Mit dem kürzlich bekanntgegebenen offiziellen Programmstart des A350-Projektes geht der "Kampf" Airbus gegen Boeing in die nächste Runde: Zielt doch der neue europäische Widebody genau auf dieselben Marktsegmente wie die etablierte Konkurrenz aus Seattle.

Der Airbus A350 stellt eine Weiterentwicklung der bewährten A330-Serie dar - der hauptsächliche Unterschied liegt in der deutlich vergrößerten Reichweite. Kommt der A330-200 knapp 12.000 Kilometer weit, soll der vergleichbare A350-800 bis zum ersten Tankstop ca. 4.000 Kilometer weiter fliegen können. Die in einem ähnlichen Segment platzierten Boeing 7E7-8 und -9 schaffen bei vergleichbarer Sitzplatzzahl eine ähnliche Reichweite.

Der neue Airbus wird primär in zwei Versionen auf den Markt kommen: Als A350-800 für 245 Fluggäste mit 15.900 km Reichweite und als A350-900 für 285 Passagiere mit 13.900 km Reichweite. Erreicht werden soll die Leistungssteigerung im Vergleich zur A330-Familie durch den Einsatz neuer - auch im A380 verwendeter - Technologien.

Der Einsatz neuer Materialien soll eine deutliche Gewichstreduktion ermöglichen - zu nennen wäre hier besipielsweise Carbon Fibre Reinforced Plastic (CFRP) und Aluminium-Lithium-Legierungen. So soll der Flügel des A350 zum Großteil aus CFRP bestehen. Die Triebwerke der neuen Familie werden primär von General Electric geliefert - auch diese sollen einen deutlich verminderten Treibstoffverbrauch zeigen.

 

Airbus A350-800

Foto: Airbus

 

Das Marktvolumen in diesem Segment wird von den Airbus-Verantwortlichen auf mehr als 3.000 Flugzeuge in den nächsten zwanzig Jahren geschätzt. Die Europäer wollen sich folglich mindestens die Hälfte dieses Kuchens abschneiden. Laut einem Interview mit Airbus-Chef Noel Forgeard in Le Monde hofft dieser, dass bis zum Aerosalon in Le Bourget im Juni 2005 bereits 50 Bestellungen in den Auftragsbüchern verbucht werden können. Einen großen Vorteil für den Einsatz bei bisherigen Airbus-Betreibern sehen die Airbus-Manager in der Kompatibilität zur A320/330/340-Famile. Besitzer eines A330-Typeratings sollen ohne weiteres Training auf dem A350 fliegen können.

 

Type

Airbus
Airbus
Boeing
Boeing
Boeing
A350-800
A350-900
7E7-3
7E7-8
7E7-9
 
Passagiere
245 (3 class)
285 (3 class)
289 (2 class)
217 (3 class)
257 (3 class)
Reichweite
15.900 km
13.900 km
6.500 km
15.700 km
15.400 km
Linieneinsatz geplant ab
2010
2010
2008
2008
2008

Airbus A350 vs. Boeing 7E7

 

Wer von den beiden Flugzeugherstellern als Gewinner aus diesem Match hervorgehen wird, ist natürlich noch nicht vorauszusehen. Boeing jedenfalls wurde bisher bitter enttäuscht - wollte man bis Jahresende 200 Fixbestellungen für die 7E7 vorweisen, sind es bisher gerade einmal 52. Es ist allerdings anzunehmen, dass viele Airlines die offizielle "Authorisation to Offer", die von Airbus am 10.12.2004 ausgegeben wurde, abgewartet haben. Spannend wird die Sache auf jeden Fall - werden sich doch beide Hersteller noch allerhand einfallen lassen, um möglichst viele eigene Flieger zu verkaufen - Entwicklungskosten von jeweils ca. 4 bis 5 Milliarden Euro verpflichten zum Erfolg...

 

Wer bei den Fluglinien die erste Wahl sein wird, steht in den Sternen. Airbus hofft aufgrund der Kompatibilität zu den anderen Mustern auf bestehende Kunden, Boeing setzt auf den früheren Erstflug und die Tatsache, dass es sich bei der 7E7 (Bild) um ein gänzlich neu entwickeltes Flugzeug handelt.

Foto: Boeing