Im
Airlinegeschäft Erfolg zu haben, ist in der heutigen Zeit
keine einfache Sache: Verluste in schwindelerregenden Dimensionen
gehören seit einigen Jahren quasi zur Normalität,
die zunehmende Konkurrenz schafft einen ungeheuren Preisdruck,
Überkapazitäten tun ihr übriges. Wenn eine Fluglinie
erfolgreich sein möchte, muss sie schon mit einem besonderen
Konzept aufwarten – ansonsten sind die Flieger schneller
gegroundet als man denkt.
Eine
der Luftfahrtgesellschaften, die in mehrerer Hinsicht "Besonderes"
zu bieten hat, ist sicherlich InterSky. Im vorarlbergischen
Bregenz beheimatet, fliegt sie vom nahen Friedrichshafen in
Baden-Württemberg und nennt sich nicht umsonst "Bodensee-Airline".
Das bedeutet, dass sie als Einzugsgebiet nicht eine Stadt oder
ein Land, sondern eine drei Staaten überschreitende Region
mit einer Population von mehr als drei Millionen Menschen besitzt.
Trotzdem war dem Flughafen Friedrichshafen als einziger überregionaler
Airport dieser Region vor der "Landung" von InterSky
ein eher ruhiges Dasein beschieden. Das Angebot war dürftig
und wer fliegen wollte, musste in der Regel auf die Flughäfen
München oder Zürich ausweichen. Für InterSky
bedeutete das also eine perfekte Nische.

(Auch)
im Gebirge zuhause: Dash 8-300Q von InterSky.
Foto:
Roger Hohl – aerogate.net
Die
Gründerin und Miteigentümerin der Fluglinie ist –
und das ist die nächste InterSky-Besonderheit und weltweit
wohl ein Unikat – eine Frau: Renate Moser war nach Tätigkeiten
bei Philips, Flughafen Wien und Rheintalflug mehr oder weniger
durch Zufall zur Airlinechefin avanciert. Als sie 2001 eine
Dash 8 der inzwischen in der Austrian Airlines Group aufgegangenen
Rheintalflug veräußern sollte, kam der 11. September
2001 dazwischen, sie blieb auf dem Flieger "sitzen"
und gründete damit gleich eine eigene Airline.
Die
nächste Besonderheit ist die Tatsache, dass InterSky eine
Low Fare Airline ist – an sich nichts aufregendes. Absolut
unüblich ist ein solches Konzept allerdings mit dem Turboprop-Modell
Dash 8 als Fluggerät. Für die sonst üblichen
737- oder 320-Modelle würde wohl das Passagieraufkommen
nicht ausreichen und gleich große Jets hätten deutlich
höhere Betriebskosten.
Dass
die Strategie der Fluglinie aufgeht, zeigt sich in steigenden
Passagier- und Umsatzzahlen – 2005 wurden 142.000 Fluggäste
befördert. Und schließlich ist die Airline –
fast schon branchenunüblich – profitabel: 2004 und
2005 wurden Gewinne geschrieben!

InterSky-Gründerin
Renate Moser.
Foto:
InterSky
Die
treibenden Kräfte hinter InterSky waren von Anfang an Renate
Moser – im Bereich des Marketing und der unternehmerischen
Seite – und ihr Mann Rolf Seewald, der sich als langjähriger
Kapitän um den Flugbetrieb kümmert.
Im
Gespräch mit Austrian Aviation Net erzählt Renate
Moser von ihren eigenen Anfängen in der Fliegerei und wie
es schließlich zur Gründung von InterSky gekommen
ist: "Am Flughafen Wien habe ich die Luftfahrt kennen-
und liebengelernt, habe dort meine ganzen Airline-Kontakte geknüpft.
Da es aber ein sehr politischer Job war – und ich ein
eher unpolitischer Mensch bin – habe ich mich dann mit
einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit selbständig
gemacht. Unter anderem war ich für EL AL und für KLM
zuständig und schließlich auch für Rheintalflug.
Neben der Öffentlichkeitsarbeit habe ich für letztere
dann auch das Marketing auf der Seite Wien übernommen.
In weiterer Folge hatte ich dann das große Glück,
das Unternehmen mitaufbauen zu dürfen – von einer
Dash 8 auf fünf Flugzeuge, davon drei Jets."
Das
Glück währte allerdings nicht allzu lange –
die lukrativen Strecken zwischen der österreichischen Hauptstadt
und der Grenzregion zum "Ländle" blieben nicht
lange unbemerkt. Moser: "Von Swissair und AUA kam sanfter
Druck: Wenn wir nicht verkaufen, dann könnte man ein bisschen
Dumping machen. Das bedeutet, dass die AUA von Friedrichshafen
aus Flüge nach Wien angeboten und Swissair ab Zürich
sehr günstige Preise offeriert hätte. Wir haben dann
mit Verhandlungen begonnen – die Gespräche mit Swissair
sind bald eingeschlafen, bald gab es die Fuglinie auch nicht
mehr. Mit der AUA haben wir weiterverhandelt und den Verkauf
im Februar 2001 abgeschlossen."

Die
Flottenplanung bei der Austrian Airlines Group war damals offenbar
noch nicht so sehr auf Homogenisierung ausgelegt wie heute.
Die Embraer 145-Jets sollten bei der Flotte bleiben, die Dash
8-300 verkauft werden. Renate Moser sollte sich um den Handel
kümmern: "Am 8. September 2001 bin ich nach Trinidad
geflogen, um British West Indies Airways (BWIA) die beiden Maschinen
anzubieten. Ein 'Letter of Intent' wurde unterschrieben und
ich bin am 11. September zurück nach Europa geflogen. Als
ich angekommen bin, war die Welt nicht mehr die gleiche. BWIA
hat in weiterer Folge nur eine Dash 8 abgenommen, die zweite
war kurz nach 9/11 natürlich nicht zu verkaufen."
Die
Dinge kommen ja bekanntlich erstens oft anders und zweitens
als man denkt – und dies oft in Zeiten, in denen man dies
nicht für möglich hält. So trat relativ unvermittelt
der Flughafen Bern auf den Plan. Renate Moser: "Die Manager
des Flughafens Bern kamen auf uns zu und meinten, dass für
den Charterverkehr dringend größere Flugzeuge benötigt
würden. Sie erkundigten sich also, ob wir nicht nach Bern
kommen wollten. Mein Mann [Rolf Seewald, Anm.] war ja noch bei
der AUA beschäftigt und hat mich gefragt, ob ich das nicht
machen möchte. So kam es zur Gründung von InterSky."
InterSky
startete also mit der ehemaligen Rheintalflug-Dash 8 zunächst
als reiner Regionalcarrier vom kleinen Flughafen der Schweizer
Hauptstadt aus. Allerdings mussten gleich zu Beginn veritable
Anlaufschwierigkeiten gemeistert werden: Diese hatten nicht
zuletzt damit zu tun, dass der Carrier Swiss Wings in Bern kurz
zuvor bankrott gegangen war und dadurch das Vertrauen der lokalen
Bevölkerung in kleine Airlines deutlich geschmälert
wurde. Renate Moser: "Zuerst haben die Leute in Bern Swissair-Tickets
weggeworfen, dann Swiss Wings. Da meinten sie, dass die kleine
neue InterSky zwar recht gut sein mag – die Tickets wurden
aber sicherheitshalber erst am Tag zuvor gekauft. Am nächsten
Tag würde sie ja hoffentlich noch fliegen. Von langem Vorlauf
oder so war natürlich keine Rede."

Die
Kabinen der Dash 8-300Q sind mit weißen Ledersitzen ausgestattet.
Für
eine junge Airline waren dies natürlich alles andere als
optimale Bedingungen. In diesen Tagen fand Renate Moser jedoch
ein Konzept für eine Billigairline in ihrer Post –
verfasst von zwei jungen Schweizern. Die beiden hatten dieses
"just for fun" in ihrem privaten Interesse erstellt
und erhofften sich lediglich ein wenig konstruktive Kritik der
Airlinechefin.
Insofern
war dann die Überraschung groß, als Thomas Jaeger
und Roger Hohl in das InterSky-Büro in Bregenz eingeladen
wurden und kurze Zeit später auch gleich fix auf der Gehaltsliste
der Fluglinie standen – mit dem Auftrag, ihr Low Cost
Konzept für und mit InterSky zu adaptieren, was sie dann
offenbar auch zufriedenstellend erledigt haben. Renate Moser:
"Wir haben dieses Konzept sehr schnell umgesetzt und sind
damit bereits ab August 2002 damit 'on air' gewesen. Ab diesem
Zeitpunkt ging es dann schnell bergauf!"
Rasch
wurde danach eine zweite Maschine angeschafft, die in Friedrichshafen
– eine gute halbe Stunde von Bregenz entfernt –
stationiert wurde. Von dort aus wurden die Destinationen Wien,
Köln und Berlin Tempelhof angeflogen und wurden mit dem
Low Fare Konzept geradewegs zum "Renner".
Aufgrund
der Tatsache, dass sich die Strecken ab Friedrichshafen deutlich
besser als die Bern-Destinationen entwickelten, wurde auch –
sehr zum Leidwesen der Schweizer – die andere Dash 8 am
Bodensee stationiert und das Angebot kontinuierlich ausgebaut.
Mittlerweile fliegt die Airline von Friedrichshafen aus 12 Destinationen
an – neben den bereits erwähnten Strecken nach Wien,
Berlin und Köln geht es nach Graz, Hamburg, Dresden, Prag
sowie an die Mittelmeer-Ziele Nizza, Venedig, Neapel, Elba und
Zadar.

Das
Callcenter von InterSky in Bregenz.
Für
die Fülle an Strecken reichten die zwei Turboprops natürlich
nicht aus und ein weiteres Flugzeug musste her. So wurde im
Februar 2006 die bereits dritte Dash 8-300Q mit dem Kennzeichen
OE-LIC übernommen. Wenn es nach den Plänen von Renate
Moser geht, war das auch nicht die letzte Neuerwerbung: "Wahrscheinlich
wird 2007 ein viertes Flugzeug kommen."
Der
neue InterSky-Geschäftsführer Jörg Schwingeler
(Renate Moser ist seit Anfang 2006 "nur" noch in beratender
Funktion tätig) ergänzt dazu: "Mittelfristig
werden wir sicherlich auch mehr Sitze pro Flug benötigen,
also in das Segment 70-80 Sitze einsteigen. Ob das Flugzeug
dann ein Jet oder ein Turboprop sein wird, ist offen. Angesichts
der hohen Treibstoffpreise würde im Moment natürlich
sehr vieles für einen Turboprop sprechen." Man darf
also durchaus damit rechnen, demnächst eine Dash 8-400Q
in den blau-gelben InterSky-Farben zu sehen.
Übrigens
wurde ein Flugzeug "klassisch" über eine Leasingfirma
geleast, die anderen beiden gehören Objektgesellschaften,
von denen die Flugzeuge an InterSky verleast werden. Jörg
Schwingeler präzisiert: "Diese Objektgesellschaften
befinden sich im Eigentum von InterSky nahestehenden Personen
und Organisationen, binden aber auch interessierte Investoren
ein. Der Fremdfinanzierungsanteil wurde von der Vorarlberger
Landes- und Hypothekenbank bereitgestellt."

In
Friedrichshafen verfügt InterSky über einen eigenen
Wartungsbetrieb.
Natürlich
werden wie bei jeder Airline auch immer wieder neue Destinationen
überprüft – bei InterSky sind dabei natürlich
die Reichweite (ca. 1.600 km) und die auf längeren Strecken
ins Gewicht fallende, im Vergleich zu Jets niedrige Geschwindigkeit
(ca. 500 km/h) der Dash 8-300 limitierende Faktoren. Schwingeler
zu zukünftigen Destinationen: "Es gibt Überlegungen
und Gespräche, aber noch keine Entscheidung. Wir prüfen
weiterhin die von der Region gewünschte Verbindung nach
Paris, die sich aber aufgrund knapper Slots dort bislang noch
nicht umsetzen ließ. Unsere Strategie ist auf Nachhaltigkeit
ausgerichtet, deshalb werden wir die Expansion nicht übereilen,
sondern schrittweise und kaufmännisch vorsichtig umsetzen."
Wie
bereits erwähnt, ist die Kombination Billigairline und
Turboprop eher ungewöhnlich. Interessant ist daher die
Frage, ab welcher Auslastung man eigentlich profitabel fliegt.
Jörg Schwingeler erklärt dazu: "Genaue Zahlen
dazu möchten wir nicht veröffentlichen. Unser Break
Even liegt aber deutlich unter dem größerer Airlines.
Das muss auch so sein, weil man mit einem 50-Sitzer aus strukturellen
Gründen wie saisonaler Effekte und mengenmäßiger
Limits beim Gruppengeschäft keine Auslastung von 80% erreichen
kann, wie sie in den Boeing 737- und A319/A320-Flotten anderer
Low Fare-Airlines beobachtet werden kann."
Bisher
war InterSky als Nischencarrier unabhängig – im Gegensatz
zur Rheintalflug, die abwechselnd in Austrian Airlines- und
Lufthansa Regional-Farben unterwegs waren. Ob die Teilnahme
an einer Allianz oder dergleichen auch mit InterSky eine Option
wäre, verneint Renate Moser vehement: "Wir müssen
klein und flexibel bleiben – das ist unser großer
Vorteil. Wir können auf jede Marksituation sehr rasch reagieren.
Jede Zusammenlegung mit einem größeren Partner macht
derzeit überhaupt keinen Sinn."

Derzeit
besteht die Flotte von InterSky aus drei Dash 8-300Q.
Wie
bei fast allen Low Cost Carriern üblich, bezahlt man bei
InterSky nur für den Flug selbst – Bordservice wird
zwar angeboten, aber nur gegen Bezahlung. Ungewöhnlich
erscheint dabei, dass es auch ein Produkt eigens für Geschäftsreisende
gibt – eine Business Class. Diese bietet neben einem inkludierten
Bordservice auch verbesserte Möglichkeiten bei Storno und
Umbuchung.