

Salzburg ist für verschiedenste Sorten Mensch ein beliebtes Reiseziel: Kunstliebhaber, Reiche und Schöne besuchen die Festspiele, Natur- und Sportfreaks kommen zum Wandern und Schifahren und Honeymooner genießen das Flair der wunderschönen Stadt. Eine gar nicht so kleine Gruppe von Menschen wird mit der Mozartstadt allerdings eher weniger in Verbindung gebracht: Leute, die aus ganz Europa anreisen, um an kalten Wintersamstagen auf kleinen Tretleitern am Zaun des Salzburger Flughafens zu stehen um die vielen exotischen Flugzeuge die Urlaubsgäste aus allen Herren Länder bringen, vor der traumhaften Kulisse der Festung zu fotografieren oder einfach nur anzusehen. Eine größere Dichte an verschiedensten Arten von Tupolevs, Yakovlevs und dergleichen findet man außerhalb Russlands wahrscheinlich nicht so schnell. Die beschriebenen „bunten“ Wintercharterwochenenden sind zwar in den fliegerischen Fangemeinden beliebt wie eh und je, man würde dem Salzburger Flughafen aber nicht gerecht werden, wenn man ihn nur auf den Incoming Charter reduzieren würde. Vielmehr haben kluge Expansionsmaßnahmen Salzburg sowohl im Linien- als auch im Charterverkehr zur klaren Nummer 2 der Verkehrsflughäfen in Österreich werden lassen.
Häufiger
Gast im Winter: Tupolev 154
Die Geschichte des Salzburger Flughafens hat eigentlich schon vor über 90 Jahren begonnen, genauer am 12. Mai 1912. Damals haben sich an der Stelle des heutigen Airports die ersten „Spotter“ versammelt – 15.000 waren gekommen, um die Vorführungen des Aviatikers Karl Illner mit seinem Aeroplan zu verfolgen. Das bisher als Exerzierfeld genutzte Gelände im Stadtteil Maxglan wurde im Laufe der nächsten Jahre immer öfter für die Fliegerei verwendet, bis schließlich am 22. August 1926 die offizielle Eröffnung des „Städtischen Flugplatzes“ stattfand. Die erste Fluglinie die von Salzburg aus startete war übrigens die Lufthansa (auf der Strecke München-Salzburg-Bad Reichenhall), die österreichische ÖLAG folgte erst 1927 mit der Linie Wien-Salzburg-Innsbruck. Als Terminal diente damals übrigens eine eher spartanisch gehaltene Holzhütte. Erst 1930 wurde das erste „richtige“ Gebäude eröffnet.
Heimelig:
„Terminal“ anno 1926
In den nächsten Jahren herrschte eine Art euphorischer Gründerstimmung und der Flugbetrieb wurde sukzessive ausgebaut. Einige Jahre nach der Eröffnung, kam jedoch mit der Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre ein starker Verkehrseinbruch und damit die Ernüchterung. Erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts konnten wieder steigende Passagierzahlen verbucht werden. Mit dem Anschluss an NS-Deutschland und dem bald nachfolgenden Ausbruch des Zweiten Weltkrieges änderte sich für den Salzburger Flughafen wieder einiges: Hangars wurden gebaut, ein Tanklager mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Litern errichtet und die Landebahn 10/28 auf einer Länge von 1.200 Metern betoniert. Kurzum – der Flugplatz wurde kriegstauglich gemacht. Die Jahre bis zur Kapitulation mit der Übernahme durch die Amerikaner überstand der Flugplatz erstaunlicherweise relativ unbeschadet (im Gegensatz zur Salzburger Altstadt, die massive Bombenschäden davon trug). Die US Army konnte sogar einen nahezu unbeschädigten Me-262 Düsenjäger übernehmen. Nach dem Krieg konnte sich der Salzburg Airport als erster österreichischer Flugplatz wieder in den internationalen Linienverkehr eingliedern – dem zugute kam nicht zuletzt, dass die Mozartstadt der zentrale Sitz der amerikanischen Besatzungsbehörde war. In den nächsten Jahren begann beispielsweise die Swissair mit Flügen nach Zürich, Austrian Airlines folgte erst 1960. In diesen Jahren stieß der Flugplatz langsam aber sicher an seine Kapazitätsgrenzen – die Abfertigungsgebäude waren den Anforderungen nicht mehr gewachsen, genauso wenig wie die alte Piste, die in einem schlechten Zustand – und auch zu kurz – war. Daher wurde mit dem Bau einer neuen 2.200 Meter langen Bahn in Nord-Süd-Richtung begonnen, die allerdings über eine der wichtigsten Salzburger Ausfallsstraßen – die Innsbrucker Bundesstraße – führte. Letztere wurde demnach einfach durch einen Tunnel unter der Runway geführt.
Bau
der Landebahn 16/34 – noch heute folgt der (kurze) Taxiway „Delta“
dem Verlauf der alten Piste 10/28.
Mit dem Bau der neuen Landebahn und der Erneuerung anderer Einrichtungen stieg die Passagierzahl rasch an und verzehnfachte sich innerhalb von 5 Jahren: wurden 1960 ganze 12.000 Passagiere abgefertigt, waren es 1965 bereits 121.000 Fluggäste. Um mit dieser rasanten Entwicklung weiter mithalten zu können, wurde ein neues Abfertigungsgebäude errichtet – dieses heute noch verwendete Terminal wurde 1966 seiner Bestimmung übergeben. Die nun folgenden Jahre standen weiter ganz im Zeichen der Expansion. Aber auch sonst tat sich einiges: Gleich zwei US-Präsidenten besuchten Anfang der 70er Jahre mit der „Air Force One“ Salzburg – Richard Nixon 1974 und Gerald Ford ein Jahr später. Doch gab es nicht nur Erfreuliches zu dieser Zeit. Durch die zentrale Lage des Flughafens – die berühmte Getreidegasse ist nur wenige Kilometer entfernt – stiegen proportional mit den Flugbewegungen auch die Anrainerproteste. Die von vielen gewünschte Verlängerung der Landebahn konnte erst 1983 umgesetzt werden – als Ergebnis vieler Sitzungen mit den betroffenen Nachbarn. Erfolgreiche Mediation sozusagen – zwei Jahrzehnte bevor der Wiener Flughafen auf dieses „Instrument“ aufmerksam geworden ist. Stand in den Jahrezehnten zuvor der Linienverkehr im Vordergrund, wurden in den 1980er Jahren der Charterverkehr – und hier vor allem der Incoming-Charter aus Großbritannien und Skandinavien – forciert. Dass dieses Vorgehen (das bis heute fortgeführt wurde und mittlerweile auch Osteuropa und vor allem Russland einschließt) erfolgreich war, belegt die Entwicklung der Passagierzahlen: nach 300.000 Passagieren 1976, 460.000 Fluggästen 1986 konnten 1996 bereits 1.100.000 Passagiere gezählt werden – ein Trend der sich bis heute (nach einer kurzen Unterbrechung nach den Anschlägen 2001) fortsetzt. 2003 wurden über 1.200.000 Fluggäste abgefertigt, für 2004 rechnet man mit einer Steigerung auf 1.400.000 Passagieren.
Typische
Vorfeldszene an einem Wintercharter-Samstag
Heute wird der Salzburger Flughafen neben dem Charterverkehr auch auf der Linie mit wichtigen europäischen Destinationen verbunden: Amsterdam, Birmingham, Düsseldorf, Frankfurt, London, Wien und Zürich stehen beispielsweise auf dem Flugplan. Auch die Low Cost Carrier haben Salzburg mittlerweile entdeckt. Ryanair fliegt seit April 2001 von Salzburg nach London, FlyBe seit Oktober 2003 nach Birmingham und Hapag Lloyd Express startet nach Hannover, Köln/Bonn, Hamburg und Berlin. Aber nicht nur moderne Boeings und Airbusse haben in Salzburg eine Heimat gefunden, auch einige sehr alte Maschinen haben den Flughafen zu ihrer Basis gemacht. Die Flying Bulls von Red Bull Gründer Dietrich Mateschitz „wohnen“ nämlich in einem Komplex gegenüber dem Terminal jenseits der Runway. Dort sind in den Hangars 7 und 8 diverse Schmuckstücke vom Alpha Jet über die B-25 Mitchell bis hin zur DC-6 hangariert. Wobei „hangariert“ eigentlich das falsche Vokabel ist, sind doch die Flugzeuge in einem der Öffentlichkeit zugänglichen futuristischen Glasbau perfekt ausgestellt. Und nachdem alle Maschinen auch flugfähig sind, verlassen sie ihr „Designerhotel“ auch immer wieder, um bei Airshows und dergleichen zu zeigen was sie können.
Hangar
7 mit einem Schmuckstück der Flying Bulls
Neben dem 2003 fertiggestellten Flying Bulls Komplex herrscht auf dem Airport aber auch weitere rege Bautätigkeit – neben dem bestehenden Abfertigungsgebäude wurde das Terminal 2 fertiggestellt, welches vor allem an den Wintercharterwochenenden genutzt werden soll. In der übrigen Zeit kann es für Veranstaltungen verschiedenster Art gemietet werden und bietet dabei bis zu 1500 Menschen Platz. Wohl einmalig in der Welt, dass man sich sozusagen ein Airport-Terminal ausborgen kann. Im Jahr 2005 soll das Gerätezentrum Süd sowie die Aufstockung des Parkhauses 1 fertiggestellt, im Jahr 2006 ein neues Parkhaus errichtet werden. So viele neue Gebäude wollen natürlich auch genutzt werden – wie sieht es also mit der prognostizierten Entwicklung der Passagierzahlen aus? Flughafen-Pressesprecher Richard Schano zu Austrian Aviation Net: „Wir rechnen nach 1,4 Millionen Fluggästen im Jahr 2004 mit einer Steigerung auf 1,6 Millionen Passagiere 2005 – hauptsächlich durch die neuen Hapag Lloyd Express Verbindungen nach Hannover, Köln/Bonn, Hamburg und Berlin. 2010 wären 2,2 Millionen Fluggäste vorstellbar.“
Entwicklung
der Passagierzahlen 1993-2005 (* Prognose)
Die Errichtung von Passagierbrücken ist übrigens auch auf längere Zeit hinaus nicht geplant – einerseits sind die zwei Terminals nicht umbaufähig, andererseits wären auch die Fluglinien als Kunden hauptsächlich dagegen – die Low Cost Carrier aus Kostengründen und die Charterairlines weil sich die Umkehrzeiten verlängern würden. Richard Schano: „Die Abfertigung von 220 Passagieren einer Boeing 757 mit nur einer Brücke würde um 25 Minuten länger dauern als mit unserem jetzigen System. Bei Widebodies wie dem A330 verwenden wir ja drei Stiegen.“
Ein
treuer Gast in Salzburg: Austrian Airlines Group
Irgendwann
einmal wird aber trotz aller guten Zusammenarbeit der passagierzahlenmäßige
Plafond erreicht werden. Wann dies der Fall sein wird, ist natürlich
schwer vorauszusagen – eines scheint jedoch klar: die Leute mit
den Leitern und Fotoapparaten am Flughafenzaun hätten gegen ein
kleines Alpen O´Hare nichts einzuwenden...
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