Verfasst am: 02.10.11 13:15
Von: Patrick Kritzinger
Aviation Management: Die Ausbildungswege
Immer mehr Fachhochschulen und Universitäten weltweit nehmen die Studienrichtung „Aviation Management“ momentan in ihr Portfolio auf – Grund genug für Austrian Aviation Net, die Programme der einzelnen Institutionen im deutschsprachigen Raum genauer unter die Lupe zu nehmen. Passend zum Semesterstart eine Analyse der Ausbildungswege zum Airline- oder Airportmanager.

Fotos: AirTeamImages.com
Neben der Ausbildung zum Zivilpiloten oder Flugzeugtechniker, die oft als klassischer Einstieg in die Luftfahrtbranche angesehen werden, erfreut sich seit einigen Jahren die neu geschaffene Studienrichtung mit Namen „Aviation Management“ zunehmender Beliebtheit. Hierbei handelt es sich gewissermaßen um ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, deren Inhalte unter anderem auf einen Beruf in der Verwaltung bei einer Fluggesellschaft, einem Flughafenbetreiber oder einem Logistikunternehmen vorbereiten sollen. Um einen möglichst praxisnahen Unterricht zu gewährleisten, werden jene Ausbildungen zudem zumeist in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Luftfahrtverkehrsindustrie angeboten, die wiederum auf junge hochqualifizierte Arbeitskräfte zurückzugreifen können, sobald jene ihren Bachelor beziehungsweise Master abgeschlossen haben.
EBS Business School in Oestrich-Winkel, Deutschland
Die EBS Business School, die in einem „Schloss“ in der Nähe von Wiesbaden untergebracht ist, gehört zu einer der wenigen Universitäten, die „Aviation Management“ als Bachelorstudiengang im Programm haben. Praktika beziehungsweise eine „duale Ausbildung“ in Kooperation mit einem Partner aus der Luftverkehrsindustrie (wie zum Beispiel mit Lufthansa, bei der man neben dem Studium gleichzeitig zum Luftverkehrskaufmann aufsteigen kann) sind bei entsprechender Zusage des Unternehmens ebenfalls möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Wie bei den meisten anderen Anstalten auch, werden hier die Vorlesungen fast ausschließlich in englischer Sprache abgehalten.
Unglücklicherweise sind auf dem Gelände der Universität keine Studentenwohnungen vorhanden und so kann es vorkommen, dass in den Nachbargemeinden, die teilweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht besonders gut zu erreichen sind, zu Beginn des Semesters alle Zimmer bereits vermietet sind, weshalb man sich, laut EBS, am Besten schon bereits vor seiner Zu- beziehungsweise Absage um ein Dach über dem Kopf kümmern sollte.
Bachelor of Science in Aviation Management
Der Studiengang, der mit dem akademischen Titel „Bachelor auf Science“ abschließt, sieht sechs Semester vor, von denen fünf im Inland, sowie eines im Ausland absolviert werden müssen. In dieser Zeit sind für den erfolgreichen Abschluss des Studiums durch die Teilnahme an Lehrveranstaltungen 200 ECTS credits zu sammeln.
Mit 55 Prozent stellt der Bereich „General Management“ (vergleichbar mit der klassischen Betriebswirtschaftslehre) den Hauptschwerpunkt des Curriculum dar. 40 Prozent fallen auf differenzierte Vorlesungen zum „Aviation Management“ und die restlichen fünf Prozent auf „Personal Development“. Zu jenem „Aviation Management“ Modul zählen unter anderem interessante Vorlesungen zum Thema „Airline Marketing“, „Network Management“, „Airline Business Models and Strategies oder „Aviation Law & Policy“.
Aufnahmeverfahren
Die Aufnahme an der EBS gestaltet sich für Gymnasiasten, die nicht mit dem Abitur, sondern wie bei uns mit der Matura abschließen, leider vergleichsweise schwierig. Neben dem sogenannten TOEFL-Test, einem Zertifikat der englischen Sprache, das von allen Bewerbern verlangt wird, muss zudem an einem schriftlichen zweistündigen Test, der aus einem Mathematik- und einem Logikabschnitt besteht, teilgenommen werden. Bei Schülern eines deutschen Oberstufengymnasiums werden stattdessen die Abiturnoten anerkannt. Außerdem ist ein Gespräch (POAV) mit einem geschulten Interviewer der Akademie Pflicht, das über die „Soft Skills“ der Bewerber und ihre individuellen Charaktermerkmale Aufschluss geben soll.
Studiengebühren
Die Studiengebühren betragen momentan 5,750 Euro pro Semester, verschiedenste Möglichkeiten zur Studienfinanzierung werden jedoch von der Privatuniversität angeboten.
Interview mit einem Studenten der EBS
Austrian Aviation Net: Wie sieht das Aufnahmeverfahren an der EBS tatsächlich aus und wie viele Studienplätze werden pro Jahr für den Studiengang Aviation Management angeboten?
EBS-Student: Es gibt im Aviation Bereich etwa 20 bis 25 Plätze pro Jahr, wovon in der Regel circa 18 bis 20 Studierende über die Lufthansa ihren Platz bekommen. Der Rest bewirbt sich direkt bei der EBS. Wenn man sich entscheidet, das über die Lufthansa zu machen, muss man sich bei denen bewerben und neben einem Aufnahmetest direkt an der EBS auch einen bei der Airline machen. Jener an der Universität besteht aus einem schriftlichen Teil (Mathe, Englisch, Logik/Reasoning), der auf jeden Fall machbar ist, wenn man sich konzentriert vorbereitet und den Mathematikstoff vor allem aus der Oberstufe beherrscht. Wenn man den schriftlichen Teil bestanden hat, wird man zum POAV eingeladen, einem Tag mit zwei persönlichen Interviews durchgeführt von EBS Professoren und Firmenvertretern. Auch findet an jenem Tag eine Gruppenarbeit statt, bei der man ein aktuelles Thema der Politik oder Wirtschaft behandeln muss. Beim POAV sollte man einfach gut vorbereitet und vor allem man selber sein. Der Unterricht selbst ist zu fast 100 Prozent auf Englisch, nur einzelne Mathe-, Logik- und Steuervorlesungen sind auf Deutsch. Daher braucht man ein TOEFL oder IELTS, das man auch direkt mit dem schriftlichen Aufnahmetest an der EBS machen kann [für das vorgeschriebene Auslandssemester benötigt man jedoch trotzdem das komplette TOEFL-Zertifikat, das bis dahin an einem zertifizierten Institut bestanden werden muss, Anm. d. Red.].
Austrian Aviation Net: Wie kann man sich einen typischen Tag an der EBS vorstellen? Ist der Unterricht wirklich so praxisorientiert, wie er auf der Homepage beworben wird?
EBS-Student: Im Schnitt hat man drei bis vier Vorlesungen am Tag, die je rund eineinhalb Stunden dauern. Die Vorlesungen im Aviation Bereich sind tatsächlich sehr praxisnah, da 90 Prozent von ihnen von Managern der Lufthansa, von anderen Airlines oder Luftfahrtunternehmen gehalten werden, die direkt aus dem Job kommen und so wirklich für einen aktuellen und spannenden Unterricht sorgen. Einer der Dozenten, die eine Vorlesungsreihe halten, ist auch Peter Malanik aus dem Vorstand der AUA. Bei Kursgrößen von 20 bis 25 Leuten profitiert man wirklich von einer persönlichen und fördernden Atmosphäre. Man hat die Möglichkeit, seine persönliche Meinungen zu äußern und Fragen zu stellen, was man sich in einem größeren Umfeld vielleicht nicht trauen würde.
Internationale Fachhochschule Bad Honnef, Deutschland
Etwas weniger elitär zeigt sich die Fachschule Bad Honnef in der Nähe von Bonn. Auch hier ist eine solch eine duale Ausbildung, die sich „study and intensive practice“ in Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa für ausgewählte Bewerber möglich. Dabei haben jene die Gelegenheit neben dem Studium auch Praxiserfahrung in verschiedenen Bereichen bei einer Fluggesellschaft, vom Check-In bis zu den Managementebene, zu sammeln und erhalten eine kleine Vergütung für Reisekosten zu den Einsatzorten und Vorträgen, sowie eine monatliche Unterstützung von rund 550 Euro. Außerdem besteht bei dieser Anstalt die Möglichkeit während des Studiums eine Ausbildung zum Zivilpiloten zu durchlaufen.