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von
Martin Dichler |
Was
für Berlin der Flughafen Tempelhof und für London der City
Airport ist, ist für die rumänische Hauptstadt Bukarest der
Flughafen Baneasa: Ein zentraler, verkehrsgünstig in Stadtnähe
liegender Airport, der von den Passagieren wegen seiner kurzer Wege
und zentraler Lage gerne genutzt wird.
Bislang ist der nur 7 Kilometer vom Stadtzentrum entfernte Flughafen Baneasa Aurel Vlaicu außerhalb Rumäniens fast nur Insidern bekannt. Otopeni, der in den 1980er Jahren im Norden der Stadt erbaute internationale Flughafen, liegt 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der Airport wurde nach dem rumänischen Flugzeugbauer und Piloten Aurel Vlaicu benannt, der unter anderem im Rahmen des Internationalen Flugtages am Flughafen Aspern im Juni 1912 einige Rekorde aufstellte. Im Jahre 1922 wurde über Baneasa der erste Linienflug zwischen Europa und Asien geflogen. Die damalige Route führte von Paris über Strasbourg, Prag und Wien (Aspern) nach Konstantinopel und weiter nach Beirut.
Zu den Schmuckstücken während unseres Besuches in Baneasa zählte diese Boeing 707 aus Togo.
Mit Inbetriebnahme des Flughafen Otopeni wurden dann über den bereits 1909 erstmals angeflogenen Baneasa Aurel Vlaicu Airport hauptsächlich Inlandsflüge abgewickelt. Vor allem Maschinen vom Typ Antonov AN-24 und Iljushin IL-18 waren damals zu sehen. Nachdem auf dem Flughafen Otopeni aufgrund des damals besseren Service Standards höhere Landegebühren eingenommen werden konnten, durfte Baneasa per Dekret für reguläre internationale Linienflüge nicht mehr genutzt werden. Mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft im Jahre 1989 und den grundlegenden wirtschaftlichen Veränderungen erlebte der Flughafen Baneasa jedoch einen zweiten Frühling. Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von knapp 10% konnte Rumänien in den letzten Jahren einen veritablen Aufschwung verbuchen, der nicht zuletzt durch Investitionen ausländischer Unternehmen erreicht werden konnte. Und genau dieser Umstand verschaffte dem Flughafen Baneasa in der jüngeren Vergangenheit eine höchst positive Entwicklung. Romanian Airport Services Als erstes privates rumänisches Handlingunternehmen wurde Romanian Airport Services 1994, zwei Monate nachdem Baneasa seinen internationalen Status zurückerhalten hatte, gegründet. Mit der Gründung des Unternehmens wurden erstmals umfassende westliche Qualitätsstandards auf einem rumänischen Flughafen eingeführt – heute braucht die Arbeit der Dienstleistungsfirma einen Vergleich zu großen internationalen Handlingunternehmen nicht zu scheuen.
Angeboten wird die gesamte Palette an Serviceleistungen – vom "einfachen" Handling samt allen Dienstleistungen wie Zollabfertigung über Betankung bis hin zum Service für die Crews wie z.B. die Organisation von Hotelreservierungen und Transfers. Ein junges, motiviertes Team rund um Direktor Dorin Ivascu, fertigt heute alle großen Airlines sowie den größten Teil der Privatfliegerei, am Flughafen ab. Neben dem Flughafen Baneasa bieten Romanian Airport Services ihre Dienstleistungen auch auf dem boomenden Flughafen Konstanzia an. Die rumänische Schwarzmeerküste erlebt derzeit eine ähnliche Entwicklung wie vor einigen Jahren Bulgarien mit seinen Sommerdestinationen.
Auch
der Businessverkehr erlebt durch die Investitionen europäischer
Unternehmen einen wahren Boom. Der Verkehr reicht vom Kleinflugzeug
über Typen wie Global Express bis hin zur Langstrecken DC-8 in
VIP-Ausstattung. Doch nicht nur der immer stärker werdenden Geschäftsverkehr
trägt zum Erfolg des Flughafen bei, auch der erst in den letzten
Jahren entstandene Low Cost-Markt beschert dem Flughafen jedes Jahr
neue Passagierrekorde. Nach der Lockerung des bis dahin aufgezwungenen
Vertrages zwischen Otopeni und Baneasa wurde der Stadtflughafen durch
seine geringeren Handlinggebühren natürlich gerade für
die Billigflieger interessant. Konnten 2002 gerade einmal etwas mehr
als 30.000 Passagiere abgefertigt werden, waren es 2005 bereits knapp
400.000 Fluggäste – Tendenz weiter steigend!
Der erste rumänische Low Cost Carrier Blue Air beispielsweise – Betreiberin von drei Boeing 737-300 und -500 – nutzte die Gelegenheit um Kosten zu sparen und wählte Baneasa als Heimatbasis. Nachdem gerade in Norditalien (Venedig, Mailand) eine große rumänische Gemeinde lebt und arbeitet, fliegen Blue Air und die italienische Myair verstärkt in diese Region. Seit dem letzten Jahr verbindet auch SkyEurope Airlines den Flughafen Bratislava viermal wöchentlich mit Bukarest-Baneasa, wobei ab September 2006 eine Erhöhung auf sechs wöchentliche Frequenzen geplant ist.
Noch eine 707 in VIP-Ausführung - diesmal aus Ägypten.
Auch WizzAir und Air Berlin haben bereits ihre Absicht bekundet, in Kürze nach Baneasa zu fliegen und weitere Billigflieger wie Easyjet und Ryanair werden wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Verständlich ist dies insbesondere, wenn man bedenkt, dass der Osteuropaverkehr bei den etablierten Airlines bekanntermaßen eine "Cash Cow" darstellt. Sondercharter zu diversen Events, sowie Charterflüge zu Urlaubsdestinationen (Air Malta, Air Europa) werden bereits heute vermehrt in Baneasa abgewickelt und runden das Angebot ab. Mit einer Runwaylänge von 3.200 Metern können heute alle gängigen Flugzeugtypen am Flughafen landen und starten. Das Terminalgebäude aus den 1930er Jahren verfügt über die nötige Infrastruktur für einen (kleinen) internationalen Flughafen: Sechs Check-In Schalter mit zwei Gates, zwei kleine Duty Free Geschäfte, mehreren Lokale und Büros für Autoleihfirmen bilden den Kern des runden Gebäudes. Allerdings platzt der Terminal - insbesondere wenn mehrere Maschinen gleichzeitig abgefertigt werden müssen - aus allen Nähten. So wären neben weiteren Erhaltungsarbeiten an der Piste gerade Investitionen in die Erweiterung des Abfertigungsgebäudes dringend notwendig. Die Regierung jedenfalls hat einem Investitionsprogramm bis zum Jahr 2015 zugestimmt. Dabei wurde beschlossen, die Infrastruktur der vier Flughäfen Baneasa, Otopeni, Temesvar und Konstanzia deutlich zu verbessern. Das nötige Kleingeld dazu soll durch die Privatisierung der Flughäfen hereinkommen. Einen Strich durch die Rechnung könnte allerdings die Tatsache machen, dass die Stadt Bukarest schnell wächst und die stadtnahen Baugründe rund um den Flughafen schon heute begehrt und teuer sind. So wurden schon Überlegungen laut, den im Staatsbesitz befindlichen Flughafen zu schließen und das Gelände lukrativ zu veräußern. Interessanter Verkehr durch Romaero Romaero, die größte rumänische Wartungsfirma für Luftfahrzeuge, ist ebenfalls auf dem Flughafen Baneasa beheimatet. Das ISO 9001 zertifizierte Unternehmen ist weit über die Grenzen bekannt und bietet seinen Kunden ein vielfältiges Wartungsprogramm. Insgesamt 1.000 Mitarbeiter beschäftigt die zu 74% in Staatsbesitz stehende Romaero. Vom A- bis zum D-Check werden heute Arbeiten für die Typen Boeing 707, 727, 737, 747 sowie Hercules, Trilander, MD80 und ATP angeboten. So ist es auch nicht wirklich verwunderlich, wenn eine Reihe von "Exoten" den Weg nach Baneasa findet. Während unseres Besuches sahen wir nicht weniger als 20 Airliner auf dem Vorfeld: Darunter Boeing 707 (Ägypten, Togo), viele Boeing 727 und 737 aus Afrika, einige BAC-1-11, sowie drei ATP.
Das Vorfeld vor einem der Romaero-Hangars: Boeing 727 und BAC 1-11 sind hier keine Seltenheit.
Was auch immer die Zukunft für den Flughafen Baneasa bringen wird – die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung wären gegeben. Es liegt nun allerdings am Eigentümer, der rumänischen Regierung, diese zu unterstützen. Ansonsten könnte dem Flughafen das Schicksal von so manchem stadtnahen (ehemaligen) Flughafen drohen... |
Für die Unterstützung zur Entstehung dieses Berichtes bedanke ich mich bei Dorin Ivascu und Vladimir Vasilescu (Romanian Airport Services). |
| Alle Fotos: Martin Dichler |