Verfasst am: 12.03.09 21:37
Von: Text: Stefan Rockenbauer, Fotos: Peter Pabel und Stefan Rockenbauer
Flying Bulls Lightning
Nach mehr als drei Jahren Restauration war es so weit. Das neue Prachtexemplar der Flying Bulls, die P-38L Lightning, erreichte endlich ihren neuen Bestimmungsort im Herzen Europas. Das bewegte Leben dieses sehr seltenen Flugzeuges möchten wir in diesem Feature näher unter die Lupe nehmen.
Geschichte
1937 forderte das United States Army Air Corps die Firmen Lockheed, Boeing, Consolidated, Curtiss, Douglas und Vultee auf, an einer Ausschreibung für einen neuen zweimotorigen Abfangjäger teilzunehmen. Im Juni 1937 konnte Lockheed, mit dem vom Hall Hibbard und „Kelly" Johnson entwickelten Model 22, den Auftrag für sich entscheiden und man baute den Prototyp XP-38. Am 27. Jänner 1939 startete dieser zu seinem Erstflug. Nach einigen Verzögerungen und Problemen wurden von 1941 bis 1945 schließlich 10.037 Stück in vielen verschiedenen Versionen hergestellt.
Einer der bekanntesten P-38-Einsätze des Krieges war Operation Vengeance am 18. April 1943. Beim Langstrecken-Einsatz einer Staffel Lightnings über 650 km gelang der Abschuss des Flugzeuges, in dem sich Japans oberster Marine-Befehlshaber Admiral Isoroku Yamamoto befand. Das Flugzeug erhielt aufgrund der außergewöhnlichen Form den Spitznamen „The Fork-Tailed Devil„ auf Deutsch „Gabelschwanzteufel„.
Mittlerweile sind weltweit nur noch rund eine Handvoll Exemplare in flugfähigem Zustand. Die einzige in Europa steht nun in Salzburg.
Der Anfang
Die heutige N25Y (cn: 8509) wurde 1944 als P-38L-5-LO (Aufklärungsversion mit Kameras in der Nase) gebaut und war nie im Kriegseinsatz. Im April 1946 erstand die Firma „Lilee Products Co„ aus Chicago das Flugzeug für $1250 und registrierte es als NX25Y. In dieser Zeit wurde die Kameranase durch eine normale ersetzt. Schon im Jahr 1947 begann ihre Rennkarriere. Unter Charles Walling nahm sie als #14 Sky Ranger an diversen Rennen teil. 1953 wurde sie unter Hugh Wells erstmals als N25Y registriert. Sylvan Lair & Vernon Thorpe kauften die Maschine 1962 und verkauften sie zwei Jahre später an den Mann der sie berühmt machen würde.
Marvin L. „Lefty„ Gardner und die White Lightnin'
Er erstand die P-38 zusammen mit Lloyd Nolan und pilotierte sie für die Confederate Air Force (CAF) mit Basis Mercedes, TX. In einem kurzen Intermezzo von 1972-1977 flog sie Joe Henderson für die CAF von Brownwood, TX aus. Als „Lefty„ den Warbird 1977 zurückkaufte, ahnte er wohl noch nicht, dass er seine #25 White Lightnin' (später #13) zu dem wohl bekanntesten Warbird Amerikas machen würde. Bis 2001 waren sie regelmäßig auf diversen Airshows und in Reno bei den Air Races zu sehen. Dort wurde Gardner aufgrund seines Flugstils zur lebenden Legende.
Die P-38 im April 1997 in Las Vegas (Foto: Gerhard Plomitzer).
Der Crash
25. Juni 2001: Ladd Gardner, Lefty's Sohn, befand sich auf dem Rückflug von einer Airshow als der linke Motor plötzlich stark zu vibrierte und das Cockpit sich mit schwarzem Rauch füllte der ihm zunehmend die Sicht nahm. Als er einen Teil der Cockpitverglasung abwarf, konnte er Feuer an seinem linken Triebwerk erkennen. Aufgrund der Intensität des Brandes entschloss er sich zu einer sofortigen Notlandung auf einem Baumwollfeld bei Greenwood, MS nur ca. 8 km vom nächsten Flugplatz entfernt. Die Maschine wurde bei der Landung sehr schwer beschädigt.
Eine Aktion, um die Mittel für die Reparatur bis zum flugfähigen Zustand aufzutreiben, wurde über Jahre verfolgt. Da man die erforderlichen Mittel nicht berappen konnte wurden am Ende alle eingegangenen Spenden zurückbezahlt.
Bis 2005 war das Wrack in San Antonio, TX gelagert.
Kauf und Restauration
Als die Flying Bulls vor einigen Jahren die Flotte aufstocken wollten, stand eine P-51 Mustang auf dem Wunschzettel von Dietrich Mateschitz. Chefpilot Sigi Angerer wollte jedoch lieber eine echte Rarität anschaffen. Durch seine guten Kontakte in Amerika kam man auf die P-38 von Lefty. Mit ausschlaggebend für die Zustimmung Gardners war, dass die Bullen die Lightning wieder in flugfähigen Zustand bringen würden.
Nach Klärung aller Formalitäten brachte man das Wrack und einiges an Zubehör mit Tiefladern nach Breckenridge, TX zur Firma Ezell Aviation. Dort wurde die Lightning komplett zerlegt und in Tausenden von Arbeitsstunden von Grund auf neu aufgebaut. Heute kann man sagen, dass sie besser dasteht als bei ihrer Auslieferung 1944.
November 2008 in Las Vegas (Foto: Isaac Lebowitz).
Im April 2008 blieb jedoch allen Beteiligten der Atem stehen, als ein Tornado über den kleinen Flugplatz fegte. Hangars wurden zerstört und Flugzeuge beschädigt, doch die Maschine der Bullen hatte einen großen Schutzengel. Sie kam mit nur relativ leichten Schäden davon.
Am 2. Juni 2008 startete die Lockheed P-38L, N25Y, Seriennummer: 44-53254 dann zu ihrem erneuten Jungfernflug. Als Sigi Angerer nach seinem ersten Flug landete sagte er kein Wort, er strahlte einfach. Sigi Angerer später: "Man kann sie mit keinem anderen Flieger vergleichen, sie ist einmalig. Es beginnt damit, dass du allein über so ein relativ großes Flugzeug gebietest, vergleichbare Konstruktionen waren für mindestens zwei Mann Besatzung ausgelegt. Die Leichtigkeit, mit der sie Höhe gewinnt, diese unglaublich ruhig laufenden Motoren, was mit der ganz speziellen Kühlung zu tun hat, die man sich damals für die P-38 zu verwenden traute. Was die Erforschung der sportlichen Eigenschaften angeht, da lasse ich mir noch Zeit. Vorerst wird alles überlagert von dem Glücksgefühl, das erleben zu dürfen."
Überstellung
Nachdem die Maschine eingeflogen war und die Kinderkrankheiten beseitigt waren, musste man sich überlegen, wie man das neue Schmuckstück nach Salzburg bekommt.
Dazu gab es drei Varianten:
1. Die schönste und spektakulärste - aber auch abenteuerlichste und risikoreichste - Variante: Sigi überstellt die Maschine im Flug über den Nordatlantik. Zweifellos attraktiv, aber schon auch Nervenkitzel pur bei 3 Stunden Flug über den Ozean, 2° Wassertemperatur und meterhohen Wellen unter sich.
2. Die Containervariante: Man zerlegt die P-38 in Einzelstücke und verfrachtet sie per Schiff nach Europa. Aber wer bringt das schon übers Herz, diesen Flieger wieder zu zerlegen?
3. Im Ganzen: Und zwar im Bauch eines Schiffes. Ohne viel demontieren zu müssen - sicherlich am schonendsten für den Vogel.
Man entschied sich schließlich für die dritte Variante.
Nach Überwindung diverser bürokratischer Hürden, konnte die Überführung mit einem fast 1.300 km langen Flug zur Naval Air Station Pensacola, FL - Heimat der weltberühmten „Blue Angels„ - gestartet werden. Dort musste die Lightning nur noch ein paar Hindernisse per Kran überwinden, bevor sie im Schiffsrumpf verschwand.
24 Tage später - am 6. März 2009 - erblickte sie in Hamburg endlich europäisches Festland und Sigi Angerer konnte es kaum abwarten, sie nach Salzburg zu überstellen. Nach einem eintägigen Zwischenstopp in Oberpfaffenhofen und diverser Verzögerungen durch das Wetter setzte die N25Y schließlich am 9. März 2009 um 17:36 Uhr in Salzburg auf und kann nun im Hangar-7 bestaunt werden.
Technische Daten
Hersteller: Lockheed
Typ: P-38L
Kennung: N25Y
Seriennummer: AF44-53254
Konstruktionsnummer: 8509
Länge: 11,55 m
Flügelspannweite: 15,88 m
Höhe: 3,91 m
Max. Gewicht: 7.484 kg
Höchstgeschwindigkeit: 666 km/h
Reisegeschwindigkeit: 443 km/h
Antrieb: zwei Allison V1710-111/113 je 1.475 PS
Reichweite 3.620 km
Dienstgipfelhöhe: 13.390 m
Besatzung: 1
www.flyingbulls.com
www.hangar-7.com
www.p38whitelightnin.com Homepage des ehemaligen Rennstars
www.ezellaviation.com Sehr viele Bilder zur Restauration der Lightning