Robin Hood

 

von Peter Unmuth (Text & Bilder - wenn nicht anders angegeben)

 

 

"Die Leute sollen nicht denken, wir leben hinter dem Mond nur weil wir nicht nach den Sternen greifen"

 

Geschichte

Am 11. April 2007 wurde der in Graz ansässigen Robin Hood Aviation das AOC (Air Operators Certificate) Nr. 105 von der Austrocontrol ausgestellt. Diesem Meilenstein ging eine äußerst arbeitsintensive Zeit voraus, in der von einem jungen und hochmotivierten Team im Hangar 4 des Flughafens Graz an die 100.000 Seiten Dokumentation produziert wurden. Zusätzlich wurde schon lange vor dem ersten Flug der erste Flieger von der Gesellschaft übernommen, versichert und den umfangreichen wöchentlichen Inspektionen unterzogen.

Neben administrativen Aufgaben startete man auch den Aufbau eines Ersatzteillagers, dessen Inventar momentan einen Wert von nicht weniger als € 500.000 repräsentiert. Alle Abteilungen des Unternehmens sind übrigens am südlichen Ende des Flughafens Graz im Hangar 4 (dem ehemaligen Styrian Spirit Hangar) beheimatet.

 

Der moderne Hangar 4 mit dem (weniger modernen) MOWAG Schlepper.

 

Um die Schleppgebühren zu sparen (pro Vorgang € 59), wurde ein eigener Schlepper angeschafft. Dieser MOWAG stammt aus Beständen der schweizer Luftwaffe, konnte als Okkassion um € 500 erstanden werden, und hatte sich demnach bereits nach 9 Schleppvorgängen für das Unternehmen amortisiert!

Im großzügigen lichtdurchfluteten Hangar mit seiner markanten Holzbauweise finden eine Saab 340 und einige Kleinflugzeuge ausreichend Stellplatz. Zusätzlich ist auch der firmeneigene Cockpit Procedure Trainer für die Saab 340 an dieser Örtlichkeit untergebracht.

 

Cockpit Procedure Trainer


Auch das Catering wird "In House" vorbereitet, als nächsten Schritt der Erweiterung des Geschäftsgebietes strebt Robin Hood Aviation die Zulassung als EASA Part 145 Wartungsbetrieb an.

Nicht unbedeutend in der kommerziellen Luftfahrt sind die Bereiche Ticketing und Check-In. In Zusammenarbeit mit dem e-Payment Weltmarktführer EFKON entwickelt Robin Hood Aviation ein interessantes Check-In-System, bei dem die gesamte Abwicklung der Zahlungsvorgänge sowie alle Abfertigungsprozesse mittels einer Smart-Card erfolgen. Diese wird einmalig an den Kunden ausgegeben, welcher dann berührungslos (etwa 10 cm Abstand zum Lesegerät) einchecken sowie die Sicherheitskontrolle passieren kann - das manuelle Prüfen einer Bordkarte kann unterbleiben.

Für zukünftige erweiterte Anforderungen im Bereich der Sicherheit ist die Smart-Card ebenfalls vorbereitet, da auf ihr auch biometrische Daten gespeichert werden könnten. Dieser "elektronische Airline-Ausweis" kann auch zahlreiche Zusatzfeatures integrieren wie zum Beispiel die Verrechnung von Bordverkäufen oder auch die Bezahlung der Parkgebühr am Flughafen. Über den integrierten SMS Service kann der Nutzer der Karte auf Wunsch auch über die Änderung von für ihn relevanten Daten wie etwa des Abfluggates informiert werden. Optional ist es auch möglich, sich für den vollautomatischen Check-In via Mobiltelefon zu registrieren. Dabei erfolgt eine Meldung an das zentrale Buchungssystem sobald der Fluggast sich vor dem Abflug in einer vordefinierten Funkzelle befindet und der erfolgreiche Check-In Vorgang wird mittels SMS an das Mobiltelefon bestätigt. Dieses innovative System wird 2008 erstmals bei der Robin Hood Aviation in Betrieb gehen.

 

Team

Zum Zeitpunkt unseres Besuches bei Robin Hood Aviation bestand das Team aus 34 Mitarbeitern. Am Steuerhorn der Saab 340 nehmen fünf Österreicher, ein Spanier, ein Deutscher und ein Neuseeländer Platz. Die Sicherheit und das Service in der Kabine wird gegenwärtig von drei charmanten Steirerinnen gewährleistet. Für die Eingliederung der zweiten Saab und die Aufnahme neuer Destinationen wird momentan in beiden Bereichen zusätzliche Woman- und Manpower gesucht.

 

Manager Ground Operations / First Officer Andreas Fröschl, Manager Board Service / Cabin Attendant Catrin Sammer und Captain David Sarginson

 

Das vierköpfige Technikerteam konnte im Zeitraum von Juni bis August 2007 für die 222 durchgeführten Flüge eine technische Zuverlässigkeit von 100 % erreichen. Dies liegt weit über dem weltweiten Durchschnitt der Saab 340 Flotte.

 

Catering

Im Catering beschreitet Robin Hood Aviation einen eigenen neuen Weg und grenzt sich dadurch klar von den Mitbewerbern ab. Die vier Mitarbeiter - allesamt "über dem Zaun" in der Gemeinde Feldkirchen beheimatet - stellen aus biologischen Lebensmitteln die Bordverpflegung zusammen. Dabei kommen Produkte steirischer Herkunft zum Einsatz die unter Ausschluss gentechnisch veränderter Lebensmittel und Grundstoffe hergestellt werden. Und da Umweltverträglichkeit nicht bei der Produktion enden muss, wird beim Catering auf Verpackungsmaterial verzichtet.

 

Catering a la Robin Hood

Foto: Robin Hood

 

Durch die In House Zusammenstellung des Caterings kann dieses auch günstiger produziert werden als bei den großen Anbietern. Günstiger bedeutet aber in diesem Fall nicht schlechter - ganz im Gegenteil. Selten war ein Airline Menu auf einer Kurzstrecke geschmackvoller als das Bio-Catering bei Robin Hood, wie beim Austrian Aviation Net-Lokalaugenschein festgestellt werden konnte!

 

Flieger

 

Saab 340A "Little John" OE-GIR

 

Der zum Zeitpunkt des Berichtes einzige Flieger der Robin Hood Aviation, die Saab 340A OE-GIR (c/n 340A-134), absolvierte ihren Erstflug am 26.10.1988. Erster Betreiber der Maschine war Crossair (HB-AHT), darauf folgte Air Nelson im Auftrag von Air New Zealand Link (ZK-NLS). "Little John", so der Name des Flugzeuges, bietet 33 Fluggästen auf lederbezogenen Sitzen in einer bei den Passagieren beliebten 2+1-Konfiguration Platz.

 

Kabine der OE-GIR

 

Für den Flugzeugtyp hat sich das Team von Robin Hood Aviation aus mehreren Gründen entschieden: Unter anderem erscheint sie geradezu ideal für kurze Strecken mit ein bis eineinhalb Stunden Flugdauer, außerdem gilt sie als sehr robustes Fluggerät. Durch das Höchstabfluggewicht (MTOW) von unter 13 Tonnen (erkenntlich am Anfangsbuchstaben G der Registrierung) sind auch die Gewichtsbezogenen Kosten wesentlich niedriger als z.B. bei der Dash 8 aus dem Hause Bombardier.

 

From the Office

Der Autor dieses Berichtes begleitete "Little John" und seine dreiköpfige Crew auf einer Abendrotation von Graz nach Zürich und zurück. Nach dem Passieren der Sicherheitskontrolle ging es zu Fuß zum Flieger - dieser war am nördlich des Terminals gelegenen Teil des Vorfeldes auf einer der November-Positionen abgestellt.

 

OE-GIR am Vorfeld in Graz feld in Graz

 

Nach dem Check des Fliegers und dem Vorbereiten der Kabine (Überprüfung, ob alle Safety Cards aber auch die Bordmagazine an Ihrem Platz sind und Boarden von Zeitschriften, Illustrierten und dem Catering) konnten die Passagiere des Fluges RH 117 auch schon an Bord gehen. Nach dem Schließen der Kabinentür folgte der "Request for Startup". Um 17:20 war Sherwood (das passende Callsign) 117 Block off und am Weg zur Bahn 17 C, von welcher der Takeoff um 17:25 erfolgte.

 

"Rotate" auf der Piste 17C in Graz.

 

Nach dem Start führte der Captain eine Rechtskurve in Richtung des ersten Waypoints unserer Abflugroute durch.

 

Rechtskurve in Richtung Westen und Abarbeiten der Checkliste

 

Das Routing unseres Fluges war Klagenfurt, Villach, Rattenberg, Kempten Zürich. Das ansonsten atemberaubende Panorama der Alpen aus 18.000 Fuss Höhe blieb an diesem Tag leider unter einer dichten Wolkendecke verborgen, die bis kurz vor den Bodensee reichte. Das alternative Routing bei Schlechtwetter über dem Alpenhauptkamm führt von Graz über Linz nach München und über Kempten weiter nach Zürich und ist etwa 5 Minuten länger.

 

Reiseflughöhe auf Flight Level 180.

 

Nach dem Sinkflug ging es in einer Linkskurve Richtung Zürich Kloten...

 

...auf einen ILS Anflug auf die Piste 14.

 

 

Um 18:49 erfolgte die Landung und um 18:55 erreichten wir Block on an der Position D7 im Vorfeldbereich zwischen alter Besucherterrasse und der Werft im Süden des Flughafens. Die Abfertigung von Robin Hood in Zürich wird von Hahn Air durchgeführt, deren Mitarbeiter uns zu unserem Bedauern mitteilte, dass unser Slot für den Abflug erst für 20:00 festgelegt sei.

Nach dem Tanken von 1.635 Liter Treibstoff und dem Reinigen der Kabine sowie dem Durchführen der vorgesehenen Kontrollen in der Kabine und am Flieger kam dann auch schon wieder der Bus mit den Passagieren für den Rückflug.

 

Betanken des Flugzeuges


Nach Absetzen der Ready Meldung an Air Traffic Control bekamen wir dann doch einen früheren Slot und die Rollfreigabe via Inner Taxiway zur Piste 28, an deren Holdingpoint wir die Landung einer einmotorigen Maschine abwarteten.

 

Holdingpoint Piste 28

 

Warten auf die Startfreigabe auf der Runway 28

 

Um 19:49 hob Sherwood 118 in Richtung Westen ab um anschließend in einer Linkskurve auf Ostkurz zu gehen.

 

Linkskurve mit Zürichsee und Goldküste im Hintergrund.

 

Unser vorgesehenes Routing war Kempten, Rattenberg, Villach, Klagenfurt, Graz in einer Höhe von 19.000 Fuß. Nach Rückfrage bei den Controllern wurde uns der direkte Weg über das militärische Übungsgebiet der Seealpen freigegeben und kurz darauf erhielten wir auch schon die Landefreigabe für die Piste 35 C in Graz.

 

Anflug auf 35C in Graz

 

Um 21:03 schließlich landeten wir am Flughafen Thalerhof. Diese Landung war die 43.129 nach 37.779:22 Flugstunden der OE-GIR. In den 3:15 Blockzeit der beiden Flüge benötigte die Saab 340 1.300 kg Treibstoff.

 

Das Ende des Arbeitstages für „Little John“

 

Wir möchten uns bei Georg Pommer, dem Geschäftsführer der Robin Hood Aviation, sowie Gert Rosmann (zuständig für Media und Dispatch) für das äußerst freundliche Entgegenkommen bei der Erstellung dieses Berichts sowie natürlich bei der gesamten Crew der "Little John" OE-GIR herzlich bedanken!

 

> Robin Hood Aviation

 

 

 

 

 
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