Verfasst am: 04.02.09 22:38
Von: Martin Dichler
Happy Birthday, 747!
Vor 40 Jahren startete zum ersten Mal der "Jumbo".

Fotos: Martin Dichler, Boeing (Titelbild), Flughafen Wien AG (Foto Wien 1975), Martin Metzenbauer (Northwest Airlines).
Einer der absoluten "Klassiker der Luftfahrt" feierte am 9. Februar 2009 den 40. Jahrestag seines Erstfluges: Die Boeing 747. Seitdem hat der "Jumbo" eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben. Lesen Sie hier Martin Dichlers "747 Story":
Boeing 747-100
Für die 1960er Jahre bot das Flugzeug eine Größe, die bis dahin unbekannt war: Bisher waren nur Jets auf dem Markt, die über maximal 200 Sitzplätze verfügten. Der "Jumbo" hingegen sollte eine Gesamtlänge von mehr als 70 Metern und auf zwei Ebenen bis zu 505 Passagieren Platz bieten - bei einem Startgewicht von 322 Tonnen. Pan Am war Erstkunde und gab bereits 1966 den Auftrag zum Bau des Flugzeugs. Der Gesamtpreis für die Bestellung von 25 Stück betrug damals USD 525 Millionen. Für diesen Geldbetrag würde man heute gerade einmal zwei neue Boeing 747-8 ordern können...
Die Größe der 747 ist noch heute beeindruckend!
Vor dem Bau des neuen Riesenjets musste in Seattle erst einmal die nötige Infrastruktur geschaffen werden. Am Paine Field, in der Nähe von Everett entstand eine gigantische Montagehalle, die noch heute zu den größten Gebäuden der Welt zählt.
Bis jetzt befindet sich dort die Produktionsstätte für die Boeing 747 und 787.
Der kommerzielle Erstflug der Boeing 747-100 fand am 21. Jänner 1970 statt - auf der klassischen Strecke New York- London. Die "Clipper Young America" konnte 405 Passagiere auf ihrem knapp 7-stündigen Erstflug befördern - eine Kapazität die manchen Airlines zum damaligen Zeitpunkt als viel zu groß erschien.
Mehrere technische Probleme an der 747-100 sorgten allerdings anfänglich für Rückschläge und das bis dahin erfolgsverwöhnte Unternehmen Boeing stürzte in eine Krise. Von der Basisversion Boeing 747-100 wurden nur 205 Maschinen produziert bevor die verbesserte Version Boeing 747-200 auf dem Markt kam.
Die allererste Boeing 747 ist noch heute in Seattle zu bewundern.
Boeig 747-200
Die 747-200 brachte Boeing den Erfolg zurück, den das Unternehmen von den Flugzeugen der Serie 707, 727 und zuletzt 737 gewohnt war. Das neue Flugzeug flog erstmals am 25. November 1971 bei KLM und konnte auf eine höhere Reichweite, ein größeres Startgewicht und stärkere Motoren zurückgreifen. Weiters unterschied sich die 747-200 Version durch ein modifiziertes Oberdeck mit zehn Fenstern. Erstmals wurde auch ein reines Frachtmodell am Markt mit der Boeing 747-200F angeboten, weitere Mixversionen wie die Boeing 747-200 Combi oder die 747SUD (Stretched Upper Deck) ergänzten das Angebot.
Auch die Verwendung als VIP- oder Regierungsflugzeug erlangte mit der 200er Serie eine neue Dimension - dass bekannteste Muster darunter ist sicherlich die aktuelle "Air Force One" des amerikanischen Präsidenten, von der zwei Stück gebaut wurden. Insgesamt wurden von der Boeing 747-200 393 Stück in allen zivilen und militärischen Varianten produziert, bevor die Produktion im Jahr 1991 eingestellt wurde.
Eine Boeing 747-200 von Northwest Airlines beim Start in Wien.
Boeing 747SP
Zu einer der sicherlich interessantesten Versionen zählt die Boeing 747SP (Special Performance), deren Entwicklung am 1. Mai 1973 bekannt gegeben wurde. Die SP verfügte über einen um 14,3 Meter gekürzten Rumpf und war für maximal 370 Passagiere ausgelegt. Das Muster sollte gegen die neuen dreistrahligen Langstrecken-Konkurrenten DC-10 und Lockheed L-1011"Tristar" produziert werden und verfügte über eine respektable Reichweite von rund 14.000 Kilometern. Mit dem Modell wurden einige Langstreckenrekorde der damaligen Zeit gebrochen: So flog eine Maschine mit nur 50 Passagieren auf ihrem Auslieferungsflug nonstop die 16.650 Kilometer lange Strecke von Seattle nach Kapstadt in Südafrika.
Die 747SP wurde allerdings kein Verkaufserfolg, insgesamt wurden bis zu deren Produktionseinstellung im Jahre 1982 nur 45 Stück produziert (1987 folgte noch eine einzelne SP als Regierungsmaschine). Zu sehr war die Wirtschaftlichkeit der dreimotorigen Konkurrenz bereits fortgeschritten.
Boeing 747-300
Wirtschaftliche Überlegungen der Airlines veranlassten Boeing auch im Jahre 1983, eine neue Version der Boeing 747 zu entwickeln. Die 747-300 verbrauchte mit einer neuen Generation an Triebwerken um ca. 25% weniger Kraftstoff als die 100er Serie und konnte durch ihr gestrecktes Oberdeck mehr Passagiere bei niedrigeren Kosten befördern. Erstkunde war die Swissair welche am 28. März 1983 die erste Maschine in Betrieb nahm. Japan Airlines bestellte eine spezielle Version der Boeing 747-300: Die SR (Short Range) Version wurde auf Inlandsflügen eingesetzt und bot Platz für 626 Passagiere!
In Europa unterhielt die französische Corsair eine Boeing 747-300 für Charterflüge - diese war mit einer ebenfalls äußerst dichten Bestuhlung von 580 Plätzen ausgelegt und hielt in Europa den Rekord. 1989 endete die Produktion des Modells nach nur 81 verkauften Flugzeugen.
Das Gewicht der Boeing 747 wird auf insgesamt 18 Räder verteilt.
Boeing 747-400
Die vorerst letzte Version aus der Boeing 747 Reihe war das 400er Modell, dessen Entwicklung im Jahre 1985 begann. Mit einer Startmasse von 408 Tonnen wurde ein neuer Weltrekord für Verkehrsflugzeuge aufgestellt. Durch den Einsatz von neuen Materialen, ein modernes Glascockpit (welches es erstmals erlaubte, den Flugzeugtyp mit nur zwei Piloten zu fliegen) und neuen PW4000 Triebwerken, konnten neue Verkaufserfolge erzielt werden.
Die erste Boeing 747-400 wurde am 26. Jänner 1989 an Northwest Airlines ausgeliefert.
Wie bei den vorangegangenen Modellen gab es von der Boeing 747-400 verschiedenste Ausführungen. Zu den bekanntesten zählt sicherlich die Boeing 747-400ER und die reine Frachtversion 747-400F. Optisch unterscheidet sich die 400er von den Vorgängerversionen unter anderem durch die Winglets, die eine zusätzliche Treibstoffeinsparung brachten. Im Jahr 2007 gab Boeing nach fast 700 verkauften Flugzeugen bekannt, die Produktion der 400er Passagierversion einzustellen, einzig das Frachtmodell wird in Seattle derzeit noch weiterproduziert.
Die Boeing 747-400 verfügt über ein modernes Zwei-Mann-Cockpit.
Boeing 747-8
Das aktuellste Muster der Boeing 747-Serie ist die 747-8, die 2010 zum Erstflug starten soll. Die -8 nutzt Technologien der kleineren Boeing 787, um die Wirtschaftlichkeit und die Funktionalität der 747-400 erheblich zu verbessern und gleichzeitig den Treibstoffverbrauch zu senken und Emissionen sowie Lärm zu reduzieren. Laut Boeing Eigenwerbung, "entspricht die 747-8 dem Wunsch der Fluggesellschaften nach einem Passagierflugzeug, dass den Markt für Flugzeuge mit 400 bis 500 Sitzen bedient und damit größenmäßig zwischen dem 555-sitzigen A380 und der 365-sitzigen Boeing 777-300 Extended Range liegt. Zur 747-Familie gehört außerdem ein Frachtmodell, dass die Führungsposition der 747 Frachterfamilie im internationalen Frachtmarkt fortführt."
Erstkunden der Frachtversion sind Cargolux und Nippon Cargo, leider kommt es ähnlich der Boeing 787 zu Verzögerungen bei der Produktion. Der Erfolg der Passagierversion bleibt vorerst noch aus - lediglich Lufthansa hat bisher 20 Stück bestellt. Man darf annehmen, dass es sich um die letzte gebaute Version des Jumbo Jets handeln dürfte.
Die Boeing 747 am Flughafen Wien
Die Boeing 747 hat am Flughafen Wien bereits eine lange Geschichte und ist heute noch vor allem durch die Frachtflüge von Korean Air Cargo fast täglich in Schwechat zu bewundern. Zu den interessantesten Flügen zählten sicherlich Mitte der 1980er Jahre die Flüge der KLM nach Karachi via Dubai. ALIA Royal Jordanien Airlines flog den Typ über Wien nach Chicago und New York. Iran Air zählte ebenfalls zu den langjährigen Besuchern am Flughafen Wien und brachte auch die SP Version zum Einsatz.
In den 1980er und 1990er Jahren flogen sowohl Garuda, Thai, Eva Air und Singapore Airlines regelmäßig nach Wien. Zu den letzten Passagier-Jumbos zählten die Flieger von Asiana und Korean Air auf ihren Flügen nach Seoul Mitte der 1990er Jahre. Heute kann man neben den erwähnten Korean Air Cargo Flügen auch Asiana Cargo mit dem Jumbo regulär in Wien antreffen.
Korean ist einer der wenigen regulären 747-Besucher in Wien.
Korean Air fliegt achtmal wöchentlich zwischen Seoul und Wien Oslo / Kopenhagen / Stockholm / Amsterdam / Brüssel und Tel Aviv. Insgesamt können auf den Flügen 117.500 Kilogramm Fracht befördert werden.
In den 1970er Jahren wurde die Boeing 747 gar nicht so selten im Passagierverkehr nach Wien eingesetzt (im Bild zwei Maschinen der Iran Air neben einer DC-8 der AUA und einer Boeing 707 der Montana Austria).
Emirates Airline nutze im vergangenen Jahr immer wieder eine Boing 747 auf ihren Frachtflügen, die durch Jumbos der Atlas Air und Polar Air Cargo ersetzt wurden.
Immer wieder kommt es aber auch zu einzelnen Charterflügen einiger Veranstalter bzw. zu Ausweichlandungen anderer Airlines, sodass der Flughafen Wien die Boeing 747 immer wieder begrüßen darf.
In diesem Sinne: Happy Birthday, "Jumbo Jet"!
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