Verfasst am: 14.04.10 11:40
Von: Manfred Saitz (Text & Fotos)
Rückblick auf die Aero 2010
Die Highlights der 18. Aero in Friedrichshafen
Vom 8. bis zum 11. April 2010 fand in Friedrichshafen die 18. Aero statt. An den vier Messetagen besuchten 39.700 Besucher die Stände der 504 Aussteller. Die Aero gilt als die europäische Leitmesse für die Allgemeine Luftfahrt.
Luftaufnahmen: (c) Messe Friedrichshafen
Unter Allgemeiner Luftfahrt versteht man sämtlichen privaten, zivilen Luftverkehr mit Ausnahme des internationalen Linien- und Charterverkehrs der Liniengesellschaften. Darunter fallen private und gewerbliche Flüge nach Sicht- und Instrumentenflugregeln. Und das ganze Spektrum der Allgemeinen Luftfahrt war auch auf der Aero 2010 vertreten. Es reicht von der Business Aviation über Helikopter, Light Sport AIrcraft (LSA), Very Light Aircraft (VLA), Ultralights (UL), Segelflugzeuge bis zu Modellflugzeugen.
All dies wurde den Besuchern in einem hervorragend angelegten Messezentrum dargeboten. Die Messehallen sind in einem Karree mit Innenhof angeordnet und durch überdachte Gänge verbunden. Südlich der Messehallen schließt der Außenbereich an, auf dem das Static Display untergebracht ist. An den östlichen und westlichen Eingangsbereichen befinden sich jeweils Konferenzsäle, in denen die Pressekonferenzen stattfinden.
Die Absicht dieses Feature-Berichtes ist zum einen, einen Überblick über die Vielfalt der ausgestellten Luftfahrzeuge und des Informationsangebotes zu geben, und zum anderen den Lesern Lust zu machen, sich diese interessante Messe 2011 persönlich anzusehen. Es wird – schon alleine wegen der riesigen Menge der ausgestellten Luftfahrzeuge – in keinster Weise ein Anspruch auf Vollständigkeit gestellt.
Business Aviation
Embraer zeigte auf der Aero im Static Display die Light Jets Phenom 100 und Phenom 300. Die Phenom 300 wurde zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.
Das Phenom Programm wurde 2005 gestartet. 2009 wurden 98 Phenom Jets ausgeliefert, davon nur eine Phenom 300. Das Auftragsbuch ist aber nach Aussagen des Embraer Verkäufers mit über 600 Bestellungen gut gefüllt.
Embraer Phenom 100
Embraer Phenom 300
Phenom 300 Cockpit
Auf dem Stand der HBC Aviation AG wurde die Beechcraft Premier 1A ausgestellt. Diese ist nach den Herstellerangaben der größte, schnellste und technisch fortschrittlichste Single Pilot Jet der Welt. Ihre Kabine ist um 30 Prozent größer als die des nächsten Konkurrenten und ihre Geschwindigkeit ist mit Mach 0,80 (451 Knoten) um fast 40 Knoten schneller.
Beechcraft Premier 1A
Premier1A Cockpit
Daneben stand eine Beechcraft King Air 350i. Sie ist nach Herstellerangaben das treibstoffeffizienteste Flugzeug ihrer Kategorie und hat eine größere Kabine als der Citationjet 2. Das Cockpit ist mit der Rockwell Collins Pro Line 21 Avionics Suite ausgestattet und die Kabine lässt sich durch das Flexcabin System rasch umkonfigurieren. Das Venue Cabin Management System bietet eine Vielfalt von elektronischen Arbeits- und Unterhaltungsmöglichkeiten in der Kabine.
Beechcraft King Air 350i
King Air 350i Kabine
King Air 350i Cockpit
Beechcraft King Air C90GTI
Daher-Socota stellte seine TBM850 in der Halle aus. Sie ist der schnellste Turboprop der Welt mit einem Triebwerk. Sie erzielt eine maximale Reisegeschwindigkeit von 320 Konten in 26.000ft. Sie ist das 2006 zugelassene Nachfolgemodell der erfolgreichen TBM700 und wurde bisher 216 Mal bestellt und 190 Mal ausgeliefert. Im Rahmen der Aero 2010 wurde Rheinland Air Service aus Mönchengladbach als neuer Vertreiber, Service Center und Ersatzteilhändler der TBM850 für Deutschland und Österreich bekannt gegeben.
Daher-Socota TBM850
Pilatus zeigte eine mit einem Fünfblatt MT-Propeller ausgestattete PC-12NG. Diese ist leiser und hat eine bessere Leistung als die standardmäßig mit einem Vierblatt-Hartzellpropeller ausgestattete Variante. Pilatus hat 2009, trotz der ungünstigen Wirtschaftslage, ein Rekordjahr verbuchen können und insgesamt 100 PC-12NG ausgeliefert; die insgesamt bereits neunhundertste PC-12 an einen Kunden in den USA. Für das laufende Jahr wird die Auslieferung der tausendsten PC-12 erwartet.
Pilatus PC-12 NG
MT Fünfblatt-Propeller
PC-12 NG Cockpit
Diamond Aircraft Industries
Der österreichische Paradehersteller aus Wiener Neustadt war mit einem großen Stand auf der Aero präsent. Gezeigt wurde die gesamte Produktpalette. Auf der Aero wurde Geschäftsführer Christian Dries die EASA-Zulassung für die DA40 NG mit dem Austro Engines AE300 Turbodieselmotor überreicht. Überdies konnte die FAA-Zulassung der DA42 NG (von zwei AE300 angetrieben) verlautbart werden.
DA42 NG
DA50 NG
DA50 NG Cockpit
DA40 TDI
DV20 Katana
Auf dem Stand von Diamond befand sich auch ein Mock-up des D-Jet im Anstrich des Anteileignerschafts-Unternehmens SmartAir aus Luxemburg. Die Firma hat bereits acht D-Jet fix bestellt und hofft auf die erste Auslieferung im Jahr 2012. Die Jets werden zu 10 Prozent-Anteilen verkauft, die jeweils fünfzig jährlichen Nutzungsstunden entsprechen. Bei einer monatlichen Managementgebühr von €3.000 kostet dann die Flugstunde €895.
Diamond Aircraft hat von einem europäischen Investor die benötigten US 110 Mio. erhalten, die den Weg zur Zulassung des D-Jets ebnen sollen, die Dries für März 2011 anstrebt. Mehr als 400 Bestellungen sind bereits für den D-Jet eingegangen. Nach Konsolidierung der Herstellung wird eine monatliche Produktionsrate von 17 Maschinen angestrebt.
D-Jet Mock-up
Weitere Messesplitter
Auf dem Nachbarstand von Diamond Aircraft fand sich ein weiteres Unternehmen aus Wiener Neustadt: Airborne Technologies. Das Geschäftsfeld der Firma ist zum einen das Sammeln und Verarbeiten verschiedenster Daten durch die Anbringung unterschiedlicher Sensoren an speziell dafür ausgestatteten und zugelassenen Flugzeugen, zusammengefasst unter dem Begriff „Airborne Remote Sensing„. Zum anderen werden komplette Flugzeug-Sensor-Plattformen an Kunden verkauft, inklusive Unterstützung bei der jeweiligen nationalen Zulassung, sowie Schulungen für den Einsatz der Flugzeuge und Sensoren durchgeführt. Auf der Aero konnte ein Tecnam Multi Mission Aircraft (MMA) verkauft werden.
Tecnam MMA
Ein Schwerpunkt der Aero 2010 war das Thema alternative Antriebe. Elektro- und Hybridantriebe haben den Einzug in die Allgemeinen Luftfahrt begonnen. Sie sind mittlerweile über das Planungsstadium hinaus gekommen und fliegen bereits in Europa, China und den USA. Der nächste Schritt wird die Serienfertigung sein. So fand im Rahmen der Aero zum zweiten Mal nach 2009 die e-Flight Expo statt, wobei das „e„ für ecological – electrical – evolutionary steht.
Für sehr viel Aufmerksamkeit sorgte das Team PC-Aero von Calin Gologan, das mit der Elektra One an der NASA-/CAFE-Green Flight Challenge 2011 teil nimmt. Gologan, der eine ganze Familie von elektrisch angetriebenen Flugzeugen auf dem Reißbrett hat, rechnet sich gute Chancen aus, die ausgeschrieben 1,5 Millionen USD Preisgeld zu gewinnen.
Elektra One
Der chinesische Hersteller Yuneec präsentierte seine E430, das weltweit erste kommerziell produzierte zweisitzige Elektroflugzeug. Es handelt sich dabei um ein Light Sport Aircraft mit einem Leergewicht (inklusive Batterien) von 255 kg. Die Handhabung wird vom Hersteller als sehr sicher und einfach beschrieben. Die volle Aufladung der Lithium-Polymer Batterie dauert zwischen drei und vier Stunden. Die Stromkosten für eine Stunde Flug werden vom Hersteller mit € 2,20 pro Stunde angegeben. Die Flugzeit bei 52 Knoten Reisegeschwindigkeit beim standardmäßigen Batteriepaket beträgt zwei Stunden. Mit einem weiteren Akkupack in der Kabine kann eine Person bis zu 3,5 Stunden lang fliegen. Die Batterie hält nach Angaben des Herstellers für 12-15.000 Cycles oder 3000 Flugstunden, bevor sie ausgetauscht werden muss. Die E430 wird etwa 90.000 USD kosten und soll ab Ende 2011 am Markt verfügbar sein.
Yuneec E430
Im Rahmen der E-Flight-Expo erhielt der Franzosen Gérard Thevenot für sein Hydrogen Ultralight den AERO-E-Flight Award 2010. Der Elektromotor des Luftfahrzeuges wird ausschließlich durch eine Wasserstoff-Brennstoffzelle versorgt, ohne einen Akku oder eine Batterie an Bord zu haben. Das einzige Abgas, das beim Fliegen entsteht, ist hundertprozentiger Wasserdampf. Das einsitzige Ultraleicht-Trike ist mit einem 7kW-Hydrogen-Antrieb ausgerüstet und wiegt samt Fünf-Liter-Wasserstoff-Flasche nur 55 Kilogramm. Die 35 Kilogramm schwere Tragfläche ist knapp 14 Quadratmeter groß und umfasst eine Spannweite von zwölf Metern. Der Verbrauch in einer Höhe von hundert Meter über Meer ist mit durchschnittlich 550 Gramm pro Flugstunde gemessen worden. Die Fünf-Liter-Flasche reicht für rund eine Flugstunde.
Gérard Thevenot in seinem Hydrogen Ultralight Foto: (c) Messe Friedrichshafen
Ein auffälliges Ausstellungsstück war der Nachbau von Grzimeks berühmter Do „D-ENTE„. Der Besitzer Martin Rulffs verfolgte in fünfjähriger Kleinarbeit seinen Traum und restaurierte eine Do 27, die ihrem Vorbild heute bis ins Detail gleicht. Die Do-27B2 mit Zebra-Lackierung ist noch bis Juni im Dornier Museum Friedrichshafen und zu sehen.
DO27 D-ENTE
Die Vielfalt der Aero 2010 fotografisch festgehalten
Eurocopter 135 der DRF Luftrettung
MD-902 Explorer der Polizei
Eurocopter 135 für die Pilotenausbildung der Deutschen Bundeswehr
DynAero MCR-4S
Die neue DynAero Twin-R, die als Selbstbau-Kit angeboten werden soll
Cessna Turbo Skylane
Cirus SR22 X Edition
Tecnam P2006T
Extra 500
YourPlane AG Extra 400
Air Go De Havilland Canada DHC-3-T Turbo-Otter im Gebrauchtflugzeugbereich
Roko Aero NG 4 LSA
Super Petrel LS Amphibienflugzeug
Skyleader 500 LSA
Evektor EuroStar SLW
Luscombe Phantom II (LSA 8R)
PiperSport
Silence Aircraft GmbH Twister

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