Featuredetail


Verfasst am: 18.12.08 17:07

Von: Daniel Wildberger (Text, Fotos), Anton Wildberger (Fotos)

Erzberg Fly In 2008

10. - 11. Oktober 2008

Geschwindigkeit 60 miles per hour, rechts zum Greifen nah nichts als rotes Gestein, Konzentration auf die schmale Landezone, ein wenig früher als gewohnt abfangen und dann endlich die langersehnte Landung. Wir sind da! Gelandet auf einer der Etagen des Erzbergs in der österreichischen Steiermark.

Drei Anläufe hat es in den letzten Jahren schon gegeben, doch jedes Mal spielte das Wetter nicht mit. Umso größer war die Freude der Teilnehmer, als es erstmals möglich war auf diesem speziellen, temporären Flugfeld landen zu können. Die Idee dazu wurde beim Treffen der Europäischen Gebirgspiloten 2006 in Mauterndorf (LOSM) geboren. Ziel war es, als österreichische Gebirgspilotenvereinigung (ÖGPV), eine interessante, internationale Veranstaltung bieten zu können. Unter der Führung von DI Martin Skacel wurden die erforderlichen Genehmigungen eingeholt und eine genaue Planung durchgeführt, um im Juni 2006 den ersten Flyin zu veranstalten.

Der Erzberg ist der größte aktive Erztagebau Mitteleuropas, der auch einige Attraktionen, wie zum Beispiel ein Schaubergwerk und Fahrten mit den großen Kippladern, für Touristen bereit hält. So war es beispielsweise notwendig, die Route der Besichtigungsfahrt umzuleiten und das Areal abzusperren, um die Sicherheit für Piloten und Flugzeuge garantieren zu können. Desweiteren wurde der Bereich auf dem sich die Flugzeuge bewegten, speziell geebnet und durch die freiwilligen Helfer der Zeltweger Sportfliegergruppe KONDOR von größeren Steinen befreit.

Wer am Erzberg-Flyin teilnehmen wollte, musste sich beim Organisator anmelden. Wichtig war auch eine solide Erfahrung am jeweiligen Fluggerät. Einzelne Piloten absolvierten eine spezielle Gebirgspilotenausbildung in Megève, Frankreich. Die daraus gewonnenen Erfahrungen wurden schon letztes Jahr, wo sich alle Teilnehmer des Erzberg-Flyin 2007 auf einem Außenlandefeld unweit vom Erzberg trafen, ausgetauscht.

Diesmal waren die meisten mit ihren Flugzeugen bereits am Vortag nach Mariazell angereist. Vor alpenländlicher Kulisse konnten sie einen netten Abend miteinander verbringen und sich im Rahmen eines Briefings durch Martin Skacel auch intensiv mit den besonderen Gegebenheiten von Anflug und Landefeld auf dem Erzberg vertraut machen. Zahlreiche Fotos von Probeanflügen erleichterten die Interpretation der Anflugkarten.

Am nächsten Morgen drückte dichter Nebel ein bisschen die Stimmung unter den Piloten. So war es leider auch für die an diesem Tag angekündigten Kollegen aus dem umliegenden Flachland erst sehr spät möglich nach Mariazell anzureisen. Aus diesem Grund blieb ein Mitglied der ÖGPV extra vor Ort, um ein weiteres Briefing durchzuführen um letztendlich allen eine Landung am Erzberg zu ermöglichen. Denn ohne Briefing, keine Landung am Erzberg.

Im Abstand von 5 Minuten erreichten die Teilnehmer das 41 km entfernte Ziel. Das Anflugverfahren sah einen hohen Überflug des Erzbergs, mit anschließendem Sinkflug in die Platzrunde vor. Dies sollte dem Piloten die Möglichkeit geben sich einen Überblick zu verschaffen, um bei eventuellen Bedenken zum 17 km entfernten Flugplatz Timmersdorf (LOGT) auszuweichen. Dort stand ein Shuttle-Bus zum Erzberg bereit. Auch wenn es beim ersten Anflug nicht gleich geklappt hat, war dies kein Problem, da man einfach nach links abdrehen konnte um sich anschließend wieder in die Platzrunde einzuordnen. Als Hilfestellung für den Anflug, wurden für die verschiedenen Abschnitte Höhen empfohlen. Diese genaue Planung der Organisatoren verhalf zu einer sehr guten Ausgangsposition für den Endanflug. Ungewohnt ist die durchschnittliche Steigung der Piste von 8,5%. Speziell beim Flaren muss diese Steigung entsprechend berücksichtigt werden. Daher wurde von den erfahrenen Teilnehmern empfohlen, den Anflug ein bisschen steiler als gewohnt durchzuführen und auf jeden Fall eine Schlepplandung zu meiden. Diese führt einerseits zu einem hohen Anstellwinkel und einer daraus folgenden schlechten Sicht in Flugrichtung und kann andererseits dazu führen, dass die notwendige Geschwindigkeitsreserve beim Abfangen fehlt und man im überzogenen Flugzustand auf die ansteigende Piste hart aufsetzt. Auch das Rollen bergab erfordert besonders bei Taildraggern Fingerspitzen-, oder im Falle unserer Vereins-HUSKY, Fußspitzengefühl beim Bremsen.

Letztendlich sind alle 17 Flugzeuge aus 3 Nationen, darunter auch Kollegen der italienischen Gebirgspilotenvereinigung, am Erzberg gelandet. Vielfältig war auch das Fluggerät. Wer meint, solche Bedingungen können nur von klassischen Taildraggern à la PA18 oder HUSKY bezwungen werden, der irrt. Dies wurde durch jeweils eine Cessna C150 und C172 Rocket bewiesen. Auch Flugzeuge aus der wachsenden UL-Szene waren gut vertreten. So zählten zwei FK9, eine Remos Mirage G-3, UW-9 und der einzige teilnehmende Tiefdecker in Form der in Tschechien produzierten TL96 Sting, zu den Gästen. Besonders herausheben muss man noch die sehr gut in Schuss gehaltene Cessna C305C, besser bekannt als L-19E „Bird Dog„. Dieses spezielle Modell wechselte nach dem Ausscheiden beim Österreichischen Bundesheer in den privaten Besitz und ist die letzte Flugfähige ihrer Art in Österreich.

Während die Einen die Möglichkeit nutzten um ihre Landetechnik zu perfektionieren und diese tolle Möglichkeit voll auskosteten, stand für die anderen Teilnehmer, als auch für Gäste, ein Buffet in dieser beeindruckenden Kulisse bereit. Es ist schon etwas Besonderes den Flugzeugen von einer höher gelegenen Etage beim Starten und Landen zuzusehen oder hautnah im Bereich des Aufsetzpunktes das eine oder andere Erinnerungsfoto zu schießen.

Um 16:00 endete die Genehmigung und erforderte daher leider eine, für alle Teilnehmer viel zu frühe, Abreise. Zurückgeblieben sind die überaus freundlichen und bemühten freiwilligen Helfer um Dachreiter, Windsack und sonstige Gerätschaft abzubauen. Zum Sonnenuntergang waren schließlich alle Spuren des Flugbetriebes verschwunden und mit Wochenbeginn kehrte durch das Donnern der Felssprengungen wieder Alltag am steirischen Erzberg ein.

www.erzberg-flyin.at
www.oegpv.at

Glücklicherweise hat sich der Nebel aus Mariazell verzogen.

Start in Mariazell.

Über dem Nebel muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...

Da ist es schon - das Ziel der Reise: Der Erzberg.

Für das Event wurden eigene Anflugkarten produziert.

Anflug auf die Piste 03.

Short Final.

Anflug aus der Beobachterperspektive.

Sanfte Landung.

Die Marshaller waren an diesem Tag schwer beschäftigt.

Bei dem Fly In gab es...

...eine Menge...

...interessanter Gäste.

Die Gestalter dieses Berichtes (Daniel Wildberger, links, Anton Wildberger, rechts) bei der Arbeit.

Parkbremse gelöst, Cabin secured, und...

...los geht´s wieder.

Runway in sight - aber in der anderen Richtung.

Goodbye, Erzberg!

Einen ausführlicheren Bildbericht gibt es auf www.wildbergair.com.


 
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