Verfasst am: 10.07.11 08:03
Von: Martin Metzenbauer
Sommergespräch mit Doris Köpf-Szankovich
Die Lauda Air Geschäftsführerin im Interview mit Austrian Aviation Net.
Die heiße Jahreszeit hat unser Land erreicht - und damit auch die heurige Sommergespräche-Saison. Passend zum Ferienbeginn stellt sich dabei unsere erste Interviewpartnerin dar: Doris Köpf-Szankovich, Geschäftsführerin der Austrian Airlines-Chartertochter Lauda Air.
Die Karriere von Köpf-Szankovich bei der AUA begann 1981 als Buchhalterin. Von 1984 bis 1989 versah sie ihren Dienst im Stadtbüro, 1989 wechselte sie zur damaligen Chartertochter Austrian Air Transport und war dort als Charterreferentin für Kundenbetreuung und Verkauf zuständig. Im Jahr 1999 avancierte sie zur Sales und Marketing-Leiterin bei Lauda Air, 2010 wurde sie zur Geschäftsführerin der AUA-Tochter bestellt. Sie leitet ein Team von derzeit 24 Personen. 2010 waren mehr als 730.000 Passagiere mit Lauda Air Charterflügen unterwegs.
Austrian Aviation Net: Welche Bedeutung hat die Marke "Lauda Air" in Ihren Augen noch, nachdem Ihnen der Namensgeber und auch die meisten eigenen Flugzeuge abhanden gekommen sind?
Doris Köpf-Szankovich: Ich denke, dass die Marke noch immer eine gut eingeführte Brand im Upmarket-Segment ist. Wir haben auch alles getan, um das aufrecht zu erhalten. Man hat hier mit der Subbrand "The Austrian way to holidays" einen guten Weg gefunden, um hier die Nähe zum Mutterkonzern zu finden. Ich glaube, dass das eine sehr gute Lösung ist. Lauda Air ist immer noch für den Kunden der beste Weg in den Urlaub zu fliegen.
Austrian Aviation Net: Kommt es manchmal noch vor, dass Passagiere fragen ob der Chef heute selber fliegt?
Doris Köpf-Szankovich: Ja. Aber das tut doch nicht weh. Er hat diese Airline gegründet und das ist in Ordnung. Das wichtigste für den Passagier ist allerdings, wie wohl er sich an Bord fühlt. Er hat vielleicht für den Flug etwas mehr bezahlt, aber das war es wert. Uns geht es darum, das dem Kunden zu versprechen und zu halten.
In den letzten Jahren ist es uns gelungen, dem Kunden zu sagen: "Sie sind uns wichtig und wir begleiten Sie auf dem Weg in den Urlaub und wieder zurück. Und Sie können sicher sein, dass wir Ihnen ein Service ohne Extrakosten bieten, dass Sie ein ausgezeichnetes DO&CO-Essen bekommst und dass Sie eine perfekte Crew haben, die Sie betreut." Und das ist es.
Austrian Aviation Net: Was zeichnet einen Ferienflug mit Lauda Air gegenüber dem Mitbewerber aus?
Doris Köpf-Szankovich: Wir sind sehr bemüht, den Wünschen unserer Kunden zu entsprechen. Es ist auch ein ganz wesentlicher Aspekt, sich hineinzuversetzen, dass der Kunde auf dem Weg in den Urlaub eine ganz andere Erwartungshaltung hat. Man freut sich darauf, hat vorher vielleicht noch eine Diät gemacht, um in den Bikini zu passen und genießt dann gleich einmal das Essen. Man hat vielleicht mehr Bedürfnis, mit der Crew zu kommunizieren als auf einem Business-Flug. Der Passagier hat auch keine Extrakosten, es wird weder für Bier oder Wein bezahlt, wir haben nach wie vor je nach Streckenlänge sogar ein warmes Essen mit Menu Choice. Und das alles macht diesen Flug aus!
Vor ein paar Wochen haben wir die Sitzplatzreservierung im Internet unter www.laudaair.com implementiert. Damit kann jeder Kunde – auch wenn er den Flug als Pauschalangebot über einen Reisveranstalter gebucht hat – gegen einen Kostenbeitrag einen Sitzplatz reservieren. Dadurch bieten wir ein weiteres Service, das es anderswo nicht gibt. Nichts desto trotz kann der Kunde natürlich 24 Stunden vor Abflug online einchecken und sich hier kostenlos nach Verfügbarkeit einen Sitzplatz aussuchen.
Wichtig ist auch, dass es weitere Services kostenlos gibt – beispielsweise den Vorabend-Check In. Auch beim Sportequipment kann man vieles kostenlos mitnehmen – zum Beispiel ein Golfbag wenn es rechtzeitig angemeldet ist und es nicht mehr als 15 Kilogramm hat. Wir versuchen hier sehr spezifisch auf die Kundenwünsche das Produkt abzustimmen – und das unterscheidet uns, glaube ich, schon sehr.
Austrian Aviation Net: Ist es für Sie als Geschäftsführerin nicht frustrierend, wenn man sich die Passagierstatistik der letzten Jahre ansieht? Sie haben ja jetzt weniger als die Hälfte der Passagiere als noch vor drei Jahren, da viel Kapazität vom Charter auf die Linie verschoben wurde.
Doris Köpf-Szankovich: Wenn Sie mir diese Frage stellen, schaue ich Ihnen in die Augen und sage Ihnen ganz klipp und klar: Nein! Ich messe den Erfolg nicht an Passagierzahlen, sondern an der wirtschaftlichen Leistung. Ganz ehrlich: Ob man jetzt den größten Marktanteil hat und die meisten Passagiere "produziert" – das sehe ich nicht als Ziel. Mein Ziel ist es, Lauda Air als gesunden Teil dieses Konzerns zu führen und einen guten Wertbeitrag abzuliefern und Arbeitsplätze abzusichern.
Austrian Aviation Net: Können Sie uns Geschäftszahlen nennen oder bestätigen, dass die Lauda Air profitabel arbeitet?
Doris Köpf-Szankovich: Ich bitte um Verständnis, dass wir keine Zahlen bekannt geben.
Austrian Aviation Net: Wie funktioniert eigentlich die Aufteilung der Flugzeuge zwischen Austrian Airlines und Lauda Air, wo es ja nur noch eine dedizierte Lauda Air-Maschine gibt und Sie auf den AUA-Flugzeugpark zugreifen?
Doris Köpf-Szankovich: Das ganze läuft unter dem Titel "dynamische Planung", die in enger Abstimmung mit der Netzwerkplanung der Linie funktioniert. Das ist eine Geschichte, die wirklich gut funktioniert. Die Lauda Air ist ein Team von "alten Hasen". Wir kennen unser Volumen und wir wissen, was wir in etwa brauchen. Diesen Bedarf melden wir an und dann gibt es Abstimmungsgespräche.
Was wir damit geschafft haben ist, dass es keine fix zugeordneten Maschinen mehr gibt, sondern solche die variabel zwischen Linie und Charter eingesetzt werden können. Wie Sie sich vorstellen können, erhöht das die Crew- und Aircraft Utilization enorm. Natürlich können wir auch kurzfristig mit der Linie sprechen, wenn wir einen Einzelcharter durchführen wollen.
Austrian Aviation Net: Wenn die Kapazitätsauflagen wieder wegfallen und wieder mehr Charter geflogen werden kann – wollen Sie dann nicht doch wieder Marktanteile zurückgewinnen, die Sie ja jetzt hauptsächlich an NIKI verloren haben? Natürlich unter der Voraussetzung der Profitabilität.
Doris Köpf-Szankovich: Da haben Sie genau das Schlüsselwort gesagt. Wachstum ohne Wirtschaftlichkeit macht keinen Sinn. Und sind wir uns ehrlich: Wir reden beim Chartersegment nicht von einem wachsenden Markt. Jeder der das sagt, lügt sich selber in den Sack. Im Moment ist es sicher von Vorteil zu sagen, dass man die Kapazität hat, die man auch gut absetzen kann und das auch sowohl für die Veranstalter als auch für die Fluglinie Sinn macht.