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von
Martin Metzenbauer |
Als Niki Lauda in den 1970er Jahren von einem Grand Prix-Sieg zum nächsten fuhr, war er zwar auf den Rennpisten oft der schnellste, abseits davon gingen dem Geschwindigkeitsjunkie die Transportwege aber definitiv zu langsam. Damals nahm ihn einmal ein Freund mit einem Privatflugzeug mit – und der Funke der Begeisterung für die Fliegerei war bei Niki Lauda entflammt. Und als angenehme Begleiterscheinung wurde ein Weg gefunden, rasch von einem Formel 1-Rennen zum nächsten zu fahren. Aus dem damaligen Privatflieger wurde bald ein Linienpilot – die Geschichte der Lauda Air ist wohl jedermann in Österreich bekannt. Nach dem Verkauf seiner Fluglinie an Austrian Airlines konnte der dreifache Formel 1-Weltmeister aber nicht wirklich lange von der kommerziellen Fliegerei lassen und hob Ende 2003 aus den österreichischen Teilen der untergegangenen Aero Lloyd seine neue Fluglinie NIKI aus der Taufe. Das Konzept der Airline beruht zwar auf Low Cost-Ticketpreisen, demgegenüber versucht man aber, auf einer deutlich über Billigflieger-Level liegenden Servicequalität zu punkten – die mitunter über dem Economy-Niveau etablierter Airlines liegt. "Sonst wären wir ja austauschbar und müssten einfach nur mit einem weißen Flugzeug durch die Gegend fliegen", meint Niki Lauda in Anspielung auf das geradezu inflationäre Auftreten (und auch oftmals rasche Abtreten) von Airline-Neugründungen. |
Die OE-LEA ist die erste Maschine aus der neuen Airbus-Lieferung, durch welche die NIKI-Flotte auf vorderhand 10 Flugzeuge wachsen soll. |
Austrian Aviation Net hatte die Gelegenheit, den Piloten Niki Lauda im Cockpit zu begleiten, nämlich auf einer Rotation von Wien nach Rom und zurück. Als Fluggerät stand der Airbus A320-214 mit dem Kennzeichen OE-LEA im Einsatz. Das erste Flugzeug der "neuen" Airbus-Lieferung fliegt seit Oktober 2005 für NIKI. Wenn man einmal im Cockpit des A320 sitzt, fällt auf den ersten Blick kein großer Unterschied zu den üblichen Verkehrsflugzeugen moderner Bauart auf – sechs Bildschirme, zwei Flight Management Computer, nichts wesentlich anderes also als zum Beispiel bei der Boeing 737NG. Auf den zweiten und dritten Blick bemerkt man dann allerdings große Unterschiede zu Flugzeugen anderer Hersteller. Es sind dies Besonderheiten, die oftmals mit der typischen Airbus-Philosophie zu tun haben. So wird beispielsweise auf eine Steuersäule verzichtet – stattdessen gibt es links und rechts der Piloten jeweils einen Sidestick. Das ist ja vielen Leuten bekannt – weniger geläufig ist allerdings die Tatsache, dass auch (zumindest fast) auf einen Schubhebel verzichtet wird. Es gibt zwar ein solches Teil – im Normalfall bewegt sich dieser allerdings überhaupt nicht in der Weise, wie man es von Boeing und Konsorten gewöhnt ist. |
Bei ganz genauem Hinschauen gibt es noch eine Reihe anderer Kleinigkeiten, die den Airbus A320, dessen Prototyp übrigens seinen Erstflug schon vor fast 20 Jahren absolviert hat, von anderen Mustern unterscheiden: So sucht man vergeblich nach einer Gradeinteilung bei der Steuerung der Landeklappen – lediglich "1", "2", "3" und "FULL" steht dort noch. Zu all diesen Airbus-Eigenheiten aber später.
Nix mit Flaps 1 Grad, 3 Grad, 15 Grad usw. – im Airbus-Cockpit findet man aus Gründen der Vereinfachung keine Winkelangaben mehr. |
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Der Hinflug von Wien nach Rom ist beinahe zur Gänze ausgebucht, der Flug HG 8467 soll um 9:40 Uhr starten (der Code "HG" wurde übrigens von Aero Lloyd beibehalten), Kapitän ist Niki Lauda, sein erster Offizier ist Stefan Lochte. Die Maschine steht auf einem der Standard-NIKI-Parkpositionen am Südrand des Hauptvorfeldes in Wien, weit entfernt von den bequemen (aber teureren) Fingerdocks, aber insofern günstig positioniert, als dass von hier kein Pushback-Fahrzeug benötigt wird und demnach die Turnaround-Zeit kürzer gehalten wird. Nach den üblichen Briefings, dem Entfernen von Stiegen und Bodengeräten, dem Durchgehen der kurzen Before-Start-Checklist (erster Punkt hierbei: "Mobiltelefone ausgeschaltet?") werden auch schon die Motoren angelassen. Bei NIKI verlässt man sich auf bewährte Engines der Type CFM56-5B4 die der Kooperation des amerikanischen GE-Konzerns und dem französischen Triebwerkhersteller SNECMA entsprungen ist. |
Das Starten der Motoren funktioniert im Gegensatz zur Boeing 737 mehr oder weniger vollautomatisch: Der Pilot dreht einfach den "Engine Mode Switch" auf IGN/START, also "Zündung", und drückt den "Engine Master Switch" nach vorne. Damit wird eine automatische Startsequenz gestartet – die Cockpitcrew muss diese im Normalfall lediglich beobachten, dabei aber keine weiteren Aktionen setzen. Gestartet wird bei NIKI übrigens immer das rechte Triebwerk zuerst, weil die Bodenmannschaft meistens links länger mit dem Wegfahren der Passagierstufen und dergleichen beschäftigt ist. Starten der Motoren – fast so einfach wie beim Auto. |
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Diesen vollautomatischen Start, aber auch die automatische Schubkontrolle während des Fluges, ermöglicht ein System, das FADEC genannt wird. Dies steht für Full Authority Digital Engine Control und bezeichnet eine volldigitale Triebwerksregelung, mit der viele aktuelle Verkehrsmaschinen ausgestattet sind. Bei Airbus geht die Automation so weit, dass der Triebwerkshebel während des Fluges im Normalfall nicht mehr bewegt werden muss. Beim A320 wird der Schubhebel nach der Startfreigabe lediglich nach vorne geschoben. Nach dem ersten Teil des Steigfluges bleibt der Schubhebel dann in der Regel auf der "Auto Thrust"-Position und bewegt sich von dort bis zur Landung auch nicht mehr weg. Ungewohnt für Piloten, die – wie bei der Boeing 737 – gewohnt sind, dass der Schubhebel andauernd nach vorne und hinten "wandert". |
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Der
Schubhebel des A320 kennt (im Groben) folgende Stellungen: |
Zwischen der Cockpitcrew wurde bereits beim Briefing vor dem Flug vereinbart, dass Niki Lauda das erste Leg von Wien nach Rom Fiumicino als "Pilot Flying" fliegen wird, Stefan Lochte wird diese Funktion dann für den Retourflug übernehmen. Nach dem Anlassen der Triebwerke und dem "OK" durch die Bodenkontrolle lässt der Kapitän die Maschine langsam anrollen. "Runway in use" für Starts ist – wie meistens in Wien – die Bahn 29, kurz vor Erreichen derselben wird die Tower-Frequenz eingestellt und die Startfreigabe eingeholt. Den Funkverkehr wickelt übrigens im Normalfall der "Pilot Non Flying" ab. Vor dem Rollen auf die Bahn werden noch die Landescheinwerfer und die Strobes (also die weißen Blitzlichter) eingeschalten – dann geht es aber auch schon los: Niki Lauda stellt die OE-LEA auf die Mittellinie der Bahn und schiebt den Schubhebel nach vorne. Die Maschine beschleunigt daraufhin schneller als der Weltmeister-McLaren vor mehr als zwanzig Jahren. Bei einer Abhebegeschwindigkeit von 144 Knoten (das hat zuvor der Computer ausgerechnet) wird der Sidestick ein Stück zurückgezogen und die Maschine hebt ab. |
Start auf der Bahn 29 in Schwechat. |
Apropos "Sidestick": Dieses in der Verkehrsluftfahrt nur von Airbus routinemäßig eingesetzte Teil ist nicht nur ein etwas eigenwillig geformtes und platziertes Steuerhorn, sondern zeigt wieder einen Teil der eingangs erwähnten Airbus-Philosophie. Der europäische Flugzeugbauer verzichtet nämlich seit dem A320 auf eine direkte mechanische Verbindung zwischen Pilot und Steuerflächen. Durch dieses System soll sichergestellt werden, dass nur solche Bewegungen durchgeführt werden können, die auch sinnvoll erscheinen und sich in bestimmten Grenzen bewegen. Bei Airbus wird dies "Alpha Protection" genannt – damit wird beispielsweise verhindert, dass ein Flugzeug überzogen wird und es zum Stall (also Auftriebsverlust) kommt. Eine weitere Besonderheit der Airbus-Steuerung erklärt Niki Lauda: "Wenn ich beim Landeanflug das Steuer loslasse, bewegt sich die Maschine auch ohne Autopilot in die gleiche Richtung mit der gleichen Sinkrate. Bei einem konventionellen Flugzeug müsste ich mit dem Steuerhorn immer wieder nachkorrigieren." |
Das Primary Flight Display gibt unter anderem Informationen zur Geschwindigkeit (links im Bild), zur Richtung (unten) und zur Höhe (rechts). Dieses Bild entstand kurz vor Erreichen der Rotationsgeschwindigkeit von 144 Knoten. |
Nach dem Start jedenfalls wird nach kürzester Zeit (nach den Standard Operating Procedures – SOPs – der Airline nach frühestens fünf Sekunden Flugzeit und einer Mindesthöhe von 100 Fuß über Grund) der Autopilot eingeschaltet. Dieser übernimmt von nun an die Kontrolle und führt selbständig den Steigflug mit der vorher selektierten bzw. berechneten Geschwindigkeit durch. Bei unserem Flug ist es die Abflugroute UMBIL 1C, die gleich nach dem Start aus Lärmschutzgründen in eine Linkskurve und die Maschine in weiterer Folge in Richtung Südwesten am Schneeberg vorbei zu den Fischbacher Alpen führt. Weiter geht es dann über die Steiermark und Kärnten über Slowenien rasch in Richtung Adria. Während des ruhigen Reisefluges auf Flight Level 340 findet Niki Lauda neben dem Frühstück (Joghurt mit Früchten!) ein wenig Zeit, um aus seiner Erfahrung zu plaudern. Er erzählt von guten und weniger begabten Piloten ("Wenn einer schon mit voller Kraft auf die Knöpfe presst, obwohl ein leichter Fingerdruck genügen würde, dann weiß man oft eh schon..."), von den relativ strengen Aufstiegskriterien innerhalb seiner Airline ("Mir ist es lieber, wenn jemand im Zweifel ein bisserl länger Copilot bleibt") und vom Erlebnis Fliegen an sich ("So etwas wie heute, wenn man am Schneeberg vorbeifliegt, ist auch nach vielen Jahren in der Luftfahrt immer wieder schön"). |
Der Schneeberg. |
Obwohl Lauda früher ein eingeschworener Boeing-Fan war (nach dem Motto "If it ain´t Boeing, I´m not going"), gibt es auch auf lästiges Nachfragen von Seiten des Autors nichts, was ihm an seiner aktuellen Flugzeugtype und seiner Philosophie nicht gefällt. Obwohl er "schon längere Zeit" brauchte, um sie zu lernen und sich damit anzufreunden. Der bekannt technikverliebte Ex-Rennfahrer zeigt auch seine Version eines "Less Paper Cockpit" her – ein Tablet-PC, auf dem die meisten Dinge gespeichert sind, die ein Pilot so während des Fluges wissen bzw. abrufen können muss. So findet man Tausende von Karten, SOPs und vieles mehr auf dem handlichen Computer. Die früher üblichen riesigen Ordner sucht man im Airbus-Cockpit vergeblich... Nach relativ kurzer Flugzeit beginnt Niki Lauda auch schon mit dem Sinkflug in Richtung Rom Fiumicino. Meistens ist auf dem 1961 eröffneten größten Flughafen der italienischen Hauptstadt die Runway 16L/34R für Landungen in Betrieb, auch an diesem Tag, an dem der Anflug in südlicher Richtung erfolgt. Die Koordinaten für die Arrival Route TIBER 5A sind bereits im Flight Management Computer (FMC) gespeichert, ebenso ist die optimale Sinkrate samt dazugehörigen Geschwindigkeiten bereits ausgerechnet. |
Manchmal
macht einem Piloten allerdings die Flugsicherung einen Strich durch
die Rechnung – auch an diesem Tag wird eine "individualisierte"
Anflugroute, die deutlich kürzer ist als der Standard-Weg, angeordnet.
Das bedeutet, dass die Maschine schneller sinken muss. Gleichzeitig
wird vom Controller auch eine Speed Restriction aufgelegt – daher
muss das Flugzeug auch deutlich langsamer werden, was bei einer hohen
Sinkrate natürlich nicht so einfach ist. Für die Lösung
dieses Problems gibt es glücklicherweise die Speedbrakes, also
Bremsklappen, an den Tragflächen – und genau diese fährt
Niki Lauda (mit einem eher weniger erfreuten Zwischenkommentar) aus. |
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Nach
ein paar Minuten hat die Geschwindigkeit den vom Fluglotsen gewünschten
Wert erreicht und die Spoiler können wieder eingefahren werden.
Nun wird auch schon das ILS-Signal der Landebahn 16L empfangen und Niki
Lauda schwenkt die Maschine auf den Leitstrahl ein. Er macht dies übrigens
"clean", was nichts anderes bedeutet, als dass sich sowohl
Landeklappen als auch das Fahrwerk in "Ruheposition" befinden.
Nach Erreichen des ILS wird nun der Tower gerufen – und natürlich
schrittweise die Flaps und schließlich auch das Fahrwerk ausgefahren.
Der Schubhebel wird auch jetzt noch nicht angerührt – er
befindet sich weiterhin in der Auto Thrust Position und die Leistung
wird nach der eingestellten Geschwindigkeit vom Computer berechnet. |
Die Runway 16L rückt näher und näher...
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Etwa 20 Fuß über Grund ertönt dann plötzlich ein "Befehl" des Bordcomputers: "Retard, retard!" Dies ist nichts anderes als das Signal an den Piloten, den Schubhebel zurück- und den Sidestick etwas nach hinten zu ziehen, um das Flugzeug sicher auf die Landebahn zu bringen.
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Nach dem "Retard"-Signal wird der Schubhebel nach hinten gezogen.
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In Rom angekommen bedeutet aber noch lange nicht, dass man wirklich "angekommen" ist – der Airport zählt zu den flächenmäßig größten Flughäfen in Europa und der Weg von der Landebahn bis zur Parkposition ist oftmals ein durchaus langer. Niki Lauda schaltet aus diesem Grunde auch die APU (Auxilliary Power Unit, Hilfsturbine) noch nicht – wie sonst üblich – gleich nach der Landung ein. Dies spart Treibstoff und schont dabei Umwelt und das Geldbörserl der Airline. Tatsächlich wird an diesem Tag die Parkposition 317 von der Bodenkontrolle angegeben – etwa einen Kilometer von der Runway entfernt.
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"Taxi"-Fahrt in Fiumicino.
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Anders als beispielsweise in Wien, wo zu fast jeder Maschine ein Follow-Me Auto als "Empfangskomitee" geschickt wird, begnügt man sich in Rom mit der Nennung der Parkposition und einer mehr oder weniger kurzen Beschreibung des Weges dorthin. Kein Problem, könnte man meinen, man hat ja die praktischen Tablet PCs an Bord, welche die Karten des Airports auf ihrer Festplatte installiert haben. Leider befindet sich die vorgegebene Position auf einem ganz neuen Teil des Vorfeldes und damit noch nicht auf der (ohnehin ständig aktualisierten) Harddisk des PCs. Als ehemaliger Rennfahrer und häufiger Rom-Flieger findet Niki Lauda allerdings nach Rückfrage am Tower doch recht zügig zur angegebenen Parkposition. Die Motoren werden abgestellt, Stiegen zu den Eingängen geschafft und mehr als 150 Menschen freuen sich nun, Zeit in der "ewigen Stadt" zu verbringen. Niki Lauda bleibt nun nicht einfach sitzen und trinkt einen Kaffee. Nein, er stellt sich zum Ausgang und verabschiedet jeden Passagier persönlich. Dabei werden noch etliche Autogramme unterschrieben und Erinnerungsfotos angefertigt und für viele der Gäste endet das Flug- auch noch mit einem ganz persönlichen Niki-Erlebnis... Eines der "Geheimnisse" der Low Cost Carrier ist es, möglichst wenig Zeit auf dem Boden zu verbringen. In Rom sind 45 Minuten vorgesehen, in denen die Passagiere aussteigen (inkl. vorher beschriebener spezieller Verabschiedung), danach wird das Flugzeug gereinigt, betankt, einem Outside-Check unterzogen. Schließlich muss in dieser Zeit auch noch das Boarding bewerkstelligt werden – bei einem sehr gut ausgelasteten Flieger (auch beim Rückflug ist der Airbus fast bis auf den letzten Platz gefüllt) logistisch keine so leichte Sache. |
Kapitän Niki Lauda und Co-Pilot Stefan Lochte im Cockpit.
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Ein wichtiger Teil ist natürlich der Außen-Check der Maschine, den Niki Lauda als "Pilot in Command" selbst durchführt. Dabei geht er um das Flugzeug herum und kontrolliert wichtige Teile auf offensichtliche Schäden. Bei der OE-LEA ist aber alles in Ordnung und so beobachtet der Captain den Betankungsvorgang. Dabei kontrolliert er nicht nur die Anzeige der Tankmenge des Kerosingemisches JET-A1. Er bleibt bis zum Ende des Betankungsvorganges neben dem Flügel stehen – bis der Deckel auch wieder korrekt auf der Tanköffnung sitzt. Niki Lauda dazu: "Es wäre zwar kein sicherheitsrelevantes Problem, wenn der Deckel nicht drauf ist – ihn zu ersetzen, würde aber ein paar hundert Euro kosten." Sparsamkeit ist ja bekanntermaßen nicht die letzte Eigenschaft, die man mit dem dreifachen Formel 1-Weltmeister in Verbindung bringt... Apropos "Geld sparen": In Fiumicino wird etwas mehr getankt, als es dem wirklichen Verbrauch (einschließlich Reserven) entspräche. Die Erklärung dafür ist die, dass der Sprit in Rom etwas billiger ist als in Wien – dieser Unterschied macht das zusätzliche Gewicht mehr als wett. Nach Tanken, Reinigen, Außen-Check und Boarding der zurückfliegenden Passagiere ist nun Stefan Lochte der Mann am Steuer und wird die Fluggäste sicher nach Wien zurückbringen. Wie bei fast allen Maschinen ist das Rollen am Boden aber trotzdem dem links sitzenden Kapitän vorbehalten, obwohl es beim A320 auf beiden Seiten einen Tiller gäbe. |
Mittlerweile im "Westen" immer seltener zu sehen: Tupolev 154. |
Als Startbahn für den Rückflug wird uns die Runway 25 zugewiesen. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einer betagten Tupolev 154 der russischen Gesellschaft Belavia. Man hört nun geradezu das Höherschlagen beider Airbus-Piloten-Herzen beim Anblick dieses Klassikers. Vermutlich werden aber beide insgeheim doch froh darüber sein, in einem modernen A320-Cockpit zu sitzen... Nach der Startfreigabe folgt dann im Prinzip das gleiche Procedere wie in Wien. Statt über den Schneeberg geht es allerdings zunächst einmal hinaus über das Tyrrhennische Meer, um dann nach einer langgestreckten Linkskurve wieder Kurs in Richtung Wien zu nehmen. |
Am Primary Flight Display (links) erkennt man, dass der Airbus mit einer Geschwindigkeit von 340 Knoten fliegt, die Höhe beträgt 15.900 Fuß. Am Navigational Display (rechts) sieht man die initiale Anflugroute zum Wegpunkt SNU (hellblau) mit einer nachfolgenden Rechtskurve.
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Nach einer (für den mitfliegenden AANet-Reporter subjektiv viel zu) kurzen Flugzeit beginnt Stefan Lochte auch schon mit den Vorbereitungen für den Landeanflug auf den Flughafen Schwechat. Wie so oft, ist die Bahn 34 für Landungen vorgesehen. Dazu wird als übliche Procedure ein initialer Kurs über den Wegpunkt SNU (Sollenau) gewählt, bevor dann zunächst in Richtung Neusiedler See geflogen und dann in einer Linkskurve auf den ILS-Strahl der in annähernder Süd-Nord-Richtung verlaufenden Runway eingeschwenkt wird. Ein sehr dynamisches "Gear down". |
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Wiederum mehr oder weniger "clean" (siehe oben) setzt der Pilot Flying den Airbus auf den Leitstrahl und die Landebahn kommt (bei perfektem Wetter) rasch in Sichtweite. Nach Ausfahren von Landeklappen und Fahrwerk wird die Maschine rasch und augenscheinlich bequem auf die richtige Landegeschwindigkeit gebracht. Kurz vor dem Aufsetzen ertönt wieder die schon von der Landung in Rom bekannte forsche Computerstimme mit der Forderung "Retard, retard!" Der Schubhebel wird nach hinten gezogen und die OE-LEA setzt airbus-like sanft auf.
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Die Runway 34 des Heimatflughafens Wien rückt näher.
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Nach der Landung empfängt den silbergrauen Airbus mit der charakteristischen Fliege am Rumpf auch schon ein Follow Me-Auto und führt die Maschine sicher durch den regen Verkehr am Vienna International Airport zur Parkposition 6F. In Wien bräuchte Niki Lauda allerdings vermutlich keine derartige Navigationshilfe: Die "6er"-Parkplätze sind ja – wie eingangs erwähnt – die Stammplätze der NIKI-Flotte.
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Das Follow Me-Auto weist den Weg zur Position 6F. |
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Fazit:
Ganz egal, ob man mit einem weltbekannten Formel 1-Weltmeister oder
einem jungen Kapitän im Cockpit sitzt – die grundlegenden
und sicherheitsrelevanten Dinge laufen in einem Flugzeug immer nach
den gleichen Mustern ab. Den gewissen Unterschied machte für den
Autor dieser Zeilen auch nicht die Popularität des Piloten auf
diesem Flug aus – vielmehr war es die Begeisterung für das
Fliegen, das große Wissen über Flugzeuge im Allgemeinen und
den Airbus im Speziellen die man hier von einem erfahrenen Kapitän
mitbekommen und gespürt hat. Und da ist es egal, ob dieser eine
rote oder eine blaue Pilotenkappe trägt... |
Vielen Dank an Niki Lauda, Stefan Lochte und die gesamte Crew der OE-LEA sowie an Christina Schatz für die Mithilfe an diesem Bericht. |
| Alle Fotos: Austrian Aviation Net/Martin Metzenbauer |