Verfasst am: 01.06.09 10:00
Von: Martin Metzenbauer
Gatow: Luftwaffenmuseum der Bundeswehr in Berlin
Berlin hat für Luftfahrtinteressierte in der Tat einiges zu bieten: Neben den zwei verbliebenen Flughäfen mit ihren guten Fotomöglichkeiten, dem spannenden Projekt des neuen Hauptstadtflughafens BBI, der interessanten Geschichte (Stichwort: Luftbrücke) muss sich die deutsche Hauptstadt auch museal nicht verstecken. Am bekanntesten ist hierbei sicherlich das Technikmuseum, welches bereits von weitem an einer auf dem Dach montierten Dakota zu erkennen ist. Die Luftfahrtabteilung dieses Museums ist sowohl von der Quantität als auch der Qualität der dort ausgestellten Exponate absolut besuchenswert.
"Conny"-Cockpit im Technikmuseum Berlin.
Das Technikmuseum liegt sehr gut erreichbar mitten in Berlin - ganz im Gegensatz zu einem anderen, aber nicht minder interessanten, Museum - für das man allerdings eine halbe Weltreise auf sich nehmen muss. Das Luftwaffenmuseum der Bundeswehr befindet sich im äußersten westlichen Zipfel der Metropole, ungefähr dort, wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen. Inklusive Fahrt (mit den Öffis) und anschließendem Fußweg durch eine hübsche Vorortesiedlung ist man gut und gerne 1 1/2 bis 2 Stunden unterwegs (am besten nimmt man die U-Bahn U7 oder die S-Bahn S5 und fährt damit bis zur Station Spandau, wo man dann in den Bus 135 einsteigt und bis zur Haltestelle Seekorso fährt).
Das Museum befindet sich auf dem Areal des ehemaligen Royal Air Force-Flugplatzes Gatow, der 1994 geschlossen wurde. Heute ist noch ein Großteil der Gebäude erhalten - inklusive Tower und Hangars. Die beiden Runways wurden bereits zum Teil überbaut, zum Teil dienen sie als Ausstellungsfläche.
Was man bei einem Museum mit zehntausenden Exponaten (darunter weit mehr als 100 Flugzeuge und Hubschrauber) nicht erwarten würde, ist die Tatsache, dass der Eintritt kostenlos ist. Gleich nach dem Eingangscontainer wird man von einer Brequet Atlantic - sozusagen als Gatekeeper - empfangen. Diese Type - Erstflug 1961 - wurde als Seeaufklärer eingesetzt, die deutsche Marine hat insgesamt 15 Flugzeuge betrieben.
Einen erstklassigen Ausblick dürfte man wohl von dieser Position aus gehabt haben.
Nachdem man das riesige Gelände betreten hat, bietet es sich an, nach rechts (Süd-Westen) in Richtung der Hangars 5, 6 und 7 zu gehen. Vor letzterem stehen eine Reihe ehemaliger Maschinen der Flugbereitschaft. Darunter befindet sich auch ein Mil Mi-8S, der nach der Wiedervereinigung von der DDR-Luftwaffe übernommen und noch bis in die 1990er Jahre als VIP-Hubschrauber im Einsatz stand.
Mil Mi-8S in VIP-Ausführung.
Direkt neben dem mächtigen Hubschrauber aus UdSSR-Produktion steht ein Hansajet geparkt. Dieses Flugzeug (Baujahr 1965) mit den charakteristisch nach vorne gepfeilten Tragflächen stand bis 1987 im Dienste der Flugbereitschaft. Weltweit sind nur noch 15 Flugzeuge dieser Type erhalten, zwei davon befinden sich in Gatow. Eine Gruppe von Enthusiasten möchte übrigens einen Hansajet wieder in flugfähigen Zustand bringen - allerdings in Hamburg ("Ein Hansajet für Hamburg").
Einer von weltweit nur noch 15 erhaltenen Hansajets.
Neben diesem Freigelände befindet sich der Hangar 7, in welchem eine interessante Ausstellung zum Thema "50 Jahre Bundeswehr" geschaffen wurde. Vom Kalten Krieg bis zu "neuen Verantwortungen" nach der Jahrtausendwende spannt sich hier der weite fliegerische Bogen. Flugzeuge vom Starfighter bis zur MiG-29 illustrieren diesen Weg.
Die Republic F-84 "Thunderstrike" war Ende der 1950er Jahre eines der wichtigsten Flugzeugmuster der Bundeswehr.
Nach der Wiedervereinigung mit der DDR flogen insgesamt 24 MiG-29 der Nationalen Volksarmee (NVA) für die Bundeswehr. Eine Maschine ging verloren, eine landete im Museum in Gatow und die restlichen Flugzeuge wurden an die polnische Armee abgegeben.
Wenn man den Hangar 7 verlassen hat, kann man den riesigen Außenbereich des Museums auf den ehemaligen Taxi- und Runways erkunden (dazu muss man wieder Richtung Eingang zurückgehen). Zuerst kommt man dabei auf einem der Rollwege bei einer großen Anzahl kleinerer Maschinen bzw. Schulflugzeuge vorbei.
Erinnert an einen Hai mit weit aufgerissenem Maul, ist aber eine Dassault Super Mystere B.2 - das erste serienmäßig hergestellte europäische Überschall-Kampfflugzeug.
Obwohl nicht unbedingt eine Schönheit, war die Fairey Gannet aber in den 1950er Jahren das wichtigste Aufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug der Bundesmarine.
Anschließend kommen die Hubschrauber-Liebhaber voll auf ihre Kosten. Das Museum in Gatow hat einige interessante Exponate zusammen- und auf der südlicheren der beiden (nur noch zum Teil erhaltenen) Runways ausgestellt.
Ein eher grimmiger Kerl namens Mil Mi-24D, der ab den 1970er Jahren in einigen Ostblock-Staaten als schwerer Kampfhubschrauber im Einsatz war.
Warum der Piasecki H-21 den Beinamen "Banane" erhalten hat, ist nicht allzu schwer zu erraten. Der einmotorigeTransporthubschrauber stand von den 1950er bis in die 1970er Jahre im Einsatz der Bundeswehr.
Wenn man sich dann zum weiter westlich gelegenen Teil der beiden parallelen Runways begibt, findet man eine bunte Mixtur aus größeren und kleineren Flugzeugen westlicher und östlicher Provenienz.
In Gatow gibt es jede Menge Flugzeuge - unter anderem sind sie auf den verbliebenen Runwaysegmenten abgestellt.
Die North American OV-10 "Bronco" wurde als leichtes Angriffs- und Aufklärungsflugzeug ab Ende der 1960er Jahre eingesetzt. In Deutschland wurde sie lediglich für Zieldarstellungen und Zielschleppübungen verwendet.
Auch ein Harrier der Royal Air Force ist in Gatow ausgestellt.
Eine lange Nase zeigt diese Lockheed F-104 - in Gatow sind gleich mehrere "Starfighter" vertreten. Die Bundeswehr hat auch immerhin knapp 600 davon betrieben.
Die McDonnell RF-4 wurde von 1971 bis 1994 als optischer Radar-Aufklärer (vornehmlich an der deutsch-deutschen Grenze) und für Close Air Support-Aufgaben verwendet. Noch heute stehen rund 50 F-4 "Phantom" in den Diensten der Bundeswehr. Sie sollen bis 2012 ausgemustert und durch Eurofighter ersetzt werden.
Im Anschluss an die diversen Fighter findet man noch zwei schöne, alte Transportmaschinen, eine Noratlas und eine An-26T.
Die Nord Aviation M2501D "Noratlas" konnte bis zu 42 Passagiere oder als Verwundetentramsporter bis zu 30 Liegen oder über 5 Tonnen Fracht transportieren. Das Muster hatte 1949 seinen Erstflug. Bei der Bundeswehr wurde sie 1971 von der "Transall" abgelöst.
Die Antonov An-26T hat ihren Erstflug im Jahr 1967 absolviert. Einige Maschinen aus Beständen der NVA waren von 1990 bis 1994 bei der Bundeswehr im Einsatz.
Wenn man sich vom Freigelände wieder Richtung Süden begibt, kommt man zum Hangar 3, der eine interessante Ausstellung über die Geschichte der militärischen Luftfahrt in Deutschland seit 1884 beheimatet. Auch hier findet man zahlreiche Exponate - von der "Etrich-Taube" bis hin zum "Tornado". Ebenfalls besuchenswert ist der Museumsshop, der in diesem Gebäude zu finden ist.
Eine MiG-21 mit "Innenleben".
Eines der interessantesten Exponate: Ein Kabinensegment der ehemaligen deutschen Kanzler-Boeing 707 der Flugbereitschaft.
Der "Tornado" ist seit 1980 bei der Bundeswehr im Einsatz - heute fliegen noch rund die Hälfte der ursprünglich über 300 Maschinen.
Der Weg zurück Richtung Ausgang führt zuerst an einem ganz besonderen "Starfighter" mit Raketentriebwerk vorbei zum Towergebäude. In diesem gibt es eine weitere interessante militärhistorische Ausstellung.
Diese Lockheed F-104G ZELL hatte eine Boosterrakete, die der Maschine auch bei zerstörten Runways den Start ermöglicht hat. Aufgrund der hohen Kosten (umgerechnet rund € 50.000 pro Start) wurde dem Projekt allerdings nur mäßiger Erfolg zuteil.
Gatow früher und heute.
Wenn man Gatow besichtigen möchte, benötigt man mindestens drei Stunden - allerdings im Schnelldurchgang. In Anbetracht der großen Menge an aviatischen Leckereien die hier zu besichtigen sind und der doch etwas längeren Anfahrt sollte man sich aber eigentlich einen ganzen Tag Zeit für die Besichtigung nehmen.
Ganz egal, ob man viel oder weniger Zeit hat - das Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert!
Links:
Luftwaffenmuseum
Bericht über das Museum auf AirVenture
Position des Museums auf Live Search Maps