Verfasst am: 28.02.11 07:20
Von: Martin Metzenbauer
NIKI: Interview mit Otmar Lenz

Foto: Martin Metzenbauer
2010 war bei NIKI wieder einmal ein höchst spannendes Jahr: Kapazität und Passagierzahl wurden deutlich gesteigert, die Verbindung zum Partner Air Berlin wurde nachhaltig intensiviert. Und auch die nähere Zukunft wird für die Fluglinie allerlei Veränderungen bringen – am wichtigsten sicherlich der Beitritt zur Allianz Oneworld. In Verbindung damit wird auch der Einzug in das Terminal 1 und den Pier West am Flughafen Wien ganz neue Perspektiven bieten.
Vertritt die Fluglinie in der Öffentlichkeit häufig deren Namensgeber Niki Lauda, hat die Geschäftsführung ein anderer inne: Otmar Lenz ist einer der bekanntesten Airliner und profiliertesten Branchenkenner in Österreich. Austrian Aviation Net traf den Salzburger zum Interview und konnte dabei so einiges über die Pläne der Airline, die Phantasien, die durch den Oneworld-Beitritt (auch auf der Langstrecke) entstehen und zur Tatsache, warum NIKI trotz Vollkonsolidierung im Air Berlin-Verbund noch immer eigenständig sein will, erfahren.
Austrian Aviation Net: Sie werden 2012 der Oneworld-Allianz beitreten – warum haben Sie sich gerade dieses Luftfahrtbündnis "ausgesucht"?
Otmar Lenz: Der Haupttreiber dabei war sicherlich Air Berlin, die ja durch die LTU-Übernahme ein starkes Langstreckennetz aufgebaut hat. Nur im Europaverkehr ist eine Allianz nicht so wichtig – im Interkontinentalverkehr allerdings schon. Wenn man zum Beispiel nach Amerika fliegt und dort eine American Airlines hat, die das Produkt verkauft, ist das natürlich etwas ganz anderes, als wenn man ein eigenes Vertriebsnetz aufbauen muss.
Man hat also einen Allianzpartner gesucht und dabei zwischen Sky Team und Oneworld ausgewählt. Star Alliance wäre nicht zuletzt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht in Frage gekommen. Oneworld hat weniger Überschneidungen als das Sky Team und hat auch selbst ganz dringend jemanden in Deutschland gesucht – treibend dahinter waren vor allem American Airlines. Air Berlin fliegt ja unter anderem nach Miami und New York – dort ist American Airlines extrem stark und bietet jede Menge Anschlüsse an.
Bei uns war es so, dass Joachim Hunold den Niki gefragt hat, ob er da dabei ist. Er war natürlich einverstanden, weil das ja auch für uns Sinn macht.
Austrian Aviation Net: Wie sehen jetzt die Vorbereitungen für die Mitgliedschaft aus? Was muss sich bei NIKI ändern?
Otmar Lenz: Wir sind gerade dabei, die ganzen Kataloge durchzugehen. Ein Hauptthema sind aber die unterschiedlichen Reservierungssysteme. Air Berlin und wir haben ein selbst gestricktes System und müssen jetzt stärker auf eine Amadeus-Plattform umsteigen – für Oneworld ist es extrem wichtig, dass hier auch ein durchgehender Informationsfluss da ist. Sie müssen sich vorstellen, dass beispielsweise ein Passagier von einer amerikanischen Stadt über Miami mit American Airlines nach Europa fliegt, danach mit Air Berlin nach Wien und mit uns weiter nach Bukarest. Das muss alles funktionieren – auch wenn er dann beispielsweise den Rückflug umbuchen will.
Austrian Aviation Net: Gibt es von der flugbetrieblichen Seite irgendwelche Änderungen?
Otmar Lenz: Nein, eigentlich nicht. Wir machen gerade das IOSA-Audit der IATA, das manche Sachen leichter macht. Beispielsweise haben wir aufgrund der schon bestehenden Codeshare-Flüge mit American ein Audit gehabt – das ist zwar ohne Probleme über die Bühne gegangen, hält aber von der Zeit her auf. Mit dem IOSA-Audit gehen dann solche Dinge einfacher.
Austrian Aviation Net: Was bedeutet eigentlich diese "Affiliate"-Mitgliedschaft, die NIKI eingehen möchte?
Otmar Lenz: Es gibt unter den Airlines viele Partnerschaften – ein Beispiel ist American Airlines und American Eagle. Man möchte mit dieser Art der Mitgliedschaften vermeiden, dass jeder Partner diese Kriterien durchmachen muss und die Gespräche führt. Einer übernimmt die Verantwortung – in unserem Fall Air Berlin – und macht das für uns mit. Wir sind aber von Anfang an in alle diese Punkte eingebunden.
Daneben geht es aber auch um Mitgliedsbeiträge – man hat weniger Member Fees zu zahlen. Wenn wir die gleichen Vorteile für uns haben, haben wir kein Problem dabei.
Austrian Aviation Net: Ein ewiges Thema ist die Langstrecke. Wie sieht es damit aus?
Otmar Lenz: Konkret machen wir jetzt keine Langstrecke. Wenn wir aber Oneworld-Mitglied sind, haben wir auch mehr Möglichkeiten als jetzt und schauen uns manche Dinge genauer an.
Austrian Aviation Net: Seit letztem Jahr ist NIKI im Air Berlin Konzern "voll konsolidiert". Bedeutet das nach den Bilanzierungsregeln nicht, dass Ihre Fluglinie von Air Berlin "beherrscht" wird?
Otmar Lenz: Nein. Im deutschen Steuerrecht – bei dem es vor etwa einem Jahr eine Änderung gegeben hat – gibt es die Möglichkeit, dass man voll konsolidieren kann ohne zu beherrschen. Das ist sogar extra vermerkt. Bei uns gibt es zwei Geschäftsführer, einen eigenen Beirat, wir sind selbst verantwortlich für unser Streckennetz.
Mit der Vollkonsolidierung haben wir auf der einen Seite mehr Möglichkeiten, weil wir in allen Bereichen mit Air Berlin und nicht punktuell dagegen arbeiten – es gibt dadurch keine Eifersucht mehr, wie das früher auf manchen Strecken der Fall war. Jetzt fliegen beispielsweise wir Wien-Düsseldorf und für Air Berlin fällt ein teurer Nightstop weg.
Auf der anderen Seite gehen unsere positiven Zahlen in das Ergebnis der Air Berlin ein und helfen damit der Bilanz.
Austrian Aviation Net: NIKI ist also mehr als nur eine Marke?
Otmar Lenz: Ja. Wir machen alle unsere eigenen Dinge. Niki Lauda wäre auch nicht der Typ dafür – der würde dann etwas anderes tun. Wir haben ein paar Dinge, die Air Berlin für uns erledigt – beispielsweise das Dispatch – weil das ein Riesen-Vorteil ist. Wenn mir beispielsweise ein Flieger ausfällt, kann ich mir aus dem riesigen Air Berlin-Pool aushelfen lassen und habe viel mehr Möglichkeiten als mit unseren 21 Flugzeugen.
Austrian Aviation Net: Wie kann man die Tatsache interpretieren, dass die Marke NIKI ins Eigentum von Air Berlin übernommen worden ist?
Otmar Lenz: Man muss sich das so überlegen: Air Berlin hält jetzt 49 Prozent von NIKI, Wenn der Herr Lauda jetzt in ein paar Jahren meint, dass er aussteigen möchte, dann kann er ja nicht einfach hergehen und sagen, dass er zum Beispiel an die AUA verkauft. Da muss man Vorkehrungen treffen. Air Berlin hat auch gesagt, wenn man jetzt so einen hohen Anteil hält, möchte man auch Sicherheiten haben. Für mich und Niki Lauda war das ein logischer Schritt – wir haben uns für einen Partner entschieden, den man nicht einfach über Nacht austauschen kann.