von Martin Metzenbauer

 

 

Der Flughafen Zürich ist zwar nicht einer der ältesten Flughäfen in Europa (erst 1948 landeten dort die ersten Flieger) dafür aber doch eines der geschichtsträchtigsten und wichtigsten Drehkreuze in Europa. Nachdem man sich im Jahre 1945 dazu entschlossen hatte, auf einem 655 Hektar großen Gelände im Gebiet des Zürcher Vorortes Kloten den zukünftigen Hauptflughafen der Schweiz zu errichten, ahnte wohl noch niemand, welche Bedeutung das Wort "Flughafen" sechzig Jahre später haben würde.
 

Der Flughafen Zürich in den 1950er Jahren.

Foto: Unique

 

Heute benutzen rund 17 Millionen Passagiere auf über 270.000 Ankünften und Abflügen jährlich den Zürcher Flughafen der von der Betreibergesellschaft "Unique" gemanagt wird. Und nach einem Einbruch am Anfang des Jahrzehnts (infolge der Swissair-Pleite und der allgemeinen Luftfahrtkrise) zeigen die Fluggastzahlen nun auch wieder klar nach oben. Vor kurzem erst wurde auch die letzte Stufe des aktuellen Bauprogramms abgeschlossen: Mit Inbetriebnahme des Midfield Terminals und des Airside Centers (als Drehkreuz der an- und abfliegenden Fluggäste mit über sechzig Geschäften und einer der weltweit größten Glasscheiben) ist der Flughafen auch für weiteres Wachstum gut gerüstet.

 

Passagierentwicklung in Zürich: Nach einem "Tief" in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts geht der Trend nun wieder bergauf.

Grafik: Austrian Aviation Net

 

 

Von Zürich aus werden über 140 Ziele in etwa 70 Ländern angeflogen. Die technische Infrastruktur beinhaltet drei Start- und Landebahnen, die aber nur eingeschränkt parallel benutzt werden können, da sie sich kreuzen. Die Abfertigung geschieht über Busgates und zwei Terminals mit Fingersteigen – dem etwas älteren Dock A und dem neuen Midfield Terminal/Dock E. Das derzeit nicht für die Abfertigung benutzte Dock B wurde zu einem Event Center umgebaut und bietet so vor wohl einmaliger Kulisse die Möglichkeit, Ausstellungen, Firmenveranstaltungen und dergleichen abzuhalten.

 

Das Dock B bietet als Eventdock einen nicht alltäglichen Rahmen für Ausstellungen, Kongresse und andere Veranstaltungen.

Foto: Austrian Aviation Net

Doch hat der Airport neben der Einrichtung eines Event Docks noch einige weitere Features zu bieten, die man auf vielen anderen Flughäfen lange suchen kann: So gibt es beispielsweise nicht nur eine Station der Schnellbahn, welche die Fluggäste innerhalb von zehn Minuten im Zehn-Minuten-Takt mitten ins Stadtzentrum bringt – vom Flughafen-Bahnhof gibt es obendrein jede Menge nationale und auch internationale Verbindungen. Ebenfalls nicht alltäglich ist die geradewegs riesige Anzahl an Shops – von den delikaten Produkten der bekannten Confiserie Sprüngli bis hin zu trendigen Taschen ist ungefähr alles zu bekommen, was für Schweizer Franken zu haben ist.

 

Die Boeing 747 ist in Zürich häufig zu Gast - auch für den A380 ist man bereits gerüstet.

Foto: Austrian Aviation Net

 

Doch nicht nur kauflustige Passagiere werden ihre Freude haben – auch für Luftfahrtinteressierte wird viel mehr als der auf Flughäfen übliche Rahmen geboten: Angefangen von einer wirklich gut gelegenen Besucherterasse (mit einem Aviatik-Shop) über sehenswerte Führungen in verschiedene Bereiche des Flughafens bis hin zum absoluten Höhepunkt für Spotter - dem sogenannten Pistenkreuz. Dies ist ein Platz unmittelbar neben der Kreuzung von zwei Startbahnen – mit wohl einmaligen Ausblicken für Flugzeugfotografen. Das Pistenkreuz wird übrigens im Rahmen der Flughafenrundfahrten angesteuert.
 

Helikopter auf der Besucherterrasse.

Foto: Austrian Aviation Net

 

Neben dem Pistenkreuz kommt man schon recht Nahe ans Geschehen.

Foto: Austrian Aviation Net

 

In den letzten Monaten ist der Zürcher Flughafen nach dem Swiss/Lufthansa Deal vermehrt ins Medieninteresse gerückt. Kontroversiell wurde die zukünftige Rolle des Schweizer Airports innerhalb der LH und Star Alliance kommentiert. Wir sprachen mit Flughafen-Mediensprecher Marc Rauch über dieses und andere Themen.
 
Austrian Aviation Net: Die Betreibergesellschaft des Flughafens Zürich hat mit "Unique" einen "einmaligen" Namen. Wie kommt es zu diesem Namen und was ist am Züricher Flughafen so einmalig?

Rauch: Die Betreibergesellschaft ist unique, weil sie in den letzten Jahren unzählige Krisen gemeistert hat und heute gestärkt in die Zukunft schauen kann. Ich denke da an das Grounding der Swissair, unserer damaligen Hauptkunden, nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Austrian Aviation Net: Der Swiss/Lufthansa-Deal ist ja von Unique offiziell begrüßt worden. Hat man nicht trotzdem Angst, dass Zürich auf eine Zubringerfunktion reduziert wird?

Rauch: Lufthansa ist eine sehr gute Besitzerin von Swiss und bekennt sich zu einer Drei-Hub-Strategie. Wir gehen davon aus, dass der Markt das hergibt, was sich die Lufthansa verspricht und Zürich gleichberechtigt mit München und Frankfurt entwickeln wird.

Unique-Mediensprecher Marc Rauch.

Foto: Unique

 

South African kommt mehrmals pro Woche mit Airbus A340 nach Zürich.

Foto: Austrian Aviation Net

 

Austrian Aviation Net: Was wird zur Zeit an baulichen Veränderungen durchgeführt?

Rauch: Im Oktober des vergangenen Jahres wurde die fünfte Bauetappe abgeschlossen. Wir haben heute einen sehr schönen, großzügigen und weltoffenen Flughafen in dem wir auch noch genug Kapazität für die Zukunft haben.

Austrian Aviation Net: Welche Möglichkeiten und Angebote gibt es für Luftfahrtinteressierte, die den Zürcher Flughafen besuchen?

Rauch: Für Besucher, die sich für Luftfahrt interessieren, bieten wir sehr schöne Besucherterrassen und auch Rundfahrten an. Wir haben rund um den Flughafen auch sehr gute Plätze für Spotter. Nähere Informationen zu den Angeboten findet man unter der Internet-Adresse www.flughafen-zuerich.ch

Austrian Aviation Net: Vor einigen Wochen startete der Airbus A380 zu seinem Erstflug. Kann der Zürcher Flughafen diesen Riesenvogel abfertigen und sind reguläre Flüge damit geplant?

Rauch: Der A380 kann an beiden Stirnseiten im Dock E andocken – dazu wären nur kleinere Adaptierungen notwendig. Ob der A380 nach Zürich kommen wird, ist die Entscheidung der Airlines – wir stellen dazu die Infrastruktur zur Verfügung.

Austrian Aviation Net: Konkrete Pläne dafür gibt es aber noch nicht?

Rauch: Mir sind keine bekannt.

Austrian Aviation Net: Wie sieht in Zürich das Verhätnis zu den Umlandgemeinden umzugehen?

Rauch: Wir nehmen die Anliegen der Gemeinden, der Fluglärmbetroffenen auf jeden Fall ernst. Wir sind aber der Meinung, dass diese Diskussion versachlicht werden muss – es sind ja da oftmals viele und sehr starke Emotionen im Spiel. Wir versuchen, stärker von einer rationalen Basis auszugehen.

 

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