Verfasst am: 22.12.11 07:12
Von: Manfred Saitz
Im Gespräch: Thomas Aigner
Der Österreicher hat neue Benchmarks im Bereich der Cockpitvideos gesetzt.

Fotos und Video: AignerMEDIA
Thomas Aigner hat sich nach seiner Karriere als Fernsehmoderator der Faszination Fliegen gewidmet. Mit seiner in München ansässigen Produktionsfirma AignerMEDIA gibt er seit Jahren hochklassige Cockpitvideos heraus, die in mehrfacher Hinsicht neue Standards gesetzt haben.
So werden unter dem Label pilotseye.TV im Cockpit sechs High Definition-Kameras installiert, die den Ablauf aus ebenso vielen Perspektiven beobachten. Ebenso klar wie die Videos ist auch der Ton: Spezielle Aufnahmetechniken geben auch die Gespräche der Flugzeugbesatzungen und den Funkverkehr klar wieder.
Austrian Aviation Net hat Thomas Aigner zum Interview gebeten.
Austrian Aviation Net: Was hat Sie dazu bewogen, Cockpit-Videos zu gestalten und zu vermarkten und was war Ihre erste Produktion?
Thomas Aigner: Der Start für PilotsEYE.tv war ein Flug nach San Francisco mit einer A340 auf der Route MUC-SFO. Das war im Jahr 2005.
Der Kapitän war Jürgen Raps, damals noch Airbus Chefpilot. Und er ist auch der Kapitän 7 Jahre später – ebenfalls wieder nach SFO (FRA-SFO) im Cockpit der A380 auf dem letzten Flug seiner Karriere. Zuletzt in der Funktion des Vorstands Operation Passage.
Austrian Aviation Net: Was hat sich bei pilotsEye.tv seit damals verändert. Welche technischen Fortschritte wurden gemacht?
Thomas Aigner: Bei 7 Kameras und 8 Tonspuren hat man eine Menge Möglichkeiten, die Qualität zu steigern. Bei jedem Flug gibt es eine technische Verbesserung, wie zuletzt der Umstieg auf Full HD Kameras – auch bei den zwei Blicken vom Dashboard auf die Piloten.
Austrian Aviation Net: Mit welchen rechtlichen und bürokratischen Schwierigkeiten haben Sie bei der Vorbereitung Ihrer Produktionen zu kämpfen?
Thomas Aigner: So etwas wie unsere Produktion ist im Betriebsablauf eines Linienfluges nicht vorgesehen. Nach einem Jahr Tüfteln und Ausprobieren waren die richtigen Lösungen gefunden. Dazu gehört zum Beispiel die Tatsache, dass wir unser Equipment nur kleben und ansaugen. Mit speziellen Klebern und Saugnäpfen, die man nachpumpen kann – um auf die Veränderung im Kabinendruck reagieren zu können.
Austrian Aviation Net: Was ist Ihr persönlicher Bezug zur Luftfahrt und welche aviatischen Aspekte interessieren Sie besonders?
Thomas Aigner: Mein erster Cockpitflug war vor über 20 Jahren in einer DC9 von VIE nach LCA (ins Crewhotel). Dabei war mir sofort klar, dass ich diese Faszination eines Tages einfangen will. Ohne zu wissen, wie das ein später gelingen sollte. Aber vielleicht ist es ein Beweis dafür, dass man seine Träume niemals aufgeben sollte.
Bei der Umsetzung interessieren mich alle aviatischen Aspekte, solange sie sich auch allgemeinverständlich erklären lassen.
Flash ist Pflicht!
Austrian Aviation Net: Auf Ihrer zuletzt erschienen Produktion "04 – Los Angeles" begleiten Sie einen Lufthansa-Kapitän auf seinem letzten Umlauf nach Los Angeles mit der Boeing 747-400. Wie ist es zu dieser sehr persönlichen Geschichte gekommen?
Thomas Aigner: Hier hat uns unser guter Ruf in der Branche sehr geholfen. Und das Angebot, den letzten Flug des Flottenchefs zu filmen – der nach 38 Dienstjahren zum letzten Mal in FRA landet –, kann man sich nicht entgehen lassen. Bei diesem Dreh hat auch ein wenig das Gefühl mitgeschwungen, wie es früher die Hofmaler gehabt haben müssen, die für die Ahnengalerie zuständig waren. In dieser Folge konnten wir auch ein Stückchen Lufthansa-Geschichte einfangen.
Vielleicht ganz interessant ist auch die Tatsache, dass dieser Kapitän, Norbert Wölfle, einer der ersten re-integrierten Piloten sein wird, der nach dem EU-Entscheid gegen das Berufsende mit 60, wieder in Dienst geht. Dann aber als "ganz normaler Jumbo-Kapitän".
Austrian Aviation Net: Die Boeing 747-400 ist bisher das größte Flugzeug, dessen Betrieb Sie auf Ihren DVDs festgehalten haben. Gibt es Pläne, eine Produktion mit dem Airbus 380 zu gestalten?
Thomas Aigner: Für unseren Film mit der A380 haben wir insgesamt 3 Jahre gedreht. Es begann in der Fabrik in Toulouse und im Simulator, geht über die Touch'n go Flüge in LEJ, die Alternate Tour, die uns auch nach VIE geführt hat, und endet mit dem "normalen Flug" FRA-SFO-FRA. Dabei durfte der Kapitän auch seinen Traum verwirklichen, einmal mit seiner Harley über den Apron nach Hause zu fahren.
Austrian Aviation Net: Sie haben bisher bei drei DVDs mit Austrian Airlines zusammengearbeitet. Gibt es hier Pläne für eine weitere Kooperation?
Thomas Aigner: Für mich als Österreicher in Deutschland sind diese Filme natürlich etwas besonders Heimatliches. Die Zusammenarbeit war und ist professionell und angenehm. Es besteht das Angebot für weitere Flüge.
Austrian Aviation Net: Bisher haben Sie sich auf Fluggesellschaften aus dem deutschsprachigen Raum beschränkt. Haben Sie vor, auch mit Airlines außerhalb von D/A/CH zusammenzuarbeiten?
Thomas Aigner: Natürlich, wenngleich ich aber zugeben muss, dass wir noch ein paar Flüge mit anderen deutschsprachigen Fluglinien vorhaben. Die gemeinsame Muttersprache erleichtert eine solch aufwändige und manchmal auch schwierige Produktion allerdings ungemein.
Austrian Aviation Net: Aktuell befinden Sie sich kurz vor der Veröffentlichung einer Rotation mit einem Swiss Airbus 340 nach Shanghai. Worauf darf man sich bei dieser DVD freuen?
Thomas Aigner: Wie in der Fliegerei üblich nenne ich Ihnen die Headlines mal abgekürzt:
- Route: ZRHPVG mit dem Chefpiloten der SWISS (A340)
- Engine Out mit Rückkehr nach ZRH (im ersten Versuch)
- Flirt auf FL320
- Kein Cockpit ohne Küchenwecker
- Expo 2011 – am freien Tag besucht
- Vollkreis auf Cruiselevel
- Decompression erklärt
- Der Aralsee oder was davon übrig ist
- Traffic warning am final
- Fuel warning expected
- Tailwind landing
- Bonus: Engine Out – the full story
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