Verfasst am: 17.10.10 23:50
Von: Ulrich Hajek
Flugschulen: Die EAA im Fokus
Salzburg war die letzten Jahre hindurch ein heißes Pflaster für Flugschulen. Die BFS und Flighttrack, beide FTOs mit Sitz in der Landeshauptstadt, gingen vor ein paar Monaten in Konkurs. Die Emotionen gingen vielerorts hoch, standen doch viele junge Männer und Frauen mit wenig bis gar keinem Ausbildungserfolg vor dem finanziellen Ruin. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet, ein Großteil der Flugschüler ist bei anderen FTOs untergekommen und die Masseverwalter sehen zu, dass die letzten Realitäten verkauft werden, um die Gläubiger zufrieden zu stellen.
Mit der Euro Aviation Academy, kurz EAA, ist nun in Salzburg wieder eine FTO am Start, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Vertrauen und Transparenz zu schaffen und nicht zuletzt Ausbildung auf fachlich höchstem Niveau zu betreiben. In Anbetracht der bewegten Monate zuvor, Grund genug für Austrian Aviation Net auf einen Kurzbesuch in Salzburg vorbei zu schauen.

Der Geschäftsführer der EAA Stefan Kubinski stieß vor einigen Jahren zur Flighttrack und gestaltete sie in wesentlichen Zügen mit. Aus verschiedenen Gründen verließ er vor dem großen Crash das Unternehmen. Die EAA existierte damals schon am Reißbrett von Kubinski und war ursprünglich als Konkurrenzunternehmen zur Flighttrack geplant - der Konkurs der BFS und FT bereinigte den Markt jedoch ganz von alleine.
Kubinski ließ von seinen Plänen nicht ab und sammelte seine “Mitstreiter” um sich, mit der Aufgabe, den Scherbenhaufen, den die Insolvenz der zwei großen Flugschulen in Salzburg angerichtet hatten, aufzuräumen. Man war bereit für einen großen Paradigmenwechsel und baute in vielen Stunden harter Arbeit die Euro Aviation Academy als Nachfolgeorganisation der Flighttrack auf.
“Die Dinge mussten sich ändern - unser Betrieb ist von sehr starker wirtschaftlicher Prägung. Wir achten auf unsere Finanzen und wirtschaften sehr vorsichtig. Wachstum ist auch für uns wichtig, jedoch wollen wir es langsam und vor allem “gesund” vorantreiben.”, so der Geschäftsführer. Kubinski selbst hat einen starken wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund - als gelernter Bilanzbuchhalter kennt er die Regulatorien, den Markt und achtet auf die Gebahrung des Unternehmens. Mit Herrn Bernecker als Accountable Manager - er ist Steuerberater bei PWC - konnte ebenfalls ein Finanzprofi an Bord geholt werden. Gemeinsam mit Head of Training Thomas Edlinger, seines Zeichens Kapitän bei Cargolux, hält er 75% am Unternehmen, Stefan Kubinski 22 und Chief Ground Instructor, Bernd Mittermeier, 3 Prozent. Capt. Richard Lanz übernimmt die Agenden des Chief Flying Instructors und F/O Christian Lüftenecker jene des Quality Managers.
Von der insolventen Flighttrack wurden die Ausbildungshandbücher und Manuals übernommen und adaptiert, die Räumlichkeiten geringfügig abgeändert und für die Wiederaufnahme der Schulung präpariert. Um, wie bereits angesprochen, gesund wirtschaften zu können, liegt der Fokus mit Schwergewicht auf der Eigenkapitalfinanzierung. “Eigentum ist durch nichts zu ersetzen”, so Kubinski, “wir wollten unbedingt weg von einem rein fremdfinanzierten Betrieb. Alles was wir uns schaffen, wollen wir aus eigener Kraft erreichen!”

Die EAA bietet integrierte und modulare Schulungen von PPL bis ATPL an, Kurse zum Erwerb sämtlicher Fluglehrerberechtigungen sind ebenfalls im Hause. Seit einigen Wochen ist das Unternehmen seitens der Luftfahrtbehörde Austro Control geprüft, abgenommen und lizensiert (FTO A-147) und bereit für den ersten ATPL ab initio Kurs, der am 18.10.2010 startet.
Als Trainingsgerät stehen den Flugschülern zwei Flugzeuge des Typs Katana für den Sichtflug zur Verfügung, Single Engine IFR wird mit einer Cessna 172 RG trainiert - der Kauf einer weiteren C 172 mit Garmin 1000 Glascockpit ist in Planung. Im hauseigenen FNPT II Simulator der Marke Ascent Mechtronics werden die angehenden Linienpiloten auf den Instrumentenflug vorbereitet, der in der Praxis für mehrmotorige Flugzeuge mit gecharterten DA 42 durchgeführt wird.

In der Schulung wie auch in der Adminstration möchte man bei EAA Transparenz mit riesigen Lettern schreiben. Das Team rund um Kubinski hat sich ordentlich ins Zeug gelegt, um den Ablauf der Schulung sowie die Verwaltung der Kurse so durchsichtig wie möglich zu designen. “Unser Bestreben geht dahin, dass wir die Blackbox “Ausbildung” - vorne wandern Fußgänger hinein und hinten kommen Linienpiloten heraus - mit größtmöglicher Klarheit gestalten”, so der Geschäftsführer.
Mit einer eigens dafür entwickelten Softwarelösung bietet die Euro Aviation Academy, seinen Schülern, Lehrern, Angestellten und Behördenkontakten jene Übersicht, die alle für einen reibungslosen Schulungsablauf benötigen - dem Wunsch nach einem möglichst papierlosen Büro wird damit auch Genüge getan.
Mit Hilfe dieser Applikation wird der Fortschritt der Schüler dokumentiert - in den digitalen Schülerakten sind alle wichtigen Unterlagen gespeichert. Von den einzelnen Flugstunden, den besuchten Theoriekursen sind hier auch Prüfungsergebnisse und Dokumente abgelegt und werden hier verwaltet. Nicht nur Schüler werden bewertet - um eine laufende Qualitätssicherung gewährleisten zu können, werden mit Hilfe dieses Programmes auch die Lehrer laufend durch Schüler evaluiert. Mit einer Datenfreigabeerklärung der Schüler können sich so auch zum Beispiel Eltern sich laufend über den Progress ihrer Kinder informieren.
Transparenz in Zusammenarbeit mit der Luftfahrtbehörde ist für die EAA von ebenso hoher Bedeutung - alle wichtigen Unterlagen, wie zum Beispiel Schülerakten, Ausbildungshandbücher oder Duty Time Nachweise, sind in diesem Portal für Sachbearbeiter der Austro Control mit einem eigenen Behördenzugang erhältlich. Stefan Kubinski erklärt warum:”Wir setzen uns für ein antizipatives Verhalten mit der Behörde ein. Wir sehen sie weniger als Kontrollorgan denn als Partner. Sie hat jederzeit Zugriff auf die Daten die sie (die ACG, Anm.) benötigt - unser Konzept wird hoffentlich bald in Österreich Schule machen!”
Bei der Verrechnung der Leistungen an die Flugschüler gab es einen Paradigmenwechsel. Vorauszahlungen der gesamten Kurskosten - Kurse für eine integrierte ATPL variieren, je nach FTO, zwischen 60.000 und 80.000 Euro - gehören der Geschichte an. Von einer Anzahlung abgesehen, sie dient der Bereitstellung des Lernmaterials der Schüler, werden mit monatlichen Teilzahlungen nur jene Leistungen abgegolten, die auch tatsächlich konsumiert wurden.

Für Ihre Schüler bietet die EAA einen besonderen Bonus: Mit Mapjet konnte ein Partner aus der Executive Aviation gewonnen werden. Bei Personalbedarf des österreichischen Flugunternehmens werden besonders gute Schüler, die in Theorie und Praxis hervorragende Leistungen erbracht haben, zur Übernahme empfohlen. Jobgarantie ist das freilich keine, jedoch eine gute Ausgangsbasis für angehende Linien- und Berufspiloten.
Ein weiterer Asset der Flugschule ist die Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Ab kommenden Sommersemester ist ein Besuch des Fernlehrganges “Aviation Business - Piloting an Airline Management” für Schüler der EAA möglich. Das Studium dauert sechs Semester und wird mit dem Grad “Bachelor” abgeschlossen. Studium und Linienfliegerei - für die EAA ein wegweisender Meilenstein: “Wir sind der festen Überzeugung, dass das die Zukunft ist - Piloten mit Wirtschaftskompetenz sind heute gefragt mehr denn je”, so Stefan Kubinski.