Verfasst am: 26.07.09 23:00
Von: Florian Smeritschnig
Korean Cargo Boeing 747
Die Abfertigung einer Boeing 747-400ERF in Wien-Schwechat
Pünktlich um 1143 local landet Flug KE 519 nach 10 Stunden und 47 Minuten Flugzeit von Seoul Incheon kommend auf der Piste 34 in Wien Schwechat. Fünf Minuten später erreicht die Boeing 747-400ERF die Parkposition A96; heute vor der Austrian - Werft, da der Block Kilo, auf welchem die 747 Frachter normalerweise stehen, zur Hälfte für Maschinen mit Anschlusspassagieren aus Mexiko (Schweineinfluenza-Verdachtsfälle) reserviert ist.
Bei der Parkposition wird der blaue Riese bereits von einem Techniker der KLM und zahlreichen Vorfeldarbeitern des Wiener Flughafens erwartet – ein Großteil der Fracht steht ebenfalls schon zur Beladung bereit.
Nachdem die Parkbremse gesetzt und die Triebwerke abgestellt sind, geht alles sehr schnell: Die Fluggasttreppe wird herangeschoben und die GPU angeschlossen. Die hydraulischen Hebebühnen fahren auf ihre Positionen. Von jetzt an haben die Arbeiter des Wiener Flughafens weniger als zwei Stunden Zeit, die Maschine um mehr als die Hälfte ihres Inhalts zu erleichtern, um sie anschließend mit neuer Fracht zu beladen. Der Abflug nach Paris CDG ist bereits für 1355 local geplant.
Die Crew, bestehend aus zwei Kapitänen und zwei Ersten Offizieren, wird auch den Weiterflug nach Paris durchführen und bleibt deshalb während des Turnarounds an Bord.
(untere Cargotür, vorne rechts)
Der Blick in den Frachtraum: Die Paletten auf der rechten Seite werden während des Aufenthaltes in Wien nicht angetastet - sie bleiben für den Weiterflug nach CDG an Bord. Die Paletten auf der linken Seite, (die Seite mit dem großen Cargo Door) werden ausgeladen - Eine vorausschauende Planung ist das „Um-und-Auf„, denn sie ermöglicht es, die Standzeit am Boden so gering wie möglich zu halten.
Der Aufgang zum Cockpit: Am Oberdeck befinden sich hinter der Cockpittür eine kleine Küche, drei Sitzreihen und hinter einer weiteren Tür zwei Betten für die Crew.
Wieder auf dem Maindeck stellen wir fest, dass gerade die letzte Cargopallete entladen wird. Die ausgeladenen Waren werden sortiert und gelangen entweder weiter per Luftfracht oder per Luftfrachtersatzverkehr (Road Feeding Service von mehr als 50 Speditionen am Wiener Flughafen) zu den Zieldestinationen, welche sich zum Großteil im CEE-Raum befinden.
Die Sicht aus dem großen hinteren Cargodoor.
Mit dieser Konsole können die Palettenbewegungen im Flugzeug gesteuert werden.
Der hintere, untere Frachtraum
Während die Arbeiter mit der Beladung beginnen, habe ich Zeit, mir ein paar Details des Frachters näher anzusehen.
Eines der vier PW4062 Triebwerke.
Mittlerweile ist bereits der Tankwagen eingetroffen.
DerTailstand ist eine Sicherheitsmaßnahme für den Fall, dass die Maschine während der Beladung aus der Balance gerät und nach hinten kippt.
Beladung unter Hochdruck - überall wird gearbeitet und hantiert. Aufgrund der Lautstärke, die vor allem von der Klimanlage und der APU ausgeht, erfolgt die Kommunikation meist nur per Handzeichen. Perfekte Koordination und Effizienz lassen auf ein gut geschultes Team schließen. Kein Wunder, setzte der Flughafen Wien doch im Vorjahr knapp 270.000 Tonnen Fracht um.
Die letzten beiden Paletten werden verladen.
Als alle Arbeiten am Flugzeug abgeschlossen sind, schließen sich nach und nach die Frachttüren und zu guter letzt - nachdem die nötigen Papiere eingelangt sind - wird auch die Passagiertüre geschlossen. Nach einer weiteren Viertelstunde Wartezeit schieben die knapp 300PS des Pushback Trucks die Maschine auf den Rollweg. Während des Pushbacks bekommen die Piloten die Freigabe zum Anlassen der Engines und das 3. und 4. Triebwerk werden simultan gestartet. Danach folgen die Eins und die Zwei.
Die Aussicht eines Pushback-Fahrers.
Als der Pushback abgeschlossen ist, wird die Verbindung zum Bugfahrwerk getrennt, und der Truck entfernt sich schnell vom Taxiway. Nachdem die Maschine die Rollfreigabe erhalten hat, setzt sie sich in Bewegung und rollt über Exit 14 und Mike zum Holdingpoint A1 der Piste 29. Nach kurzer Wartezeit, bedingt durch eine startende Austrian Arrows DH8, setzt die Crew Takeoff - Thrust. Da die Maschine nur wenig Treibstoff getankt hat und um einige schwere Paletten erleichtert wurde, rotiert das Bugfahrwerk bereits auf der Höhe von Exit 9. Die Maschine nimmt Kurs nach Paris auf der SID Sitni 4C.
HL7499 wurde am 4. Februar 2004 an Korean Air Cargo ausgeliefert und ist eine von 22 Boeing 747-400 Frachtern, die heute von der Cargolinie eingesetzt werden. Sie hat eine maximale Reichweite von 8.415 km und kann knapp 118 Tonnen Fracht befördern. Im Jahr 2008 registrierte Korean Air 8,822 Milliarden FTK (Fracht-Tonnenkilometer) und führt damit die Liste der Linienfluggesellschaften in internationalen Fracht-Tonnenkilometern an.
Vielen Dank an die Crew von Korean Air Cargo und Korean VIE-Manager Ron Stichert!