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Sommergespräch mit Johannes Gatterer

Der Flughafen Klagenfurt ist mit seinen zuletzt rund 425.000 Passagieren zwar der kleinste unter den österreichischen Verkehrsflughäfen - trotzdem nimmt er sowohl für die Wirtschaft als auch den Incomingtourismus in der Region eine wichtige Rolle...

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Verfasst am: 26.07.11 16:34

Von: Martin Metzenbauer

Sommergespräch mit Johannes Gatterer

Fotos: Martin Metzenbauer

Der Flughafen Klagenfurt ist mit seinen zuletzt rund 425.000 Passagieren zwar der kleinste unter den österreichischen Verkehrsflughäfen - trotzdem nimmt er sowohl für die Wirtschaft als auch den Incomingtourismus in der Region eine wichtige Rolle ein. Austrian Aviation Net traf den Geschäftsführer des Kärnten Airport, Johannes Gatterer zum zweiten Sommergespräch dieser Saison.

Austrian Aviation Net: Wie würden Sie jemandem, der nicht aus Österreich kommt, den Flughafen Klagenfurt beschreiben?

Johannes Gatterer: Unter den sechs österreichischen Flughäfen ist Klagenfurt einer der fünf regionalen Airports. Eigentlich ein Sekundärflughafen, der aber eine wichtige Funktion für eine kleine Region hat. Einerseits für den Incoming-Tourismus, andererseits für die Kärntner Wirtschaft, die den Flughafen als Gateway nach Europa und in die ganze Welt sieht. Genau diese Funktion erfüllen wir auch.

Wir sind mit Wien und München an den Netzwerkverkehr angebunden und mit einigen anderen Verbindungen im Low Cost-Segment präsent. Für unsere Marktgröße sind wir als kleiner, serviceorientierter Flughafen gut aufgestellt. Hinter den Kulissen sind wir dabei trotzdem am letzten Stand der Technik und können den internationalen Vorgaben gerecht werden.

Austrian Aviation Net: Sie haben die Low Cost Carrier angesprochen – seit einigen Jahren setzen Sie ja sehr auf dieses Segment, insbesondere auch auf Ryanair. Jetzt ist aber bekannt, dass Ryanair ein eher „flatterhafter“ Partner ist, der schnell einmal Linien aufnimmt, aber auch wieder einstellt. Wie geht es Ihnen mit dem Partner Ryanair?

Johannes Gatterer: Wir haben begonnen, 2001 mit Ryanair zu reden. Damals hat man dort wirtschaftliche Vorstellungen von unserem Markt gehabt, die einfach nicht nachvollziehbar waren. Ein Jahr später sind wir dann auf eine vernünftige Basis gekommen. Danach begann Ryanair, täglich nach London zu fliegen. 2004 ist dann Frankfurt-Hahn dazugekommen und sogar Rom-Ciampino. Und irgendwann war wieder Schluss – „flatterhaft“, wie Sie gesagt haben.

Zum damaligen Zeitpunkt hat das einen Grund gehabt: Täglich zu fliegen war einfach für den Markt zu viel. Da haben Auslastung und Yield nicht gestimmt und Ryanair hat gesagt: „Das können wir uns nicht leisten“. Wir haben uns diesbezüglich aber nie mit Ryanair auf einen Streit eingelassen, sodass wir dann 2006 wieder mit London starten konnten. Etwas später ist dann wieder Frankfurt-Hahn und außerdem die beiden Winterdestinationen Stockholm-Skavsta und Göteborg dazu gekommen. Frankfurt-Hahn ist jetzt wieder weg, weil die Nachfrage zu gering war.

Insgesamt ist Ryanair mit dem Geschäftsmodell knallhart, damit aber eigentlich sehr gut unterwegs. Ich könnte nicht sagen, dass sie unseriös wären. Sie sind ein bisserl „flatterhaft“, das ist korrekt, aber im Grunde genommen hat Ryanair immer klare Positionen und strikte Geschäftsabläufe an die sie sich auch halten. Ryanair ist dadurch ein berechenbarer Partner.

Ryanair: Für Gatterer ein "berechenbarer Partner".

Austrian Aviation Net: Andere Low Cost Partner von Ihnen sind Air Berlin und Germanwings. Wie zufrieden sind sie mit denen – oder sie mit Ihnen?

Johannes Gatterer: Abgesehen von der aktuellen Diskussion mit Air Berlin, die aufgrund der gestiegenen Sicherheitsgebühren, der neuen Luftfahrtsteuer und der hohen Kerosinpreise sowie der gesunkenen touristischen Nachfrage ihre Flüge nach Klagenfurt derzeit nicht kostendeckend betreiben kann und über eine Einstellung nachdenkt, haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Low Cost Carriern.

Im Grunde genommen funktionieren ja die Geschäftsmodelle bei allen gleich. Es gibt da keine großen Überraschungen und wir führen eine offene Diskussion, bei der nichts beschönigt oder unter den Tisch gekehrt wird. Debatten zu Abläufen, Bedingungen, Angeboten, Gegenangeboten usw. finden nicht statt – für so etwas ist im Low Cost Bereich offensichtlich keine Zeit. Mir persönlich ist so etwas lieber als ein ewiges Gerede, bei dem man nicht zum Kern der Sache kommt.

Ich kann also zu den drei Low Cost Airlines sagen, dass sie sehr gute Partner sind, die wir auch sehr schätzen und mit denen wir seit Jahren kooperieren.

Austrian Aviation Net: Am längsten arbeiten Sie aber mit Austrian Airlines zusammen. Vor ein paar Monaten gab es Diskussionen bezüglich der Zubringerstrecken nach Wien, die gekürzt bzw. gestrichen werden sollten. Jetzt ist es so, dass die AUA viermal täglich zwischen Wien und Klagenfurt fliegt. Der Morgenflug wurde auf 6 Uhr vorverlegt, was für die Kärntner Passagiere viele Vorteile bringt. Sind Sie mit dem Produkt von Austrian Airlines hier in Klagenfurt zufrieden oder könnte da „mehr“ sein?

Johannes Gatterer: Die AUA ist ein langjähriger, wirklich verlässlicher Partner und garantiert ja auch die Anbindung nach Wien. Das waren ja einmal sechs Flüge pro Tag, die dann auf fünf Frequenzen reduziert wurden. Wenn man sich die Nachfrage und auch die Notwendigkeit ansieht, dann sind wir jetzt mit vier täglichen Rotationen bei einem vernünftigen Produkt.

Was wir uns von der AUA wünschen ist, dass man die Konkurrenz von Laibach etwas stärker berücksichtigt. Tatsache ist, dass die Adria zu sehr kostengünstigen Tarifen nach ganz Europa fliegt und dass viele Kärntner – vor allem Business-Reisende – nach Laibach ausweichen. Man sollte also die räumliche Nähe zu diesem Konkurrenten etwas stärker einkalkulieren und das Preismodell entsprechend justieren.

Austrian Aviation Net: Die einzigen Verbindungen von AUA und Lufthansa führen nach Wien und München. Ist da Ihrer Meinung nach noch Platz für zusätzliche Destinationen

Johannes Gatterer: Man muss die Kleinheit des Marktes berücksichtigen. Aus Sicht des Airports hätten wir natürlich gerne jede Menge Verbindungen mit vielen Partnern. Nur sitzt dann niemand in den Flugzeugen drinnen – das haben wir ja schon erlebt. Eigentlich sollten wir am Boden bleiben und uns im Klaren sein, dass wir über Wien und München in die ganze Welt kommen. Die Wirtschaft würde sich allerdings Frankfurt statt München wünschen.

Lufthansa und Air Berlin sind (mit ihren Töchtern und Partnern) neben Ryanair am Flughafen Klagenfurt tonangebend.

Austrian Aviation Net: Gibt es neben Frankfurt noch weitere für Kärnten interessante Destinationen, die derzeit nicht bedient werden?

Johannes Gatterer: In unseren Diskussionen mit der Tourismuswirtschaft werden immer wieder die Niederlande genannt. Natürlich ist auch Skandinavien ein Thema. Und auch Moskau ist interessant – allerdings nur im touristischen Sinne.

Eines wäre bei diesen Zielen aber ganz klar: Die Tourismuswirtschaft müsste in all diesen Ländern eine Vorreiterrolle haben und Kooperationen mit Reiseveranstaltern gestartet sowie Kontingente zur Verfügung gestellt werden. Dann könnte so etwas funktionieren. Nur von Klagenfurt irgendwo hin zu fliegen, würde nicht klappen.


 
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