Verfasst am: 01.03.10 06:00
Von: Text: Peter Unmuth Fotos: Andy Graf, Thomas Ramgraber, Peter Unmuth
Spotlight - Kanada Northwest Territories
VAP on Tour 2009 Teil 2

Sechzigster Breitengrad, die Grenze zu den Northwest Territories
Wie bereits im ersten Teil „Spotlight Alberta„ erwähnt, bildet der 60. Breitengrad die Grenze zwischen den Bundesstaaten Alberta und Northwest Territories. Bei strahlendem Sonnenschein legten wir an dieser Stelle eine kurze Pause ein, um uns für die noch vor uns liegenden 120 Kilometer zu unserem Etappenziel Hay River zu erfrischen.

Am 60th parallel
50 Kilometer südlich von Hay River liegen die „Twin Falls„, bestehend aus den Alexandra und den Louise Falls. Dieses Naturschauspiel wollten wir uns nicht entgehen lassen, und so nahmen wir den Fußweg ans Flussufer und genossen dort die Sonne.

Die Alexandra Falls
Die letzten Kilometer bis zur Stadt vergingen dann wie im Flug, und gleich an der südlichen Stadtgrenze fiel und der Hay River Heliport auf. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir uns den dort abgestellten Helikopter nicht entgehen lassen, also aufs Gelände gefahren, das Auto abgestellt, und nach jemandem Ausschau gehalten den wir Zwecks Zutrittserlaubnis ansprechen könnten. Nachdem uns 2 Personen das OK gaben zum Heli zu gehen um diesen zu fotografieren, kam uns am Rückweg zum Auto ein leicht erboster Pilot entgegen der uns fragte was wir denn bei seinem Heli gemacht hätten.

Great Slave Helicopters Aerospatiale AS350
Unsere durch ein mitgebrachtes Fotobuch mit Bildern unserer letzten Touren vorgebrachte Erklärung wurde dann auch akzeptiert und führte dazu dass wir gefragt wurden ob wir denn wüssten dass in Hay River so einiges interessantes herumsteht. Kurz und gut rief dann der Pilot beim Feuerlöschstützpunkt am Airport an, damit wir keine Schwierigkeiten hätten auch tatsächlich dort aufs Vorfeld zu kommen. Bei der freundlichen Verabschiedung vom Helipiloten konnten wir noch nicht ahnen dass wir uns demnächst wieder über den Weg „laufen„ sollten. Da wir die, laut Aussage des Piloten netten Mädels vom Feuerlöschstützpunkt nicht warten lassen wollten begaben wir uns ziemlich flott in Richtung Airport und hielten dort nach alten Fliegern Ausschau. Bei Sichtung dieser ...

Buffalo Airways Catalina ...
.. wähnten wir uns am richtigen Ort und gingen ins Büro um uns bei der zuständigen vorzustellen. Ziemlich überrascht stellten wir fest das die eigentlich gar nichts von unserem Erscheinen wusste, uns aber trotzdem die Genehmigung gab uns frei zu bewegen. Beim Anblick der dort als Ersatzteilspender abgestellten DC-4 beschlich uns dann langsam das Gefühl eventuell das falsche Tor erwischt zu haben.

... und einige DC-4 als Ersatzteilspender
Zurück beim Büro ließen wir uns dann von der netten Dame den Weg zum Feuerlöschstützpunkt erklären. Und dort warteten dann tatsächlich die netten Mädels auf uns. Diese waren über die Abwechslung an diesem langweiligen Bereitschaftstag sehr erfreut und ließen uns am Stützpunkt ebenfalls freie Hand, was uns in Anbetracht der dort stehenden DC-4 äußerst gelegen kam.

Zum Löschflieger modifizierte DC-4 der Buffalo Airways
Nach einem netten Plausch mit der Besatzung des Stützpunktes ging es dann erst einmal auf Herbergssuche. Anschließend fuhren wir wieder zurück zum Airport um auf den Abendflug der Buffalo Airways aus Yellowknife zu warten. Die Airline fliegt von Montag bis Freitag jeweils morgens von Hay River nach Yellowknife und am Abend wieder retour. Am Wochenende wird am Samstagmorgen von Hay River nach Yellowknife geflogen und am Sonntagabend retour.
On time, mit dem Chef „Buffalo Joe„ als Pilot landete der Abendflug und rollte aufs Vorfeld. Wir 4 standen mit der Kamera bewaffnet vor der Tür zum Vorfeld. Joe sah uns, kam zum Tor und fragte „You guys are interested in old airplanes?„. Unsere Antwort kann sich wohl jeder denken. Die Tür wurde uns mit den Worten „Welcome guys, come in and do your thing„ geöffnet und wir waren am Vorfeld.

Buffalo Airways DC-3
Dort wunderten wir uns über die Typen mit den großen Filmkameras die aus der DC-3 stiegen. Die Verwunderung dauerte nicht lange da uns Buffalo Joe ebendiesen Typen vorstellte. Wir waren genau rechtzeitig zur Produktion einer Doku Soap über Buffalo Airways gekommen und wurden gefragt ob wir etwas dagegen hätten beim fotografieren gefilmt zu werden.

und the making of

Buffalo Airways DC-3 Cockpit ....

.... und Kabine
Damit ging unser erster Tag in den Northwest Territories zu Ende.
Am nächsten morgen ging es bereits um halb sieben wieder zum Airport. Zu unserer Überraschung standen jetzt zwei Buffalo Airways DC-3 am Vorfeld. Die neu angekommene hatte an diesem Tag eine reine Fracht Konfiguration.

Die zweite Buffalo Airways DC-3 am Vorfeld
Beim Check In gab es die nächste positive Überraschung für uns. Die freundliche Dame am Schalter meinte: „We don’t charge for people coming from that far to fly on our planes„. Unser Protest dagegen war so gut wie gar nicht vorhanden und so stiegen wir 3 in die DC-3. Unser vierter Mitreisender nutze die Gelegenheit der beiden anwesenden DC-3’s dazu in der Frachtmaschine mitzufliegen um Air 2 Air Aufnahmen zu machen.

Air 2 Air mit 2 DC-3
Zirka 45 Minuten dauerte der Flug über den Ende Mai großteils noch zugefrorenen Grossen Sklavensee. Der Name des Sees hat nichts mit der Sklaverei zu tun. Es handelt sich um einen Übersetzungsfehler des Namens des Indianervolkes „Slavey„. Der See dessen tiefster Punkt 458 Meter unter dem Meeresspiegel liegt ist mit einer Tiefe von 614 Metern der tiefste See Nordamerikas.

Grosser Sklavensee
Jede der in Yellowknife ansässigen Airlines betreibt Ihr eigenes Passagierterminal. So auch Buffalo Airways, deren Hauptgeschäft aus der Versorgung der noch weiter nördlich gelegenen Siedlungen und Diamant- bzw. Goldminen mit Sprit und Material besteht.

Buffalo Airways Passagier Terminal
Die Flotte besteht aus DC-3, DC-4, Curtiss C-46 Commando, Lockheed Electras, Canadair CL-215 Löschflugzeugen und einigen kleineren Props. Die Erlaubnis uns auf seinem Gelände frei bewegen zu dürfen wurde uns wieder vom Chef persönlich gegeben, und so konnten wir uns nach Herzenslust austoben. Auch dabei wurde uns wieder vom Filmteam der Doku Soap über die Schulter geblickt. Hier zum Beispiel als wir uns um die Curtiss C-46 Commando „kümmerten. Die im Folgenden gezeigten Bilder stammen vom ersten und dritten tag den wir im Yellowknife verbrachten. Am zweiten tag war das Wetter weniger ideal für Fotos, doch dazu später.

Überblick über einen Teil des mit Klassikern belegten Vorfelds.

Curtiss C-46 Commando Nase

Teilweise fühlten wir uns beobachtet.

Curtiss C-46 Commando in voller Schönheit
Wie bereits erwähnt wird auch eine beträchtliche Anzahl von DC-4 betrieben.

Buffalo Airways DC-4

Bei der Arbeit
Als Löschflugzeuge kommen Canadair CL-215 zum Einsatz

Canadair CL-215 Löschflugzeuge
Einige Impressionen der DC-3 Flotte
Die beiden früher von Amerer Air betriebenen Lockheed Electra haben eine neue Heimat in Nordkanada gefunden. Nach einer grundlegenden Überholung stehen beide Flugzeuge nun als Sprittransporter im Einsatz.

Leicht modifizierte österreichische Fahne

Die Tanks im Frachtraum der Electra

Electra Cockpit

An dieser Stelle nochmals Danke an das Personal von Buffalo Airways
Die gegenüber von Buffalo Airways ansässige Air Tindi betreibt eine gemischte Flotte von der Cessna 185 bis zur Dash 7.

Cessna 185

Cessna 208

DeHavilland Canada Dash 3

DeHavilland Canada Dash 6

DeHavilland Canada Dash 6

DeHavilland Canada Dash 7

DeHavilland Canada Dash 7

Echter Einsatz der sich lohnt
Eine ebenso bunt gemischte Flotte betreibt die am östlichen Ende des Airports ansässige Arctic Sunwest.

Beech 99 und Dash 8

De Havilland Canada Dash 2 auf Schwimmern

Piper 31

DeHavilland Canada Dash 6
Und als Highlight eine der ganz seltenen Dash 5.

De Havilland Canada Dash 5
Am direkt an Arctic Sunwest angrenzenden Vorfeld der Great Slave Helicopters gab es Helis der unterschiedlichsten Hersteller und in den verschiedensten Bemalungsvarianten zu sehen.
Die beiden „Platzhirschen„ im Nordwesten Kanadas, First Air und Canadian North dürfen natürlich in Yellowknife nicht fehlen.

First Air ATR-42

First Air Boeing 737-200

First Air Lockheed Hercules

Canadian North B737-200

Canadian North Dash 8-100
Als Gateguard am Yellowknife Airport fungiert diese Bristol 170 der Wardair Canada.
Wie bereits oben erwähnt bereitete uns das Wetter am mittleren unserer drei Tage in Yellowknife keine allzu große Freude. So nutzen wir diesen feuchtkalten und trüben tag um die Umgebung zu erkunden. Als erstes ging es über den „Ingraham Trail„ in Richtung Nordosten. Diese etwa 70 Kilometer lange Schotterstrasse ist sicherlich allen Sehern der „Iceroad Truckers„ vom Namen her geläufig. Der Endpunkt der Strasse nennt sich „End of the Road„. Etwa 60 Kilometer von Yellowknife entfernt ist die Abfahrt auf den „See„. Hier beginnt die Ice Road.

Die seit März geschlossene Abfahrt auf die Ice Road

Blick auf die Ice Road (der blaue am See erkenntliche Strich)
Ein paar Kilometer nördlich steht dann eine Nachrangtafel mit dem Zusatz „Stop in 500m„ am Rand des Ingraham Trails. Und tatsächlich erscheint kurz darauf eine Stopptafel. Wir haben End of the Road erreicht, dahinter geht es im Sommer per Auto nicht mehr weiter, nur mehr zurück nach Yellowknife.

End of the Road
Am Rückweg machten wir dann noch eine kleine Trekkingtour von etwa 45 Minuten in eine Richtung zu den Cameroon falls.

Cameroon Falls
In den Northwest Territories gibt es auch einige Bisonreservate, welche jedoch weitab von der Stadt liegen. Laut Reiseführer ist jedoch der Yellowknife Highway mit besonderer Vorsicht zu befahren da dort jederzeit Bisons die Strasse kreuzen können. So beschlossen wir die restliche zeit des Tages dazu zu nutzen den Highway nach Westen zu nehmen in der Hoffnung auf Bisons zu treffen.

Genau das haben wir vor
Und wieder sollten wir Glück haben. Nach etwa 50 Kilometer erschien eine Bisonherde am Strassenrand, die eben dazu ansetzte die Strasse zu queren. Also nix wie raus mit den Kameras, und einige Male langsam an der Herde vorbeigefahren (vom Stehenbleiben wird eingehenst abgeraten), damit jeder von uns seine Bison Fotos machen kann.

Bisonherde

Ganz schön imposant das Tier
Am Abend des dritten Tages traten wir, wiederum mit einer DC-3 der Buffalo Airways, den Rückflug nach Hay River an. Bereits im Anflug auf unseren Zielflughafen bekamen wir über Funkt mit das Löschflugzeuge und ein Hubschrauber im Luftraum über der Stadt unterwegs sind um einen Brand zu bekämpfen. Tatsächlich war dann auch eine Rauchsäule im Süden der Stadt sichtbar. Also nach der Landung nichts wie rein ins Auto und ab in Richtung Süden. Plötzlich das Kommando „Bei der nächsten Möglichkeit nach rechts da ist ein Schrottplatz!.„ „Ok und warum zum Schrottplatz?„ „Da liegen DC-3 und DC-4 herum.„ Also gesagt getan, und von der Hauptstrasse ab und zum Schrottplatz der, wie wir dann feststellen konnten, ebenfalls zu Buffalo Airways gehört.

Kenn Borek Air DC-3

Canada Air Force DC-3

Reste einer Everts Air Fuel Curtiss Commando

Buffalo Airways DC-4
Nach diesem kurzen Zwischenstopp fuhren wir dann weiter in die Richtung wo wir hofften die Löschflugzeuge im Einsatz zu sehen. Und tatsächlich war dann auch der Highway 5 der südlich von Hay River nach Osten führt kurz vor der städtischen Mülldeponie gesperrt weil diese in Brand geraten war. Die Frage an die Polizisten an der Strassensperre ob es denn möglich und erlaubt sei näher heranzugehen wurde freundlich mit „As long as you stay out of the helicopters path„ beantwortet. Also ran ans Geschehen. Der vom Polizisten angesprochenen Heli nahm etwa alle 2 Minuten an einem kleine See südlich der Strasse Wasser auf um dann die Brandherde zu bekämpfen.

Wasseraufnahme ...

... und Wasserabgabe
Nach einiger Zeit war ein Klingeln wie früher am Schulhof zu vernehmen. Der sogenannte „Birddog„ war im Anflug. Dieser hat die Aufgabe durch eine außen am Flieger befestigte Klingel alle am Boden befindlichen zu warnen das es demnächst ungemütlich feucht wird.

Der Einweiser ...
und weiters dient er als Einweiser für die ihm folgenden Löschflugzeuge.

... und die eingewiesenen
Am Ende des Tages hatten wir dann noch ein Wiedersehen mit dem schonam Anfang des Berichtes erwähnten Hubschrauberpiloten. Plötzlich begann der Heli einen Anflug auf die Strasse und landete nicht weit von uns entfernt.

Abendstimmung mit Hubschrauber
Die Tür geht auf, der Pilot springt heraus und kommt auf uns zu. Wir befürchteten schon von ihm wegen Sicherheitsabstand oder ähnlichen zurechtgewiesen zu werden, doch es kam ganz anders. Wir erhielten mit den Worten „Please mail me some of the photos„ eine Visitkarte von ihm in die Hand gedrückt und er entschwand wieder zu seinem Arbeitsgerät.
Am nächsten Tag ging es dann wieder Richtung Süden und mir erreichen des 60 Breitengrades verließen wir die Northwest Territories.

Nächstes Ziel: British Columbia
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