Dash 8 backstage

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von Peter Unmuth

 

Tyrolean und Bombardier

Seit dem Jahr 2000 ist die Bombardier Q-400, damals noch als Dash 8-400 bezeichnet, bei Tyrolean Airways im Einsatz. Begonnen hat die Beziehung zwischen Tyrolean und dem Hersteller im Jahr 1980 mit der Auslieferung der ersten Dash 7. 1985 wurde die erste Dash 8-100 in Europa von Tyrolean in Dienst gestellt und 1991 die erste Dash 8-300 übernommen. Heute fliegen 22 Turboprops des kanadischen Herstellers im Dienst der Tyrolean Airways, nämlich 10 Q-400 und 12 Dash 8-300. Diese 10 Q-400 hatten bis Ende November 119.500 Starts und Landungen absolviert. Tyrolean war auch der erste Betreiber welcher die D8-300 und die Q-400 mit einem gemeinsamen Typerating flog und ist der bisher einzige Operator welcher mit der Bombardier Turbopropflotte für Cat IIIa Landungen und Starts zugelassen ist. Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil für schwierig anzufliegende Plätze wie zum Beispiel Innsbruck, Bozen oder Altenrhein aber auch für die Focus East Strategie der Austrian Group, da viele der Flugplätze in Osteuropa bodenseitig nur für CAT II ausgelegt sind.

Die grünere Art zu fliegen

Angetrieben von 2 Pratt & Whitney Canada PW-150 Triebwerken mit je 5071 Wellen PS (doppelt so stark wie die PW-123 Triebwerke der Dash 8-300) erreicht die Q-400 eine maximale Reisegeschwindigkeit von 667 km/h.

 

Pratt & Whitney Canada PW-150 Triebwerk

 

Durch diese hohe Geschwindigkeit reduziert sich der Zeitvorteil des Jets auf der 350 Meilen Strecke Wien - Innsbruck auf 2 bis 5 Minuten. Mit 100 Prozent Ladefaktor erreicht die Q-400 auf dieser Strecke einen verbrauch von 3,52 l / 100 km pro Passagier und liegt damit schon sehr nahe am Ziel der Luftfahrtindustrie einen Durchschnittsverbrauch von 3 l / 100 km pro Passagier zu erreichen. Verbrannt werden auf dieser Strecke zwischen 900 und 1100 kg Treibstoff. Ein 70 sitziger Jet verbrennt 1300 – 1400 kg und ein 100 Sitzer mit Jetantrieb benötigt mit mehr als 2000 kg das doppelte der Q-400. Um einen Verbrauch von 6,44 l / 100 km pro Passagier zu erreichen benötigt die Q-400 einen Ladefaktor von 45 Prozent (35 Personen). Im Vergleich dazu die entsprechenden Werte des CRJ (60 % Ladefaktor), der Fokker-70 (63 %) und der Fokker-100 (55%). Die Emissionswerte der Triebwerke – Kohlendioxid, Kohlenwasserstoff, Distickstoffoxid und Rauch – liegen weit unter den ICAO-Vorschriften. Bei den Lärmemissionen liegt die Q-400 weit unter den Werten eines Jets. Ein 70-Sitzer ist etwa 4 dB lauter als der Turboprop. Der menschliche Organismus empfindet eine Steigerung um 10 dB als Verdoppelung der Lautstärke. Daher ist die Q-400 nicht nur die „grünere“ Art zu fliegen sondern für den Betreiber auch wesentlich flexibler einzusetzen. Das Beispiel der Homebase Innsbruck zeigt dies sehr deutlich da im Zeitraum zwischen 06:00 und 06:30 sowie zwischen 20:00 und 22:00 nur Propellerflugzeuge starten dürfen, ähnlich verhält es sich in Salzburg.

Sicherheit im Flugbetrieb

„Konsequente Sicherheit bedeutet auch Unannehmlichkeiten für die Passagiere“ so Manfred Helldoppler, Geschäftsführer der Tyrolean Airways. Diese Sicherheit kostet Tyrolean pro Jahr alleine für die Turboprops 28 Millionen Euro. Für 38 Prozent der Flotte des Innsbrucker Carriers ist ein Anteil von 14 Prozent des Wartungsaufwandes zu veranschlagen. Bei etwa 110.000 Flugbewegungen im Jahr der Tyrolean Flotte gibt es 250 Incidents (0,3 Prozent). Dies sind alle sicherheitsrelevanten Vorfälle und inkludieren zum Beispiel auch einen Passagier der vor dem Start erkrankt, was ein Zurückrollen zum Gate erforderlich macht. Bestandteil der Sicherheit sind neben A, B und C-Check die Öl-Checks welche alle 35 Flugstunden durchgeführt werden (10 Minuten Aufwand) und die Line-Checks die alle 50 Flugstunden erforderlich sind und etwa 3 Stunden dauern. Das hohe Maß der nach EASA Part 145 erfüllten Sicherheits- und Qualitätsstandards lässt sich daran erkennen, dass das letzte der im 2-jährlichem Rhythmus durchgeführten IOSA Audit’s ohne eine einzige Beanstandung abgeschlossen werden konnte.

Dash-8 Wartung backstage

Die Wartung in Innsbruck konzentriert sich auf die Turboprops. Die Fokker und CRJ werden in Wien in Zusammenarbeit mit der Austrian Technik gewartet. In Innsbruck werden alle Arbeiten bis hin zum C-Check durchgeführt. Aber auch Leistungen für Fremdfirmen werden erbracht, wie etwa die Wartung der Q-400 der französischen Securite Civile als auch die Schulung von Technikern wie erst kürzlich für Luxair die im Jahr 2007 Ihre ersten drei Q-400 vom Hersteller übernommen hat. Innerhalb der nächsten 5 Jahre wird der Mitarbeiterstand in Innsbruck um 30 Techniker erhöht werden. Die Anzahl der in Innsbruck vorhandenen Ersatzteile im Lager beläuft sich auf 30.000.

Ein A-Check ist nach 500 Flugstunden fällig und wird mit einem Aufwand von 185 Mannstunden in 2 Tagen durchgeführt, ein C-Check ist nach 5000 Flugstunden notwendig und wird mit 1500 – 2000 Mannstunden in 7 – 10 Tagen durchgeführt. Zur Durchführung der Wartungsarbeiten wurde in Innsbruck im Jahr 1992 ein Wartungshangar mit Triebwerks-Probelaufstand fertig gestellt.

Bei unserem Besuch befand sich die erste an Tyrolean gelieferte Q-400 (OE-LGA, c/n 4014) für einen A-Check im Hangar, und sollte diesen am Nachmittag des nächsten Tages wieder verlassen. Während dieses Checks wurde ein Triebwerk getauscht welches hier bereits wieder eingebaut wird.

 

OE-LGA beim A-Check

Arbeiten am getauschten Triebwerk


Zur Durchführung der Arbeiten die im Rahmen der Checks anfallen gibt es unterschiedliche „Shops“ im Hangar. In der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung werden Flugzeugbauteile wie zum Beispiel Felgen oder Bremsen mit dem Farbeindringungsverfahren auf mit freiem Auge sonst nicht erkennbare Haarrisse geprüft.

 

Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung

 

Auch hier werden Fremdaufträge wie zum Beispiel für Air Alps, Welcome Air aber auch für die Flying Bulls durchgeführt. Gleich nebenan ist der Reifen „Shop“. In diesem werden pro Jahr etwa 1000 Reifen gewechselt. Ein solcher Tausch dauert 3 Stunden.

 

Q-400 Felge und Reifen

 

Damit die Reifen am Boden zum Stillstand kommen, sind Bremsen natugremäß unverzichtbar. Diese arbeiten mit einem Maximaldruck von 210 bar und verzögern die Dash 8-300 mittels Stahl- sowie die Q-400 mittels Carbonbremsscheiben. Die Stahlscheiben haben eine Lebensdauer von 1300 Landungen, für die Carbonscheiben geht Tyrolean gegenwärtig von einer Lebensdauer aus, die bei 30.000 Landungen liegt. Der weltweite Q-400 Flottendurchschnitt liegt bei etwa 4000 Landungen.

 

Dash 8-300 Stahlbremse

 

Q-400 Carbonbremse

 

Im Battery-Shop werden die Batterien geprüft und gegebenenfalls aufgeladen. Gleich nebenan liegt die größte der Werkstätten, der Engine Shop. Hier wurde das aus der Lima Golf Alpha ausgebaute Triebwerk gecheckt und versandfertig hergerichtet.

 

Blick durch das Endoskop in das Innere des PW-150

 

Dieses aus der Pratt and Whitney Canada PW100 Familie stammende PW-150 Triebwerk wiegt etwa 700 Kilogramm. Beim Start verbraucht es etwa 17 kg/Minute und beim Rollen am Boden 2,2 kg/Minute. Die Kraft des Triebwerkes wird von einem Dowty R408 6-Blatt Propeller mit 4,1 Meter Durchmesser in Vortrieb umgesetzt. Für den Notfall kann eine Emergency Power von 125 Prozent vom Triebwerk abgerufen werden.

 

Dowty R408 Propeller

 

Herzstück der Wartung ist das von 04:30 bis 24:00 besetzte Maintenance Control Center. In diesem laufen alle Meldungen über Systemausfälle zusammen. Es ist auch Anlaufstelle für alle Piloten die ein technisches Problem an Ihrer Maschine haben und dies nicht durch Abarbeiten der Checklisten lösen können. So weit möglich wird hier telefonisch unterstützt. Auch das Wartungsprogramm der CRJ-Flotte wird vom Maintenance Control Center koordiniert.

Tyrolean Q-400 Flotte

Für Tyrolean ist auf Grund der eigenen Erfahrungen die Entscheidung der SAS, die Q-400 Flotte stillzulegen, nicht nachvollziehbar. Die Airline hat vollstes ungebrochenes Vertrauen in das Flugzeug und es wurden auch keine Buchungsrückgänge auf Grund der SAS Q-400 Probleme registriert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es nur Überlegungen bezüglich Q-400 Flottenerweiterung aber keine konkreten Pläne, auch nicht in Bezug auf eine eventuelle Übernahme von SAS Q-400. Auch für einen Abtausch der D8-300 und der CRJ existieren laut Tyrolean Geschäftsführung keine Pläne - es werde aber sehr wohl ständig evaluiert.

 

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