fun-Flüge zwar auch zu buchen – die Preise liegen aber weitaus höher als bei "Fly 737". Und auch wenn es sich um einen reinen Fun-Simulator (also ohne Lizenzierung für die Pilotenausbildung) handelt, ist der Spaß-Faktor aber wohl vergleichbar.

 

So ein Spielzeug hätten wohl viele gerne zuhause...

 

Nach unserer Landung in Klagenfurt ersucht Captain Härting die Instruktoren um das Laden einer ganz speziellen Szenerie: Als waschechter Tiroler möchte er gerne von seinem Heimatflughafen Innsbruck (mit "sch" natürlich) aus starten und eine kleine Runde drehen. Unsere Boeing wird also auf der Runway 26 in Innsbruck positioniert, Hans gibt Gas (und mir gelegentlich ein paar Kommandos) und fliegt die Maschine Richtung Nordwesten, über ein paar Dörfer (von denen er jedes einzelne kennt und mir eine kostenlose Nachhilfestunde in Tiroler Landeskunde gibt) hinweg, um dann über eine erkleckliche Anzahl von Bergen und Tälern auf der Piste 08 sanft aufzusetzen.

 

...auch Menschen, die täglich mit der echten Boeing 737 fliegen, wie Captain Hans Härting.

 

Von der visuellen Umsetzung seiner Heimat ist der Kapitän ganz angetan und streut dem "Fly 737" auch sonst noch Rosen: Besonders gut gefällt ihm neben der Grafik auch die Stabilität der Software-Umsetzung. Einzig die Tatsache, dass die Bedienelemente aus Plastik und nicht aus "Original American Iron" wie in der echten Boeing sind, stört ihn ein wenig. Tatsächlich möchte beispielsweise der Schubhebel eher sanft angegriffen werden. Aber das ist im Wesentlichen schon der einzige Kritikpunkt des Airline-Profis.

Und auch das Resümee des Autors fällt ganz und gar positiv aus: Ein Erlebnisflug im "Fly 737"-Simulator wird seinem Namen wirklich gerecht: Die tolle Ausstattungsqualität, die phantastische Performance, der günstige Preis sowie das nette, hilfsbereite und kompetente Team lassen nur ein abschließendes Statement zu: "Fly 737!"

 

Die sympathische Crew von "Fly 737": René Billiani und Norbert Pflug-Hofmayr.

 

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