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Verfasst am: 13.04.09 19:33

Von: Luciano Stöckl

Unterwegs mit Air Sylhet

Vor einer Woche wurden in Wien auf einer vom Flughafen unterstützten Pressekonferenz Air Sylhets ambitionierte Ziele vorgestellt. Ein guter Grund, sich das ganze auf einem Flug nach Amritsar näher anzusehen.

Flughafen Wien-Schwechat, 22:15 Uhr: Gähnende Leere. Wie gespenstisch der Terminal in den Abendstunden wirkt, fasziniert jedes mal auf´s neue. Man kann sich also trotz einstelliger Zusteigerzahlen eine Fluggastbrücke genehmigen, da man sich den gesamten Pier Ost nur mit zwei anderen Maschinen teilen muss.

Vorerst heben zwei Stunden verspäteter Ankunft der Maschine die Spannung, deren Erklärung aber recht banal ist: Das EDV-System der Gepäckabfertigung in Birmingham funktioniert nach einer Woche noch nicht wie es sollte und produziert damit (wieder einmal) ein Delay.

Kurz nach Mitternacht wird "Air Säilet" - man merkt sie ist noch neu in Wien - zum Boarding ausgerufen. Zusteiger in Wien sind ausschließlich der CEO und einige Mitarbeiter, die sich offenbar ein Bild von der Lage verschaffen wollen - und ich als Medienrepräsentant.  

„No frills„ auf indisch

Kostengünstiger Transport von A nach B sei von den Passagieren gewünscht, keine teuren Extras. Der Kabine sieht man durchaus an, daß es sich um kein brandneues Flugzeug mehr handelt. Statt Austrian’scher Blumenwiese regiert ein patinierter Miami Vice-Look. Immerhin hat man Fernseher in der Decke des Mittelganges, die Videos stammen noch von Icelandair, was an manchen Werbungen bermerkbar ist, bei den branchenüblichen Hollywood-Schinken aber nicht weiter auffällt.

Neben der spanischen Crew - Operator ist ja noch Gadair im Wetlease - sind noch zwei indische Damen an Bord, die an der Abwicklung des Flugablaufes beteiligt sind.
Das indische Catering, offenbar aus Birmingham, ist simpel, aber soweit in Ordnung.
Sechseinhalb ereignislose Stunden später ist man also in Amritsar. Nach einem direkten Überflug des Platzes beschreibt der Anflug einen Dreviertelkreis um das Stadtzentrum, womit auch der Sightseeingteil erledigt wäre.

Aussteigen – Indien - einsteigen

Der Raja Sansi International Airport ist ein Provinzflughafen erster Güte - eine Piste, ein Rollweg, ein kleines Vorfeld - will aber offenbar dem Wachstum der indischen Luftfahrt Rechnung tragen, ist der schön anzusehende neue Terminal doch kurz vor der Fertigstellung.

Nachdem die Passagiere das Flugzeug verlassen haben, bietet sich das Bild, das ich durchaus erwartet habe: Viele Uniformierte, viele Supervisoren - alle wahnsinnig freundlich - viele Diskussionen um Zuständigkeiten und Formulare, aber immerhin auch zwei Mann für die Kabinenreinigung.

Zwei Stunden bleiben bis zum Rückflug, Zeit genug also, sich die Beine zu vertreten. Unvermuted komme ich in den Genuß der Gastfreundschaft einiger Vorfeldarbeiter, die sich ihre Mittagspause in einem alten Bus mit Kartenspielen vertreiben. Ich werde beim Vorbeigehen hereingebeten, bekomme eine indische Zigarette - ein ganzes eingerolltes Tabakblatt mit einem Faden zusammengebunden - geschenkt, kann mich aber nur mit einer biederen Pall Mall revanchieren. Es wird viel geredet über die heilige Stadt Amritsar, Sikhs, Hindus, Moslems, die Grenze zu Pakistan, und über Wien. Keiner war zwar jemals dort, aber man weiß bescheid, daß Wien eine schöne Stadt sei, über Kultur und über das österreichische Kaiserreich. In der „ersten„ Welt außerhalb Europas passiert das relativ selten.

Nachdem ich ja der „Media Guy„ wäre, werde ich angehalten, jedenfalls über Amritsar zu berichten, den goldenen Tempel, der die ganze Stadt zur heiligen Stadt macht, über den zu besichtigenden Grenzübergang nach Pakistan (klingt nach Checkpoint Charlie, nur ohne musealen Charakter) und viele weitere Sehenswürdigkeiten. Leider war mir diesmal kein längerer Aufenthalt möglich, dennoch sei hiermit gesagt, daß Amritsar eine Reise wert ist.

Abflug mit Hindernissen

Die Maschine samt frischer Crew wäre für den Rückflug fertig, wird aber wieder durch einige Unstimmigkeiten aufgehalten. Das Catering ist für einen Langstreckenflug bei Weitem nicht ausreichend und man muß erst eruieren, wer dazu ermächtigt ist, das Boarding einzuleiten. Nachdem auch das geklärt ist und man doch noch eine realistischere Menge an Getränken als 24 Liter Wasser gebunkert hat, kann man sich schließlich auf den Weg nach Wien machen.

Nach weiteren ereignislosen siebeneinhalb Stunden in denen die Landschaft und die Stimmen am Funk immer vertrauter werden, wird die Parkbremse auf einer Außenposition vor dem Skylink gezogen. Nach Crewtausch und Nachtanken folgt dann noch der kurze Hupfer nach Birmingham.

Fazit

Man kann Air Sylhet von Grund auf nur schwer mit innereuropäischen Airlines messen, da aufgrund des Konzepts nicht die selben Maßstäbe gelten können. Neben anscheinend airportseitigen Schwierigkeiten in Birmingham gibt es allergings einige Probleme, die sich mit relativ geringem Aufwand lösen ließen. Vieles wirkt zur Zeit noch provisorisch und bedarf einer strafferen Organisation. Ein Station Manager in Amritsar, der mit entsprechendem Nachdruck und Autorität die Abläufe beschleunigt, würde der Operation gut tun. Bei einigen Dingen hat man auch den Eindruck, daß am falschen Ende gespart wird, was gerade bei einer Neueröffnung ins Auge gehen kann.

Um nachhaltig Erfolg zu haben müssten sich also noch einige Dinge ändern. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds dürfte Air Sylhet aber eine realistische Chance haben, hat man doch eine Marktnische mit großem Potenzial und wenig Konkurrenz gefunden. Ob sie diese dauerhaft ausfüllen können, wird die Zeit zeigen.

 


 
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