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Verfasst am: 19.09.11 10:08 Von: Martin Metzenbauer
MPL-Ausbildung in Österreich genehmigt
Interview mit AeronautX-Chef Jörg Oberhofer zum Start des ersten MPL-Lehrganges in Österreich.
 Foto: AeronautX
Die Flugschule AeronautX mit Sitz am Flughafen Linz geht einen neuen Weg in der Ausbildung von Linienpiloten. Gemeinsam mit NIKI startet demnächst erstmals in Österreich ein sogenannter MPL-Kurs, bei dem vermehrt auf Ausbildung am Simulator und Training der Zusammenarbeit im Zwei-Mann-Cockpit Wert gelegt wird.
Aufgrund der Tatsache, dass diese neue Art der Ausbildung in Österreich komplett neu ist, hat auch die Genehmigung etwas länger gedauert als ursprünglich geplant. Am heutigen Montag ist das ersehnte Bescheid bei AeronautX eingelangt - der erste Kurs kann also demnächst starten.
Austrian Aviation Net führte mit AeronautX-Chef Jörg Oberhofer ein Interview zu diesem Thema.
Austrian Aviation Net: Was genau ist MPL?
Jörg Oberhofer: MPL steht für Multi-Crew Pilot Licence und soll Pilotenschüler in einem zeitgemäßen Trainingsprogramm auf Ihre Aufgaben als Copilot in einem Verkehrsflugzeug vorbereiten. Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass ein Großteil der Praxis in hochwertigen Simulatoren für Verkehrsflugzeuge (Multi-Pilot Aeroplanes) durchgeführt wird. Es ist ein anderer Weg, um das das gleiche Ziel zu kommen.
Ein MPL-Kurs ist in 4 Phasen unterteilt. In der Phase 1 geht es um Basiskenntnisse und -fähigkeiten im Sicht- und Instrumentenflug. In der Phase 2 wird die Zusammenarbeit und Koordination im Zwei-Piloten-Umfeld erarbeitet und trainiert. In der dritten Phase wird eine Schulung in High Performance Jet-Simulatoren durchgeführt. Die Phase 4 schließlich findet in den Flugzeugen von NIKI selbst bzw. in den Typensimulatoren statt.
Austrian Aviation Net: Welche Vor-/Nachteile gegenüber einer klassischen Verkehrspilotenausbildung gibt es?
Jörg Oberhofer: Aus unserer Sicht gibt es keine Nachteile. Der Vorteil liegt in der sehr umfangreichen und gründlichen Vorbereitung auf "Zwei-Piloten-Betrieb". Das ist ja das tägliche Leben eines Piloten.
Austrian Aviation Net: Warum wird diese Art der Ausbildung trotzdem von manchen kritisiert?
Jörg Oberhofer: Wir waren anfänglich auch ein wenig skeptisch, ob eine Ausbildung mit stark reduzierten aktuellen Flugstunden, zu einem guten Ergebnis führen kann. Die Global Players haben MPL ja auch angedacht in 12 Monaten fertig zu machen. Da hatten auch wir massive Bedenken. Ich denke, dass die Vorbehalte in erster Linie daher rühren, dass die Kritiker zu wenig über das Programm wissen. Unser MPL-Programm erfüllt zum Beispiel alle Einzelbedingungen für PPL/IR und CPL. "Nur" die Soloflugstunden werden durch Instrumentenflugübungen am Simulator ersetzt.
Austrian Aviation Net: Wie sieht die MPL-Ausbildung bei AeronautX konkret aus? Wie lange dauert sie?
Jörg Oberhofer: Die Phasen 1 und 2 finden bei uns in Linz statt, die Phasen 3 und 4 werden von Fluglehrern von NIKI in den jeweiligen Typensimulatoren für Airbus 320 oder Embraer 190 durchgeführt. Diese Konstellation bieten uns den höchmöglichen Qualitätslevel, weil sich jeder - NIKI und AeronautX - auf seine Kernkompetenzen im Trainingsbereich konzentrieren kann. Die Kursdauer ist mit 18 Monaten veranschlagt.
Austrian Aviation Net: Wie wird die Selektion vorgenommen? Was sind wichtige Selektionskriterien?
Jörg Oberhofer: Die Selektion ist mehrstufig und wird mit einem bewährten Testsystem durchgeführt. Am Ende steht ein persönliches Gespräch. Details sind auf der AeronautX Homepage veröffentlicht.
Austrian Aviation Net: Die Ausbildung ist ja nun offiziell bewilligt. Warum gab es hier Verzögerungen?
Jörg Oberhofer: Nachdem es sich um die erste Zulassung eines derartigen Kurses in Österreich handelt, hat es diesbezüglich Verzögerungen im Zeitplan gegeben. Eine spezielle Herausforderung bei dieser Ausbildungsform war sicherlich, zwei unterschiedliche Unternehmensorganisationen unter ein gemeinsames "Dach" zu stellen. Nachdem wir heute die Bewilligung erhalten haben, können wir im Herbst den ersten "echten" MPL durchführen.
Austrian Aviation Net: Werden Absolventen automatisch bei NIKI eingestellt?
Jörg Oberhofer: Alle Kursteilnehmer erhalten vor Beginn der Ausbildung eine Zusage, dass sie im Flugbetrieb von NIKI zum Einsatz gelangen und in ein unbefristetes Dienstverhältnis übernommen werden.
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