Verfasst am: 07.10.08 14:08
Von: Peter Unmuth
Infotage Kommando Luftunterstützung
Am 23. und 24. September wurden vom Österreichischen Bundesheer Infotage zum Thema "Kommando Luftunterstützung" abgehalten. Grund genug für Austrian Aviation Net-Mitarbeiter Peter Unmuth, sich nach Linz und Tulln zu begeben.
Struktur und Aufgaben
Direkt dem Joint Forces Command unterstellt ist die Aviation Brigade mit Sitz in der Vogler Kaserne in Linz. Die Aufgaben, wie zum Beispiel Tactical Air Transport, die Hercules C-130 Operationen, der Betrieb der Luftstützpunkte Linz, Tulln, Aigen sowie 2 bis 5 Aussenstandorte für Helikopter werden von der Aviation Brigade und den unterstellten Einheiten wahrgenommen.
Bei diesen Einheiten handelt es sich um :
- Aviation Wing 1: Unterstützung der Land- und Luftstreitkräfte durch Lufttransport, und -aufklärung, Betrieb der Basen Tulln-Langenlebarn und Wiener Neustadt, Rekrutentraining und Assistenzeinsätze, wie zum Beispiel Brandbekämpfung, Katastrophenhilfe und Unterstützung bei der Grenzüberwachung.
- Aviation Wing HSG Aigen: Unterstützung der Land- und Luftstreitkräfte durch Lufttransport, -aufklärung, Betrieb der Basis Aigen im Ennstal sowie der beiden Aussenstandorte Schwaz und Klagenfurt, Rekrutentraining und Assistenzeinsätze wie zum Beispiel Brandbekämpfung, Katastrophenhilfe und Unterstützung bei der Grenzüberwachung.
- Aviation Maintenance Facilty 1: Sicherstellung der Bereitschaft von C-130, PC-6 sowie der Helikopter. Bodenseitige ATC Ausrüstung, Training des Wartungspersonals.
- Aviation Maintenence Facility 3: Geplante und außerplanmäßige Wartung, sowie Modifikationen an Luftfahrzeugen. Reperatur und Überholung aller Triebwerke von LFZ des Bundesheers (ausgenommen die Eurofighter Triebwerke), Wartung der Elektronikkomponenten und Beschaffungsmanagement.
- Aviation Support Center: Bindeglied zwischen Industrie und Luftwaffe, Bereitstellung von logistischem und kaufmännischem Support sowie Materialanalysen
- Air Base Company: Brandbekämpfung und Rettung auf den Basen, ATC, Fluginformationen und Flugpläne bereitstellen, Pistenreinigung, Enteisung, medizinischer Support.
- Air Signal Company: verantwortlich für die Bereitstellung der Kommunikationseinrichtungen für die Aviation Brigade, Frequenzplanung für spezielle Aufgaben, HF Kommunikation mit den C-130
- 1st und 2nd Light Transport Helicopter Squadron: Lufttransport von Truppen, Material und VIP’s., Medical Evacuation und Casuality Evacuation (Kranken- und Verwundeten Transport)
- Air Transport Squadron: Nationaler und Internationaler Lufttransport von Fracht und Passagieren, MEDEVAC und CASEVAC, Absetzen von Fallschirmspringern
- Air Transport Engineering Support Company: Flightline Service und Line Maintenance für die 3 C-130 und 28 105 Jet Trainer. Bevorratung von Ausrüstung für die C-130 und die Saab 105
- Air Staging Unit: Dispatch der 2 – 6 wöchentlichen Hercules Flüge sowie der zusätzlichen Missionen mit An-124, Il-76 und B737-700 wie zum Beispiel während der Anlaufphase der Operationen im Tschad und der EUFOR Unterstützung, Zollerklärungen.
Lockheed Hercules C-130
Lockheed C130 Hercules 8T-CA.
Die seit 2003 / 2004 im Bestand des Bundesheers befindlichen Hercules aus den Baujahren 1967 bzw. 1968 wurden allesamt gebraucht von der Royal Air Force erworben und sind in Linz stationiert. Von dort aus werden pro Woche zwei bis sechs Missionen geflogen. Hauptaufgabe ist die Unterstützung der EUFOR Mission im Kosovo sowie die Sicherstellung des Nachschubes für die Truppen im Tschad.
Betankungssonde der Hercules.
Da die Strecke in den Tschad zu lange ist, um ohne Zwischenstopp fliegen zu können, wird üblicherweise nach etwa 3,5 Stunden Flugdauer ein Zwischenstopp in Tripolis eingelegt. Von dort sind es dann noch einmal etwa 3,5 Stunden bis in den Tschad. Die an allen drei Flugzeugen vorhandenen Luftbetankungssonden kommen nicht zum Einsatz, da die Piloten dafür nicht ausgebildet sind.
8T-CB in der Wartung.
Geflogen wird die Hercules von zwei Piloten mit Unterstützung durch einen Bordingenieur. Abhängig von der Mission, sind auch ein oder zwei Lademeister mit an Bord.
C-130 Cockpit.
Im Laderaum können 19,7 Tonnen Fracht oder bis zu 92 Soldaten untergebracht werden. Bei voller Beladung verringert sich die maximale Reichweite von 8.000 km auf 3.800 km.
C-130 Laderaum.
Von 1. Jänner bis 23. September 2008 waren die Maschinen 1.150 Stunden in der Luft, der Planwert für das gesamte Kalenderjahr beläuft sich auf 1.300 Stunden.
Pilatus PC 6
Pilatus PC-6 3G-EN.
Seit 1976 in Diensten des Bundesheers, sind alle 13 PC6 in Tulln Langenlebarn stationiert. Die Schweizer Flugzeugtype mit Ihren extremen Kurzstart- und Landeeigenschaften wird für eine Vielzahl von Aufgaben verwendet, wie zum Beispiel Fotoflüge während Überschwemmungen. Dabei wird das betroffene Gebiet im Abstand von mehreren Stunden überflogen und fotografiert. Die dabei aufgenommenen Bilder werden danach von der Einsatzleitung verglichen. Dadurch kann festgestellt werden, in welchen Bereichen das Wasser in welchem Umfang steigt und anhand dieser Beobachtungen der Einsatz entsprechend geplant werden.
Pilatus PC-6 Kabine mit Ausrüstung für Luftaufnahmen.
Neben Zieldarstellungsflügen für Luftzielschießen, Personentransporten (1 Pilot und 6 Passagiere) und medizinische Transporten (2 Stretcher und 2 Sitze) zählen auch Fallschirmspringerflüge, Frachttransporte (mit bis zu 300 kg Fracht auf der Klappe in der Kabine, die dann mit dem Fallschirm abgeworfen wird) und Feuerlöschflüge zum Einsatzgebiet.
Pilatus PC-6 Kabine für Fallschirmspringer.
Interner Wassertank mit 800 l Fassungsvermögen.
Vier PC 6 (3G-EE, 3G-EF, 3G-EG und 3G-EH) wurden modifiziert, um im Tschad eingesetzt werden zu können (dieser Einsatz wurde allerdings bis jetzt nicht durchgeführt). Die Modifikationen umfassen Sandfilter für alle Kühler, zusätzliche Kühleinlässe seitlich an der Cowling, ein Sandschutzblech zwischen Propeller und Lufteinlauf sowie die Montage von Zusatztanks für eine Erhöhung der Reichweite auf 1.400 – 1.500 Kilometer (7,5 Stunden).

PC-6 3G-EF mit Zusatztanks und Schutzblech vor Lufteinlauf.
PC-6 3G-EK.
Die Wartung der Maschinen erfolgt komplett beim Bundesheer. Alle 100 und 200 Stunden bei der Staffel selbst und alle 300 und 600 Stunden in der Fliegerwerft in Tulln. Pro Jahr werden etwa 200 Stunden pro Maschine geflogen.
Agusta Bell 212
Agusta Bell 212 5D-HG.
23 Stück dieser Hubschrauber sind bei der 1. und 2. Staffel im Linz stationiert. Bereits seit 1980 im Einsatz, sollen die Hubschrauber demnächst ein Midlife Update erhalten. Dabei kommt ein modernisiertes Cockpit sowie ein Selbstschutzsystem zum Einbau.
Cockpit der Agusta Bell 212.
Die Kabine der AB 212 kann in ein bis zwei Stunden zu einer Krankentransportplattform umgebaut werden. Dies wird benötigt, um Intensivpatienten zwischen Spitälern zu verlegen wenn der Transport auf der Strasse zu zeitaufwändig wäre.
Agusta Bell 212 Kabine mit Intensivmedizinausrüstung.
Weitere Aufgaben der AB 212 sind Windenoperationen, Brandbekämpfung, Special Operations (Fallschirmspringer und Abseilen von Truppen), Truppen- und VIP-Transporte sowie der Transport von Löschmannschaften, medizinischem Personal und Rettungshunden.
Sikorsky S70 Black Hawk
Sikorsky S70 Black Hawk 6M-BG.
Seit dem Jahr 2002 sind neun Black Hawk (6M-BA bis 6M-BI) im Bestand des österreichischen Bundesheers, die Heimatbasis der Helikopter ist Tulln Langenlebarn. Eingesetzt werden die Hubschrauber für den Lasten- (intern / extern / Winde) sowie für den Personentransport im Rahmen von nationalen und internationalen Taskforces sowie bei der Katastrophenhilfe. Maximal können 4,7 Tonnen intern bzw. 4 Tonnen extern beladen werden. In Maximalkonfiguration können neben der Besatzung bis zu 20 Passagiere transportiert werden, bei der Konfiguration als Krankentransport finden 2 Liegen und Sitze für 6 Personen Platz in der Kabine.

Sikorsky S70 Black Hawk Kabine.
Durch das Rotorenteisungssystem und das ebenfalls eingebaute Wetterradar sind die Black Hawks besonders für Flüge in schlechtem Wetter sowie im Hochgebirge geeignet. Vier Hubschrauber können mit dem System ESSS (External Stores Support System) ausgerüstet werden. Dies ist ein System das welches die Montage von zusätzlichen Lasten außen am Hubschrauber ermöglicht - zum Beispiel Zusatztanks. Mit zwei dieser jeweils 870 Liter fassenden Tanks erhöht sich der Einsatzradius auf bis zu 1.500 Kilometer.
6M-BF mit ESSS und Zusatztanks.
Das mit vier großen Bildschirmen ausgestattete Glas Cockpit der Black Hawk stammt von Rockwell Collins.
Black Hawk Cockpit.
Im Jahr fliegt jeder der 9 Black Hawks im Schnitt um die 200 Stunden. Wartungen sind bei 10 Stunden / 14 Tagen, 30 Stunden / 42 Tagen, 100, 250 und 500 Stunden vorgesehen. Die Type Conversion neuer Piloten, die mindestens 800 Stunden Flugerfahrung besitzen müssen, erfolgt in Langenlebarn, die Simulatorsitzungen werden bei Flight Safety durchgeführt.
Bell OH-58B Kiowa
Bell OH-58B Kiowa 3C-OK.
Elf Stück dieser Mehrzweckhubschrauber sind ebenfalls in Langenlebarn beheimatet. Mit 2 + 2 Mann Besatzung wird der Kiowa zur Unterstützung der Luftraumüberwachung bei Großereignissen (z.B. Fussball-EM, Papstbesuch) aber auch für die Grenzüberwachung eingesetzt. Bei der Überwachung des Grenzraumes zwischen Donau und dem Südburgendland ist das Bundesheer als Unterstützung für die Polizei tätig. Diese Unterstützungsleistung findet hauptsächlich in der Nacht statt, bis die Polizei EC-135 auch diese Aufgabe wahrnehmen können.
Bell OH-58B Kiowa Cockpit.
Sud Aviation Alouette III
Sud Aviation Alouette III 3E-LC.
24 Stück der Alouette III sind in Aigen im Ennstal stationiert. Die Hubschrauber werden als Notarzthubschrauber, für Löscheinsätze sowie als Verbindungs- und Transporthubschrauber eingesetzt. Seit 1967 im Einsatz, werden ab Sommer 2009 acht Stück nach Langenlebarn verlegt und dort als Schulungshubschrauber eingesetzt.
Saab 105 Oe

Saab 105 Oe BB-32.
Ab Beginn der 1970er Jahre wurden 70 Stück der Saab 105 Oe beschafft. Momentan sind noch 28 davon im Bestand. Eingesetzt werden die Saab hauptsächlich als Basic und Advanced Trainer, aber auch die Piloten der Eurofighter können im Jahr maximal 30 Stunden auf der Saab fliegen, da diese pro Stunde wesentlich weniger kostet als der Eurofighter. Weiters wird die Saab 105 als Dogfightpartner für die Eurofighter herangezogen. Seit kurzem wird die Type auch wieder als Unterstützung bei der Luftraumüberwachung eingesetzt.

Saab 105 Oe YE-05.
Pro Jahr fliegen die Saab-Piloten rund 120 Stunden, die gesamte Flotte ist etwa 2.000 Stunden in der Luft.
Bis Ende des Jahres 2008 sollte über einen Ersatz der Saab 105 entschieden werden. Es gab diesbezüglich bereits Verhandlungen mit der Royal Air Force und der Italienischen Luftwaffe, aber auch die Möglichkeit eines Upgrades der Saab-Flotte steht zur Diskussion. Aber: "Nix is Fix."
Links
1. Hubschrauberstaffel
Tigerstaffel
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