Featuredetail


Verfasst am: 12.07.09 00:01

Von: Stefan Rockenbauer

Frühjahrsübung bei Christophorus 15

Am 16. Mai stand bei Christophorus 15 wieder die alljährliche Frühjahrsübung auf dem Programm.

Christophorus 15 aus Ybbsitz ist einer von drei in Niederösterreich stationierten ÖAMTC- Notarzthubschraubern. In seinem Einsatzgebiet liegen Berge wie Ötscher, Hochkar und das Hochschwabgebiet, die eine Alpinausbildung notwendig machen. Um immer perfekt für jede Situation gerüstet zu sein, wird zweimal im Jahr trainiert.

Geübt wurde nicht mit dem Einsatzhubschrauber (Eurocopter EC 135T1, OE-XEC), sondern mit einer extra bereitgestellten Maschine (Eurocopter EC 135T2, OE-XEO), damit die Einsatzbereitschaft nicht gefährdet wird. Kurz nachdem die XEO am Stützpunkt eingetroffen war, bekam die Crew via Pager auch schon den ersten Einsatz des Tages. Trotz leichten Nieselregens und einer relativ niedrigen Wolkenuntergrenze war die Mannschaft binnen Minuten auf dem Weg zum Einsatzort.

Kurz darauf startete der Stützpunktleiter Cpt. Roland Eslitzbichler zu einer genauen Überprüfung des Geländes. Mit an Bord waren ein Flugrettungssanitäter und ein Bergretter. Nach der Begutachtung wurde das endgültige Ok zum Start der Übung gegeben. Somit machten sich alle versammelten Flugrettungssanitäter und Bergretter auf in das gegenüber vom Stützpunkt liegende Gelände. Dieser Hang ist das bevorzugte Übungsgebiet von C15, da dort alle Szenarien ideal durchgespielt werden können.

OE-XEO trifft im Übungsgelände ein.

OE-XEO trifft im Übungsgelände ein.

Trainiert wurden die Bergeverfahren mit variablem Tau, Fixtau und Bergesack und das angestützte Ein- und Aussteigen.

Zu Beginn wurden die Bergretter mit dem Fixtau in felsiges Gelände geflogen. Sie stellten später die zu bergenden Personen dar.

Zum Abflug bereit

Zum Abflug bereit.

 Das Fixtau wird am Lasthaken eingehängt

Das Fixtau wird am Lasthaken eingehängt.

Ab ins Gelände

Ab ins Gelände.

Nachdem alle Übungspersonen auf ihren Plätzen waren, machten sich die Flugrettungssanitäter bereit, um sie einzeln mit dem variablen Tau zu "retten".

Die variable Taubergung wird angewandt bei:

- Schluchtgelände mit unklarer Taulänge
- Steilfels
- Steilem Waldgelände mit notwendiger Taulänge über 40 Meter

Bei diesem Bergeverfahren steht die Bergung durch den Flugretter im Vordergrund, die Versorgung des Verunfallten durch den Notarzt wird dann erst am Zwischenlandeplatz durchgeführt.

Der Flugretter seilt sich mit Hilfe eines speziellen Abseilgerätes vom 10-Meter-Tau aus bis zu 80 Meter weiter bis zum Patienten ab. Der Pilot hält den Hubschrauber während der gesamten Aktion in der gleichen Höhe, was einen enormen Sicherheitsvorteil bedeutet.

Dieses Bergeverfahren haben Flugretter des Christophorus Flugrettungsvereins entwickelt und international präsentiert. Bei den alpinen Christophorus-Stützpunkten wird es immer wieder erfolgreich eingesetzt.

Der Flugretter überprüft das Abseilgerät im Schwebeflug

Der Flugretter überprüft das Abseilgerät im Schwebeflug.

In der Zwischenzeit kam die OE-XEC von ihrem Einsatz zurück. Sie wurde für die Dauer der Übung nicht am Stützpunkt, sondern direkt am Übungsgelände geparkt. Somit konnten alle Piloten, Sanitäter und Notärzte an der Übung teilnehmen.

Die beiden EC 135

Die beiden EC 135.

Nach der wohlverdienten Mittagspause war der nächste Übungspunkt an der Reihe: Das angestützte Ein- und Aussteigen. Diese Prozedur ist immer dann erforderlich, wenn das Gelände eine Landung nicht zulässt. Beim angestützen Ein- und Aussteigen setzt der Pilot den Hubschrauber mit nur einem Teil der Kufe im Gelände auf. Dadurch kann er den Heli sicher stabilisieren.

Wenn der Pilot das Kommando gibt, steigen der Flugrettungssanitäter und nach einer 180° Drehung des Hubschraubers der Notarzt aus. Alle Crewmitglieder sind während dieses Vorganges ständig über Funk verbunden.

Zuerst steigt der Sanitäter aus

Zuerst steigt der Sanitäter aus.

Nach der 180° Drehung des Hubschraubers steigt auch der Notarzt aus

Nach der 180° Drehung des Hubschraubers steigt auch der Notarzt aus.

 Ein Flugretter kurz nach dem aussteigen aus dem Heli

Ein Flugretter kurz nach dem Aussteigen aus dem Heli.

Dritter und letzter Trainingspunkt war das Bergen mittels Fixtau und Bergesack. Diese Bergemethode wird eingesetzt, wenn eine Landung am Notfallort nicht möglich ist. Hierbei werden in aller Regel der Notarzt und der Flugretter mit dem Tau zum Notfallort gebracht (in Ausnahmefällen, z. B. bei sehr schwierigem Gelände, nur der Flugretter). Nach einem kurzen Überflug über die Unglücksstelle entscheiden Flugretter und Pilot gemeinsam, ob eine Seilbergung möglich ist und wie lang das Bergeseil sein soll. Am Zwischenlandeplatz hängt der Flugretter das Seil mit der entsprechenden Länge unterhalb des Hubschraubers an.

Der Flugretter am Seil gibt im Anflug auf die Unglücksstelle ständig Entfernungs- und Höhenangaben durch. Somit weiß der Pilot genau, wie viele Meter es noch bis zum Aufsetzen des Flugrettungssanitäters am Boden sind.

Notarzt und Flugretter werden an den „Notfallort„ geflogen

Notarzt und Flugretter werden an den „Notfallort„ geflogen.

Am Notfallort wird der Patient erstversorgt und in den Bergesack mit Vakuummatratze gelegt. Gemeinsam mit dem Notarzt und dem Flugretter wird der Patient im Bergesack am Tau hängend zu einem geeigneten Zwischenlandeplatz geflogen. Dort wird der Verletzte gegebenenfalls weiter medizinisch versorgt, in den Notarzthubschrauber verladen und anschließend in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus geflogen.

Der Verletzte liegt bereits im Bergesack und wird für den Abflug vorbereitet

Der „Verletzte„ liegt bereits im Bergesack und wird für den Abflug vorbereitet.

Der Hubschrauber nimmt wieder seine Position ein um die Personen aufzunehmen

Der Hubschrauber nimmt wieder seine Position ein, um die Personen aufzunehmen.

Abflug mit dem Patienten

Abflug mit dem „Patienten„.

Bis zu 4 Personen können gleichzeitig bei einem Seilflug befördert werden. Es sind fixe Seillängen von 10 bis 60 Meter möglich. Mit dem variablen Tau zusammen können Seillängen bis zu 140 Meter erreicht werden. Mit dieser Seillänge flog Christophorus 5 aus Zams in Tirol im August 2005 die längste Seilbergung Österreichs.

Nachdem alle Übungen erfolgreich durchgeführt wurden, traf man sich noch kurz am Fuße des Hanges. Mit einer abschließenden Teambesprechung über die wichtigsten Punkte wurde die Übung schließlich beendet.

Teambesprechung

Teambesprechung.

Ich möchte mich herzlich bei den Crewmitgliedern von Christophorus 15, insbesondere bei Stützpunktleiter Cpt. Roland Eslitzbichler, für die Gastfreundschaft und die Fotomöglichkeiten bedanken.

 

 

 

 

 


 
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