| "Die
Leute sollen nicht denken, wir leben hinter dem Mond nur weil wir nicht
nach den Sternen greifen"
Geschichte
Am
11. April 2007 wurde der in Graz ansässigen Robin Hood Aviation
das AOC (Air Operators Certificate) Nr. 105 von der Austrocontrol ausgestellt.
Diesem Meilenstein ging eine äußerst arbeitsintensive Zeit
voraus, in der von einem jungen und hochmotivierten Team im Hangar 4
des Flughafens Graz an die 100.000 Seiten Dokumentation produziert wurden.
Zusätzlich wurde schon lange vor dem ersten Flug der erste Flieger
von der Gesellschaft übernommen, versichert und den umfangreichen
wöchentlichen Inspektionen unterzogen.
Neben
administrativen Aufgaben startete man auch den Aufbau eines Ersatzteillagers,
dessen Inventar momentan einen Wert von nicht weniger als 500.000
repräsentiert. Alle Abteilungen des Unternehmens sind übrigens
am südlichen Ende des Flughafens Graz im Hangar 4 (dem ehemaligen
Styrian Spirit Hangar) beheimatet.

Der
moderne Hangar 4 mit dem (weniger modernen) MOWAG Schlepper.
Um
die Schleppgebühren zu sparen (pro Vorgang 59), wurde ein
eigener Schlepper angeschafft. Dieser MOWAG stammt aus Beständen
der schweizer Luftwaffe, konnte als Okkassion um 500 erstanden
werden, und hatte sich demnach bereits nach 9 Schleppvorgängen
für das Unternehmen amortisiert!
Im
großzügigen lichtdurchfluteten Hangar mit seiner markanten
Holzbauweise finden eine Saab 340 und einige Kleinflugzeuge ausreichend
Stellplatz. Zusätzlich ist auch der firmeneigene Cockpit Procedure
Trainer für die Saab 340 an dieser Örtlichkeit untergebracht.

Cockpit
Procedure Trainer
Auch
das Catering wird "In House" vorbereitet, als nächsten
Schritt der Erweiterung des Geschäftsgebietes strebt Robin Hood
Aviation die Zulassung als EASA Part 145 Wartungsbetrieb an.
Nicht
unbedeutend in der kommerziellen Luftfahrt sind die Bereiche Ticketing
und Check-In. In Zusammenarbeit mit dem e-Payment Weltmarktführer
EFKON entwickelt Robin Hood Aviation ein interessantes Check-In-System,
bei dem die gesamte Abwicklung der Zahlungsvorgänge sowie alle
Abfertigungsprozesse mittels einer Smart-Card erfolgen. Diese wird einmalig
an den Kunden ausgegeben, welcher dann berührungslos (etwa 10 cm
Abstand zum Lesegerät) einchecken sowie die Sicherheitskontrolle
passieren kann - das manuelle Prüfen einer Bordkarte kann unterbleiben.
Für
zukünftige erweiterte Anforderungen im Bereich der Sicherheit ist
die Smart-Card ebenfalls vorbereitet, da auf ihr auch biometrische Daten
gespeichert werden könnten. Dieser "elektronische Airline-Ausweis"
kann auch zahlreiche Zusatzfeatures integrieren wie zum Beispiel die
Verrechnung von Bordverkäufen oder auch die Bezahlung der Parkgebühr
am Flughafen. Über den integrierten SMS Service kann der Nutzer
der Karte auf Wunsch auch über die Änderung von für ihn
relevanten Daten wie etwa des Abfluggates informiert werden. Optional
ist es auch möglich, sich für den vollautomatischen Check-In
via Mobiltelefon zu registrieren. Dabei erfolgt eine Meldung an das
zentrale Buchungssystem sobald der Fluggast sich vor dem Abflug in einer
vordefinierten Funkzelle befindet und der erfolgreiche Check-In Vorgang
wird mittels SMS an das Mobiltelefon bestätigt. Dieses innovative
System wird 2008 erstmals bei der Robin Hood Aviation in Betrieb gehen.
Team
Zum
Zeitpunkt unseres Besuches bei Robin Hood Aviation bestand das Team
aus 34 Mitarbeitern. Am Steuerhorn der Saab 340 nehmen fünf Österreicher,
ein Spanier, ein Deutscher und ein Neuseeländer Platz. Die Sicherheit
und das Service in der Kabine wird gegenwärtig von drei charmanten
Steirerinnen gewährleistet. Für die Eingliederung der zweiten
Saab und die Aufnahme neuer Destinationen wird momentan in beiden Bereichen
zusätzliche Woman- und Manpower gesucht.

Manager
Ground Operations / First Officer Andreas Fröschl, Manager Board
Service / Cabin Attendant Catrin Sammer und Captain David Sarginson
Das
vierköpfige Technikerteam konnte im Zeitraum von Juni bis August
2007 für die 222 durchgeführten Flüge eine technische
Zuverlässigkeit von 100 % erreichen. Dies liegt weit über
dem weltweiten Durchschnitt der Saab 340 Flotte.
Catering
Im
Catering beschreitet Robin Hood Aviation einen eigenen neuen Weg und
grenzt sich dadurch klar von den Mitbewerbern ab. Die vier Mitarbeiter
- allesamt "über dem Zaun" in der Gemeinde Feldkirchen
beheimatet - stellen aus biologischen Lebensmitteln die Bordverpflegung
zusammen. Dabei kommen Produkte steirischer Herkunft zum Einsatz die
unter Ausschluss gentechnisch veränderter Lebensmittel und Grundstoffe
hergestellt werden. Und da Umweltverträglichkeit nicht bei der
Produktion enden muss, wird beim Catering auf Verpackungsmaterial verzichtet.

Catering
a la Robin Hood
Foto:
Robin Hood
Durch
die In House Zusammenstellung des Caterings kann dieses auch günstiger
produziert werden als bei den großen Anbietern. Günstiger
bedeutet aber in diesem Fall nicht schlechter - ganz im Gegenteil. Selten
war ein Airline Menu auf einer Kurzstrecke geschmackvoller als das Bio-Catering
bei Robin Hood, wie beim Austrian Aviation Net-Lokalaugenschein festgestellt
werden konnte!
Flieger

Saab
340A "Little John" OE-GIR
Der
zum Zeitpunkt des Berichtes einzige Flieger der Robin Hood Aviation,
die Saab 340A OE-GIR (c/n 340A-134), absolvierte ihren Erstflug am 26.10.1988.
Erster Betreiber der Maschine war Crossair (HB-AHT), darauf folgte Air
Nelson im Auftrag von Air New Zealand Link (ZK-NLS). "Little John",
so der Name des Flugzeuges, bietet 33 Fluggästen auf lederbezogenen
Sitzen in einer bei den Passagieren beliebten 2+1-Konfiguration Platz.

Kabine der OE-GIR
Für
den Flugzeugtyp hat sich das Team von Robin Hood Aviation aus mehreren
Gründen entschieden: Unter anderem erscheint sie geradezu ideal
für kurze Strecken mit ein bis eineinhalb Stunden Flugdauer, außerdem
gilt sie als sehr robustes Fluggerät. Durch das Höchstabfluggewicht
(MTOW) von unter 13 Tonnen (erkenntlich am Anfangsbuchstaben G der Registrierung)
sind auch die Gewichtsbezogenen Kosten wesentlich niedriger als z.B.
bei der Dash 8 aus dem Hause Bombardier.
From
the Office
Der
Autor dieses Berichtes begleitete "Little John" und seine
dreiköpfige Crew auf einer Abendrotation von Graz nach Zürich
und zurück. Nach dem Passieren der Sicherheitskontrolle ging es
zu Fuß zum Flieger - dieser war am nördlich des Terminals
gelegenen Teil des Vorfeldes auf einer der November-Positionen abgestellt.

OE-GIR
am Vorfeld in Graz feld in Graz
Nach
dem Check des Fliegers und dem Vorbereiten der Kabine (Überprüfung,
ob alle Safety Cards aber auch die Bordmagazine an Ihrem Platz sind
und Boarden von Zeitschriften, Illustrierten und dem Catering) konnten
die Passagiere des Fluges RH 117 auch schon an Bord gehen. Nach dem
Schließen der Kabinentür folgte der "Request for Startup".
Um 17:20 war Sherwood (das passende Callsign) 117 Block off und am Weg
zur Bahn 17 C, von welcher der Takeoff um 17:25 erfolgte.

"Rotate"
auf der Piste 17C in Graz.
Nach
dem Start führte der Captain eine Rechtskurve in Richtung des ersten
Waypoints unserer Abflugroute durch.

Rechtskurve
in Richtung Westen und Abarbeiten der Checkliste
Das
Routing unseres Fluges war Klagenfurt, Villach, Rattenberg, Kempten
Zürich. Das ansonsten atemberaubende Panorama der Alpen aus 18.000
Fuss Höhe blieb an diesem Tag leider unter einer dichten Wolkendecke
verborgen, die bis kurz vor den Bodensee reichte. Das alternative Routing
bei Schlechtwetter über dem Alpenhauptkamm führt von Graz
über Linz nach München und über Kempten weiter nach Zürich
und ist etwa 5 Minuten länger.

Reiseflughöhe
auf Flight Level 180.

Nach
dem Sinkflug ging es in einer Linkskurve Richtung Zürich Kloten...

...auf
einen ILS Anflug auf die Piste 14.



Um
18:49 erfolgte die Landung und um 18:55 erreichten wir Block on an der
Position D7 im Vorfeldbereich zwischen alter Besucherterrasse und der
Werft im Süden des Flughafens. Die Abfertigung von Robin Hood in
Zürich wird von Hahn Air durchgeführt, deren Mitarbeiter uns
zu unserem Bedauern mitteilte, dass unser Slot für den Abflug erst
für 20:00 festgelegt sei.
Nach
dem Tanken von 1.635 Liter Treibstoff und dem Reinigen der Kabine sowie
dem Durchführen der vorgesehenen Kontrollen in der Kabine und am
Flieger kam dann auch schon wieder der Bus mit den Passagieren für
den Rückflug.

Betanken
des Flugzeuges
Nach
Absetzen der Ready Meldung an Air Traffic Control bekamen wir dann doch
einen früheren Slot und die Rollfreigabe via Inner Taxiway zur
Piste 28, an deren Holdingpoint wir die Landung einer einmotorigen Maschine
abwarteten.

Holdingpoint
Piste 28

Warten
auf die Startfreigabe auf der Runway 28
Um
19:49 hob Sherwood 118 in Richtung Westen ab um anschließend in
einer Linkskurve auf Ostkurz zu gehen.

Linkskurve
mit Zürichsee und Goldküste im Hintergrund.
Unser
vorgesehenes Routing war Kempten, Rattenberg, Villach, Klagenfurt, Graz
in einer Höhe von 19.000 Fuß. Nach Rückfrage bei den
Controllern wurde uns der direkte Weg über das militärische
Übungsgebiet der Seealpen freigegeben und kurz darauf erhielten
wir auch schon die Landefreigabe für die Piste 35 C in Graz.

Anflug
auf 35C in Graz
Um
21:03 schließlich landeten wir am Flughafen Thalerhof. Diese Landung
war die 43.129 nach 37.779:22 Flugstunden der OE-GIR. In den 3:15 Blockzeit
der beiden Flüge benötigte die Saab 340 1.300 kg Treibstoff.

Das
Ende des Arbeitstages für Little John
Wir
möchten uns bei Georg Pommer, dem Geschäftsführer der
Robin Hood Aviation, sowie Gert Rosmann (zuständig für Media
und Dispatch) für das äußerst freundliche Entgegenkommen
bei der Erstellung dieses Berichts sowie natürlich bei der gesamten
Crew der "Little John" OE-GIR herzlich bedanken!
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