Verfasst am: 21.02.09 12:26
Von: Peter Unmuth
40 Jahre Concorde
Am 2. März 1969 war es so weit: Das britisch-französische Gemeinschaftsprojekt "Concord(e)" startete im französischen Toulouse zum Erstflug. Die Arbeiten daran begannen aber schon lange vorher.
Entwicklung
Im Jahr 1959 schlägt das bereits 1956 gegründete STAC (Supersonic Transport Aircraft Comittee) zwei Designstudien für überschallschnelle Airliner vor. 1961 gibt es die ersten Verhandlungen zwischen der "British Aircraft Cooperation" und "Sud Aviation". Ein Jahr später wurde eine erste anglo-französische Studie eines Mach 2,2 Airliners präsentiert und im November 1962 wurden die Kooperationsverträge unterzeichnet. Vier Firmen waren für das Projekt, dessen Kosten und Erträge zwischen England und Frankreich gleichmäßig geteilt werden sollten, verantwortlich. Bristol Siddeley und SNECMA für die Olympus 593 Triebwerke sowie die British Aircraft Corporation und Sud Aviation für den Bau des Flugzeuges.
Im Jänner 1963 verwendete der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaulle das Wort "Concorde" als Bezeichnung für das Gemeinschaftsprojekt. Bei einer Präsentation im Oktober desselben Jahres in England wurde das Projekt als "Concord" bezeichnet. In diesem Jahr gelang es, den ersten Kunden für das Projekt an Land zu ziehen. Pan American Airlines zeichnete 6 Optionen. Im April 1965 wurde das erste Metall für die Prototypen geschnitten. 1966 begann der Zusammenbau der beiden ersten Maschinen (001 und 002) in Toulouse bzw. Filton. Auch die Flugerprobung des Olympus 593 Triebwerkes in einer umgebauten Avro Vulcan wurde begonnen. Im folgenden Jahr fanden sich bereits 74 Optionen von 16 Airlines für die "Concord(e)" in den Auftragsbüchern. Am 11. Dezember wurde vor 1100 Gästen der Rollout des französischen Prototypen (F-WTSS c/n: 001) zelebriert.
Rollout in Toulouse.
Bild: Airbus
Concorde c/n 001 in Le Bourget
Bild: Peter Unmuth www.airteamimages.com
Im Rahmen der Zeremonie gab der britische Technologieminister bekannt, dass die britischen Exemplare nun ebenfalls den Namen "Concorde" tragen würden. Damit war auch der Streit um die nationalen Befindlichkeiten bei der Namensgebung beendet. Im September 1968 wurde in Filton der Rollout des britischen Protoytpen (G-BSST c/n:002) gefeiert.
Rollout in Filton.
Bild: Airbus
Concorde c/n 002 in Yeowilton
Bild: Keith Blincow (ATI) www.airteamimages.com
Am letzten Tag des Jahres 1968 startete der sowjetische Konkurrent um den Titel des ersten überschallschnellen Airliners die russische Tu-144 zu Ihrem Erstflug. Ein wenig mehr als zwei Monate später kam dann der große Tag für die Concorde. Am 2. März 1969 hob F-WTSS unter dem Kommando von Andre Turcat um 15:40 zu Ihrem 28 Minuten dauernden Erstflug ab.
Erstflug in Toulouse.
Bild: Airbus
Am 9. April dieses Jahres erfolgte der Erstflug des britischen Prototypen von Filton nach Fairford. Im Juni dann die erste gemeinsame Präsentation der beiden Prototypen auf der Paris Air Show in Le Bourget.
Beide Prototypen in Le Bourget.
Bild: Airbus
Anfang Oktober wurde erstmals Überschallgeschwindigkeit geflogen, und im November 1970 erreichten beide Prototypen erstmals Mach 2. Während der Flugerprobung absolvierten die beiden Maschinen auch Demonstrationstouren nach Südamerika sowie nach Asien und Australien. Im Oktober 1972 unterzeichnete Iran Air eine Kaufabsichtserklärung für zwei Exemplare mit Option auf ein drittes, während United Airlines beschloss, Ihre Optionen für sechs Flugzeuge nicht wahrzunehmen, genauso wie Continental Airlines 1973 mit drei Optionen. Im September 1973 landete die Concorde im Rahmen der Eröffnung des Dallas Fort Worth Airports erstmals auf US-amerikanischem Boden. Am Rückflug stellte F-WTSA (das zweite Vorserienexemplar) mit 3 Stunden 33 Minuten einen neuen Rekord auf der Strecke Washington - Paris auf.
Vorserienexamplar
Bild: ATI Collection www.airteamimages.com
Ende des Jahres erfolgte dann der Erstflug der ersten Serienmaschine (F-WTSB c/n: 201) in Touoluse. 1974 gelang Air France eine geniale Werbeaktion bei der die Fähigkeiten der Concorde eindrucksvoll demonstriert wurden. Eine Air France Concorde startete in Boston, USA mit Ziel Paris. Zur gleichen Zeit startete in Paris-Orly eine 747 mit dem Ziel Boston. Zum Zeitpunkt der Kreuzung hatte die 747 620 Meilen zurückgelegt, während die Concorde bereits 2400 Meilen hinter sich gebracht hatte. Nach der Landung in Orly blieb die Concorde 68 Minuten am Boden und startete dann wieder mit Ziel Boston. Dies wurde 11 Minuten vor der 747 wieder erreicht.
Concorde in Air France Farben
Bild: Peter Unmuth www.airteamimages.com
1975 wurde sowohl von den französischen (am 9. Oktober) als auch von den britischen Behörden (am 5. Dezember) das Certificate of Airworthiness (CoA) für die Concorde ausgestellt, und am 19. Dezember übernahm Air France die erste Concorde (F-BVFA c/n: 205). Am 26. Dezember startete der russische Konkurrent zum ersten planmäßigen Flug zwischen Moskau und Alma Ata, auf dem allerdings "nur" Post und Fracht befördert wurden.
Concorde und Tu-144 in Sinsheim
Bild: Peter Unmuth www.airteamimages.com
Am 14 Jänner 1976 übernahm British Airways das erste Exemplar (G-BOAA c/n: 206) in den Bestand.
British Airways Concorde
Bild: Carl Ford www.airteamimages.com
Einsatz bei Air France und British Airways
Am 21. Jänner 1976 erfolgten die ersten planmäßigen Flüge zwischen London und Bahrain (BA mit G-BOAA) sowie Paris, Dakar und Rio De Janeiro (AF mit F-BVFA). Im Februar 1976 bekamen die beiden Fluggesellschaften die Genehmigung des US Transportministeriums für eine Versuchsperiode von 16 Monaten, täglich jeweils 2 Flüge nach New York und jeweils einen nach Washington zu operieren. Die Port Authority von New York und New Jersey verbannte die Concorde allerdings im März desselben Jahres von den von Ihr operierten Flughäfen im Großraum New York City.
Der April brachte eine Erweiterung des Air France Angebots mit einem wöchentlichen Flug nach Caracas mit technischem Stopp auf den Azoren. Am 24. Mai startete das transatlantische Angebot mit jeweils einem Flug von BA und AF nach Washington Dulles. Nach einer langen Verzögerung durch die Anrainer konnten im November 1977 endlich auch die Flüge von London bzw. Paris nach New York aufgenommen werden. Am 13. Dezember wurde wegen der Schließung des malaysischen Luftraumes für die Concorde nach nur 3 Flügen das Routing London – Bahrain – Singapur (BA) vorübergehend eingestellt.
Concorde in Singapore Airlines Farben
Bild: Carl Ford www.airteamimages.com
Im September 1978 wurde von Air France zweimal wöchentlich von Paris über Washington nach Mexico City geflogen. Der Jänner 1979 brachte die Ausstellung des US-amerikanischen CoA, kurz darauf die Aufnahme von Unterschallflügen zwischen Washington und Dallas Fort Worth durch Braniff, sowie die Wiederaufnahme der Route von London nach Singapur. Die inneramerikanischen Flüge wurden wegen geringer Passagierzahlen und hoher Treibstoffkosten im Juni 1980 wieder eingestellt, ebenso die Singapur Flüge am 1. November. Im März 1982 wurde das Air France Service nach Caracas und Rio De Janeiro eingestellt und im Oktober die Air France Verbindung nach Washington. Im März 1984 eröffnete BA eine Route nach Miami über Washington.
British Airways Concorde
Bild: Keith Blincow (ATI) www.airteamimages.com
Im Dezember 1987 verband BA einmal wöchentlich London mit der beliebten Ferieninsel Barbados. Diese Verbindung wurde nur im Winterflugplan angeboten und 1990 auf zweimal wöchentlich erweitert. Im Jänner 1991 wurde hingegen bekanntgegeben, dass das Service zwischen Washington und Miami eingestellt wird. 1994 wurde dann auch der BA-Flug zwischen London und Washington eingestellt.
Im April 1996 wurde die F-BTSD blau lackiert und diente als Werbeträger für die damals neue Pepsi Dose.
Concorde in Pepsi Farben
Bild: Carl Ford www.airteamimages.com
Am 25. Juli 2000 schließlich die Katastrophe: Die Air France Concorde F-BTSC stürzt nach dem Start von Paris Charles De Gaulle brennend auf Gonesse, einen Vorort von Paris. Der Absturz forderte 113 Todesopfer. Am 16 August wird das CoA der Concorde eingezogen.
Nach Klärung der Unfallursache begannen britische und französische Ingenieure damit, Modifikationen zu testen um die Concorde wieder in den Liniendienst zu bringen. Durch neue verstärkte Reifen von Michelin, Auskleidungen der Tanks mit Kevlar und verbesserte Isolierung der elektrischen Leitungen wurden die verbleibenden Concordes so weit modifiziert, dass das CoA schließlich am 5. September 2001 wieder ausgestellt wurde. Am 7. November nahmen Air France und British Airways wieder den Liniendienst zwischen Paris bzw. London und New York auf, und im Winterflugplan wurde auch die BA Verbindung London - Barbados wieder angeboten.
British Airways Concorde
Bild: John Higgins www.airteamimages.com
Am 31. Mai 2003 führte Air France den letzten Linienflug mit der Concorde von New York nach Paris durch und am 24. Oktober endet die Concorde Ära mit dem letzten Linienflug BA002. Der allerletzte Flug einer Concorde fand am 26. November 2003 statt. G-BOAF, die letzte gebaute Concorde, ist auch die letzte, die jemals abhob: Ihr letzter Flug führte sie von London Heathrow nach Filton, wo sie heute im Museum steht.
Technische Daten:
Abmessungen:
Gesamtlänge: 61,66 m
Rumpflänge (Cockpit Tür – hinteres Druckschott): 39,32 m
Länge Nase – Cockpit: 7,31 m
Höhe 12,2 m
Außendurchmesser Rumpf: 2,88 m
Spannweiter: 25,6 m
Flügelfläche: 358,25 Quadratmeter
Leistungsdaten:
Maximale Reisegeschwindigkeit: Mach 2,04
Maximale Reichweite: 4500 Meilen
Durschnittliche Startgeschwindigkeit: 250 Meilen / Stunde
Durchschnittliche Landegeschwindigkeit: 185 Meilen / Stunde
Gewichte:
Zero Fuel Weight: 92.080 kg
Maximale Zuladung: 13.380 kg
Maximales Startgewicht: 185.000 kg
Maximales Landegewicht: 111.130 kg
Pasagiere / Besatzung:
Zugelassen für: 128 Passagiere
AF: 92 Passagiere
BA: 100 Passagiere
Cockpit Crew: 3 – 5
Flugbegleiter: 6
Weiterwentwicklung
Bereits 4 Monate nach der Aufnahme des planmäßigen Flugbetriebes wurde das erste Mal über die Entwicklung eines Concorde B Modells diskutiert. Die Studie hatte zwei Ziele. Nämlich einerseits den Bedarf nach überschallschnellem komerziellen Transport anzuheben und andererseits den hohen Wissensstand der Hersteller zu halten um eine solide Ausgangsposition beim damals noch erwarteten Bau eines Concorde Nachfolgers zu haben.
Die Studie kam zu dem Schluss dass die folgenden Merkmale unabdingbar für den Erfolg eines Concorde B Modells seien:
- Reduzierung des Schallteppichs um die Belastung der Flughafenanwohner zu reduzieren.
Erhöhung der Reichweite: Die Ursprungsversion der Concorde war für die Strecken London / Paris – New York optimiert. Das B Modell sollte Direktverbindungen zwischen anderen europäischen Hauptstädten und der US Ostküste, sowie USA – Japan mit einem Zwischenstopp und Europa – Australien mit zwei Zwischenlandungen bedienen können.
Reduktion der Betriebskosten: Die Spritkosten der Concorde waren für ein Drittel der direkten operativen Kosten verantwortlich. Eine Einsparung an dieser Stelle hätte es den Airlines ermöglicht die Tickets günstiger anzubieten.
Erreicht sollten diese Ziele durch aerodynamische Verbesserungen am Flügel, Modifikationen des Triebwerkes, Vergrößerung der vorhandenen, und Einbau zusätzlicher Tanks, sowie durch Modifikationen in der Flugsteuerung.
Da die Hersteller aber bereits Probleme hatten, die ursprünglichen 16 Concordes an Airlines zu verkaufen, kamen diese Modifikationen, die ab dem 17. Exemplar vorgesehen gewesen wären, nie zum Einsatz.
Concordes heute:
c/n | Reg | Standort |
001 | F-WTSS | Museum Paris Le Bourget (F) |
002 | G-BSST | Museum Yeovilton (UK) |
101 | G-AXDN | Museum Duxford (UK) |
102 | F-WTSA | Museum Paris Orly (F) |
201 | F-WTSB | Airbus Fabrik Toulouse (F) |
202 | G-BBDG | Museum Brooklands (UK) |
203 | F-BTSC | Paris Le Bourget (F) (Reste des Wracks, nicht öffentlich) |
204 | G-BOAC | Museum Manchester Airport (UK) |
205 | F-BVFA | Museum, Washington DC (USA) |
206 | G-BOAA | Museum East Forune (UK) |
207 | F-BVFB | Museum Sinsheim (D) |
208 | G-BOAB | London Heathrow (UK) |
209 | F-BVFC | Airbus Fabrik Toulouse (F) |
210 | G-BOAD | Museum New York (USA) |
211 | F-BVFD | Paris Le Bourget (F) (Rumpfsektion, nicht öffentlich) |
212 | G-BOAE | Grantley Adams Airport (Barbados) |
213 | F-BTSD | Museum Paris Le Bourget (F) |
214 | G-BOAG | Museum Seattle (USA) |
215 | F-BVFF | Paris Charles de Gaulle (F) |
216 | G-BOAF | Filton Airfield (UK) |
Concordes in Wien
Im Laufe der Jahre kam die Concorde immer wieder auf Charterflügen nach Wien. Als Abschluss noch 2 Bilder von diesen Besuchen.
Air France Concorde in Wien.
Bild: Yakfreak
British Airways Concorde in Wien.
Bild: Yakfreak
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