Verfasst am: 30.03.10 21:45
Von: Maria Forrai
Interview mit GlobeAir-Chef Bernhard Fragner

Fotos: GlobeAir
Die Businessfluglinie GlobeAir ist bereits weit über die nationalen Grenzen bekannt. Sogar Hollywoodstars wie Monica Bellucci und Richard Gere haben bereits den Service des oberösterreichischen Unternehmens genossen. Am Flughafen Linz spricht man davon, dass GlobeAir jenes hier ansässige Bedarfsflugunternehmen ist, das über die geringste Downtime seiner Flotte verfügt. Austrian Aviation Net traf Bernhard Fragner, CEO von GlobeAir, zu einem Interview.
Austrian Aviation Net: Globe Air ist ein junges Unternehmen. Wann genau wurde der gewerbliche Betrieb aufgenommen?
Bernhard Fragner: Das erste Flugzeug haben wir am 18. April 2008 bekommen, das war genau ein Jahr nachdem unser Unternehmen gegründet wurde. Wir haben dann den Zertifizierungsprozess für das AOC gemacht. Das war eine sehr spannende Zeit, da genau in dem Zeitraum vom Sommer 2008 die EU OPS herausgekommen ist, die dann im September wieder revisioniert worden ist. Wir haben von Beginn an anhand der EU OPS gearbeitet und haben uns quasi "from scratch" auf EC8/2008 vorbereitet. Im Sommer, mitten im Zulassungsprozess, haben wir dann auf EC 859/2008 umgestellt und alles umgearbeitet. Parallel dazu haben wir im Sommer dann auch zwei weitere Flugzeuge bekommen und sind dann am 15. September 2008 zum ersten Mal gewerblich geflogen (Linz-Braunschweig). Das war eine tolle Sache!
Im September 2009 haben wir unser Erstjahresaudit (AOC wird für "Neulinge" nur auf ein Jahr ausgestellt) positiv abgeschlossen, und zwar so positiv, dass GlobeAir "Air Operator Classification Level 1" bescheinigt wurde. Es gibt insgesamt fünf Levels. Wir haben also die höchste Stufe in Bezug auf Qualität/Flight Safety/Airworthiness – Level 1 erhalten nur wenige, was wiederum dazu führte, dass unser AOC auf die maximal zulässige Erneuerungsdauer von 5 Jahren ausgestellt wurde
Austrian Aviation Net: Wie groß ist die derzeitige Flotte?
Bernhard Fragner: Im Oktober 2008 haben wir eine weitere Mustang erhalten. Derzeit haben wir vier Citation Mustang im Einsatz und seit dem 24. März 2010 auch eine fünfte, die den gewerblichen Betrieb aber erst im April aufnehmen wird. Zwei weitere Mustangs bekommen wir im Juni. Nach den ersten drei Flugzeugen haben wir mit Cessna einen Abschluss über weitere zehn gemacht, die bereits anbezahlt sind. Der Auslieferungsplan war von 2011 bis 2013 gedacht, und von diesem Vertrag haben wir zwei mit einer früheren Auslieferung vorgezogen, weil die Entwicklung sehr gut ist.
Das Team hat sich von ursprünglich drei Mitarbeitern auf 38 vergrößert – 22 davon sind Crew und 16 Mitarbeiter im Büro tätig.
Austrian Aviation Net: Wickelt GlobeAir die Maintenance selber ab?
Bernhard Fragner: Wir haben eine Partnerschaft mit der Linzer Werft AAC abgeschlossen. Die dortigen Techniker haben die Ausbildung gemacht und wir haben die Trainings gemeinsam mit ihnen abgeschlossen. Wir bekommen von der AAC eine sehr gute Unterstützung, sie sind ein super Team mit erfahrenen Mustang Technikern und es hat sich eine tolle Partnerschaft entwickelt, die wir sehr schätzen.
Austrian Aviation Net: 2009 war ein denkbar schwieriges Jahr für die Luftfahrt. Wie hat GlobeAir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gemeistert?
Bernhard Fragner: Wir haben im Herbst 2008 begonnen und das war ein denkbar schwieriger Zeitpunkt. Wenn das gesamte Team nicht den Glauben und den Enthusiasmus gehabt hätte, hätten wir eigentlich aufhören müssen, weil wir genau in die Wirtschaftskrise gefallen sind. Das Team hat es jedoch als Herausforderung genommen und wir haben eine sehr positive Wendung erlebt. Nicht das was, wir uns erhofft hatten, sondern etwas anderes ist eingetreten. Ursprünglich war unser Ziel, viele neue Kunden für Geschäftsreisen auf diesem Flugzeugtyp zu gewinnen. Wir wollten die Geschäftsleute überzeugen, statt der Linie auf unsere attraktives Preisangebot mit der Mustang umzusteigen. Viele Firmen haben dann aber aufgrund der Wirtschaftskrise die Geschäftsreisen massiv gekürzt.
Trotzdem konnten wir 2009 ein sehr gutes Ergebnis und Zuwachs erreichen, weil wir uns vom Downgrading hochgearbeitet haben. Viele, die bisher mit einem größeren Jet geflogen sind, sind kostengünstig auf unser kleineres Flugzeug umgestiegen. Unsere kleinere Flugzeugvariante bietet denselben Komfort und hat zudem auch fast dieselbe Reichweite.
GlobeAir-CEO Bernhard Fragner.
Austrian Aviation Net: Wieviele Flüge konnten im vergangenen Jahr abgewickelt werden?
Bernhard Fragner: Das Team war sehr fleißig in der Akquisition und wir haben letztes Jahr schlussendlich 2.800 Flüge durchgeführt und weit über 3.000 Passagiere befördert. Für uns bot sich eine große Chance im Marktgenerieren: Kunden, die bereits Businessjets gewöhnt sind, down zu graden auf etwas Preisattraktives. Wir haben auch eine neue Flotte gehabt, das war auch einer unserer Vorteile.
Weiters konnten wir mit unserer Philosophie, dem Kunden den bestmöglichen Service zu bieten, punkten. Bei uns gibt es ebenfalls Catering, hochwertigen Wein und Fruchtsäfte und wir legen auf den Kabinenservice sehr viel Wert. Das sehen wir als unsere Chance, den Kunden bei seinem ersten Flug davon zu überzeugen, dass er bei uns sehr gut aufgehoben ist.
Zu 80 Prozent fliegen bei uns zwei Passagiere. Die durchschnittliche Flugdauer beträgt eine Stunde und 10 Minuten. Unser Hauptflugvolumen haben wir in Westeuropa, womit wir eigentlich nicht gerechnet haben. Wir dachten, dass wir mehr in den Osten fliegen würden, aber das West-Ost Verhältnis ist 70 zu 30 und mit steigender Tendenz im Westen. Im ersten Quartal 2010 haben wir gegenüber dem Vergleichszeitraum 2009 ein Plus von satten 25 Prozent erreicht. Es gibt erste Anzeichen, dass die Wirtschaftslage wieder besser wird, unsere Marktbekanntschaft sehr zugenommen hat – und dass unsere Kundenzufriedenheit absolut gegeben ist.
Austrian Aviation Net: Wie sieht es bei GlobeAir mit der Wiederbuchungsrate aus?
Bernhard Fragner: Wir sehen unseren erstklassigen Kabinenservice als große Chance, den Kunden bei seinem ersten Flug mit uns zu überzeugen. Die Wiederbuchungsrate ist sehr hoch. Um hier eine Nummer zu nennen: Wir haben 2010 knapp 300 Kunden, die eine Flotte von fünf Flugzeugen bewegen. Das ist für uns ein Zeichen, welches auf eine hohe Kundenloyalität hindeutet.
Zahlenmäßig sind wir sehr gut vorbereitet. Wir werten jede Woche die ganze Flotte aus und vergleichen sie mit dem Vorjahreszeitraum. Wir blicken immer drei Monate zurück, um zu sehen, wie hoch der Wiederbuchungsanteil von Kunden ist, die in diesem Zeitraum mit uns geflogen sind. Und da liegen wir zurzeit bei 35 bis 40 Prozent.
Austrian Aviation Net: Zum Stichwort Social Media: GlobeAir ist da bereits sehr aktiv. Wie groß ist die Bedeutung von Social Media für die Luftfahrt?