von Martin Dichler*
 
Wenn heute ein Passagier den Flughafen Wien benutzt, bekommt er ein aus allen Nähten platzendes Sammelsurium aus einer Reihe von Abfertigungsgebäuden verschiedener Epochen zu sehen. Viele Jahrzehnte hindurch konnte sich der Airport immer nur kleinweise – mit Projekten wie dem Pier West und Ost, der neuen Ankunftshalle oder dem Terminal 1 – entwickeln. Mit der Fertigstellung des neuen Skylink im Jahr 2008 wird nun endlich ein Gebäude zur Verfügung stehen, das der starken Verkehrsentwicklung am Flughafen Wien auch für die weitere Zukunft gerecht sein wird.

"Die Entscheidung zum Bau war nicht einfach und bis zum Baubeginn wurde das Projekt Skylink oftmalig geändert ", erläutert Projektleiter Peter Mayerhofer während einer Besichtigung der Baustelle Anfang September. Äußere Einflüsse wie SARS, die Anschläge des 11. September 2001 sowie die häufigen Turbulenzen im Luftfahrtbusiness (Stichwort: Kerosinpreise) haben immer wieder zu Adaptierungen geführt.

Masterplan 2015

Im April 1998 wurde der Masterplan 2015 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ausgehend von der positiven Entwicklung war absehbar, dass der Flughafen bis ins Jahr 2015 unbedingt einen großzügigen Ausbau der Infrastruktur benötigt. Bis heute wurden bereits einige Projekte fertiggestellt. Am bekanntesten ist sicherlich der 109 Meter hohe Tower, kaum weniger eindrucksvoll sind auch der (architektonisch interessante) Office Park oder das neue VIP- und General Aviation Center am Westende des Flughafens.

 

Die Haupthalle wie sie einmal aussehen soll (oben) und wie sie sich derzeit präsentiert.

Grafik: Flughafen Wien AG, Foto: Martin Dichler

 

Aber auch einige von der Öffentlichkeit weniger beachtete Gebäude – wie das Handling Center West oder das Air Cargo Center – tragen zur positiven Entwicklung des Flughafens bei. Weiters hat sich auch der Austrian Airlines Konzern dazu entschlossen, sein Hauptquartier von Oberlaa in den Office Park am Flughafen zu verlegen.

Terminalprojekt Skylink

Zu den größten und wichtigsten Erweiterungsmaßnahmen gehört auf jeden Fall der sichelartige Bau des neuen Terminal Skylink samt dazugehörigem Pier, der im dritten Quartal 2008 seiner Bestimmung übergeben werden soll. Am 23. Jänner 2006 wurde der Grundstein für diese derzeit größte Hochbaustelle Europas vom niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll und Wiens Bürgermeister Michael Häupl gelegt.

Die erste Projektstudie wurde bereits 1998 erstellt und im Jahre 2000 erhielt die ARGE Itten-Brechbühl/Baumschlager den Zuschlag für die Gestaltung des Gebäudes. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 wurde es um das Projekt etwas ruhiger, bis dann im Jahr 2005 mit dem Bau unter der Projektplanung der ARGE P.ARC-Moser-Neumann begonnen wurde. Heute ist der Rohbau des Skylink fast zur Gänze fertig gestellt.

 

Ab 2008 sollen hier am Pier Süd die Passagiere bequem in ihre Flugzeuge einsteigen können.

Foto: Martin Dichler

 

Die Terminerweiterung schließt direkt an das bestehende Terminal 2 an. Um Platz für den Neubau zu schaffen, wurde der nicht mehr benötigte alte Kontrollturm, das abgewohnte VIP Center sowie Einstellhallen abgerissen.

Das neue Gebäude mit seinem "one roof concept" wird mit insgesamt 150.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche die bestehenden Terminals deutlich übertrumpfen. Auf einer Länge von 270 Metern entsteht das Haupthaus, auf dem nicht weniger als 450 Meter langen Pier Süd werden Andockpositionen geschaffen. Mit den insgesamt 17 Fluggastbrücken wird damit die maximale Kapazität auf insgesamt 24 Mio. Passagiere pro Jahr erweitert. 51 Gates und 10 Gepäcksausgabebänder sollen dazu dienen, selbst in Spitzenzeiten keinerlei Engpässe aufkommen zu lassen.

 

Unter anderem musste der alte Tower der Großbaustelle weichen.

Foto: Martin Metzenbauer

 

Große Glasflächen, angenehme Materialen im Innenausbau und eine Reihe von Einrichtungen im Shopping- und Gastronomiebereich sollen dazu beitragen, dass sich der Gast am Flughafen wohl fühlt. Durch Ruhezonen und Arbeitsbereiche mit Laptopanschlüssen sollen Rückzugsmöglichkeiten für die Fluggäste geschaffen werden. Auch für die Errichtung von Lounges wird im Skylink endlich genügend Fläche zur Verfügung stehen.

Insgesamt sollen sich die Gesamtkosten für das Projekt auf etwa € 400 Millionen belaufen.
Bei Baukosten und –fortschritt liegt das Projekt bestens im Zeitplan wie Skylink-Projektleiter Peter Mayerhofer betont.

 

Vom neuen Tower erkennt man bereits gut die Ausmaße des Skylink.

Foto: Martin Metzenbauer

 

Besucherterrasse

Laut Aussagen von Mayerhofer ist auch die Errichtung einer für die Öffentlichkeit zugänglichen Besucherterrasse geplant. Diese wird sich auf dem sichelartigen Hauptgebäude befinden und einen Blick auf den südlichen Bereich (Vorfeld, Piste 29) ermöglichen. Was Photographen besonders freuen wird: Die Terrasse soll unverglast sein und dadurch einen ungehinderten Blick auf die Flieger ermöglichen.

Terminal 2

Der in die Jahre gekommene Terminal 2 – große Teile des Gebäudes stammen noch aus den 1960er Jahren – wird nach Eröffnung des Skylink vorerst geschlossen und einer Renovierung unterzogen.

Mit der Fertigstellung des Projekts ist der Flughafen Wien gut für die kommenden Jahre vorbereitet. Sollte es der ständig wachsende Verkehr jedoch notwendig machen, kann der Terminal in Richtung Norden weiter ausgebaut werden. Der Vienna International Airport ist also bestens für die Zukunft gewappnet!


Vielen Dank an Romana Hasler und Peter Mayerhofer für die Unterstütung bei der Erstellung dieses Berichtes!

*Martin Dichler ist Obmann der Flughafenfreunde Wien.

 

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Der Pier Süd soll über insgesamt 17 Andockpositionen zum bequemen Einsteigen verfügen.

Foto: Martin Dichler