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Verfasst am: 29.07.10 16:32

Von: Manfred Saitz und Martin Metzenbauer

Sommergespräch mit Robert Schmölzer

Wachstum um jeden Preis. So lautete in den jüngsten Boom-Jahren die Devise vieler Business Jet-Unternehmen. Flotten wurden vergrößert, Geschäftsfelder erweitert - bis die Krise gekommen ist, die einige Operators in größere Turbulenzen gebracht hat.

Ein Unternehmen in diesem Segment, das relativ unbeschadet aus den schwierigen Jahren 2008 und 2009 herausgekommen sein dürfte, ist die im Concorde Business Park in Schwechat ansässige "International Jet Management", kurz IJM genannt. Nicht nur, dass man auf viele lohnende - aber mitunter riskante - Zusatzgeschäfte verzichtet hat, setzt man bewusst auf ein sehr eingeschränktes Geschäftsmodell. IJM agiert lediglich als Halter der Flugzeuge und setzt ihren Focus weder in den Flugzeugverkauf noch in die Vercharterung - ganz anders als viele Marktbegleiter, die oft in einer Vielzahl von Geschäftsfeldern tätig sind.

Darüber hinaus setzt sich IJM sogar ein oberes Limit, was die verwaltete Flotte betrifft - mehr als 25 Flieger sollen es auch künftig nicht sein, die auf dem AOC fliegen. Dieses mehr als vorsichtige Wachstum - das sich in den vergangenen zwei Jahren wohl als richtig herausgestellt hat - hat ihren Ursprung vermutlich auch in den Schweizer Wurzeln des Unternehmens. Unsere Nachbarn gelten ja gemeinhin als eher konservativ in geschäftlichen Angelegenheiten.

Im Rahmen der Sommergespräche hatte Austrian Aviation Net die Gelegenheit, etwas mehr über dieses selbst in der österreichischen Branche weitgehend unbekannte Unternehmen zu erfahren. Robert Schmölzer, seines Zeichens Managing Director bei IJM stand Rede und Antwort.

Austrian Aviation Net: In der Linienfliegerei gibt es nach der Krise wieder satte Zuwächse – wie sieht es mit der Geschäftsfliegerei allgemein und bei IJM im Speziellen aus? Und wie haben Sie die Krise überstanden?

Robert Schmölzer: Die Krise scheint vorbei zu sein. Wir haben wieder sehr starke Zuwächse im Vergleich zum letzten Jahr – über alle Segmente bewegen wir uns hier derzeit in einem Plusbereich von über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dazu muss man anmerken, dass auch die Rückgänge entsprechend ausgesehen haben – die Ausschläge sind in der Geschäftsfliegerei noch um einiges stärker als auf der Linie. In den Jahren vor der Krise ist die Business Aviation deutlich stärker gewachsen, durch die Finanzkrise aber auch massiv getroffen worden.

International Jet Management ist aber der Krise nicht so stark ausgesetzt gewesen, da wir ausschließlich als Halter von Business Jets agieren. Wir verdienen unser Geld hauptsächlich mit fixen Managementgebühren und nur zu einem geringen Prozentsatz mit variablen Umsatzkomponenten. Im letzten Jahr konnten wir auch im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern einen operativen Gewinn einfahren.

Austrian Aviation Net: Können Sie uns etwas zum Geschäftsmodell von IJM erzählen?

Robert Schmölzer: Wir stellen für Eigentümer – egal ob Unternehmen oder Privatpersonen – die Voraussetzungen für den Betrieb eines Business Jets sicher. In erster Linie ist das die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit mit dem Monitoring der Wartungspläne und die Gewährleistung des Flugbetriebes – mit Flugplanung, Crewtraining etc. Dazu kommt noch die Administration.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit der Vercharterung der Flugzeuge aus, die sich in Ihrer Halterschaft befinden?

Robert Schmölzer: Das ist etwas was wir im Moment noch nicht machen. Unser Fokus liegt auf dem Betrieb der Flugzeuge. Wir haben ein Partnerunternehmen in Zürich, das sich um die Vercharterung der freien Kapazitäten kümmert.

Momentan machen wir das noch nicht im Haus, werden das aber in Zukunft anbieten. Grund dafür ist, dass wir einen verstärkten Kundenwunsch verspürt haben, die Flieger stärker auszulasten. Und wir haben auch die gesamte Infrastruktur wie zum Beispiel Dispatch oder Technik zur Verfügung.

Austrian Aviation Net: Liegt es nicht im Interesse jedes Besitzers, aus Kostengründen den Flieger zu verchartern?

Robert Schmölzer: Das ist sehr unterschiedlich. Da gibt es einerseits Leute, die mit dem Besitz ihres Flugzeuges ein Geschäft machen wollen. Das hat zwar vielleicht in den Boom-Jahren wie 2007 aufgrund der enormen Nachfrage funktioniert – über einen längeren Zeitraum ist das allerdings nach Abzug der Kapitalkosten unmöglich. Das ist das eine Geschäftsmodell, das einfach nicht funktioniert! Viele unserer Eigentümer brauchen den Flieger aber nur zum persönlichen Bedarf bzw. für ihre Firmen und wollen explizit keine Vercharterung. Es gibt aber dazwischen immer mehr Flugzeugbesitzer, die den Flieger bei Leerstand dann doch vermieten möchten.

Austrian Aviation Net: Wenn ein Flieger für einen Kunden verchartert wird – wer bekommt da eigentlich wie viel?

Robert Schmölzer: Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Es gibt das klassische Kommissionsmodell, wo der Operator bzw. der Broker einen Prozentsatz des verkauften Fluges erhält, der auch sehr unterschiedlich ist. Dann gibt es noch Split-Modelle, wo man dem Eigentümer eine gewisse Rate pro Flugstunde refundiert.

Austrian Aviation Net: Können Sie uns ein paar Eckpunkte zur Geschichte von IJM erzählen?

Robert Schmölzer: Das Unternehmen ist 2003 gegründet worden und hat das AOC im Jahr darauf erhalten. Am Anfang wurde die Flotte von einer Gulfstream V und einer Cessna Citation gebildet. Mittlerweile ist IJM auf rund 20 Flugzeuge gewachsen, 15 sind am AOC und für fünf weitere erbringen wir andere Dienstleistungen.

Der Hintergedanke bei der Gründung war der, dass der Schweizer Eigentümer und Gründer der Firma – der schon seit Jahrzenten Business Aviation Erfahrung hat – immer wieder Anfragen von Flugzeugeigentümern über einen seriösen Operator  erhalten hat. Darauf hat er beschlossen, das selbst zu machen und International Jet Management gegründet.

Austrian Aviation Net: Warum hat er das Unternehmen hier in Wien aufgebaut und nicht in der Schweiz?

Robert Schmölzer: Der Grund, warum die Geschäftsfliegerei in Österreich so boomt, ist historisch begründet. Es hat nämlich früher einen Investitionsfreibetrag für Flugzeuge gegeben, was sehr viele Eigentümer veranlasst hat, ihren Flieger hier in Österreich zu registrieren. Dieses „Zuckerl„ gibt es längst nicht mehr, trotzdem hat sich das so eingebürgert, Flugzeuge hier zu stationieren. Natürlich spielen noch andere Dinge wie die günstige geografische Lage und auch die Tatsache, dass Österreich ein EU-Land ist. Unser Hauptmarkt liegt auch in Osteuropa bzw. Russland – daher war es keine Frage, sich in Wien niederzulassen. Ein Vorteil, sich in einem EU-Land niederzulassen ist ja der, dass im gewerblichen Betrieb keine Mehrwertsteuer anfällt. Wir als Unternehmen sind Mehrwertsteuer-befreit und geben das dem Eigentümer weiter.

Austrian Aviation Net: Wie läuft eigentlich in der Regel der Kauf eines Business Jets ab?

Robert Schmölzer: In vielen Fällen ist die Entscheidung bereits gefallen, welcher Flieger es sein wird. Wir beraten allerdings den Kunden über eine Partnerfirma. Die Abgrenzung, wo bei uns die Dienstleistung anfängt und wo sie aufhört, ist dabei eine fließende Angelegenheit. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, die am Vorkaufsprozess bereits mitverdienen, verlangen wir nichts dafür.


 
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