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Verfasst am: 09.05.10 12:13

Von: Alexander Schwarz

Rückblick: München Riem

Vom Acker zum Flughafen zur Messestadt könnte es für den Münchner Stadtteil Riem heißen.

Riem liegt im Osten Münchens und beheimatete bis 1992 den internationalen Flughafen München.

Die Bauarbeiten des Flughafens verzögerten sich durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges ein wenig, jedoch eröffnete der Airport im Oktober 1939 nur leicht verspätet seine Pforten, und wurde wenig später bereits als Stützpunkt der Luftwaffe genutzt. Obwohl der der Airport durch seine militärische Funktion immer wieder Ziel von Bombenangriffen war, blieb der reguläre Flugbetrieb weiterhin bestehen. Erst im April 1945 wurden die Flughafenanlagen soweit zerstört das der Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte.

Tarom Ilyushin 14, - ca. 1963 by Artur Gagel (afm-news.de)
Tarom Ilyushin 14, - ca. 1963 by Artur Gagel (afm-news.de)

 

Sabena besuchte Riem oft mit ihren Convair 340, - ca. 1962, by Artur Gagel
Sabena besuchte Riem oft mit ihren Convair 340, - ca. 1962, by Artur Gagel

Martin Air Charter Convair CV-440 – ca. 1965, by Artur Gagel (afm-news.de)
Martin Air Charter Convair CV-440 – ca. 1965, by Artur Gagel (afm-news.de)

Lockheed Constallation der KLM in den 60ern, by Artur Gagel (afm-news.de)
Lockheed Constallation der KLM in den 60ern, by Artur Gagel (afm-news.de)

Mit der Landung einer DC-3 der Pan Am im April 1948 war München Riem der erste Flughafen nach Kriegsende der vollständig für den zivilen Flugverkehr freigegeben werden konnte.

Eine Constellation der Flying Tiger Line wartet während der Abfertigung – ca. 1960, by Artur Gagel (afm-news.de)
Eine Constellation der Flying Tiger Line wartet während der Abfertigung – ca. 1960, by Artur Gagel (afm-news.de)

Ein sehr trauriges Kapitel in der Geschichte des Flughafens stellt Flug „British European 609„ dar. Die Airspeed Ambassador der BEA war mit dem Team von Manchester United an Bord von Belgrad nach Manchester unterwegs. Der geplante Tankstop in München führte zur Katastrophe. Am 6. Februar 1958 konnte die G-ALZU bei ihrem dritten Startversuch durch ein Triebwerksproblem nur schwer an Höhe gewinnen, streifte ein Wohnhaus und wurde danach in mehrere Teile gerissen. Die Katastrophe kostete 23 Menschen das Leben, 21 wurden teilweise schwer verletzt. Der Unfall der „Busby Babes„ – so wurde Manchester United damals in Anlehnung an seinen Coach Matt Busby genannt – ging als „Munich Air Disaster„ in die Geschichte ein.

Doch dies war leider nicht das einzige Unglück am Flughafen Riem: eine Convair 340 der US Air Force streifte im Dezember 1960 die Paulskirche und stürzte daraufhin ab, 52 Menschen verloren ihr Leben.

Im Jahre 1969 erfolgte der Ausbau der Startbahn 07R/25L auf ihre endgültige Länge von 2.800 Metern. Für das Jet-Zeitalter war diese Maßnahme unerlässlich, bestimmten doch Caravelles, Boeing 707, Comets oder die alten Douglas Jets das Geschehen am Airport.

United Arab Airlines DH-106 Comet während ihrer Abfertigung am 17.6.1966 frühmorgens. – by Artur Gagel (afm-news.de)
United Arab Airlines DH-106 Comet während ihrer Abfertigung am 17.6.1966 frühmorgens. – by Artur Gagel (afm-news.de)

Enteisung gestern: Air France Caravelle – ca. 1968 by Artur Gagel (afm-news.de)
Enteisung gestern: Air France Caravelle – ca. 1968 by Artur Gagel (afm-news.de)

Cameroon Airlines, B707 beim Line-up – by Hans Gläser (afm-news.de)
Cameroon Airlines, B707 beim Line-up – by Hans Gläser (afm-news.de)

Heimspiel: Lufthansa B707 kurz vor dem Touch Down – by Hans Gläser, Oktober 1976 (afm-news.de)
Heimspiel: Lufthansa B707 kurz vor dem Touch Down – by Hans Gläser, Oktober 1976 (afm-news.de)

Bis 1972 führte Wulf-Dieter Graf zu Castell als Geschäftsführer den Flughafen. Der ehemalige Pilot enstammt der Castell Familie, heute sehr bekannt durch die Firma Faber-Castell.

Durch die größeren Flugzeuge stieg natürlich auch das Passagieraufkommen und überschritt bereits 1971 die 4-Millionen—Grenze, und stieg bis 1991 auf über zwölf Millionen Fluggäste. Solche Abfertigungszahlen überforderten definitiv die Kapazitäten des Flughafens.

Doch eine Ablöse des Flughafens in Riem war sehr nah gerückt. Bereits 1987 begann man im Erdinger Moos, 28 Kilometer nordöstlich von München gelegen, mit dem Bau eines neuen Großflughafens, welcher im Mai 1992 bezogen werden konnte und seinen Betrieb aufnahm.

Die VFW-614, Reg: 17+02 der Luftwaffe – by Frank Pötsch (afm-news.de)
Die VFW-614, Reg: 17+02 der Luftwaffe – by Frank Pötsch (afm-news.de)

Während eines Staatsbesuches ergab sich dieses Bild, je eine Aeroflot Il-62 und eine Tu-154 vor dem Tower – by Hans Gläser 1979 (afm-news.de)
Während eines Staatsbesuches ergab sich dieses Bild, je eine Aeroflot Il-62 und eine Tu-154 vor dem Tower – by Hans Gläser 1979 (afm-news.de)

Nachdem alles von Riem nach Erding übersiedelt war, wurde der alte Airport als Kulturzentrum für Großveranstaltungen genutzt. Im Sommer 1993 fand das 3 tägige Mega-Open Air „Rock over Germany„ statt, welches über 185.000 Fans auf das Flughafengelände zog. Das allerletzte Konzert der Punkband Nirvana fand am 1. März 1994 im ehemaligen Terminal 1 statt, 5 Wochen darauf wurde Leadsänger Kurt Cobain tot in Los Angeles aufgefunden.

British Airways Concorde in ihrer ersten Farbgebung – by Frank Pötsch (afm-news.de)
British Airways Concorde in ihrer ersten Farbgebung – by Frank Pötsch (afm-news.de)

Pan Am flog München auch mit ihren B747-100 an – by Frank Pötsch (afm-news.de)
Pan Am flog München auch mit ihren B747-100 an – by Frank Pötsch (afm-news.de)

Im Sommer 1996 wurde das Kulturzentrum geschlossen. Heute beheimatet das ehemalige Flughafenareal die Messestadt Riem, das Einkaufszentrum „Riem-Arcaden„ sowie einige Wohn- und Bürogebäude.

Immer noch vorhanden ist allerdings der alte Tower, die sogenannte Wappenhalle – das alte Terminalgebäude - sowie ein 45x50m großes Stück Landebahn welches heute im östlichen Ende des Riemer Parks liegt.


 
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