Im
Zweijahres-Rhythmus findet in Friedrichshafen die größte
europäische General Aviation-Fachmesse statt - die Palette reicht
vom Segelflieger bis zum Business Jet und verschafft dem Besucher
mit einer Vielzahl von Firmen, die in dem Bereich tätig sind,
einen sehr profunden Ein- und Überblick über aktuelle Entwicklungen
in der Branche. Austrian Aviation Net-Redakteur Luciano Stöckl
hat sich unter die 45.000 Besucher gemischt und schildert seine Eindrücke.
Kreativität
und Mut bei den Kleinen
Vor allem
die UL-Sparte präsentiert sich äußerst lebendig und
kreativ. Da finden sich eine Savage (die aussieht, wie eine verkleinerte
Super Cub) mit monströsen Balloonreifen für unbefestigte
Pisten, eine ensitzige Zweimot mit Einzylindermotoren, die man auf
den ersten Blick mit einem Modellflugzeug verwechseln könnte,
ein Motorgleitschirm im Harley-Design, aber auch aerodynamisch hochgezüchtete
Reise-VLAs, die jede 172er Rocket stehen lassen.

Die
Savage mit ihren Kingsize-Reifen.

Corvus
Mark II.
Auch
die Autogyros (eine Mischung aus Flugzeug und Hubschrauber - wobei
der frei drehende Hauptrotor durch die Vorwärtsgeschwindigkeit
angetrieben wird, für die ein Druckpropeller sorgt) melden sich
kräftig zu Wort. Besonders verwegen wirken da die einsitzigen
Modelle mit einem Leergewicht von kaum 150kg. Der Gedanke, damit zu
fliegen, löst wahrscheinlich nicht nur bei mir eine seltsame
Mischung aus Enthusiasmus und blanker Angst aus...

Autogyros
- nix zum Essen, aber zum Fliegen.
Bei den
klassischen Sportflugzeugen geben - wie nicht anders zu erwarten -
die Branchenriesen den Ton an, aber auch hier gibt es einige Innovationen
zu bestaunen. Eine Designstudie eines Einsitzers, der die Flügel
komplett nach hinten einschwenken kann, um dann wie ein normales Auto
abzufahren lässt einem schon einmal den Mund offenstehen.
Ein weiteres
bemerkenswertes Projekt ist der Prototyp des AERIKS 200, einem Canard-Dreiflügler,
der als leichtes zweisitziges Reiseflugzeug in Tandemanordnung konzipiert
ist. Ein schönes Flugzeug mit ansprechenden Leistungen, das durch
die Auflösung der Produktionsfirma Aceair leider zurückgeworfen
wurde. Einer der Entwickler, Pascal Schadegg, will das Projekt zu
neuem Leben erwecken, was ihm hoffentlich gelingen wird.

Auto,
Flugzeug - oder beides?
Die großen
der Branche bieten eher konventionelle Kost. Piper präsentiert
die x-te Auflage der Archer, Saratoga und Seneca, mit verbesserten
Leistungswerten, da und dort einem Garmin 1000, aber keinen größeren
Umwälzungen.

Piper
- viel Bewährtes und hie und da eine Neurung.
Diamond
zeigt auf
Diamond
kann natürlich beeindrucken: Die DA-50 wirkt unscheinbar aber
formvollendet, ganz so als hätte man einfach nur eine DA-40 auf
Cirrus-Größe aufgeblasen. Es ist immer wieder faszinierend,
wie leicht und schnell Diamond die Entwicklung eines neuen Typs von
der Hand zu gehen scheint. Detaillierte Leistungsdaten gibt man auch
auf der AERO nicht bekannt, eine verwendbare Payload bei vollen Tanks
von 460 Kilogramm verspricht aber entspannten Flug mit vier Personen.


Diamond
zeigte die neue DA-50 her, verriet aber sonst nicht viel darüber.
Aber
auch der Produktpflege haben sich die Wr. Neustädter gewidmet.
Die DV20E, die Katana der Next Generation, um in der
Marketingsprache zu bleiben, hat schon Lust gemacht, beim Heimflug
zu tauschen. Das Cockpit wurde überarbeitet, der Throttle-Quadrant
hat nun die Flache Kastenform und die kleinen Hebeln wie man sie auch
in der DA40 und der DA42 findet, die edlen Ledersitze sind komfortabler
und das Gepäcknetz verfügt nun über Karabinerhaken.
Von außen fallen einem nur die Seitenfenster hinter der Haube,
die man von der DA-20 übernommen hat, auf, aber auf der technischen
Seite hat sich einiges getan. Der Tank fasst 16 Liter mehr, gleichzeitig
wurde aber die max. Abflugmasse um 70kg auf 800kg erhöht. Man
kann also nun zu zweit fliegen UND Weight & Balance rechnen, ohne
dabei rot zu werden...
Diamond
ist auch einer der interessantesten Aussteller wenn es um die aufstrebenden
VLJs (Very Light Jets) geht. Zwar dreht der Prototyp des D-Jets noch
immer in Kanada seine Runden und ist daher nicht präsent, allerdings
tut es ein Mock-Up mit originalgetreuer Innenausstattung auch. Trotz
seiner geringen Größe wirkt die Kabine des neuen Flaggschiffs
überraschend geräumig und bequem. Die Sitzanordnung entspricht
etwa der eines PKWs mit zwei Einzelplätzen vorne und einer durchgängigen
Rückbank hinten. Will man hinten allerdings wirklich zu dritt
sitzen, sollte man sich eher schon symphatisch sein. Mit vier Personen
an Bord reist man allerdings wirklich gediegen.
Vorne
dominiert das selbe Garmin 1000, das sich auch in vielen vorgestellten
Sport-Einmots findet. Das Überraschende ist, mit wie wenig Bedienelementen
der Hersteller hier auskommt und wie wenig sich das ganze Cockpit
von Maschinen wie der DA-40 unterscheidet.
Auf dieses
Flugzeug darf man jedenfalls gespannt sein! Der Listenpreis von etwa
USD 1,3 Mio. (exkl. MWSt.) katapultiert den D-Jet zwar aus der Reichweite
der meisten Freizeitpiloten, es werden sich aber wohl einige Zweimot-
oder High End-Einmot-Eigner finden, die diese Summe mit Freude aufbringen
werden (die Seneca V wäre um USD 800.000 ohne Steuer zu haben).
Die weiteren
ausgestellten Kleinstjets, insbesondere die Citation Mustang und die
Eclipse 500, sind zwar auch eine Kategorie unter der CJ1 angesiedelt,
dürften sich aber dennoch vermehrt an gewerbliche Betreiber richten.
Der Prototyp des Grob SPn Jets, ein Jet mit einer Struktur komplett
aus Verbundwerkstoffen, ist auf der Aero ebenfalls zu Gast.

Der
Grob SPn-Jet.
Nicht
nur die Messe an sich bietet großartige Eindrücke, auch
das Rahmenprogramm am Himmel versüßt einem den Tag. Sehr
stark im Kunstflugbereich sind einige Betriebe vertreten, die YAKs
und andere klassische Fabrikate instandsetzen, runderneuern und gewissermaßen
tunen. Die Firma termika aus Litauen zum Beispiel, immerhin
JAR-145-zertifiziert, bietet auch die Modifikation der YAK-52 von
Dreibein- auf Spornradfahrwerk an - und zwei dieser wunderschönen
Geräte führen sie in engem Formationsflug auch vor.
Ein absolutes
Highlight ist Phillip Steinbach, der seine Konstruktion mit dem unzweideutigen
Namen Xtreme 3000 vorflog. Ein unglaubliches Schauspiel,
wie Pilot und Maschine die Grenzen der Physik (insbesondere die der
Aerodynamik und der Massenträgheit) zu verschieben scheinen.
Die nächste
Aero findet 2009 statt, danach denkt man aufgrund des großen
Interesses über eine jährliche Ausrichtung nach.
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Aero