Verfasst am: 01.05.09 20:25
Von: Paul Bernhard
Faszination Streckensegelflug
144 Kilometer Lebensfreude zum Saisonauftakt!
Ein Gefühl, das ein jeder Segelflieger kennt, ist die Sehnsucht nach Sonne und Freiheit in den Wintermonaten. Nachdem dieser Winter besonders lange und kalt war, ist die Freude über die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und Bummerl besonders groß, und man geht den obligatorischen Checkflügen im Verein sobald als möglich nach, um für gutes Wetter gerüstet zu sein.
Zum Ende der letzten Saison habe ich den Entschluss gefasst, dass in diesem Jahr mit dem Streckenfliegen begonnen werden muss. Nun ist es so, dass ich aus privater Natur im Jahr 2009 (Mai Hochzeit, Sommer Hausbau) schon relativ viel zu tun habe, sodass Turnau und der Alpensegelflug aus zeittechnischen Gründen nicht unbedingt erreichbar sind. Ich war in diesem besagten Winter jedoch nicht ganz untätig, um mein Ziel trotzdem zu erreichen oder zumindest ein Stückchen näherzukommen.
Ich brachte mein theoretisches Wissen auf Vordermann. Auf der einen Seite mit dem hervorragenden Buch „Streckensegelflug„ von Helmut Reichmann, das ich nur jedem Streckenfluginteressierten und Ambitionierten empfehlen kann. Und auf der praktischen Seite erwarb ich die Segelflugsimulation „Condor„ das meine motorischen Fähigkeiten bei dieser Kälte nicht einfrieren mögen.
Es entstand die Idee, mein abgestecktes Ziel von Graz aus zu versuchen. Mit dem neu erworbenen theoretischem Wissen und „Condor„ versuchte ich also, eine geeignete Strecke ausfindig zu machen, die für mich persönlich als Streckenflug gültig und auch real unter guten Bedingungen durchführbar ist. Nach zig digitalen Flügen stand meine Strecke in groben Zügen fest: Innerhalb des Segelflugsektors den „Hauptkamm„ entlang bis St. Bartholomä – auf Höhe Mooskirchen aus den Sektor ausfliegen und Richtung Reinischkogel – Goldhaube – östlich den Kamm abfliegen und in Mooskirchen wieder in den Sektor einfliegen. Sollten doch gute 100 Kilometer zusammenkommen. Soweit die Theorie. Im Simulator funktionierte es gut, sogar unter realistischen Umständen die in Graz vorhanden sind.
Nach meinem Checkflug und einem anschließenden 3-stündigen Flug in der Ka8 war klar, thermisch ist momentan einiges drinnen, jedoch ist mein Ziel in der Ka8 nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Für Ostersonntag war laut Wetterbericht und Alptherm tolles Flugwetter angesagt. Die Freigabe von meiner Zukünftigen schnell eingeholt (bei der ich mich an dieser Stelle herzlich für die entgegengebrachte Toleranz bedanken möchte) und ich stand am nächsten Tag um 08:45 Uhr im Hangar.
Nach den Startvorbereitungen und einem kurzen Absaufer (zu früher Start) saß bzw. lag ich also nun in unserer DG-300 OE-5505. Die ersten 150 m zu gewinnen waren an diesem Tag ein schwerer Kampf. Resultierend aus einem optimistischen 4 Minuten Schlepp. Nach und nach ging es höher. 7000 ft. im Sektor war für mich eine Premiere. Langsam kam der Gedanke, dass der heutige Tag Gutes bringen könnte. Nach meinem „Sektorflug„ flog ich in 7000 ft. aus dem Sektor der A2 entlang. Zwischen Reinischkogel und Schwarzkogel war es mir möglich, auf 3200 Meter zu steigen. Der Entschluss war gefasst. Abflug Richtung Goldhaube. Es empfingen mich eine schneebedeckte Weinebene und ein Paragleiter mit dem ich auf der kärntnerischen Seite der Koralm gemeinsam im Aufwind kreiste.
Angekommen, beeindruckte mich erstmal die Sicht auf das unter mir liegende. Die Goldhaube, viel Schnee und karge Felsen. Es ist einfach wunderschön. In diesem Moment ist es auch nebensächlich, dass ich nur minimalstes Steigen oder einen Nullschieber auskreise. Ich genieße.
Mein Abflug erfolgt, wie in der Theorie, über den Frauenkogel Richtung Deutschlandsberg und zurück zum Reinischkogel. In 7000 ft. fliege ich über St. Bartholomä wieder in den Segelflugsektor ein. Das mittlerweile rötliche Abendlicht begleitet mein Abgleiten Richtung Graz-West.
Landecheckliste – Positionsmeldung – Fahrwerk draußen – ich versuche mein möglichstes, um noch eine schöne Landung auf der 17 rechts hinzulegen.
Was bleibt, ist der Eintrag in mein Flugbuch mit dem bis zu diesem Zeitpunkt längsten Flug mit 4h 09 min und 144,32 gewertete Kilometer auf sis.at und ein unvergessliches Erlebnis für mich.
Segelfliegen – ein wunderbarer Gedanke!