Aero 2007

 

Text und Fotos: Luciano Stöckl

 

Im Zweijahres-Rhythmus findet in Friedrichshafen die größte europäische General Aviation-Fachmesse statt - die Palette reicht vom Segelflieger bis zum Business Jet und verschafft dem Besucher mit einer Vielzahl von Firmen, die in dem Bereich tätig sind, einen sehr profunden Ein- und Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Branche. Austrian Aviation Net-Redakteur Luciano Stöckl hat sich unter die 45.000 Besucher gemischt und schildert seine Eindrücke.

Kreativität und Mut bei den Kleinen

Vor allem die UL-Sparte präsentiert sich äußerst lebendig und kreativ. Da finden sich eine Savage (die aussieht, wie eine verkleinerte Super Cub) mit monströsen Balloonreifen für unbefestigte Pisten, eine ensitzige Zweimot mit Einzylindermotoren, die man auf den ersten Blick mit einem Modellflugzeug verwechseln könnte, ein Motorgleitschirm im Harley-Design, aber auch aerodynamisch hochgezüchtete Reise-VLAs, die jede 172er Rocket stehen lassen.

 

Die Savage mit ihren Kingsize-Reifen.

 

Corvus Mark II.

 

Auch die Autogyros (eine Mischung aus Flugzeug und Hubschrauber - wobei der frei drehende Hauptrotor durch die Vorwärtsgeschwindigkeit angetrieben wird, für die ein Druckpropeller sorgt) melden sich kräftig zu Wort. Besonders verwegen wirken da die einsitzigen Modelle mit einem Leergewicht von kaum 150kg. Der Gedanke, damit zu fliegen, löst wahrscheinlich nicht nur bei mir eine seltsame Mischung aus Enthusiasmus und blanker Angst aus...

 

Autogyros - nix zum Essen, aber zum Fliegen.

 

Bei den klassischen Sportflugzeugen geben - wie nicht anders zu erwarten - die Branchenriesen den Ton an, aber auch hier gibt es einige Innovationen zu bestaunen. Eine Designstudie eines Einsitzers, der die Flügel komplett nach hinten einschwenken kann, um dann wie ein normales Auto abzufahren lässt einem schon einmal den Mund offenstehen.

Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist der Prototyp des AERIKS 200, einem Canard-Dreiflügler, der als leichtes zweisitziges Reiseflugzeug in Tandemanordnung konzipiert ist. Ein schönes Flugzeug mit ansprechenden Leistungen, das durch die Auflösung der Produktionsfirma Aceair leider zurückgeworfen wurde. Einer der Entwickler, Pascal Schadegg, will das Projekt zu neuem Leben erwecken, was ihm hoffentlich gelingen wird.

 

Auto, Flugzeug - oder beides?

 

Die großen der Branche bieten eher konventionelle Kost. Piper präsentiert die x-te Auflage der Archer, Saratoga und Seneca, mit verbesserten Leistungswerten, da und dort einem Garmin 1000, aber keinen größeren Umwälzungen.

 

Piper - viel Bewährtes und hie und da eine Neurung.

 

Diamond zeigt auf

Diamond kann natürlich beeindrucken: Die DA-50 wirkt unscheinbar aber formvollendet, ganz so als hätte man einfach nur eine DA-40 auf Cirrus-Größe aufgeblasen. Es ist immer wieder faszinierend, wie leicht und schnell Diamond die Entwicklung eines neuen Typs von der Hand zu gehen scheint. Detaillierte Leistungsdaten gibt man auch auf der AERO nicht bekannt, eine verwendbare Payload bei vollen Tanks von 460 Kilogramm verspricht aber entspannten Flug mit vier Personen.

 

Diamond zeigte die neue DA-50 her, verriet aber sonst nicht viel darüber.

 

Aber auch der Produktpflege haben sich die Wr. Neustädter gewidmet. Die DV20E, die Katana der „Next Generation“, um in der Marketingsprache zu bleiben, hat schon Lust gemacht, beim Heimflug zu tauschen. Das Cockpit wurde überarbeitet, der Throttle-Quadrant hat nun die Flache Kastenform und die kleinen Hebeln wie man sie auch in der DA40 und der DA42 findet, die edlen Ledersitze sind komfortabler und das Gepäcknetz verfügt nun über Karabinerhaken. Von außen fallen einem nur die Seitenfenster hinter der Haube, die man von der DA-20 übernommen hat, auf, aber auf der technischen Seite hat sich einiges getan. Der Tank fasst 16 Liter mehr, gleichzeitig wurde aber die max. Abflugmasse um 70kg auf 800kg erhöht. Man kann also nun zu zweit fliegen UND Weight & Balance rechnen, ohne dabei rot zu werden...

Diamond ist auch einer der interessantesten Aussteller wenn es um die aufstrebenden VLJs (Very Light Jets) geht. Zwar dreht der Prototyp des D-Jets noch immer in Kanada seine Runden und ist daher nicht präsent, allerdings tut es ein Mock-Up mit originalgetreuer Innenausstattung auch. Trotz seiner geringen Größe wirkt die Kabine des neuen Flaggschiffs überraschend geräumig und bequem. Die Sitzanordnung entspricht etwa der eines PKWs mit zwei Einzelplätzen vorne und einer durchgängigen Rückbank hinten. Will man hinten allerdings wirklich zu dritt sitzen, sollte man sich eher schon symphatisch sein. Mit vier Personen an Bord reist man allerdings wirklich gediegen.

Vorne dominiert das selbe Garmin 1000, das sich auch in vielen vorgestellten Sport-Einmots findet. Das Überraschende ist, mit wie wenig Bedienelementen der Hersteller hier auskommt und wie wenig sich das ganze Cockpit von Maschinen wie der DA-40 unterscheidet.

Auf dieses Flugzeug darf man jedenfalls gespannt sein! Der Listenpreis von etwa USD 1,3 Mio. (exkl. MWSt.) katapultiert den D-Jet zwar aus der Reichweite der meisten Freizeitpiloten, es werden sich aber wohl einige Zweimot- oder High End-Einmot-Eigner finden, die diese Summe mit Freude aufbringen werden (die Seneca V wäre um USD 800.000 ohne Steuer zu haben).

Die weiteren ausgestellten Kleinstjets, insbesondere die Citation Mustang und die Eclipse 500, sind zwar auch eine Kategorie unter der CJ1 angesiedelt, dürften sich aber dennoch vermehrt an gewerbliche Betreiber richten. Der Prototyp des Grob SPn Jets, ein Jet mit einer Struktur komplett aus Verbundwerkstoffen, ist auf der Aero ebenfalls zu Gast.

 

Der Grob SPn-Jet.

 

Nicht nur die Messe an sich bietet großartige Eindrücke, auch das Rahmenprogramm am Himmel versüßt einem den Tag. Sehr stark im Kunstflugbereich sind einige Betriebe vertreten, die YAKs und andere klassische Fabrikate instandsetzen, runderneuern und gewissermaßen „tunen“. Die Firma termika aus Litauen zum Beispiel, immerhin JAR-145-zertifiziert, bietet auch die Modifikation der YAK-52 von Dreibein- auf Spornradfahrwerk an - und zwei dieser wunderschönen Geräte führen sie in engem Formationsflug auch vor.

Ein absolutes Highlight ist Phillip Steinbach, der seine Konstruktion mit dem unzweideutigen Namen „Xtreme 3000“ vorflog. Ein unglaubliches Schauspiel, wie Pilot und Maschine die Grenzen der Physik (insbesondere die der Aerodynamik und der Massenträgheit) zu verschieben scheinen.

Die nächste Aero findet 2009 statt, danach denkt man aufgrund des großen Interesses über eine jährliche Ausrichtung nach.

 

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