Malta öffnet seinen Markt für Billigflieger
 
von Dieter Haselsteiner
 

In der guten Tradition von Austrian Aviation Net werfen wir immer wieder gerne einen Blick auf das fliegerische Geschehen jenseits unserer Landesgrenzen. Dieter Haselsteiner hat sich die aktuelle Situation auf dem Flughafen Malta genauer angesehen: Dieser ist erst vor kurzem auf den "Low Cost"-Zug aufgesprungen. Kontinuierlich abnehmende Touristenzahlen in den letzten Jahren (Spitzenjahr 2000) zwangen die Regierung des Inselstaates gewissermaßen, über Möglichkeiten nachzudenken, sich diesem anhaltenden negativen Trend entgegenzusetzen.

Low-Cost-Carriern (LCC) à la Ryanair, easyjet & Co war es bis dato nicht erlaubt, den einzigen Flughafen des Inselstaates Malta (bestehend aus den Inseln Malta, Gozo, Comino und Filfla) anzusteuern. Der internationale Flughafen von Malta (Luqa) wickelte 2005 ein Passagiervolumen von 2,78 Mio ab und gilt als die Heimatbasis der vor Ort operierenden Air Malta, welche dort letztes Jahr einen Passagieranteil von ca. 56% verzeichnete. Die maltesische Regierung sah sich jedoch gezwungen, zu effektiven Maßnahmen zu greifen um den Tourismus wieder anzukurbeln, schließlich erwirtschaftet dieser Sektor ca. 20 bis 30% des BIP. Neben den Verantwortlichen des Staates selbst trat auch die maltesische Hotel- und Restaurant-Vereinigung (MHRA) in Erscheinung und unterstrich die notwendige Neuorientierung. So wurde im Jahr 2005 entschieden mit den europäischen LCC in Kontakt zu treten, um die Vor- und Nachteile einer etwaigen Anfluggenehmigung vor Augen geführt zu bekommen.

 

Die Billigflieger stellten für Homecarrier Air Malta keine Gefahr da - bis jetzt.

Foto: Peter Unmuth

 

Generell ist bekannt, dass der Tourismus in Städten, Regionen sowie in Ländern durch die Aufnahme von LCC in deren Netzwerk in vielfältiger Weise profitiert. Mittels einer Erteilung von Flugrechten an LCC um die Insel anfliegen zu dürfen, kann Malta vom massiven Wachstum der LCC in Europa vehement profitieren. Gerade im Fall von Malta sollte dies vor allem durch die Erschließung neuer Märkte und Sekundärmärkte erfolgen. Von den beiden größten europäischen LCC (Ryanair und easyjet) kamen die ersten Angebote. Während auf der Seite der MHRA die vorgelegten Offerte auf großes Echo stießen, war dies eher der umgekehrte Fall bei der maltesischen Regierung. Über ein Jahr dauerten die Verhandlungen an und zwischenzeitlich sah es so aus, als dürfte vorerst keiner der beiden anbietenden Airlines Malta anfliegen. Dies ist aber durch Betrachtung der vielseitigen Gesichtspunkte auch etwas verständlich. Die maltesische Regierung befand sich in dieser Angelegenheit in einer schwierigen Position. Sie versuchte die Balance zwischen den Linienfluggesellschaften und Reiseveranstaltern auf der einen Seite, sowie den LCC auf der anderen Seite zu finden. Weiters kam mit der eher gefährdeten heimischen Air Malta ein zusätzliches gewichtiges Argument hinzu, das die herbeigesehnte Lösung nicht einfacher machte.

Die Tatsache, dass derzeit ca. 99% aller in Malta ankommenden Touristen auf dem Luftweg anreisen, ließ dem Staat Malta jedoch keine großen Aufschiebungen offen. Mit August 2006 gaben zuerst Ryanair, dann easyjet ihre detaillierten Absichten für Flugoperationen ex Malta bekannt. Dabei war von einem Interessenskonflikt auszugehen, schließlich wollten beide Carrier eine ihrer Flugbasen, den Flughafen London Luton, in ihrem Streckennetz an Malta anbinden. Ryanair gab konkrete Absichten bekannt auch zwei weitere ihrer Basen, nämlich Dublin und Pisa, ab Malta in den Flugplan aufnehmen zu wollen, während easyjet noch ihren Standort Basel ins Spiel brachte. Ryanair unterstrich ihr Angebot mit der Absicht über diese Routen jährlich 200.000 Passagiere nach Malta zu bringen, wobei 85% davon als Incoming-Touristen zu sehen sind. Des weiteren ließ man von Seiten Ryanairs die Möglichkeit offen, den Flughafen Malta darüber hinaus mit weiteren Knotenpunkten zu verbinden und sogar auch als mögliche Basis zu etablieren.

Das Ausbleiben eines definitiven Entschlusses von Seiten der maltesischen Regierung bedauerte die MHRA sehr. Sie verwies auf die flauen Sommerzahlen 2006 und hätte sich schon gerne vor dem Sommer 2006 nach einer Entscheidung pro LCC gesehnt.

 

Der Flughafen Malta mit seinen beiden 2.377 und 3.544 Meter langen Runways.

Foto: Peter Unmuth

 

Schließlich wurden dann am 7. September 2006 Ryanairs erste Routen nach Malta offiziell bekannt gegeben: neben einer täglichen Bedienung London Lutons (ab 31. Oktober 06) bekamen die Ryanair-Basen Pisa (ebenfalls ab 31. Oktober 06) und Dublin (ab 9. Februar 2007) auch eine direkte Flugverbindung nach Malta in einem Umfang von jeweils drei wöchentlichen Umläufen. Somit war Malta das 24. Land im Streckennetz von Ryanair. Die Pläne easyjets wurden mit London Luton und Basel vorerst nicht verwirklicht. Mit der definitiven Aufnahme der ersten Malta-Routen von easyjet (ob die ursprünglich geplanten oder andere) ist erst im Frühjahr 2007 zu rechnen.

Die angekündigten neuen Strecken entsprachen im Großen und Ganzen den Vorstellungen zur Erschließung von Sekundärmärkten und neuen Märkten. Ryanairs Dublin-Strecke steht in Konkurrenz zu Air Malta, welche diese Route ebenfalls bedient. Im Geschäftsjahr 2005 befand sich Dublin an 24. Position der Topdestinationen (gemäß einem Passagieraufkommen von ca. 24.600) von/nach Malta. Auf der Linie Richtung London/Luton besteht nun mit dem Einstieg Ryanairs ein Wettkampf mit den Charterflügen (LTN an 42. Stelle mit ca. 11.400 Paxen). Die neue Verbindung in die Toskanastadt Pisa steht überhaupt für eine ganz neue Markterschließung.

Zu aller Überraschung hat darüber hinaus der deutsche LCC Germanwings ebenfalls wenige Tage danach verlautbart, den Flughafen Malta in ihr Streckennetz aufzunehmen und mit ihren Heimatbasen Köln/Bonn und Stuttgart ab 27. März 2006 (je zweimal wöchentlich) zu verbinden. Köln/Bonn schaffte im Jahr 2005 ein Pax-Aufkommen von und nach Malta im Umfang von ca. 8.500 (Rang 54), Stuttgart von ca. 7.300 (Rang 60). Beide wurden bis dato nur im Charterverkehr bedient.

Die angekündigten neuen Routen sind durchaus nicht überraschend, stellen doch Großbritannien, Deutschland und Italien die größten Incoming-Märkte Maltas dar. Der österreichische Markt befand sich im Geschäftsjahr 2005 des Malta International Airport an immerhin 7. Position (ca. 63.000 Passagiere). Air Malta (KM) sowie Austrian/Lauda Air (OS) bedienen Malta regelmäßig von Wien aus, sowie saisonal auch vereinzelt von den Bundesländerflughäfen. Die Strecke Wien – Malta wird derzeit (KW 41, 2006) insgesamt 7mal pro Woche bedient, wobei sich die Fluganzahl auf 5/7 KM und 2/7 OS verteilt.

 

Der Flughafen Malta hat derzeit eine Kapazität von 5 Millionen Passagieren jährlich.

Foto: Peter Unmuth

 

Inwieweit das Flugangebot von LCC ex Malta in der Zukunft noch weiter entwickelt, wird sich erst nach Bekanntgabe der easyjet-Pläne zeigen. Mit Großbritannien als traditionell wichtigsten maltesischen Incoming-Markt und den dort zahlreich stationierten LCC (u.a. Jet2, Thomsonfly, FlyBe) ergeben sich eine Vielzahl von weiteren neuen Möglichkeiten. Sofern Ryanair die Absicht verwirklicht und Malta tatsächlich zu einer ihrer Basen ausbaut, könnten auch für Österreich durchaus LCC-Anbindungen an Malta über kurz oder lang realisiert werden (gegenwärtig operiert Ryanair von folgenden österreichischen Airports: Flughafen Graz, Klagenfurt, Linz und Salzburg). Welche Konsequenzen das Engagement der LCC auf Malta für die dort ansässige Air Malta haben wird, ist noch abzuwarten. Definitiv steht fest: der LowCost-Verkehr hat in Malta Einzug genommen und Air Malta muss sehen, wie sie mit dieser neuen Situation erfolgreich umgehen lernt.