Verfasst am: 19.11.08 17:45
Von: Peter Unmuth
Helikopter bei der Schweizer Armee
50.000 Flugstunden Super-Puma, Beschaffung / Einführung EC-635
Anlässlich des Jubiäums "50.000 Flugstunden der Super Pumas" sowie der Einführung der EC-635 bei der Schweizer Luftwaffe fand kürzlich in Alpnach eine Medienpräsentation statt. Alpnach ist seit 1964 eine Helikopterbasis der Schweizer Luftwaffe. Bis 1994 waren auch Flächenflugzeuge wie zum Beispiel die Hawker Hunter oder die F-5 dort stationiert.
Heli Line Up in Alpnach
Von den zwischen 1964 und 1972 beschafften 84 Alouette III sind heute noch 26 im Bestand zu finden. Vom Super Puma / Cougar sind ebenfalls 26 im Einsatz, nämlich 14 Super Puma und 12 Cougar (einer davon für VIP Flüge mit Klimaanlage). Momentan läuft die Einführung des EC-635, von dem nach Abschluss der Fertigung 20 Stück für die Schweizer Luftwaffe fliegen werden. Dieses auf dem EC-135 basierende Muster wird die Alouette III ablösen.
Super Puma
Super Puma T-314
Aus der Evaluierung zu Beginn des Jahres 1980 ging der Aerospatiale Super Puma als Sieger über den Sikorsky Black Hawk hervor. Die ersten 3 Auslieferungen erfolgten 1987 / 88. Unmittelbar nach der ersten Auslieferung stand auch schon die erste Bewährungsprobe bei der Unwetterkatastrophe vom August 1987 an. Erstmals wurde 1999 bei einer Lawinenkatastrophe die Bevölkerung ganzer Täler in tiefer liegende, sichere Gebiete ausgeflogen. Im gleichen Jahr erfolgte der erste Einsatz im Ausland im Rahmen einer UNHCR Mission zu Gunsten der notleidenden Bevölkerung in Moldawien. Bei den Einsätzen im Kosovo ab 2002 sowie in Bosnien ab 2005 kamen die Besatzungen und auch das Bodenpersonals erstmals unmittelbar mit den Folgen eines Krieges in Kontakt. Katastrophenhilfe wurde nach dem Tsunami im Jahr 2005 in Sumatra geleistet und auch bei den Waldbränden 2007 in Griechenland konnten die Super Pumas ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Super Puma (Foto: Schweizer Luftwaffe)
Super Puma T-315 (Foto: Schweizer Luftwaffe)
Um auch in Zukunft für all diese und ähnliche Aufgaben gerüstet zu sein, ist ein Update Programm für die Super Pumas erforderlich. Die immer komplexeren Lufträume und die auch daraus resultierenden höheren Anforderungen an die Avionik verhindern zum Beispiel bereits heute, dass die Super Pumas in Deutschland nach Instrumentenflugregeln fliegen dürfen. Um diese Anforderungen mit dem Super Puma erfüllen zu können, wird das Programm TH-06 durchgeführt. Dieses Programm zum Werterhalt der TH-89 (die Schweizer Bezeichnung für die Super Pumas) besteht im Wesentlichen aus einer Aufrüstung der Avionik und des Cockpits. Der Erstflug des Prototyps ist für den 1. März 2010 geplant. Der Umbau aller weiteren Super Pumas auf den aktualisierten Stand wird bis zum ersten Quartal 2014 bei der Firma RUAG am Standort Emmen erfolgen. Danach sind alle Hubschrauber Cockpits der Schweizer Luftwaffe auf einem deutlich moderneren Stand, was aber auch ein modernes Ausbildungsmittel verlangt. Die Alouette III kann diese Anforderungen dann nicht mehr erfüllen und wird von der EC-635 abgelöst.
Eurocopter EC-635
EC-635 T-356
Die EC-635 ist die militärische Variante der bereits mehr als 650mal gebauten EC-135. Die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zwischen den beiden Versionen sind die zusätzliche militärische Avionik (2 Funkgeräte sowie Freund- / Feinderkeunng) und die beiden zusätzlichen Funkgeräte zur Kommunikation mit zivilen Rettungsorganisationen (REGA und Polycom). Die beiden Exemplare für VIP-Flüge haben auch noch eine Klimaanlage.
EC-135 T-352
Beschaffung
Ziele des Beschaffungsvorganges waren eine Ablösung der Alouette III Flotte, die Abdeckung der kleinen Transportbedürfnisse sowie eine Sicherstellung der Pilotenausbildung auf einem modernen Muster. Im Dezember 2005 wurde der Rüstungsplan 05 vom Schweizer Parlament genehmigt und bereits im April 2006 erfolgte die Vertragsunterzeichnung mit Eurocopter. Im Mai 2007 flog die erste für die Schweiz bestimmte EC-635 in Donauwörth. Nach der Abnahme der ersten beiden Hubschrauber im März 2008 begann die Initialausbildung der Piloten und des Bodenpersonals. Im Juli 2008 wurden die beiden VIP EC-135 übernommen und im August 2008 die erste in Alpnach komplettierte EC-635 abgenommen. Die Auslieferungsrate liegt bei etwa einer Maschine pro Monat, sodas Ende 2010 alle 20 EC-635 fertig gestellt sein werden.
Helikopterwartung und Endmontage EC-635 bei RUAG
Die RUAG ist ein Schweizer Unternehmen mit Produktionsstandorten in der Schweiz, Deutschland und Schweden. Die Geschäftsfelder sind "Aviation & Space", "Defence & Security" sowie "Ammunition & Products". Am Standort Alpnach befinden sich ein Wartungsbetrieb sowie die EC-635 Endmontage. Der Wartungsbetrieb ist für Inspektionen und Reparaturen an allen Eurocopter Mustern von der EC-120 bis hin zum Cougar zertifiziert.
Hubschrauberwartung bei RUAG
Die EC-635 wird in Alpnach endmontiert. RUAG Aerospace in Alpnach ist von Eurocopter und dem deutschen LBA als Produktionsstandort für die EC-635 zertifiziert. Im Zuge der Auftragsvergabe wurde evaluiert, an welcher Station des Produktionsprozesses es am günstigsten wäre, die Aufgaben von Donauwörth nach Alpnach zu übergeben. Dabei kam man zu der Lösung, den Helikopter bis inklusive der Station 9 in Donauwörth zu fertigen. Dann wird der Leitwerksträger provisorisch mit der Zelle verbunden und diese Einheit mit einem luftgefederten LKW in die Schweiz transportiert.
Completion Line EC-635 (Foto: RUAG)
Ab Station 9.1 erfolgen alle Arbeiten in Alpnach. Der Leitwerksträger wird demontiert und vor Ort komplettiert. Nach dem Funktionstest des Leitwerkträgers erfolgen die endgültige „Verheiratung„ mit der Zelle, und die Einstellung der Flugsteuerung.
Montage des Leitwerkträgers (Foto: RUAG)
In Station 12 werden die EC-635 mit lösungsmittelfreien Lacken auf Wasserbasis lackiert.
EC-635 in der Lackierkammer (Foto: RUAG)
Nach der darauffolgenden Komplettierung des Hubschraubers erfolgt der Regentest. Dabei werden eventuell vorhandene undichte Stellen identifiziert um anschließend korrigiert zu werden
EC-635 beim Regentest (Foto: RUAG)
Nach Abschluss aller Arbeiten wird der Helikopter eingeflogen und an den Kunden übergeben. Die Übergabe nach etwa 120 Arbeitstagen erfolgt von RUAG an Eurocopter und dann von Eurocopter an armasuisse.
EC-635 (Foto: Schweizer Luftwaffe)
EC-635 (Foto: Schweizer Luftwaffe)
Einführung EC-635
Der EC-635 wird ab 2010 die Alouette III bei der Schweizer Luftwaffe ablösen. Sie wird für die Pilotenausbildung und für Transportaufgaben, bei denen nur kleine Kapazitäten erforderlich sind, eingesetzt werden. Im Gegensatz zur Alouette III verfügt der Eurocopter über ein massiv erweitertes Einsatzspektrum. So sind mit dem neuen Muster auch Flüge nach Instrumentenfluregeln und in der Nacht möglich (die Alouette III wird nur für Schulungsflüge in der Nacht eingesetzt aber nicht für Einsätze). Des Weiteren ist der Eurocopter auch mit einem "Direction Finder" für Notsender ausgerüstet, was den Einsatzrahmen bei SAR-Aufgaben wesentlich erweitert.
Im Rahmen der Einführung erfolgt gegenwärtig die Wissenswiedergabe der bei Eurocopter in Donauwörth ausgebildeten Mechaniker an ihre Kollegen in der Schweizer Luftwaffe. Für das Flugpersonal laufen momentan Umschulungskurse. Dies bedeutet, dass Piloten mit Flugerfahrung am Super Puma / Cougar auf das neue Muster umgeschult werden. Die ab initio Ausbildung von Piloten am EC-635 wird 2010 beginnen. Durch die ähnlich Cockpitphilosophie der EC-635 und der Super Puma / Cougar Helikopter ist der spätere Umstieg dieser Piloten auf das größere Muster wesentlich einfacher.
Hubschrauberdemo
Als Abschluss der Medienveranstaltung wurden alle vorhanden Hubschraubermuster im Flug demonstriert. Ganz zu Beginn gab es die Demonstration des Super-Puma in SAR (Search and Rescue) Konfiguration. Die Luftwaffe hat 3 Umrüstsätze, mit denen ein Super Puma auf SAR Konfiguration gebracht werden kann. Dabei sind auf der rechten Seite eine Winde zur Bergung und links das FLIR angebracht.
Super Puma mit Winde
Super Puma mit FLIR
Anschließend wurde eine Windenbergung mit dem EC-635 gezeigt, der auch ein kurzes Display zur Demonstration der Flugeigenschaften flog.
Windenbergung mit EC-635
Flugdemonstration EC-635
Zum Vergleich des erzeugten Schallpegels flog eine Alouette III mit einigem Abstand gefolgt von einem EC-635 in gleicher Höhe mit identischer Geschwindigkeit. Und obwohl die Schalldruckdifferenz - in Zahlen ausgedrückt - nicht so groß ist, wirkt die vom menschlichen Ohr registrierte Lautstärke beim EC-635 doch wesentlich niedriger.
Alouette III
Als letzte Einzeldarbietung flog das Super Puma Display Team eine eindrucksvolle Vorführung, die mit dem Ausstoß von Flares beendet wurde.
Flares!!!
Abgeschlossen wurde die gelungene Veranstaltung durch einen Formationsüberflug von 12 Hubschraubern.
Abschlussformation
