von Martin Metzenbauer
 
Auf Einladung von Styrian Spirit durfte Austrian Aviation Net an einem Flug von Salzburg nach Zürich teilnehmen – und zwar an Bord eines nagelneuen Bombardier Canadair Regional Jet CRJ200. Flug "Z2 201" startet jeden Morgen von Montag bis Samstag und ist einer von drei täglichen Flügen auf dieser Route, die im Codeshare mit Swiss durchgeführt werden. Die Flugzeit beträgt üblicherweise etwa 45 Minuten. Hauptsächlich nutzen natürlich Geschäftsreisende den Flug in das Schweizer Finanzzentrum – aber auch Touristen besuchen die attraktive Destination oder nutzen die zahlreichen Umsteigemöglichkeiten, die Codesharepartner Swiss in Zürich bietet.
 

Styrian bzw. Salzburg Spirit pendelt mehrmals täglich zwischen Salzburg und Zürich.

 

Zum Einsatz kommt auf dieser Strecke jeweils einer der vier CRJ200 der Fluglinie (von denen übrigens nur zwei Maschinen die "Styrian Spirit" Bemalung tragen – ein Flugzeug ist in "Slovenian Spirit"-Farben bemalt, eines fliegt als "Salzburg Spirit"). Im Sommer 2005 wird eine der Jets gegen einen fabrikneuen, größeren CRJ700 ausgetauscht.

Unser Flug wurde von der Maschine mit dem Kennzeichen OE-LSE und der Baunummer (auch als c/n für „construction number“ bezeichnet) 7990 durchgeführt. Es handelt sich hierbei um das jüngste Mitglied der Flotte, welches erst vor kurzem im Rahmen einer großen Zeremonie im legendären Salzburger Hangar 7 (der Heimat der "Flying Bulls") auf "Salzburg Spirit" getauft worden war. Die Maschine bietet fünfzig Passagieren in einer 2+2 Konfiguration auf elegant-grauen Ledersitzen Platz.

 

Das moderne Glascockpit des Canadair Regional Jet

 

Das Flugdeck des CRJ weist ein für moderne Flugzeuge typisches Design auf: Auf der Hauptkonsole informiert jeweils ein Primary Flight Display, auch PFD genannt, Kapitän und Copilot über Geschwindigkeit, Höhe und Lage des Flugzeuges, zwei Navigational Displays, auch als ND bezeichnet, zeigen neben der aktuellen Position des Jets auch umliegende Flughäfen und Waypoints an – auf den gleichen Bildschirm wird bei Bedarf auch das Radarbild zugeschaltet. Schließlich geben zwei sogenannte EICAS-Monitore Informationen zu den Triebwerken, Kraftstoff- und Hydrauliksystemen und zeigen bei Systemauffälligkeiten Warnmeldungen an. EICAS steht dabei für Engine Indication and Crew Alerting System.

Unter den beiden EICAS-Displays findet sich dann – bereits in die Mittelkonsole reichend – links und rechts vom Fahrwerkshebel jeweils ein Control Display Unit (CDU), das als Schnittstelle zum Flight Management Computer (FMC) dient. Über dem Main Panel ist – wie bei fast allen modernen Verkehrsflugzeugen üblich – die Steuerung für den Autopiloten, das sogenannte Mode Control Panel (MCP) untergebracht. Damit werden die verschiedenen Funktionen zugeschaltet – vom simplen Kurshalten bis hin zur Aktivierung des in den FMC eingegebenen Kurses.

Die Cockpitcrew bestand am Tag unseres Fluges aus Captain Florian Ragg und First Officer Anita Jäger die als sogenannter "Pilot Flying" die Maschine von Salzburg nach Zürich steuerte. Nach der üblichen Unterweisung zur Funktion von Emergency Exit, Rettungsseil und Sauerstoffmaske an den Austrian Aviation Net-Mitflieger ging es auch schon los.

 

EICAS (oben) und Control Display Units (unten) links und rechts vom Fahrwerkshebel.

 
Nach dem Boarding und Schließen der Türen wurden – natürlich nach Einholen der aktuellen ATIS-Wetterinformation, Durchgehen der Before Start-Checklist und der Startup-Freigabe von Salzburg Ground – die Triebwerke angelassen. Dies geschieht beim CRJ im wesentlichen durch Einschalten der Treibstoffpumpen und Betätigen der "Ignition"-Knöpfe auf dem Overhead-Panel sowie Stellen des jeweiligen Schubhebels auf die "Idle"-Position. Als "Idle" wird in der Luftfahrt der Leerlauf eines Triebwerks bezeichnet.
 

Das Overhead Panel mit Kontrollknöpfen für die Treibstoffpumpen, Klimaanlage, Triebwerksstarter, Hydraulik, Beleuchtung und mehr.
 
Nach der Rollfreigabe, auch Taxi Clearance genannt, ging es dann über Exit 4 und die Rollwege Lima und Foxtrott zum Haltepunkt der Runway 34. Nach Durchgehen der Before Takeoff Checklist und Einholen der Startfreigabe auf der Tower-Frequenz 108.10 steuerte First Officer Anita Jäger den Jet exakt auf die Mittellinie der Runway. Kurz darauf wurden die Schubhebel nach vorne geschoben und nach wenigen Momenten erreichte die Maschine V1 um sich kurz darauf nach Erreichen der Rotationsgeschwindigkeit VR in die Luft zu erheben.
 

"Styrian 201, cleared for take-off runway 34."

 

Flugkapitän Florian Raggs beruflicher Werdegang führte – wie bei vielen jungen Piloten üblich – zuerst in die USA, wo er am Anfang seiner Karriere als Fluglehrer bei ComAir/Delta in Florida tätig war. Anschließend führte er für eine Montagfirma Executive-Flüge in Europa durch, danach lebte und wirkte er wieder als Fluglehrer in Europa und in den USA.

Seit der Aufnahme des Flugbetriebs von Styrian Spirit im Jahre 2003 war er als Copilot tätig, bis er im Februar 2005 den begehrten vierten Streifen und damit die Kapitänswürde verliehen bekam. Ein großer Moment im Leben eines jeden Piloten. Die Frage, warum er gerade bei Styrian Spirit arbeitet, beantwortet Florian Ragg so: "Die Airline fliegt supermoderne Jets und hat offensichtlich ein gutes Konzept. Es ist toll, hier mitzuarbeiten und zu sehen, wie sich unsere Firma erfolgreich entwickelt: Wenn beispielsweise in nur zwei Jahren zwei nagelneue Jets – ein CRJ200 und ein CRJ700 – neu in die Flotte aufgenommen werden."

 

Der Flugplan für den kurzen Trip von Salzburg nach Zürich.

 

Auf die Frage, wie sich der CRJ für den Piloten fliegt, antwortet Florian Ragg: "Recht sportlich!" Ein Eindruck, den der Autor – bisher mit diesem Muster lediglich als Kabinenpassagier unterwegs – gefühlsmäßig durchaus teilen kann. Nicht umsonst ist der CRJ mit den schnittigen Challenger-Businessjets von Canadair verwandt.

First Officer Anita Jäger kann über ähnliche berufliche und fliegerische Erfahrungen wie Captain Ragg berichten – nach der Ausbildung war die Salzburgerin ebenfalls als Fluglehrerin unterwegs und fliegt bei Styrian Spirit als eine von drei Damen im Cockpit.

 

Der Anflug auf Zürich auf dem Navigational Display.

 
Der weitere Streckenverlauf von Flug 201 führte uns über die Waypoints TRAUN, MANAL und KPT nach Westen. Der Top of Climb (die Reiseflughöhe) war an diesem Tag bei 26.000 Fuß erreicht, was etwa 9000m entspricht. Nach kurzem Flug in dieser Höhe mit einem traumhaften Blick über die Alpen wurde auch schon wieder der Sinkflug eingeleitet – leider, denn neben dem prächtigen Ausblick war auch der Aufenthalt im Cockpit äußerst angenehm und gestaltete sich durch die Erklärungen der äußerst freundlichen Besatzung viel zu kurz.
 

Vor der Landung in Zürich waren ein paar Kurven zu fliegen.

 
Während des Sinkfluges wurde übrigens die Hilfsturbine, kurz APU, was soviel wie Auxilary Power Unit bedeutet, aktiviert um die Klimaanlage weiterzubetreiben. Bei den meisten Flugzeugmustern ist dies nicht üblich, dort wird die Klimaanlage über die Zapfluft (Bleedair) der Triebwerke gespeist, beim CRJ hat es jedoch einen ganz speziellen Grund. Sind die Enteisungssysteme für Triebwerke (Engine Anti Ice) und Tragflächen (Wing Anti Ice) aktiviert, und kommt es beispielsweise zu einem Triebwerksausfall (Engine failure) und/oder einem Durchstartmanöver, in der Fachsprache der Flieger auch „Go around“ genannt, braucht die Maschine vollen Schub. Um hier – im Falle eines Falles – nicht wertvolle Leistung der Triebwerke für die Klimaanlage zu verschwenden, wird diese über die APU gespeist.
 

Kurz vor dem Aufsetzen auf Landebahn 14.

 
Bei Anflug und Landung gilt der CRJ als anspruchsvoll – der Abstand zwischen Boden und voll ausgefahrenen Landeklappen beträgt nur wenige Zentimeter! Ein ordentlicher Ground Effect führt mitunter zu ausgedehntem Flare (also langem "Dahingleiten" über der Runway). Interessant ist auch die Tatsache, dass der CRJ keine Vorflügel (Slats) besitzt, wodurch er - ähnlich wie beispielsweise die Fokker 50 – im wahrsten Sinne des Wortes mit der "Nase nach unten" die Piste anfliegt. Für den Besucher von Austrian Aviation Net im Cockpit ein ebenso interessanter Anblick wie für interessierte Zuseher von außen. Durch diesen ungewöhnlichen Gleitwinkel ist der CRJ schon von weitem als solcher zu erkennen.
 

Zwischen Flaps und Landebahn liegen beim CRJ nur wenige Zentimeter...
 

Der Anflug auf Zürich gestaltet sich für Piloten in der Regel unspektakulär – lediglich der sogenannte "non-precision-approach" auf Runway 28 gilt als Herausforderung. Dieser muss mitunter aufgrund von Lärmschutzbestimmungen in der Nacht geflogen werden, und verlangt den Crews einiges an Erfahrung ab.

An diesem Tag jedoch wurde uns jedoch der "klassische" ILS-Anflug auf Runway 14 zugeteilt – auf der 3.300 Meter langen Piste landen in Zürich untertags die meisten Maschinen. Wir erreichten den Gleitpfad, im Fliegerenglisch auch als Glide Slope bezeichnet nach Einleiten einer scharfen Linkskurve nach den Waypoints Zürich East und Transadingen. Trotz einer – für Zürich nicht untypischen – dicken morgendlichen Nebelwand steuerte Anita Jäger die Maschine sicher auf den Flughafen zu und setzt sie sanft auf der Landebahn auf. Über den Taxiway "Hotel 1" verließen wir die Runway und steuerten nach Überquerung der Bahn 28 (die an diesem Tag neben Runway 16 für Starts genutzt wurde) die Parkposition nördlich von Terminal A an, wo schließlich nach Setzen der Parkbremse die Triebwerke abgestellt wurden.

 

Taxi to parking.

 

Alles in allem ein wirklich schöner und sehr interessanter Flug mit einer äußerst sympathischen Crew!

 

Captain Florian Ragg und First Officer Anita Jäger pilotierten den CRJ von Salzburg nach Zürich

 


Besonderer Dank für die Mithilfe an diesem Bericht geht an Florian Ragg, Anita Jäger und Michael Sereinig von Styrian Spirit.

 

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