Sommergespräch mit Armin Unternährer
Im vierten Sommergespräch 2011 räumte Armin Unternährer ein, dass die Auslastung der People's Viennaline noch nicht befriedigend sei. Die Business Aviation laufe am Südufer des Bodensees aber überdurchschnittlich gut.

Foto: Roman Payer
Als Geschäftsführer des Schweizer Flughafen St. Gallen-Altenrhein an der Grenze zu Vorarlberg hat sich Armin Unternährer zuletzt mit dem dortigen Platzhirschen Austrian Airlines angelegt. "Als ich 2007 nach Altenrhein gekommen bin, war überall nur AUA-Werbung, der Flughafen war nicht existent", sagte er im Sommergespräch mit Austrian Aviation Net. Mittlerweile sind diese Plakatflächen an seine eigene Airline, die People' Viennaline vermietet. AANet sprach mit Unternährer über den Konkurrenzkampf mit der AUA, über die Luftfahrt in der Bodenseeregion und über seine neuesten Pläne: Mit dem Embraer 170 Charterflüge ab Altenrhein anzubieten.
Austrian Aviation Net: Wir haben bei den heurigen Sommergesprächen schon mit Airlinern und mit Flughafenchefs gesprochen. Mit wem spreche ich heute, mit einem Flughafenchef oder einem Airlinechef?
Armin Unternährer: Immer mit beiden. Vom Verstand und vom Herzen bin ich Chef sowohl vom People‘s Business Airport als auch von der People‘s Viennaline. Unsere Airline wurde ja nicht einfach so hinzugefügt. Mir hat die Abhängigkeit von der AUA immer schon Sorgen gemacht. Als sie dann 2008 in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet, haben wir uns Gedanken gemacht, was wir tun, falls Lufthansa nicht übernimmt. Ein Drittel unseres Einkommens wäre plötzlich weggebrochen. Wir haben damals schon mit Partnern gesprochen, ob jemand die Strecke im Fall des Falles übernehmen könnte. Die Gründung der eigenen Airline voriges Jahr war daher für mich nur eine logische Folge. Es ist also so, dass mir beide Unternehmen am Herzen liegen, einfach weil sie zusammengehören.
AANet: Es ist aber sehr ungewöhnlich, dass man als Flughafen auch eine Airline betreibt…
Unternährer: Ich glaube es ist sogar einzigartig. Das hat uns aber nicht aufgehalten, Neuland zu betreten. Wir sind ja eigentlich dazu gezwungen worden, weil wir so klein sind.
AANet: Die Austrian Airlines haben den Flughafen geklagt, weil sie sich nicht gut genug behandelt fühlten. Den Interessenskonflikt, den Sie als Geschäftspartner und zugleich als Konkurrent haben, kann man nicht abstreiten. Wie gehen Sie damit um?
Unternährer: Für mich gibt es keinen Interessenskonflikt. Als ich 2007 nach Altenrhein gekommen bin, war überall nur AUA-Werbung, der Flughafen war nicht existent. Die Austrian Airlines haben für die Werbeflächen keinen Cent bezahlt, weil sich das geschichtlich so ergeben hatte. Ich habe die Plakatflächen dann an Banken und Versicherungen vermietet. Derzeit sind sie halt an die Viennaline vermietet.
Die People‘s Viennaline muss dieselben Gebühren zahlen wie die AUA, da machen wir keinen Unterschied. Wir führen den Flughafen und die Airline auf den Cent genau als getrennte Firmen, daher sehe ich da auch keinen Interessenskonflikt.
AANet: Die People’s Viennaline hat vor gut einem halben Jahr den Flugbetrieb aufgenommen. Was hat sich dadurch geändert?
Unternährer: Für die Kunden so einiges: Die AUA hatte jahrelang eine Monopolstellung, die sie in meinen Augen auch missbraucht hatte. Es gab überhöhte Tarife und die Kundenbetreuung war mangelhaft. Als Reaktion auf die neue Konkurrenz wurden die Flugpreise angepasst und für die Passagiere gibt es mehr Flüge zwischen Altenrhein und Wien. Dadurch ist auch das Passagieraufkommen in Altenrhein um 40 Prozent gestiegen.
Wir hatten aber als „Start-Up“ einige Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Uns hat keiner zugetraut, dass wir tatsächlich fliegen und als wir dann in der Luft waren, meinten viele, dass wir das nicht lange durchstehen. Nach einem halben Jahr wird das Vertrauen der Kunden mittlerweile besser. Ich kann nur erneut versichern, dass wir bis 2015 und darüber hinaus durchfliegen werden. Dazu haben wir den finanziellen Background.
AANet: In den Sommermonaten wurden immer wieder Flüge gestrichen. Wie sieht es da im Herbst aus?
Unternährer: Traditionell sind Juli aber vor allem August sehr schwach. Das ist ganz normal auf einer Geschäftsstrecke und war auch schon früher so. Wir haben heuer natürlich ausgedünnt, es würde ja keinen Sinn machen, leer zu fliegen. Jetzt fliegen wir aber wieder die drei täglichen Rotationen und das wird auch den ganzen Winter so bleiben.
AANet: Wo liegt denn die Auslastung der Viennaline derzeit?
Unternährer: Ich habe heute Morgen noch nachgesehen und da war die Auslastung in den ersten Septembertagen bei 40 Prozent. Das ist sehr schön aber noch nicht befriedigend. Das wird sich noch verbessern. Die Vorausbuchungen stimmen uns optimistisch, wobei es für uns schwierig ist, das zu beurteilen, weil wir keine Erfahrungswerte haben und Geschäftsreisende tendenziell eher kurzfristig buchen.
AANet: Dass die Viennaline bei 40 Prozent Auslastung rote Zahlen schreiben muss, ist relativ klar. Wie sieht aber auf Holding-Sicht: Belastet die Airline das Gesamtergebnis?
Unternährer: Genaue Zahlen möchte ich hierzu nicht nennen. Dem Flughafen helfen die zusätzlichen Rotationen natürlich. Aber wie es unterm Strich für 2011 aussehen wird, kann ich während des Jahres noch nicht sagen.
AANet: Ganz konkret: Ist die Viennaline für die Holding, die Altenrhein Realco AG, eine Belastung, ja oder nein?
Unternährer: Im Moment ist es gesamtwirtschaftlich noch eine leichte Belastung. Das ist so.
AANet: Gibt es eigentlich Überlegungen den Embraer-Jet stärker einzusetzen?
Unternährer: Ja, natürlich. Wir sind im August auch schon einen Einzelcharter nach Split geflogen. Unsere Priorität lag aber zu Beginn auf der Linienstrecke. Wir wollten zuerst die Operation nach Wien sauber fliegen, aber es ist ganz klar, dass wir uns in neue Geschäftsfelder vorwagen. Wir werden und müssen auch zusätzliche Charterflüge anbieten, seien es jetzt Einzelflüge oder ganze Ketten im Winter oder nächsten Sommer.
AANet: Das ist fix?
Unternährer: Ja, das machen wir definitiv. Wir müssen unser Flugzeug aber auch unsere Crews besser auslasten. Im Herbst werden wir noch zwei oder drei weitere Einzelcharter fliegen. Bisher haben wir die meisten Anfragen abgelehnt, weil wir uns auf das Kerngeschäft konzentrieren wollten. Jetzt läuft die Wien-Rotation wie eine Schweizer Uhr, daher gehen wir Schritt für Schritt in Richtung Charter. Derzeit behandeln wir eben diese Einzelanfragen, schauen uns aber für den Winter auch nach Skicharterflügen um und für die Sommerkataloge stehen wir in Verhandlungen mit den Reisebüros.