von Martin Metzenbauer

 

 

Berlin ist in! Nicht umsonst hat die deutsche Metropole der "ewigen Stadt" Rom im europäischen Städte-Tourismus den Rang abgelaufen und kann nun nach London und Paris die dritthöchsten Besucherzahlen Europas aufweisen. In Bezug auf die Einwohnerzahl ist die 3,4-Millionen-Stadt nach London sogar die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union - nach dem Mauerfall kann seit einigen Jahren auch wieder ein deutlicher Bevölkerungszuwachs beobachtet werden.

Neben einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten - wie beispielsweise dem weltbekannten Pergamonmuseum, dem Reichstag mit seiner markanten Glaskuppel oder der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche - übt Berlin nicht zuletzt aufgrund seines ganz speziellen Flairs eine große Anziehungskraft besonders auf jüngere Menschen aus.

 

Eines der bekanntesten Wahrzeichen Berlins: Das Reichstagsgebäude.

 

So haben viele Unternehmen aus dem dynamischen IT-Bereich, eine große Anzahl von Verlagen und Fernsehsendern sowie jede Menge Kreativfirmen wie Werbeagenturen ihren Sitz in der Boomtown an der Spree. Und ganze - ehemals heruntergekommene - Stadtviertel erfreuen sich einer neuen Beliebtheit und an neuem Lebens, bestes Beispiel dafür ist der "Prenzlauer Berg" mit seinen unzähligen Restaurants und Bars.

 

Nicht nur für den "normalen" Touristen stellt Berlin ein faszinierendes Ausflugsziel dar, auch für Luftfahrtinteressierte gibt es in der deutschen Hauptstadt einiges "zu holen". Abgesehen davon, dass drei Flughäfen (Tegel, Schönefeld und Tempelhof) den Luftverkehr der Stadt abwickeln, gibt es auch jede Menge Historisches zu berichten.

Beispielsweise wurde der erste Flugplatz Deutschlands 1909 im Ortsteil Johannisthal eröffnet, viel bekannter ist allerdings die Luftbrücke durch welche die Stadt in den Jahren 1948 und 1949 nach einer Blockade durch die Sowjets mit Lebensmitteln, Brennmaterial, Medikamenten - einfach mit allem was zum Überleben benötigt wird - versorgt wurde.

Und auch in Zukunft wird sich in Berlin auf dem Luftfahrtsektor noch einiges tun: Der zentrale Flughafen Tempelhof sollte schon mehrmals geschlossen werden, dem Airport in Tegel droht ein ähnliches Schicksal, wenn Schönefeld ab 2011 zum BBI (Flughafen Berlin Brandenburg International) großzügigst aus- und umgebaut werden soll.

 

Glücklicherweise nur noch als Erinnerungsstück vorhanden: Die Berliner Mauer

Von Österreich aus gibt es eine Menge Flugverbindungen in die deutsche Hauptstadt. Abgesehen von den Nationalcarriern Austrian Airlines und Lufthansa fliegen auch Low Cost Airlines wie Air Berlin (aus Wien) und HLX (aus Klagenfurt und Salzburg) dorthin. Und seit einigen Monaten bietet auch Styrian Spirit Nonstop-Flüge von der steirischen Hauptstadt Graz nach Berlin an. Obwohl es sich ja hierbei um keine Billigairline handelt, kann man mitunter schon ab € 99,- (exkl. Taxen und Gebühren) nach Tegel fliegen.

Styrian Spirit startet fast täglich von der Stadt an der Mur in die Metropole an der Spree.

Für uns jedenfalls Grund genug, das Angebot der jungen Airline aus der Steiermark zu testen, die derzeit mit vier CRJ200, einem CRJ700 und ab Sommer 2006 (übrigens als erste europäische Fluglinie) auch noch einem CRJ900 unterwegs ist.

Der Hinflug startet täglich (ausser Samstag) um 11:10 in Graz, eingesetzt werden in der Regel CRJ200. An unserem Tag kam die Maschine mit dem Kennzeichen OE-LSD in "Slovenian Spirit"-Farben zum Einsatz.

Nach einigen Styrian Spirit-Flügen nicht mehr ungewohnt der überaus freundliche Empfang durch die sympathische Kabinenbesatzung in der im Vergleich zu größeren Modellen aus der Airbus- oder Boeing-Schmiede zwar etwas engen, aber nichtsdestotrotz bequemen Kabine, die in der "steirischen" Version mit komfortablen Ledersitzen ausgestattet ist. Ebenfalls sympathisch an Styrian Spirit: Selbst mit dem günstigsten Economy-Ticket sind trotzdem Getränke, eine kleine Mahlzeit und - zum Abschied - ein steirischer Apfel inkludiert!

 

Beim Anflug auf Tegel erkennt man gut die zentrale Lage des größten Berliner Flughafens.

Der Flug Z2 151 startete jedenfalls bei schönem Wetter pünktlich von der Startbahn 35, bereits etwa eine Stunde später erfolgte nach einem angenehmen Flug die Landung am Airport in Tegel. Vom Flughafen Tegel aus kommt man am günstigsten mit Bus und U-Bahn ins Stadtzentrum, komfortabler und trotzdem leistbar geht´s mit dem Taxi.

Der Rückflug (Z2 152) in die Steiermark startet übrigens ebenfalls an sechs Tagen in der Woche um 13:30 von Tegel, um planmäßig um 14:50 in Graz zu lansen.

Komfortable Ledersitze und eine gute Bordverpflegung machten den kurzen Trip von Graz nach Berlin zum Vergnügen.
Wer nur für ein Wochenende oder ein paar Tage in die deutsche Hauptstadt fliegt, tut sich natürlich schwer, aus der Vielzahl der Sehenswürdigkeiten die entsprechende Auswahl zu treffen. Die "klassischen" Sehenswürdigkeiten, die eigentlich bei keinem Berlin-Erstbesuch fehlen dürfen, sind natürlich das Brandenburger Tor (das übrigens in Wirklichkeit viel kleiner wirkt als auf den Bildern) und das direkt daneben liegende Reichstagsgebäude. Dieses wurde vom britischen Stararchitekten Sir Norman Foster in den Jahren 1995 bis 1999 umgebaut und mit einer markanten Glaskuppel, die man auch von innen begehen kann, versehen. Doch Vorsicht: Die Warteschlangen sind untertags schon von großer Entfernung zu sehen, schneller kommt man am Abend hinein.

Ein weiteres "Muss" für erstmalige Berlin-BesucherInnen ist die Gegend um den Kurfürstendamm: Dort findet sich die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und 1943 bei Bombenangriffen zum Großteil zerstört wurde. Lediglich der Turm blieb - ebenfalls stark mitgenommen - stehen und wurde als Mahnmal belassen. Bis 1961 wurde daneben die neue Kirche erbaut - ein von aussen nicht sehr attraktives achteckiges Bauwerk, das seinen wahren Reiz aber von innen zeigt: Unzählige blaue Glasbausteine erzeugen eine ganz besondere Stimmung!

Der Kurfürstendamm selbst ist natürlich vor allem als Einkaufsstraße bekannt. In der Nähe findet sich das erst kürzlich umgebaute KaDeWe - das "Kaufhaus des Westens" - mit einer unglaublich reichhaltigen Feinschmeckerabteilung im fünften Stock. Nicht versäumen!

 

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde 1943 zum Großteil zerstört - mehr oder weniger erhalten ist nur noch der Turm.

Berlin verfügt natürlich auch über ein reichhaltiges Angebot an Museen. Weltbekannt ist die Museumsinsel in der Spree, die unter anderem das Pergamonmuseum mit dem gleichnamigen Altar beherbergt. Empfehlenswert sind hier die ca. einstündigen "Führungen" mittels Audio-Guide.
 
Das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel und das Jüdische Museum zählen zu den bekanntesten Museen in Berlin.
 

Eine ganz andere Art von Museum stellt das Jüdische Museum in Berlin-Kreuzberg dar, das dem Besucher zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte näherbringt. Das Haus ist nicht nur wegen seiner lehrreichen und wirklich sehenswerten Ausstellung interessant - auch die eigenwillige Architektur von Daniel Libeskind sorgt seit der Eröffnung 2001 für weltweites Aufsehen. Neben dem Pergamonmuseum ist es das meistbesuchte Museum Berlins.

 

Bis vor wenigen Jahren war Berlin ja als "geteilte Stadt" bekannt. Heute unvorstellbar, trennte von 1961 bis 1989 die von der DDR-Führung Berliner Mauer die Stadt in einen West- und einen Ostteil. Von der oftmals traurigen Geschichte dieses "Bauwerks" zeugt das verwinkelte Mauermuseum am ehemaligen Checkpoint Charlie.

Wer sich von "ostalgischer" Stimmung aus Filmen wie "Sonnenallee" hat anstecken lassen, sollte natürlich auch unbedingt das Zentrum der Hauptstadt der ehemaligen DDR, den Alexanderplatz, besuchen. Neben typischer Ostblock--Architektur und der bekannten 1969 eingeweihten Urania-Weltzeituhr, findet sich in der Nähe auch das höchste Gebäude Berlins (und zweithöchste Bauwerk Europas), der Fernsehturm. Der 368 Meter hohe Turm wurde ebenfalls 1969 eröffnet und bietet von seiner Aussichtsetage in 200 Meter Höhe einen perfekten Blick auf die Stadt. Eine kleine Anekdote dazu: Weil die Kugel aus rostfreiem Stahl die Sonne in Form eines Kreuzes reflektiert, nannte man dieses Phänomen in Anspielung auf die atheistische Einstellung der DDR-Führung die "Rache des Papstes" - der Architekt wurde darob angeblich sogar von der Stasi befragt.

 

Der Alexanderplatz war das Zentrum des ehemaligen Ost-Berlin.

 

Natürlich findet man in Berlin auch eine Reihe von kleinen Veranstaltungsstätten, Galerien etc. - darüber kann man sich am besten auf den diversen Berlin-Seiten oder im dortigen "Falter" namens "Zitty" informieren - die entsprechenden Links finden sich am Ende des Berichts.

Neben der Vielzahl von Sehenswürdigkeiten, ist es aber vor allem das "Leben", das Einheimische und Touristen gleichermaßen fasziniert. Neben unzähligen Kinos, Theatern oder Konzerthäusern findet man eine dichte Ansammlung von Restaurants und "Beisln". Besonders empfehlenswert ist der Ortsteil Prenzlauer Berg, der - im Ostberliner Bezirk Pankow gelegen - in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung genommen hat und heute eine respektable Konzentration an Lokalen und Clubs aufzuweisen hat. Besonders interessant ist die Kulturbrauerei, wo man essen, trinken, tanzen, sowie Galerien und Kinos besuchen kann. Gleich in der Nähe findet man auch eine gelungene Mischung aus Sushi- und Cocktail-Bar mit Namen Notix: Gute Qualität, Preise ok und nette Crew (Sredzkistr. 27).

 

Eine nennenswerte Anzahl an Bars findet man auch im Bezirk Mitte - touristisch ist die Gegend allerdings ebenfalls recht beliebt. Besonders empfiehlt sich dort die Auguststraße sowie die Alte Schönhauser Straße. Wem nach Pasta zumute ist, dem wird der "Mädchenitaliener" - ja, das Lokal heißt wirklich so - gefallen (Alte Schönhauser Str. 12), wer auf Vietnamesisches steht, sollte "Monsieur Vong" besuchen (Alte Schönhauser Allee 46). Weitere Ausgehviertel sind Kreuzberg (ist vor allem im Sommer so richtig nett) und Charlottenburg, und dort vor allem die chice Gegend um den Savignyplatz und die Pariser Straße.

 

Das Sony-Center stellt den Mittelpunkt der neu gestalteten Gegend rund um den Potsdamer Platz dar.

 
 
Hypermoderne Architektur findet man in der komplett neu gestalteten Gegend um den Potsdamer Platz mit dem Sony-Center im Mittelpunkt. Neben Kinos (eines spielt übrigens nur Originalversions-Filme), einem Filmmuseum und einer wirklich gut sortierten Mall gibt es dort auch jede Menge netter Lokale. Nicht typisch berlinerisch das Ganze, dafür aber wirklich eindrucksvoll.
 

Komfortabel wohnen kann man in Hotels wie dem Ritz-Carlton am Potsdamer Platz.

 

Wer nach Berlin fliegt und länger als nur einen Tag bleibt, möchte natürlich auch gerne irgendwo schlafen. Auch hier bietet die deutsche Hauptstadt unzählige Möglichkeiten - von der einfach Pension bis hin zu einer Reihe von Fünf-Sterne-Hotels.

Wer wirklich standesgemäß absteigen möchte, dem sei das zentral am Potsdamer Platz gelegene Ritz-Carlton Hotel empfohlen. Nicht gerade billig, bietet dieses erste Haus am Platze aber alles was das Herz begeht - neben komfortabelst ausgestatteten Zimmern, tollen Restaurants findet man unter anderem einen ausgezeichneten Spa-Bereich. Das daneben liegende Sony-Center lädt zum abendlichen Spaziergang ein.

Ansonsten bietet sich die Buchung über Portale wie Opodo an - vom * bis zum *****-Haus kann man hier für jeden Geschmack etwas finden.

 

Mitten in der Stadt liegt der Flughafen Tempelhof, über den 1949 der größte Teil der Rosinenbomber der Berliner Luftbrücke gelandet sind. Hier die Schwelle der 2.094 Meter langen Runway 09L.

 
Wie erwähnt, bietet Berlin auch für das Fliegerherz so einiges: Die drei Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld mit ihrer abwechslungsreichen Geschichte und das gewagte Zukunftsprojekt Berlin Brandenburg International Airport (BBI). 2004 wurden insgesamt 14.781.028 Passagiere auf den drei Flughäfen abgefertigt - dies entspricht zwar einer Steigerung von 16% gegenüber dem Vorjahr, für eine Drei-Millionen-Stadt ist der Verkehr aber doch recht bescheiden.

 

 

TEMPELHOF (THF)

Der Flughafen Tempelhof war bis zur Eröffnung des damals neu errichteten Airports in Tegel der Hauptflughafen von Berlin. Noch heute prangen stolz die Lettern "Zentralflughafen" auf dem Terminal. Zentral ist heute allerdings allemal noch die Lage, die ehemals bedeutende Rolle im Berliner Luftverkehr hat THF schon längst an Tegel und Schönefeld abgeben müssen.

Heute nutzen den Flughafen mit den zwei Runways (2.094 und 1.840 Meter lang) nur noch wenige Fluglinien hauptsächlich mit kleinem Fluggerät, unter anderem InterSky, die Flüge aus Friedrichshafen anbietet.

 

Lange vorbei sind die Zeiten, als britische BAC 1-11 und Boeing 727 der PanAm in Berlin gelandet sind.

Foto: Berliner Flughäfen - Archiv

 

Insgesamt wurden im Jahr 2004 gerade einmal 441.580 Passagiere am Flughafen Tempelhof abgefertigt, 2001 waren es noch über 700.000 gewesen. Ein Wunder ist es allerdings, dass überhaupt noch jemand von dem verkehrsgünstig gelegenen Airport aus startet oder landet - hätte er doch bereits im Oktober 2004 geschlossen werden sollen. Einsprüche mehrerer Fluglinien mündeten jedoch in einem positiven Entscheid des Gerichtes, sodass der Flughafen zumindest vorübergehend geöffnet bleibt.

 

Die Vorfahrt des Berliner "Zentralflughafens".

 

Obwohl die Tage von Tempelhof wohl eher früher als später gezählt sein werden, verfügt der Flughafen wohl über die interessanteste Geschichte der Berliner Airports. Wie viele alte Flugfelder diente auch dieses früher als Exerzierplatz. 1923 wurde nach Einebnung und Befestigung des Geländes und der Errichtung von zwei Flughallen die Betriebsgenehmigung erteilt. Tempelhof war damit der erste Verkehrsflughafen der Welt.

 

Im folgenden Jahr wurde die noch heute bestehende Berliner Flughafen Gesellschft mbH (BFG) gegründet und das Verkehrsaufkommen entwickelte sich rasant. In den 1930er Jahren stand Tempelhof passagierzahlenmäßig an der Spitze Europas - weit vor London oder Paris.

 

Die monumentalen Ausmaße von THF erkennt man am besten aus der Luft.

Foto: Lutz Schönfeld / Berliner Flughäfen

 
 
Ab 1934 wurde dann mit den Planungen zur Erweiterung begonnen: Bis zu 6 Millionen Menschen pro Jahr sollten abgefertigt werden können. Entsprechend monumental fiel auch der Gebäudekomplex aus, der dabei herausgekommen ist: Mit einer Länge von 1.230 Metern und einer Bruttogeschoßfläche von 284.000 Quadratmetern zählt es noch heute zu den drei größten zusammenhängenden Gebäuden der Welt (neben dem Pentagon in Washington DC und dem Parlament in Bukarest).
 

Die Abfertigungshalle in Tempelhof: Ursprünglich war das Terminal etwa doppelt so hoch - nach Bombenschäden wurde eine Zwischendecke eingebaut.
 
Wenn man heute vor dem Komplex steht, fühlt man sich von der Größe noch immer geradezu erschlagen. Das Gebäude - von Sir Norman Foster zwar als "Mutter aller Flughäfen" bezeichnet - erinnert in seiner Monumentalität an viele andere Häuser aus der Zeit des Nationalsozialismus. 1936 wurde mit dem Bau begonnen, zu Kriegsbeginn waren viele der Gebäude allerdings erst im Rohbau fertig und wurden sofort für "kriegswichtige Aufgaben" zweckentfremdet - der gesamte Flugverkehr wurde bis Kriegsende von den alten Gebäuden aus abgewickelt! Die heute bestehenden Runways wurden übrigens erst Ende der 1940er Jahre gebaut - davor setzte man noch auf eine ovale Grasfläche, auf welcher die Maschinen perfekt gegen den Wind starten und landen konnten.
 

Eine wichtige Funktion für das Überleben der Menschen in der Stadt hatte Tempelhof (der Flughafen wurde 1945 von den Amerikanern übernommen) neben dem damaligen britischen Stützpunkt Gatow und dem französischen Tegel während der Berliner Luftbrücke, über die während der sowjetischen Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949 die Stadt mit lebenswichtigen Gütern versorgt wurde. Teilweise landeten und starteten die Maschinen im 90-Sekunden-Takt - und dies zu einer Zeit in der die Radartechnik erst in ihren Kinderschuhen steckte.

Während dieser Zeit hatte der Flughafen aber noch eine andere, wichtige Bedeutung für die Stadt: Die angrenzenden Bezirke, die zuvor Strom und Wasserversorgung aus dem Ostteil der Stadt bezogen hatten, wurden nun durch die riesigen Anlagen des Tempelhofer Flughafens versorgt.

Schon im Jahr 1950 wurde ein Teil des Flughafens zur zivilen Nutzung freigegeben. In den folgenden Jahren nahmen BEA, AOA, PanAm und Air France Flüge nach Tempelhof auf. Der 1955 wiedergegründeten Lufthansa blieben Flüge nach Berlin allerdings noch lange versagt: Sie durfte erst ab 1990 - nach Wiedererlangung der Lufthoheit - wieder in die neue alte Hauptstadt fliegen.

 

Durch diese Türe wurden seinerzeit DDR-Flüchtlinge abgefertigt.

 
 

Aufgrund der doch sehr zentralen Lage wurde in den letzten Jahren immer wieder die Schließung des Flughafens gefordert. Wie erwähnt, verhinderte nur ein Einspruch mehrerer Fluglinien das Ende des Flugverkehrs im Jahre 2004. Heute nutzen Cirrus, Dauair, DBA, EAE, InterSky, LGW, SNBrussels und Sterling vor allem mit Flugzeugen wie Dash 8 oder Saab 340 den ehemaligen Zentralflughafen. Sterling setzt etwas größeres Gerät - die Boeing 737 - ein, SNBrussels kommt regelmäßig mit Avro RJ und parkt ihre Maschinen auch meistens direkt unter dem 400 Meter breiten "Overhangar" des Airports. Die Passagiere können die Flugzeuge so zwar nicht über einen Jetway verlassen, kommen aber doch trockenen Fußes im Terminalgebäude an.

 

Auf dem Vorplatz - dem Platz der Luftbrücke - findet sich das Luftbrückendenkmal (links). Unter den 400 Meter breiten "Overhangar" können die Maschinen direkt zum Terminal vorfahren (rechts).

Foto Overhangar: Oliver Matschke, Berliner Flughäfen

 
Trotz des temporären Erfolges derjenigen, die weiterhin auf dem ehemaligen Tempelhofer Exerzierplatz Flugzeuge starten und landen sehen wollen, wird die Ära der Fliegerei mitten in Berlin vermutlich im Jahr 2011 zu Ende gehen, wenn der gesamte Berliner Flugverkehr über den neu errichteten BBI laufen soll.

 

 

TEGEL (TXL)

 
Auf dem Gelände des heute bedeutsamsten Berliner Flughafens befand sich ab 1930 ein Raketenschießplatz, nach Beginn der Blockade 1948 wurde das Feld als Flugplatz eröffnet und eine der europaweit längsten Startbahnen - mit 2.400 Meter Länge - errichtet. Erst im Jahr 1960 wurde mit dem zivilen Flugverkehr gestartet, zu Beginn der 1970er Jahre wurde der noch heute bestehende Terminalkomplex errichtet.
 

Der Flughafen Tegel - von der Luft aus gesehen.

Foto: Lutz Schönfeld, Berliner Flughäfen

 
Dieser 1974 fertiggestellte, an der Aussenfront 620 Meter lange, Terminal weist eine sechseckige Form mit 14 Fluggastbrücken auf, die doch für Flughäfen recht untypische Wege zulässt: Das Einchecken geschieht nämlich direkt vor dem Gate und auch mit dem Auto bzw. Taxi kann man direkt davor halten - ein Drive-In Flughafen sozusagen. Auch bei der Ankunft gibt es keine zentralen Gepäcksausgabebänder: Die Koffer werden ebenfalls direkt am Gate von kleinen Förderbändern abgeholt. Ein zweiter Terminalring war ursprünglich östlich vom bestehenden Komplex vorgesehen - das Unterfangen scheiterte alledings 1988 am Veto der damals in Berlin mitregierenden Grünen.
 

Der Terminalring: Die Zufahrt erfolgt fast bis zum Gate..

 
Die ursprünglich für 9,5 Millionen Passagiere ausgelegte Anlage muss heute bereits mehr als 11 Millionen Fluggäste jährlich "verkraften" - dies ist natürlich nicht ohne kleinere Ausbauten möglich. So wurden im Hauptgebäude zusätzliche Schalter eingerichtet und ein Nebengebäude - das Terminal A - mit einigen weiteren Positionen wurde errichtet. Insgesamt stehen derzeit 103 Abfertigungsschalter zur Verfügung.
 

Nostalgische Gefühle kommen auf, wenn man einige der Flugzeugnamen liest, die noch auf den Tegeler Parkpositionen zu finden sind - die der Flughafen aber wohl nie wieder zu Gesicht bekommen wird: Boeing 707, BAC 1-11 und die gute, alte Caravelle.
 

Wie seine Pendants Tempelhof und Schönefeld verfügt auch Tegel über zwei parallele Landebahnen: Runway 08L/26R ist 3.023 Meter lang und kann aus beiden Richtungen nach CAT IIIb angeflogen werden. Die zweite Start/Landebahn ist kürzer (2.424 Meter) und kann in Richtung Osten nach CAT I und nach Westen nach CAT II angeflogen werden (Infos zu den Kategorien des Instrumentenlandesystems kann man übrigens hier finden).

 

Mongolian Airlines fliegen mit ihrem einzigen Airbus A310-300 zweimal pro Woche aus Ulaanbaatar über Moskau nach Berlin.
 

Findet man in Tempelhof heute hauptsächlich regionale Airlines und Nischencarrier und in Schönefeld in erster Linie Charter- und Billigairlines, wird der Hauptteil des "normalen" Linienverkehrs in Tegel abgewickelt, wobei sich aber auch hier Low Cost Carrier wie Air Berlin, dba und HLX niedergelassen haben. Auch sämtliche Flüge von Österreich steuern den Flughafen Tegel an, lediglich die Vorarlberger InterSky - die ihre Basis in Friedrichshafen hat - startet nach Tempelhof.

 

Im Interkontinentalverkehr werden New York (fünfmal wöchentlich von Delta), Newark (fünfmal wöchentlich von Continental) und die mongolische Hauptstadt Ulaanbaatar (zweimal wöchentlich von Mongolian Airlines via Moskau) angeflogen. Letztere, eher ungewöhnliche, Destination hat ihren Ursprung in der engen Beziehung der ehemaligen DDR mit der Mongolei, durch die damals die Flüge zwischen den zwei Ländern aufgenommen wurden. Freilich landeten die Maschinen damals noch am Ostberliner Flughafen Schönefeld.

Vieles in Tegel hat eine drei- oder sechseckige Form - so auch der markante, 47 Meter hohe, Kontrollturm.

 
 
Doch - ähnlich wie in Tempelhof - dürften die Tage des ebenfalls recht zentral gelegenen Flughafens Tegel mit der Eröffnung von BBI gezählt sein. Wobei man natürlich mit solchen Prognosen vorsichtig sein muss. Zum einen stellt sich die Frage, ob der Bau des neuen Flughafens wirklich so klaglos über die Bühne gehen wird, dass er 2011 den Betrieb aufnehmen kann, zum anderen finden sich vielleicht analog zum Airport in Tempelhof Gegner einer zwangsweisen Absiedelung: Immerhin ist Tegel ja gerade durch seine zentrale Lage bei den Passagieren sehr beliebt (von TXL sind es 8 Kilometer ins Stadtzentrum, von Schönefeld immerhin 18). Allerdings wurde eine erste derartige Klage einiger Fluggesellschaften (unter anderem Air Berlin) bereits abgewiesen.
 

Eine Boeing 767 von Delta startet von Tegel nach New York.

Für (zumindest) eine Gruppe von Menschen wäre die Schließung von TXL allerdings wirklich eine kleine Tragödie: Ob nämlich Flugzeugenthusiasten auf dem neuen Airport eine Terrasse (ohne Glas!) wie am Flughafen Tegel vorfinden werden, um Flugzeuge abzulichten, ist fraglich. Daher sollte man diese Möglichkeit nutzen, solange sie besteht (Eintritt: € 2, recht genaue Tascheninspektion!).

Auf der Besucherterasse findet sich auch ein Original-Pratt & Whitney-Triebwerk.

 

 

 

SCHÖNEFELD (SFX)

 
Der Flughafen Schönefeld - im Süden Berlins gelegen - wurde 1934 als Produktionsstätte der Henschel-Flugzeugwerke gegründet. Mehr als 14.000 Maschinen wurden dort hergestellt. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde der Flugplatz von den Sowjets übernommen und bereits 1946 startete Aeroflot nach Moskau. Zu Beginn der 1950er Jahre wurden Vorbereitungen zum Aufbau des zivilen Luftverkehrs in der DDR begonnen - die Deutsche Lufthansa der DDR nahm am 30. Juni 1955 ihren Flugbetrieb auf.
 

Schönefeld aus der Satellitenperspektive: Die auf dem Bild untere Bahn soll in den neuen Airport BBI integriert werden, auf dem Gelände südlich davon sollen die neuen Terminalanlagen entstehen, noch weiter südlich soll eine Parallelbahn errichtet werden.

Foto: Berliner Flughäfen

 
Im Jahr 1958 wurde dann die bis 1991 fliegende Interflug aus der Taufe gehoben. Die neue Airline benötigte natürlich auch einen größeren Flughafen: 1961 wurde daher die nördliche, 1965 die südliche Start- und Landebahn eröffnet. Dass überhaupt deutsche Flugzeuge von SXF aus operieren durften, ist übrigens der Tatsache zu verdanken, dass Schönefeld außerhalb der Stadtgrenzen Berlins liegt und dadurch nicht dem Vier-Mächte-Abkommen unterworfen war.
 

Im Jahre 1969 besuchten die ersten Düsenverkehrsflugzeuge den Hauptflughafen der DDR. Das noch heute bestehende Abfertigungsgebäude mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Passagieren wurde dann im Jahre 1976 eröffnet. Von Schönefeld aus verband Interflug die DDR mit vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks, bekanntermaßen aber auch mit Wien (neben Helsinki und Amsterdam übrigens das einzige westeuropäische Ziel). Die Langstrecken Iljushins IL-62 flogen bis nach Ostasien und Kuba.

Schönefeld am Abend.

Foto: Günter Wicker, Berliner Flughäfen

 

 

Mit dem Ende der DDR 1989 und der Interflug-Liquidation zwei Jahre später sah es anfangs auch für den Flughafen Schönefeld nicht besonders rosig aus. Die Passagierzahlen stagnierten bei weniger als zwei Millionen jährlichen Fluggästen. Erst der Einzug der Billigairlines erweckten den Flughafen aus seinem Dornröschenschlaf: Benutzten 2002 nur 1,7 Mio. Passagiere den Airport, waren es 2004 bereits 3,4 Mio. - Tendenz weiterhin steigend!

Mittlerweile setzen Low Cost Carrier wie Germanwings, easyJet, Virgin Express oder Ryanair auf Schönefeld, "klassische" Airlines sind eher wenige zu finden - treu geblieben ist allerdings die russische Aeroflot. Daneben starten auch eine Menge Charterairlines wie Sunexpress oder LTU vom ehemaligen DDR-Hub aus in wärmere Regionen.

 

Obwohl in Schönefeld rege Bautätigkeit herrscht, ist der Ostblock-Charme des Hauptterminals (noch) erhalten geblieben.

Foto: Lutz Schönfeld, Berliner Flughäfen

 

Solchen Passagierzuwächsen war das alte Terminal A natürlich nicht gewachsen - so folgten mehrere kleinere Ausbauten durch die die Kapazität auf offiziell 4,5 Millionen Passagiere hochgeschraubt wurde. Lange dürfte das allerdings nicht reichen - bis November 2005 benutzten bereits 4,8 Mio. Fluggäste den Airport.

Keine Kapazitätsprobleme sollte es jedenfalls ab 2011 geben, wenn der neue Flughafen BBI in Betrieb gehen soll: Vorgesehen ist im Eröffnungsjahr eine Startkapazität von mehr als 20 Millionen Passagieren, je nach Passagierentwicklung kann für bis zu 40 Millionen Passagiere ausgebaut werden. Die Bauarbeiten sollen 2006 beginnen - die Bewohner eines Dorfes das dem Megaprojekt im Weg gestanden wäre, haben ihre Häuser bereits verlassen.

 

easyJet betreibt in Schönefeld eine Basis und fliegt von Berlin aus 26 Destinationen an.

Foto: Lutz Schönfeld, Berliner Flughäfen

 

Das Konzept des Flughafens sieht zwei parallele Runways vor, die durch ihren Abstand von 1.900 Metern unabhängig voneinander betrieben werden können. Terminal, Gate-Positionen und Parkplätze liegen zwischen den Bahnen. Die jetzt bestehende Schönefeld-Nordbahn soll nicht mehr verwendet, die vorhandene südliche Runway (und dann BBI-Nordbahn) auf 3.600 Meter verlängert werden. Neu gebaut werden soll eine 4.000 Meter lange Runway, die BBI-Südbahn. Das bestehende Terminal in Schönefeld soll geschlossen werden.

Neben großzügigen Parkplatzanlagen und einer guten Autobahnanbindung soll man auch mittels eines Airport-Shuttles das Stadtzentrum einfach und schnell erreichen: Klappt alles nach Plan, soll Berlin per Auto in 30 Minuten und per Zug in nur 20 Minuten erreicht werden.

 

So soll das Gelände um den ehemaligen Hauptflughafen der DDR (im Bild links noch rudimentär zu erkennen) in einigen Jahren aussehen, dann allerdings mit dem klingenden Namen "BBI - Berlin Brandenburg International Airport".

Foto: Berliner Flughäfen

 
Berlin jedenfalls ist heute eine der lebendigsten Städte Europas und jedenfalls immer einen Besuch wert. Dass sich der Flugverkehr in der deutschen Metropole in den nächsten Jahren und Jahrzehnten rasant entwickeln wird, erscheint ebenfalls klar. Heute spielt Berlin in der europäischen Flughafenliga nur in der Tabellenmitte - spätestens mit Eröffnung des neuen BBI erscheint ein Spitzenplatz aber nicht unwahrscheinlich!
 

Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben): Austrian Aviation Net - Martin Metzenbauer

 

Links:

Allgemeine Berlin-Seiten:

> Berlin.de - Offizielle Seite

> Berlin Online

Airlines, die Berlin von Österreich aus anfliegen:

> Styrian Spirit (ab Graz)

> Air Berlin (ab Wien)

> HLX (ab Salzburg und Klagenfurt)

> Lufthansa (ab Wien)

> Austrian Airlines (ab Wien)

Berliner Flughäfen:

> Tegel

> Schönefeld

> Tempelhof

> Berlin Brandenburg International

Sehenswürdigkeiten:

> Reichstag

> Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche

> KaDeWe

> Museumsinsel

> Jüdisches Museum

> Mauermuseum am Checkpoint Charlie

> Fernsehturm

Abends unterwegs:

> Kulturbrauerei

> Sony Center

> Zitty (Programmzeitschrift)

Übernachten:

> Ritz-Carlton am Potsdamer Platz

> Hotelsuche mit Opodo

Weitere Berliner Luftfahrt-Links:

> Planeboys - Spotters from Berlin

> Air Service Berlin - bietet Rundflüge (unter anderem mit DC3!) an

> Luftwaffenmuseum am ehemaligen Flugplatz Gatow