Verfasst am: 03.10.10 07:30
Von: Julia Wallner & Philipp Weber
Duxford "Flying Legends" 2010
Das Treffen der Legenden

Alle Fotos: Julia Wallner und Philipp Weber
Man nehme ein Wochenende im Hochsommer, Sonnenschein, blauen Himmel und Temperaturen jenseits der 30°C, lade die Top-Vertreter ihres Genres zu einem der Top-Events des Jahres auf einem der legendärsten Venues, die es gibt ...

Nein, die Rede ist hier nicht von einem der zahlreichen Festivals, die Musikfreunde quer über den Kontinent pilgern und oft in Matsch und Schlamm abfeiern lassen.
Freunde der Aviatik, vor allem historischer Provenienz können also getrost weiter lesen und Glenn Miller und Tommy Dorsey in den CD-Spieler einlegen-die Rede ist nämlich von den „Flying Legends„, einer Airshow, die jedes Jahr auf dem historischen Boden von Duxford, 15 km südöstlich von Cambridge, stattfindet.

Die Location
Für alle, denen weder die „Flying Legends„ noch Duxford Begriffe sind, hier ein kurzer Appetitanreger. „Flying Legends„-im Folgenden möchte ich nur mehr die gebräuchliche Kurzform „Legends„ verwenden – ist neben der Show „La Ferté-Alais„ und dem Oldtimer-Treffen in Hahnweide eine der grossen Warbird-Shows in Europa. Alles was in der Warbird-Szene Rang und Namen hat, trifft sich üblicherweise auf mindestens einer dieser Shows.

Was die „Legends„ in Duxford aber so einzigartig macht, ist die Location, handelt es sich doch bei dem Flugfeld von Duxford um einen ehemaligen Stützpunkt der Royal Air Force. Nachdem Duxford dann 1943 der USAAF als Station 357 (DX) zugewiesen worden war, stationierte man in weiterer Folge eines der bekanntesten und erfolgreichsten amerikanischen Jagdgeschwader, die 78th Fighter Group auf der Basis.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Duxford wieder an die Royal Air Force "zurückgegeben" und fortan als Basis für die Luftverteidigung Großbritanniens verwendet.
1961 fand die militärische Nutzung von Duxford schließlich ihr Ende, man hatte für das kleine Flugfeld keine sinnvolle Verwendung mehr. Der Kalte Krieg intensivierte sich zusehends und damit einhergehend wurden auch die Düsenjets immer größer und komplexer. Duxford war für den Betrieb dieser neuen Waffensysteme einfach nicht geeignet.
Sieben Jahre darauf jedoch wurde Duxford quasi „reaktiviert„-für die Dreharbeiten zu einem Film, der nicht nur das Überleben von Duxford in seiner heutigen Form sicherstellte, sondern auch mehr oder weniger die Initialzündung für die heute so lebendige Warbirdszene in Europa darstellte-„The Battle of Britain„, der Film-Klassiker über die Luftschlacht um England.

Im Zuge der Dreharbeiten wurde einer der historischen Hangars zwar gesprengt, aber die Flotte von spanischen Heinkels und Messerschmitts, die die Reihen der deutschen Luftwaffe darstellten, bildeten zusammen mit den englischen Hurricanes und Spitfires zur damalige Zeit nicht nur die fünfunddreißigst-größte Luftwaffe der Welt, sondern viele der eingesetzten Flugzeuge fanden ihren Weg in private Hände und legten so den Grundstock für die heutige Warbird-Szene. Eine der damals verwendeten Me-109 war auch heuer einer der Stars der Show-mehr darüber später.

Heute gehört das Gelände dem Imperial War Museum, das dort mehrere Hangars für Ausstellungszwecke nutzt. Ein weiterer Hangar ist die Heimat der „Fighter Collection„, einer privaten Firma, die sich die Restaurierung und den Betrieb historischer Jagdflugzeuge zum Ziel gesetzt hat.
Deren Besitzer Stephen Grey ist auch einer der bekanntesten Display-Piloten und mit seiner „Grumman F8F Bearcat„ ein fixer Bestandteil und eines der Highlights jeder „Legends„-Show.

Auch das imposante American Air Museum ist Teil des Museumskomplexes, genau wie die sogenannte Land Warfare Hall, die eine Sammlung historischer Geschütze und Panzer beherbergt, und deren Zugang über einen kleinen Hügel eine der besten Möglichkeiten bietet, die Flugshow zu verfolgen.

Stichwort Flugshow - Die Show – Legenden in der Luft...und am Boden
Ist schon das Gelände historisch, so bietet „Legends„ wohl die beste Möglichkeit, legendäre Flugzeuge und oft auch deren Piloten oder Besatzungen anzutreffen, erstere in ihrem angestammten Element, letztere oftmals in entspannter Atmosphäre bei einem kurzen Plausch. So hatte ich bereits zweimal die Gelegenheit, mit der englischen Testpiloten-Legende Eric Brown ein kurzes Gespräch zu führen und mir zwei seiner Bücher signieren zu lassen.

Da das Flugprogramm jedes Mal erst um zwei Uhr nachmittags beginnt, gibt es bis dahin genug Gelegenheit, in die Atmosphäre einzutauchen und sowohl die Flugzeuge im Rahmen des sogenannten „Flightline Walk„ zu besichtigen als auch in den vielen Verkaufszelten Bücher, Modelle oder andere Memorabilia zu erstehen und vielleicht auch mit dem ein oder anderen Veteran ein paar Worte zu wechseln.

Ein weiteres Highlight der Show sind jedes Jahr diverse „reenactors„, die in den unterschiedlichsten historischen Uniformen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs neben den Flugzeugen posieren und so die Möglichkeit für interessante Fotos bieten.

Pünktlich um zwei Uhr nachmittags beginnt dann das Flugprogramm. Auch heuer eröffneten mehrere Spitfires mit ihrer schon legendären „tailchase„ die Show. Durch die unterschiedliche Motorisierung der verschiedenen Spitfire-Modelle ergibt sich eine Soundkulisse, die ihresgleichen sucht! Vor allem die mit dem Griffon-Motor ausgerüsteten Spitfire sorgen immer wieder für Gänsehaut, wenn sie im Tiefflug über das Flugfeld rasen-offene Münder bei vielen Besuchern inklusive.

Gleich im Anschluss an die Spitfires waren heuer die anwesenden Hurricanes und die bereits erwähnte ME-109 zu sehen.

Bei letzterer handelt es sich zwar um einen spanischen Nachbau mit englischem Merlin-Motor, doch wurde das gezeigte Exemplar extra für die heurige Flugshow-Saison in den Farben lackiert, die es während der Dreharbeiten zum Film „Battle of Britain„ getragen hatte. Da der Star der „Legends 2009", der in Frankreich beheimatete Flugwerke Focke Wulf 190A Nachbau von Christophe Jacquard kurz zuvor bei einer französischen Airshow notwassern musste und dabei schwer beschädigt worden war, war die „109„ der einzige deutsche Vertreter der Spezies Warbird.
Aus deutschen Landen brachte dafür Thomas Jülich seine Polikarpov I-16 „Rata„ nach Duxford und sorgte dafür für eines der Highlights der diesjährigen Show.

Flog er seine „Rata„ am Samstag noch eher zurückhaltend, so sorgte der litauische Kunstflugpilot Jurgis Kaurys mit seinem sehr dynamischen Display, das auch mehrere Flick Rolls beinhaltete, am Sonntag für große Begeisterung.

Ein weiteres Highlight beider Show-Tage war das sehr beeindruckende Display von drei(!) Douglas AD „Skyraider„-großer einmotoriger trägergestützter Bomber, die vor allem durch Gastrollen in den Filmen „Die Brücken von Toko-Ri„ und „Flight of the Intruder„ bekannt geworden sind.
Nachdem die in Frankreich beheimatete Boeing B-17 „Pink Lady„ zu Beginn dieses Jahres stillgelegt worden war, war die in Duxford stationierte „Sally B„ der einzige Vertreter dieses legendären Bombers, der heuer im Flug vorgeführt wurde.
Auch die Avro „Lancaster„ der „Battle of Britain Memorial Flight„ wurde im Flug gezeigt, kam aber aus beiden Tagen aus Cambridge, da der dortige Flugplatz eine längere Piste und bessere Crosswind Verhältnisse bietet-beides Grundvoraussetzungen, um die Lancaster sicher starten und landen zu können, wie mir einer der anwesenden flight engineers erzählte.

Leider waren diese beiden „Heavies„ die einzigen Vertreter ihrer Gattung, die heuer bei „Legends„ zu sehen waren.
Dafür boten die vorgeführten Hawker "Demon" und "Nimrod" einen Einblick in die militärische Flugzeugentwicklung zwischen den Weltkriegen ...

... während die Percival "Mew Gull„ von Alex Henshaw zeigte, wozu zivile Rennflugzeuge in der selben Zeit fähig waren.

Aus der legendären Flugzeugschmiede Hawker waren auch noch „Hurricanes„ ...

und „Sea Furies„ zu sehen, womit sich die besondere Gelegenheit ergab, die Hawker Entwicklungslinie von den frühen 1930ern bis Anfang der 1950er zu verfolgen und auch so einen Überblick über die Fortschritte im Flugzeugbau zu bekommen.
Berühmte Namen wie North American P-51D "Mustang„, Yakovlev Yak-3, Curtiss P-40N "Warhawk„, Vought F4U-7 "Corsair„ und Grumman F8F "Bearcat„ waren im Flugprogramm ebenso vertreten ...



wie drei der legendärsten Flugzeuge, die je gebaut wurden – die Junkers Ju-52 „Tante Ju„ der Lufthansa, eine Douglas DC-3 aus Norwegen sowie zwei Piper "Cub„.


Ein besonderes Schmankerl bildete heuer die Vorführung der „Breitling Wingwalkers„, die mit ihrer Vorführung den Geist der alten „Barnstorming Era„ wieder aufleben ließen und ebenfalls viel Beifall für ihr Display ernteten. Auch wenn „Legends„ hauptsächlich ein Warbird-Event ist, so sind es doch auch „zivile„ Vorführungen wie die der „Wingwalkers„, die den Anspruch der „Legends„, legendäre Vertreter der Luftfahrt zu würdigen, untermauern.

Den offiziellen Abschluss des Flugprogramms bildete auch heuer wieder traditionell ein sogenanntes „Balbo„, ein Formationsüberflug fast aller teilnehmender Flugzeuge – ein Spektakel eigener Art, das man einmal gesehen und erlebt haben muss! Die Soundkulisse dabei ist unglaublich!

Man kommt bei der Beschreibung der Show, ihrer Teilnehmer und des ganzen Drumherums einfach wirklich nicht um das Wort „legendär„ herum.
Fazit
Ein guter Freund von mir hat den Begriff „Flugshow„ einmal mit „converting fuel into noise„ definiert. Das mag für viele Shows tatsächlich die bestmögliche Definition sein, für „Legends„ jedoch wäre sie mehr als nur unpassend! Wer käme schon auf die Idee, den Sound historischer Kolbenmotoren als Lärm zu bezeichnen?! „Where history comes alive and becomes an experience„ ist für diese zwei Tage wohl viel passender!

Sollte jemand nun auch Lust und Interesse bekommen haben, Duxford einmal einen Besuch abstatten zu wollen, sollte er (oder sie) sich den 9. Und 10. Juli 2011 im Kalender markieren. Da steigt dann die nächste „Legends„ Airshow.

Duxford ist aber nicht nur ob seiner Flugshows immer einen Besuch wert. Auch die dort angesiedelten Museen sowie die unvergleichliche Atmosphäre der Location sind immer ein guter Grund, Duxford einen Besuch abzustatten, wenn man in der Nähe verweilt.
