
Update Dezember 2004
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Der Panther ist bekanntermaßen einerseits eine elegante schwarze Raubkatze mit den entsprechenden Attributen schnell, beweglich und kämpferisch, andererseits stellt er seit Jahrhunderten auch das steirische Wappentier dar. Schließlich ist der Panther auch Teil des Logos der jungen österreichischen Fluglinie Styrian Spirit – und soll dabei den Esprit der Raubkatze mit dem steirischen „Spirit“ vereinen. Begonnen hat alles 2003, als der Flugverkehr zwischen Österreich und Deutschland fest in Händen der Austrian Airlines Group und der Lufthansa war. Tyrolean Airways waren schon längst in ersterer aufgegangen und auch sonst zeigte sich keine echte Alternative zum kleinen Grenzverkehr den die großen Carrier boten – und das um einen Preis, der einen anderswo schon über den großen Teich gebracht hätte. Die Geburtsstunde der Styrian Spirit wurde eingeläutet, als die Brüsseler Wettbewerbsbehörde zwar den Beitritt der Austrian Airlines zur Lufthansa-dominierten Star Alliance goutierte, aber nur unter der Auflage, dass es im deutsch-österreichischen Luftverkehr zu einer gewissen Auflockerung kommen und der Markt zwingend belebt werden müsse. Die ersten Flüge führten im März 2003 von Graz nach Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. Als Fluggerät dienen drei Canadair Regional Jets 200. Im Codeshare mit Swiss wird mittlerweile auch die Route Graz-Zürich und Zürich-Krakau beflogen – was für einen kleinen Startup Carrier nicht selbstverständlich ist. Die langjährige Airlineerfahrung von Styrian Spirit CEO Otmar Lenz hat zu dieser Kooperation sicherlich beigetragen. Im Gespräch mit Austrian Aviation Net meinte er: „Wir haben im Hause das gesamte notwendige Know-how bezüglich Ticketabrechnung und Interline-Agreement, das notwendig ist, um Codeshare-Flüge durchführen zu können. Das haben die normalen kleinen Startup Carrier nicht – und das ist ein Grund warum die großen Airlines dann nicht zusammenarbeiten möchten. Wenn das nicht stimmt, entsteht für den Partner nur Chaos. Wir haben als kleine Airline ein Know-how, sodass wir für die großen Airlines Zubringer spielen können.“ Styrian
Spirit setzt interessante Akzente ähnlich wie seinerzeit die
Lauda Air. So gibt es beispielsweise keine den steirischen Flugbegleiterinnen
vergleichbaren Uniformen (man erinnere sich an die fast revolutionären
Diesel-Jeans bei Lauda Air): ein ausgefallenes Arrangement aus dunkelgrünem
Rock, magentafarbenem Top, silberner Uniform und ebenfalls silbernem
Hütchen mit dazupassender Handtasche im Retro-Look finden sich
in ähnlicher Form bei nicht vielen Airlines. Und was die Bordverpflegung
betrifft, werden die Parallelen noch deutlicher – zeichnet doch
Attila Dogudan für die Menüs an Bord der Canadair Jets verantwortlich. Seit Sommer 2004 ist nun ein neuer Partner an Bord: Der slowenische Autozulieferer Prevent d.d. übernahm im Rahmen einer Kapitalerhöhung 26% von Styrian Spirit. Der Konzern ist mit weltweit über 10.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von € 600 Millionen ein wirtschaftlich potenter Partner – nicht unwichtig ist aber auch, dass ein weiteres Luftfahrtunternehmen zum Portfolio gehört: der unweit von der steirischen Landeshauptstadt Graz liegende Flughafen Marburg nämlich. Dieser ist in den letzten Jahren nach dem Zusammenbruch des jugoslawischen Staatsgebildes gelinde gesagt in einen Dornröschenschlaf verfallen. Zwar nutzen Privatmaschinen die 2500 Meter lange Runway, aber sonst war es lange Zeit recht ruhig. In den ersten Gesprächen mit den Slowenen zeigte sich bald, dass eine Zusammenarbeit mit der steirischen Fluglinie für beide Seiten fruchtbar wäre. Otmar Lenz: "Für die Marburger war es interessanter, sich an einem bestehenden Unternehmen mit Know-How zu beteiligen, als etwas eigenes auf die Beine zu stellen." Für Styrian Spirit biete die Kooperation natürlich interessante Expansionsmöglichkeiten. Prevent d.d. plant nun, die vorhandenen Strukturen des Airports auszubauen – einige Millionen Euro sollen in verbesserte Radarsysteme und in eine Terminalerweiterung gesteckt werden. Und mit Styrian Spirit scheint ein kompetenter Partner gefunden, der den wieder aufkeimenden Airport mit interessanten Destinationen zu verbinden vermag. Als erstes Ziel scheint Paris auf. Im Gespräch mit Austrian Aviation Net meinte Otmar Lenz, dass die Slowenen in erster Linie eine Verbindung mit einem europäischen Hub wollten – Frankfurt schied aufgrund des ambivalenten Verhältnisses zur Star Alliance und den Zubringerflügen des slowenischen Flag Carriers Adria aus. Zürich wäre aufgrund der bestehenden Graz-Zürich Flüge unglücklich gewählt gewesen. Paris hingegen erschien als der interessanteste Hub, unter anderem weil Air France bekanntermaßen ein exzellentes und weitläufiges Streckennetz anbietet. Außerdem hat Air France schon längere Zeit Interesse an einer Salzburg-Verbindung bekundet und auch Styrian Spirit daraufhin angesprochen. Lenz: „Nachdem Air France gesehen hat, was wir mit den Schweizern gemeinsam machen, meinte deren Österreich-Manager, dass sie auch gerne mit uns zusammenarbeiten würden.“ So wurde schließlich die Route Marburg-Salzburg-Paris aus der Taufe gehoben. Paris ist übrigens nicht die einzige Verbindung die ab Salzburg neu angeboten wird – die erfolgreiche Swiss-Partnerschaft wurde auf die Mozartstadt ausgedehnt, sodass mit dem Winterflugplan drei tägliche Flüge wochentags und eine tägliche Verbindung am Wochenende in die Stadt an der Limmat starten. Der neue CRJ-200 (OE-LSE) ist in Salzburg stationiert und trägt als Hommage an die Festspielstadt den Titel „Salzburg Spirit“ - im selben Design wie jetzt Styrian Spirit, wobei die Farbe grün gegen Magenta ausgetauscht wird. Nicht überraschend fliegt ein weiterer Regional Jet (OE-LSD) seit Dezember 2004 als "Slovenian Spirit". Trotzdem zerstreut Lenz immer wieder geäußerte Bedenken, dass Styrian Spirit irgendwann einmal ganz ins um ca. ein Drittel billigere Nachbarland auswandern würde: „Wir werden den Markt immer primär in Graz entwickeln.“ Das Fundament der Airline wären die Geschäftsflüge – Manager von Magna oder Chrysler beispielsweise wollen ein Produkt „von da“ haben und wären wohl nicht bereit, nach Slowenien zu fahren um nach Stuttgart oder Zürich zu kommen. Im Gegensatz dazu kann sich Lenz ein verstärktes Auftreten in preissensibleren Bereichen vorstellen. Lenz: „Wir werden immer wieder überlegen, ob es Sachen gibt, die von den Kosten her in Graz nicht machbar sind, die aber in Marburg aufgrund der wesentlich niedrigeren Kosten möglich sind.“ In erster Linie wären dies wohl Leisure-Flüge. Übrigens werden mit der Umstellung auf den neuen Flugplan die Frankfurt- und Düsseldorf-Flüge gestrichen. Hauptgrund ist laut Lenz, dass bereits ab Ende September 2004 Fluggerät für die neuen Routen benötigt, der neue Jet aber erst zu Jahresende 2004 ausgeliefert wird. Ausserdem wäre bei den aktuellen Frankfurt-Flügen die Situation mit den Anschlußmöglichkeiten nicht optimal. Stattdessen wurde mit 20. September 2004 die Strecke Salzburg – Zürich aufgenommen. Auf weitere neue Strecken angesprochen, meinte Lenz geheimnisvoll „Da haben wir einiges, an dem wir gerade arbeiten.“ Details möchte er aber aufgrund der laufenden Verhandlungen verständlicherweise nicht verraten. Berlin wird gerüchteweise immer wieder als mögliche Destination genannt, dazu der Styrian Spirit Vorstand: „Berlin ist aufgrund der vielen dort ansässigen Low Cost Carrier ein schwieriger Markt. Ich denke nicht, dass wir in absehbarer Zeit dorthin fliegen werden.“ Vor kurzem wurde der Kauf eines Bombardier CRJ700 bekanntegegeben - dieser soll dank größerer Kapazität und Reichweite unter anderem neue Chartermärkte erschließen. Natürlich wird die Maschine auch im Linienverkehr eingesetzt - vermutlich auf der "Rennstrecke" Graz-Stuttgart. Der CRJ700 ist eine Weiterentwicklung der CRJ100/200-Reihe. Die Sitzplatzkapazität ist durch eine mehr als sechs Meter verlängerte Kabine auf 70 Plätze erhöht. Neben dem Fixkauf wurde eine Option für eine weitere Maschine dieses Typs genommen. Wo sieht der Styrian Spirit-Chef seine Airline in einigen Jahren? "Wir werden versuchen, eine Art neue Tyrolean zu werden. Da die Star Alliance so stark ist, ist ein riesiger Bedarf für Abwechslung gegeben - speziell von den Bundesländerflughäfen gibt es keine gute Anbindung zu den Hubs anderer Allianzen. Da sehe ich gute Entwicklungsmöglichkeiten, dass solche von den Bundesländerflughäfen verbunden werden könnten." Nachdem auch das Vorbild Tyrolean einmal klein angefangen hat und über die Jahre doch einen ganz ansehnlichen Erfolg geschaffen hat, sollte der Panther aus der Steiermark vielleicht nicht unterschätzt werden.
Vielen Dank an Herrn Michael Sereinig (Styrian Spirit Manager Marketing & Distribution) für seine Unterstützung bei der Entstehung dieses Berichtes. |
Styrian Spirit betreibt zur Zeit vier Maschinen vom Typ Bombardier Canadair Regional Jet 200 Foto: Austrian Aviation Net
Cockpit eines CRJ 200 Foto: Austrian Aviation Net
Die Kabinen der Regional Jets sind mit komfortablen Ledersitzen ausgestattet. Foto: Austrian Aviation Net
Styrian Spirit CEO Otmar Lenz Foto: Austrian Aviation Net
CRJ in der Homebase Graz Foto: Austrian Aviation Net
Crew Foto: Styrian Spirit |