Featuredetail


Verfasst am: 14.09.09 19:50

Von: Stefan Rockenbauer

Oldtimer Fliegertreffen Hahnweide 2009

Augenweide, Ohrenweide, Hahnweide...

...so lautete das Motto des 15. Oldtimer-Fliegertreffens vom 4. bis 6. September auf der Hahnweide, bei dem sich rund 400 Flugzeuge unter der Teck (Name einer Burg in der Nähe) versammelten.

Das Segelfluggelände Hahnweide (ICAO: EDST) liegt am Rande des Städtchens Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg, etwa 25km südöstlich von Stuttgart. Der Flugplatz, mit seinen 500 und 600 Meter langen Graspisten (Ausrichtung 07/25 und 13/31), wird von der Fliegergruppe „Wolf Hirth Kirchheim unter Teck e. V.„ betrieben. Dieser Verein veranstaltet seit nunmehr 1981, immer in den ungeraden Jahren, das neben Duxford und La Ferté-Alais größte Oldtimertreffen in Europa.

Die Publikumsmagneten waren sicherlich die zahlreich erschienenen Warbirds. Unter den Highlights befanden sich Typen wie Boeing B-17G Flying Fortress, North American P-51D Mustang, Supermarine Spitfire, Focke-Wulf FW-190, Polikarpov I-16 Rata oder Hawker Fury FB10 um nur einige wenige zu nennen. Doch auch Liebhaber ziviler Oldtimer und Raritäten kamen voll auf Ihre Kosten.

Die ersten Teilnehmer wie die P-51D, die I-16 oder die Blériot XI trafen schon im Laufe der Woche auf dem Flugplatz ein. Der Pilot der Mustang, Marc Mathis, wurde noch am gleichen Tag nach Paris Le Bourget zurückgeflogen um wenige Tage später mit der FW-190 wieder auf der Hahnweide zu landen.

Das erste große Highlight der Veranstaltung am Freitag fiel leider ins Wasser. Der geplante Überflug der sechs in Europa noch flugfähigen Junkers Ju-52 in Formation fand im strömenden Regen nur mit vier Maschinen statt. Nachdem sich der Regen verzogen hatte konnten dann doch noch alle Ju’s auf der Hahnweide landen.

Als am Abend vereinzelt letzte Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke blitzten, ließen es sich einige Piloten nicht nehmen noch ein paar Runden mit ihrem Gerät zu drehen.


Klaus Lenhart mit seiner Extra 300SC.


Eine Yak 50 Reim rollen.

Wer gute Fotos machen wollte musste samstags und sonntags früh aufstehen. Von ca. 07:00 – 09:00 Uhr wurde die Flightline für die Besucher geöffnet. Besonders die Fotografen konnten sich hier austoben und verschiedenste Details an den unzähligen Flugzeugen auf Chip bannen.

Die letzte noch flugfähige Lisunov Li-2,

ein in der Sowjetunion hergestellter Lizenzbau der US-amerikanischen Douglas DC-3. Dieses Exemplar fliegt, bis auf ein GPS- und modernen Funkgeräten, noch mit original Avionik.


Pin-up Nose art auf der Max Holste MH-1521 Broussard...


...und Antonov AN-2.


Sternmotor mit Holzpropeller an einer Focke-Wulf FW-44J Stieglitz.


Der arme Esel muss als Staurohrabdeckung an einer PZL-106AR/2M Kruk herhalten.


Die verglaste Nase der B-25J „Russell‘s Raiders„. Hier nahm eines der sechs Besatzungsmitglieder Platz.

Pünktlich um 09:00 Uhr, als alle Besucher wieder hinter die Absperrungen zurückgekehrt waren, landeten auch schon wieder die ersten Flugzeuge, die vorher geduldig ihre Warteschleifen geflogen hatten, auf dem Platz. Am Samstagvormittag reisten noch einige Warbirds an, die am Freitag wegen des schlechten Wetters nicht anreisen konnten. Darunter Schmuckstücke wie eine North American B-25J Mitchell, eine Hawker Fury FB10 oder eine Hawker Hurricane MkIIB.


Einer der ersten war die Morane-Saulnier D-3801...


...dicht gefolgt von der mächtigen Grumman TBM-3R Avenger, dem Standard Torpedobomber der US-Marines im zweiten Weltkrieg.


Eine von vielen Stearmans im Anflug auf RWY 31.


Cessna 195B kurz vor der Landung.


Morane-Saulnier MS-317


Eine De Havilland D.H. 104 Dove in den Farben der LTU.

Samstags und Sonntags von 11:00 – 18:00 Uhr fanden die Flugvorführungen statt. Den Anfang machte Walter Eichhorn mit seinem Jet, übrigens der einzige auf der Hahnweide. Er wurde dabei von seinem Sohn mit der T-6 begleitet.


Die tschechoslowakische Aero L-29 Delfin von Walter Eichhorn.

Die De Havilland DH-82A Tiger Moth II ist ein Doppeldecker von 1931 der hauptsächlich bei der britischen Royal Air Force eingesetzt wurde.

Die North American B-25J Mitchell, den Österreichern auch bekannt durch die Flying Bulls, zeigte eine eindrucksvolle Vorführung. Immer wieder ein Genuss ist die „Musik„ der zwei Wright R-2600 Cyclone Sternmotoren mit je 1.850 PS.

Die Hawker Fury FB10, ein einmotoriges britischen Jagdflugzeug, beeindruckte nicht nur durch ihren Wahnsinns Sound sondern auch durch ihren 5,50m großen Propeller. Sie trägt die Lackierung der Royal Australian Navy und wurde von Frederic Akary geflogen.

Die Hawker Hurricane MkIIB oder auch „Hurri-Bomber„ ist die einzig fliegende Hurricane in Bomberkonfiguration. Sie wurde erst kürzlich restauriert und gehört Peter Teichman. Von insgesamt 14.533 gebauten Hurricanes fliegen weltweit nur noch 12 Exemplare. Dieser Typ war wohl der entscheidende in der Luftschlacht um England.


Damals oder heute...

Ein weiteres großes Highlight war der „Showluftkampf„ der vorwiegend aus Frankreich stammenden Truppe. Da die B-17 nicht auf der Hahnweide landen konnte, flog sie ihr Display ab Stuttgart.


FW-190 verfolgt P-40N, B-17G und Spitfire.

Der B-17 Bomber ist wohl der bekannteste Bomber der US-Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg und war dafür bekannt, trotz schwerer Schäden aus den Einsätzen zurückzukehren. Die vollständige Besatzung einer „Flying Fortress„ bestand aus zehn Personen, vier davon waren ausschließlich MG-Schützen.


Die „Pink Lady„ bei einem ihrer Überflüge.

Die „fliegende Festung„ wurde von einer Supermarine Spitfire und einer Curtiss P-40N Kittyhawk vor den Angreifern, FW-190 und Bf-109, „beschützt„. Die „Spit„ ist wohl der bekannteste britische Jäger des zweiten Weltkrieges und war gefürchtet bei den deutschen. Die Kittyhawk war den deutschen Jägern, aufgrund der geringen Höhenleistung, unterlegen und wurde deshalb fast nur in Nordafrika und China eingesetzt.

Supermarine Spitfire


Die Spitfire macht Jagd auf die FW-190.

Curtiss P-40N Kittyhawk

Das beliebteste Flugzeug bei den deutschen Besuchern war wohl der Nachbau einer Focke-Wulf FW-190 A8/N der Flug Werk GmbH Deutschland. Sie fliegt erst seit 2009 und wurde zum ersten Mal in ihrem Ursprungsland vorgeführt. Die FW-190, auch „Butcherbird„ genannt, ergänzte ab 1942 die Messerschmitt Bf-109. Vom Standardjäger der deutschen Luftwaffe waren keine Maschinen mehr restaurationsfähig. Flug Werk baute eine kleine Serie nach Originalplänen wieder auf. Dieses Schmuckstück ist im Besitz des französischen Flugzeugsammlers Christophe Jacquard und wurde von Marc Mathis geflogen.

Natürlich ließ es sich die Messerschmitt Bf-109G-4 „Rote 7„ nicht nehmen die FW-190 im Luftkampf zu unterstützen. Sie ist, mit rund 35.000 Exemplaren das meistgebaute Jagdflugzeug aller Zeiten. Dieses Exemplar hat eine bewegte Geschichte, spielte schon in dem Film „Luftschlacht um England„ mit und hatte bereits mehrere Bruchlandungen.

Die Morane-Saulnier MS-406 war zahlenmäßig der wichtigste Jäger der französischen Luftwaffe zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Auf der Hahnweide konnte man einen Schweizer Lizenzbau (D-3801) bestaunen.

Die 80 Jahre alte Polikarpov I-16 konnte nach längerer Restauration erstmals vor größerem Publikum präsentiert werden. Mit ihrem riesigen 1000 PS starken Sternmotor und ihrem Zigarrenähnlichem Rumpf war sie eines des auffälligsten Flugzeuge an diesem Wochenende. Geflogen wurde sie von Thomas Jülch.

Der Klassiker der Warbird-Szene ist mit ziemlicher Sicherheit die North American P-51D Mustang. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie fast ausschließlich als Langstrecken-Begleitjäger, Jagdbomber und Aufklärer eingesetzt. In Kirchheim zeigte die P-51 „Nooky Booky IV„ ein sehr rasantes Display gemeinsam mit der Skyraider.

Ebenfalls aus Frankreich erschien die mächtige Douglas AD-4N Skyraider vom Museum „Amicale Jean Baptiste Salis„. Noch in der originalen Bemalung als trägergestützter Jagdbomber der "USS Saratoga" ist sie mit ihrem 2.800 PS starken R-3350-26B Doppelsternmotor Augenweide und Ohrenschmaus zugleich. Die Skyraider ist ein US-amerikanischer Jagdbomber der Nachkriegszeit und wurde erfolgreich im Korea- und Vietnamkrieg eingesetzt.


Am Samstag flog sie ihr Display im letzten Sonnenlicht.

Eine große Überraschung waren auch die Überflüge der Lockheed C-121C Super Constellation der „Super Constellation Flyers„ aus der Schweiz am späten Samstagnachmittag. Die Maschine war auf dem Rückflug von Hamburg nach Genf als sich die Crew kurzerhand dazu entschloss der Hahnweide einen Besuch abzustatten.

Die 25 PS starke Blériot XI La Manche ist wohl eines der ältesten noch flugfähigen Flugzeuge der Welt. Sie wurde vom Eigner und Piloten Mikael Carlson Ende der 80er in einer Scheune gefunden und wieder in flugfähigen Zustand gebracht. Heute präsentiert er sie auf Airshows in ganz Europa.

Auch erwähnenswert sind die diversen Segler die jeweils am Ende der Show zum Zuge kamen...


Fauvel AV-36


Fauvel AV-22S


Zögling-RRG

...sowie die „Rundflieger„ die das ganze Wochenende Runde um Runde drehten.


De Havilland DH-89A Dominie


Max Holste MH-1521 Broussard


Antonov AN-2 mit der Teck im Hintergrund.


Insgesamt waren vier AN-2 am Platz.


Zwei Junkers Ju-52 in Formation.


Der Sikorsky S-58C wir durch einen Sternmotor angetrieben.

Am Freitag und Samstag gab es ein weiteres Highlight: Die Beleuchtete Flightline. Untermalt wurde das Ganze mit Musik und Kunstnebel. Anschließend konnte man beim gemütlichen Fliegerfest den Tag ausklingen lassen.

Fazit:

Absolut empfehlenswert! Einer der schönsten Luftfahrtevents die ich je besucht habe. Freundliche Leute, absolut super organisiert, grandiose Platzsprecher die mit Witz und Wissen überzeugten.

Einziges Handicap für die Fotografen: Der Zuschauerbereich liegt fast den ganzen Tag im Gegenlicht. Aber auch das kann man umgehen wie man an den Fotos sehen kann.

Ach ja, das nächste Oldtimer Fliegertreffen findet von 02.09. bis 04.09.2011 statt!


 
News Regional News International Feature Forum Im Focus Home Newsletter Jobs Airline Info Links