Verfasst am: 16.01.09 06:45
Von: Georg Pommer
Gastkommentar von Georg Pommer
"Ich erwarte mir Sparmaßnahmen bei den Airports"
Georg Pommer - Gründer und Geschäftsführer der steirischen "Robin Hood Aviation" - steigt gerne in die Fußstapfen des Namensvorbildes seiner Fluglinie: Immer wieder wehrt er sich gegen die anscheinend übermächtigen "Großen", um Vorteile zu Gunsten der "Kleinen" (also seiner Airline und deren Mitarbeitern) zu erwirken. So kritisierte er beispielsweise öffentlich die Spendierfreudigkeit der österreichischen Regierung in der Causa AUA und bemängelte, dass es durch den Deal mit der Lufthansa künftig auf einigen Regionalairports ein Quasi-Monopol gebe. Im Zuge der aktuellen Luftfahrtkrise nimmt er nun die Flughäfen selbst in die Pflicht: Diese sollten in diesen Zeiten als Infrastrukturanbieter ebenfalls Sparmaßnahmen setzen anstatt Gewinne auf Kosten der Airlines einzustreifen.
Robin Hood verzeichnet auf der Stammstrecke von Graz nach Zürich weiterhin kleine, aber umso erfreulichere Passagierzunahmen. Mittlerweile sieht uns auch der Markt als etablierten und verlässlichen Business Carrier - die Buchungsplattformen Amadeus und Galileo tragen seit Jahresbeginn sehr positiv zu einer noch breiteren Vertriebsstreuung bei.
Für ein Resümee für die neue Strecke nach Stuttgart ist es nach knapp zwei Betriebsmonaten noch zu früh, der Start war aber zufrieden stellend, nun wird sich zeigen, inwieweit die Automotive - Krise auf den Verkehr zwischen den beiden Autometropolen durchschlägt. Die ausgezeichnete Zeitenlage (frühmorgens ist es die erste Verbindung nach Stuttgart, abends die letzte nach Graz) wird jedenfalls gerne gebucht, wenn die volle Tageszeitausnutzung an der Destination Priorität für die Reiseentscheidung hat.
Das Geschäftsmodell, welches mit dem Einsatz von 33-sitzigen Saab Turboprops und der Konzentration auf den Businessverkehr (Montag - Freitag) auf ein gesundes ökologisches (Produktions-)Maß ausgerichtet ist, trägt insbesondere bei dem derzeit zu verzeichnenden Passagierrückgang Früchte. Die 30-Sitzer bekommen im Point-to-Point Verkehr europaweit wieder eine besondere Bedeutung, da diese Flugzeugkategorie (Strecken- und Airportgebühren sind der Gewichtsklasse entsprechend niedriger) auf aufkommensschwachen Strecken und im Verhältnis zu 50-Sitzern bessere Deckungsbeiträge erwirtschaften können.
Unsere Saabs erweisen sich also zunehmend als Goldgriff und wenn man uns vor zwei Jahren für diese "Down-Size" Entscheidung noch belächelt hatte, hätten manche Airlines heute gerne für einigen Strecken Zugriff auf solche leistungsfähigen und gleichermaßen ökonomischen Flugzeuge.
Soweit läuft es also recht gut. Sorgen bereiten uns allerdings die durch € 500 Mio AUA-Staatsbeihilfe anbahnende Wettbewerbsverzerrung am Heimatflughafen Graz: So skurril es erscheint, wir würden mit unseren Steuerleistungen dann sogar die Monopolisten fördern und gegebenenfalls so günstigere Tarife der Allianz mitfinanzieren. Wir müssen in unserem kleinen Unternehmen auf jedem Flug unsere Vollkosten verdienen und legen dies auch unserem Tarifsystem zugrunde, wohingegen beispielsweise Flüge unserer Mitbewerber über deren Knoten durch die Staatsbeihilfe unter unseren Preisen verkauft werden dürften, was in den vergangenen Monate auch schon keine Seltenheit war. Dass wir das nicht hinnehmen wollen und dürfen, liegt auf der Hand und wir haben das auch bei geeigneter politischer Stelle deponiert.
Vieles läuft aber seit Jahren schon generell schief: Personalkosten steigen, die infrastrukturellen, rechtlichen und flugbetrieblichen Voraussetzungen für den Betrieb eines Linienunternehmens fordern mehr Aufwand denn je, die stark variierenden Treibstoffkosten sind immer wieder abzufedern und die Flughäfen wälzen meistens sämtliche Vollkostenerhöhungen 1:1 mittels Gebühren- und Einzelleistungserhöhungen an die Airlines ab.
Letztlich sind es aber die Airlines, die mit großem Aufwand jene Passagiere "produzieren", die den Flughäfen durch Gebühren und Umsätze im Non-Aviation-Bereich immer wieder satte Gewinne ermöglichen. Die Kosten steigen unaufhörlich, die Tickets wurden aber immer billiger und mit dem Stimulierungswahn und den 1 bis 49 Euro Tickets verkommt Fliegen zur wert- und gesichtslosen Ware, bis man sie nicht mehr als das wahrnimmt, was sie ist: Ein hochwertiges Produkt, das nur durch das penibel aufgebaute Zusammenspiel von Professionisten und letztlich der Wertschätzung des Passagiers funktionieren kann.
Regionen pochen auf Standortqualität und Standortsicherung, unverzichtbare Infrastrukturdienstleister wie Airlines werden hofiert, wenn sie den Wirtschaftsmarkt bedienen wollen, aber von Halböffentlichen (im Grunde sind Airports aber nicht mal halböffentlich und schon gar nicht unpolitisch) unter dem Mantel des freien Wettbewerbs und dem Auftrag, privatwirtschaftlich agieren zu müssen, zur Kasse gebeten.
Und wenn nun auch im Sommer den Airlines sogar am Boden eiskalter Wind entgegenblasen wird, werden es wieder ebendiese Airlines und Infrastrukturdienstleister sein, die agieren und reagieren, sparen und restrukturieren müssen.
Ich erwarte mir hier den ernsthaften Willen zur Umstrukturierung und zu Sparmaßnahmen auch bei den Airports, ein völliges Umdenken der Flughafeneigentümer, welche Funktion ein Regionalflughafen für die Wirtschaft hat und ob der Auftrag, in diesen Zeiten Gewinne erwirtschaften zu müssen, aufrecht erhalten werden darf.
Neben den Airlines sollten nun Alle Federn lassen müssen, nur so wird man die Luftfahrtkrise, deren Beginn nicht erst seit gestern absehbar war, begegnen und nachhaltige, kommerziell sinnvolle Entwicklungen aussteuern können.
Die EU Wettbewerbskommission hat Robin Hood mitgeteilt, dass sie uns zur marktbeherrschenden Stellung der Allianz befragen wird, sobald der Kaufvertrag zwischen Lufthansa und Austrian vorliegt und geprüft ist. Robin Hood ist nun das einzig verbleibende, ausschließlich in Österreich operierende "rein österreichische" Linienflugunternehmen. In unserer Funktion als Luftverkehrs-Infrastrukturleister in der Steiermark werden wir diese Position im Rahmen der Wettbewerbsrichtlinien verteidigen, uns gegen die drohende Wettbewerbsverzerrung stellen und alles unternehmen, eine gesunde Wertschöpfung im Land zu lassen und uns um die Sicherung und den Ausbau steirischer Luftfahrt-Arbeitsplätze zu bemühen.
Gastkommentar von Georg Pommer, Geschäftsführer von Robin Hood Aviation
